Cyclist DEV

Auch in der kalten Jahreszeit ist der fleißige Cyclist abseits des Schneeschaufelschwingens um seinen sportlichen Ausgleich bemüht.

Dieses Bemühen spiegelt sich je nach Wetter, Lust und Laune in diversen Aktivitäten wie Langlaufen oder eben lang Laufen wieder. Folgendes Problem tut sich nun auf: Man läuft 2 Stunden durchs Gelände und schnauft so mit 60 % gemütlich vor sich dahin, während die Muskulatur die ständigen Stöße und Erschütterungen nicht wirklich gewöhnt ist und muskuläre Verletzungen wie z.B. eine Wadenzerrung eine mögliche Folge sind.

Kürzlich genau so geschehen, als ich nichtsahnend aufgrund der ungewohnten Belastung wirkliche Probleme ausgefasst habe. Langer Rede kurzer Sinn: Zwangs-Trainingspause – echt unsuper.

 

 

Zum Glück kenne ich für solche Fälle richtig kompetente Jungs, die ich mal um Rat anhauen kann. Einer davon ist Tom Mauerhofer, ein äußerst potenter Ultra-Cycler, der seit kurzem bei Bauerfeind tätig ist. Eine Firma, die unter anderem Kompressionsstrümpfe herstellt. Derartiges Beinkleid wird von so ziemlich jedem Spitzensportler in so ziemlich jeder Sportart verwendet, also muss das ja auch was für mich sein ;P
Mit Omas Stützstrümpfen hat diese moderne Funktionsbekleidung aber nicht mehr viel zu tun. Sinn und Zweck dieser Hightech-Fasern ist, die Kompression der Muskulatur zu unterstützen, damit für einen besseren Rückfluss des venösen Bluts zum Herzen zu sorgen, dadurch die muskuläre Ausdauerleistung zu erhöhen und auch eine schnellere Regeneration zu ermöglichen. Für den laufenden Radfahrer spielt noch was anderes eine wichtigen Rolle: Die beim Laufen ständig auftretenden Erschütterungen der Muskulatur und der damit verbundene Eiweißausschüttung werden unterbunden und man läuft im wahrsten Sinne des Wortes nicht so schnell Gefahr, sich Verletzungen zu zuziehen.

 

Zur Praxis

 

Ich habe zum Testen ein Paar kniehohe, giftgrüne Stutzen bekommen und bin gespannt, ob sich die Theorie in der Praxis bewährt.

Das Anziehen gestaltet sich wenig fummelig und mit einem kleinen Trick sind die Socken auch gleich da, wo sie hingehören. Sind sie mal angezogen, sitzen sie wie eine zweite Haut. Der Fuß selbst, die Ferse und der Achillessehnenansatz sind von der Kompression ausgenommen. Da wo es wichtig ist, hält alles entsprechend stramm aber nicht unangenehm zusammen. Die Kompression ist spürbar, fühlt sich aber von Beginn an gut an. Der erste Eindruck passt. Aber nichts anderes darf man von einem Beinkleid in dieser Preisklasse erwarten.

 

Unterwegs

 

Auf zur Laufrunde. Und da wir anständig testen wollen, stehen gleich 18 äußerst hügelige Trail-Kilometer am Programm. Subjektiv fühlen sich die Beine äußerst leicht und bewegungsfreudig an, vor allem bergauf werde ich gefühlt meinem Sternzeichen – Steinbock – gerecht. Auch nach einer Stunde und am 3. Hügel habe ich nicht, wie sonst so oft, Probleme mit den Waden. Kein Brennen, kein krampfendes Gefühl. Ich laufe im Winter so 2x in der Woche und hab stets mit der doch recht ungewohnten Belastung der Beine zu kämpfen. Dass es diesmal anders ist, liegt vielleicht daran, dass ich mich körperlich recht gut fühle, aber auch die Funktion der Beinkleider wird hier seinen Teil beitragen. Ähnliches hab ich auch vor ein paar Jahren bei meinen ersten Radhosen mit definierter Kompressionswirkung erlebt.

 

 

Regeneration

 

Durch die Entlastung der Wadenmuskulatur bei gleichzeitiger Unterstützung der venösen Durchblutung sollen die Stutzen auch zur Regeneration nach hohen Belastungen aktiv beitragen. Rein optisch sind meinen grünen Wunderwuzzis nur schwerlich salonfähig, aber mit einem dünnen, dunklen Paar Socken darüber oder auch unter der langen Hose versteckt gehts auf zum 8, 9, 10 oder so Stunden Arbeitstag. Das Sitzen am Schreibtisch selbst hat mich grundsätzlich nie gestört, dass ich letztlich am Abend doch immer müde Beine hatte, wurde mir erst durch das probeweise Tragen der Socken bewusst. Vor allem dann, wenn am Wochenende (zu) viele Kilometer am Programm standen.

 

 

Fazit

 

Ich bedanke mich bei Tom und Bauerfeind für das Testpärchen mit der gewöhnungsbedürftigen Farbe. Ich muss schon sagen, dass ich überrascht bin, welche Entwicklungen in der funktionalen Kleidung in den letzten Jahren passiert sind. Funktionell sind die Socken wirklich. Sowohl im aktiven Einsatz – vor allem wenn es um die Verletzungsprävention geht – als auch im passiven, regenerativen Bereich. Fesch sind sie halt nicht, und das liegt nicht nur an der Farbe. Am Bike kann ich mir dieses Beinkleid für mich (noch) nicht vorstellen, dafür müssen Sagan, Froome und Co das ganze Vorleben. Dann würde aber auch der eitle Cyclist die Stutzen am Velo verwenden.

 

Aber woher kommts, dass Radfahrer keine Kompressionsstrümpfe tragen, wenn sich diese in nahezu allen Sportarten durchgesetzt haben? Ganz einfach: Die UCI erlaubt diese nicht. Es geht hierbei wohl darum, dass es bei möglichen Stürzen durch die Reibung beim Schlittern auf Asphalt zu verunreinigten Schürfwunden kommen kann. Dass jeder Profi nach der Belastung aber sofort in seine Strapse schlüpft, wissen nur die wenigsten.

 

PS: Natürlich stelle ich hier nur meine subjektive Meinung vor und habe keine wissenschaftlich fundierten Daten zur Verfügung. Meine Meinung ist unbeeinflusst, ich bekomme nichts bezahlt. Naja, stimmt nicht so ganz. Die grünen Stutzen geb ich nicht mehr her, aber so oft ich diese nun schon getragen habe will sie sicherlich auch keiner mehr zurückhaben 🙂