Grenzüberschreitende Runden verströmen einen Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann. Und auch wenn der Abstecher nach Ungarn nicht allzu lang ist, so reichen diese Eindrücke der pannonischen Tiefebene doch, um dieser Runde eine spezielle Würze zu verleihen.
Vom Startort Riegersburg geht es in südöstlicher Richtung gleich hügelig los. Über Lemberg, Tiefenbach, Ober- und Unterlamm nähert man sich der steirisch-burgenländischen Grenze. Die bekannte Therme Loipersdorf wird passiert, eigentlich schade, dass wieder einmal der Vorschlag für ein Wellness-Ersatzprogramm ausbleibt, und so geht es weiter ostwärts.
Pünktlich mit Beginn der burgenländischen Grenze geht es hinunter in die pannonische Tiefebene und das Höhenprofil flacht weitgehend ab. Man fährt durch Jennersdorf, den Bezirksvorort des gleichnamigen Bezirkes, wie Bezirkshauptstädt im Burgenland offiziell benannt werden, und unmittelbar nach Jennersdorf überquert man die Raab und wenig später erreicht man die ungarischen Grenze.
Neben einigen kleinen Orten, immerhin mit Storchennestern auf den Dächern, geht es durch die Grenzstadt Szentgotthárd. Insgesamt ist der Abstecher nach Ungarn aber nur gut zehn Kilometer lang, denn schon bei Heiligenkreuz erreicht man wieder burgenländischem Boden. Einige Pusztaeindrücke erhält man aber trotzdem, und immerhin ist genau während dieser zehn ungarischen Kilometern, die Entscheidung gefallen, dieses Touren-Online-Portal zu verwirklichen.
Kaum zurück in Österreich geht aus auch schon wieder mit den Hügeln los. Deren drei sind es bis Güssing und schon von weitem sieht man die stolz auf einer Erhebung thronende Burg Güssing. Die Burg wurde Mitte des 12. Jahrhunderts gebaut und ist damit die älteste Burg des an Burgen nicht gerade armen Burgenlandes. Auch die am Fuß des Burghügels liegende Altstadt lädt zu einer Pause ein und, da wir bereits gut die Hälfte der heutigen Runde zurückgelegt haben, genehmigen wir uns einen Espresso.
So gestärkt geht es wieder hinein in die burgenländischen Hügel. Über Gerersdorf, Kukmirn und Neusiedl bei Güssing erreicht man schließlich nach Überqueren der Lafnitz bei Rudersdorf wieder steirischen Boden.
Zunächst noch flach geht es an Fürstenfeld vorbei und weiter über Übersbach nach Söchau. Hier zweigt man links ab, verlässt den Talboden und wirft an den letzten zwei Anstiegen dieses Tages noch einmal alles in die Waagschale.
Und wie könnte man eine Riegersburg-Tour schöner beenden als auf den letzten Kilometern das beeindruckende Burgpanorama vor Augen zu haben.
Um den Titel vorweg zu klären: Wer am Montag im Büro vor den ahnungslosen Kolleginnen und Kollegen angeben möchte, sollte sich für diese Tour entscheiden. Von Wien zum Neusiedler See über das Leithagebirge klingt stark. Ausgangspunkt ist in Wien, Niederösterreich wird quasi zu Gänze durchradelt und am Ende taucht man tief ins Burgenland ein.
Die Tour beginnt zum Beispiel bei der Urania oder auch an einem anderen Ort entlang der westlichen Kaimauer des Donaukanals. Am Radweg geht es dann immer entlang, bis der Kanal wieder in seinen Mutterfluss mündet. Durch die charmanten Vorstädte im Süden Wiens nähert man sich dem Flughafen, kurvt mitten durch die Parkplätze und vorbei am Südende der Landesbahn.
Langsam wird es richtig idyllisch, fast schon pannonisch. Getreidefelder und Windmühlen, lange Geraden und Rückenwind. In Kaisersteinbruch ist die Pforte zur Grande Mur: In drei bis fünf Serpentinen wuchtet man sich über das Leithagebirge; Zum Glück gibt es das Hinweisschild „5,5km kurvige Straße“ (Abfahr inbegriffen). Liegt der Neusiedler See erst einmal im Blickfeld, dann ist das Ziel nicht mehr weit. Über Jois nähert man sich Neusiedl und entlang der Seestraße letztlich dem See. Ein Eiskaffee hat man sich allemal verdient und weitere Großtaten können schonmal geplant werden. Darum: Wenn ich den See seh’. brauch‘ ich kein Meer mehr.
Für die Weiterfahr gibt es dann verschiedene Möglichkeiten: Man nimmt den gleichen Weg zurück nach Wien oder eine etwas westlich verlaufende Variante. Wer genug hat, kann auch von Neusiedl mit dem Zug zurück. Zum Wiener Hauptbahnhof fährt stündlich 20 Minuten nach der vollen Stunde ein Regionalexpress, Fahrtzeit ist ca 40 Minuten. Ein Zusteigen ist natürlich auch an einem der Zwischenstopps (Parndorf, Bruck an der Leitha, Gramatneusiedl) möglich (Stand: Sommer 2015). Variante 4 ist eine Option für Energiebündel: Die Tour kann entlang des Sees fortgesetzt werden: entweder, für Marathonisti, um den ganzen See oder bis Illmitz bzw Mörbisch und mithilfe der Fähre über den See. Zurück am Nordende steht wiederum der Zug zur Verfügung.
Anstiege in der Neusiedlerseegegend zu finden, ist nicht so leicht, auch das Leithagebirge ist dabei keine allzu große Hilfe. Und obwohl man das Leithagebirge im Rahmen dieser Runde gleich zweimal überquert, ist das Höhenprofil wenig furchteinflößend. Landschaftlich hat diese Runde dafür einiges zu bieten. Vor allem der Abschnitt am Kirschblüten-Radweg auf der burgenländischen Seite des Leithagebirges ist landschaftlich sehr schön!
Da die Straßen in dieser Gegend doch relativ verkehrslastig sind, ist es wesentlich entspannter sich an die zum Glück zahlreichen Radwege zu halten. Vor allem an Wochenenden sind die zwar recht intensiv benutzt, oft sind sie auch etwas verwinkelt, aber landschaftlich bleiben keine Wünsche offen.
Die heutige Runde startet in Jois. Parkplätze gibt es im Ort genügend. Der gut markierte Kirschblüten-Radweg ist schnell gefunden und dem folgt man bis zum südlichen Wendepunkt der Runde in Donnerskirchen. Wie der Name vermuten lässt, führt dieser Radweg nicht nur idyllisch zick-zack durch die Weinberge, sondern er ist auch von zahlreichen Kirschbäumen gesäumt. Vor allem zur Zeit der Kirschblüte im April ist dieser Abschnitt der Runde besonders schön. In Breitenbrunn und Purbach führt die Strecke zudem durch die malerischen Kellergassen und die Vorfreude auf den abendlichen Umtrunk steigt sprunghaft.
In Donnerskirchen geht unser Radweg nahtlos in die Mannersdorfer-Straße über und die Bergwertung des Tages erwartet uns. Allzu viel Respekt braucht man ihr zwar, wie gesagt, nicht entgegen bringen, aber es reicht, um auf der niederösterreichischen Seite mit schönen Blicken übers Industrieviertel bis hin zum Schneeberg und aufs Wiener Becken mit unserer Hauptstadt belohnt zu werden. Hinauf weichen wir übrigens einem Local Hero, der uns erzählt, dass er die Steigung jetzt zu Trainingszwecken schon das 4. Mal hinter sich bringt, nicht vom Hinterrad. Das Tempo, das er anschlägt, nötigt uns doch Respekt ab und macht die Steigung dann doch schwerer, als sie eigentlich ist.
Die nun folgenden knapp 15 Kilometer von Hof über Mannersdorf bis Kaisersteinbruch können mit dem Rest der Runde leider nicht ganz konkurrieren und der Verkehr ist hier auch etwas nervig. Zum Glück gehen sie mit Rückenwind aber recht zügig vorüber und ab Kaisersteinbruch, wo der zweite Anstieg des Tages beginnt, ist es wieder etwas ruhiger.
Auch dieser Anstieg übers Leithagebirge ist rasch geschafft und man ist bald zurück auf burgenländischem Boden. Nach der Abfahrt überquert man in Winden die Bundesstraße und auf dem Radweg geht es zurück zum Ausgangspunkt.
Ich frage mich ja schon lange, was all die jungen Leute machen, die sich nicht fürs Rennrad-Fahren begeistern können. Bisher war ich immer der Meinung, dass sich alle mit irgendwelchen Action- und Trendsportarten die Zeit vertreiben. Aber seit der heutigen Ausfahrt weiß ich es besser: Eine unglaubliche Anzahl an jungen hippen Großstädtern stehen grün gekleidet mit überdimensionalen Ferngläsern und Objektiven entlang des Schilfgürtels und beobachten Vögel. Österreich: ein Land der Ornithologen. Und ehrlich gesagt, ich verstehs. Auch wir sind regelmäßig stehengeblieben, um Enten, Gänse und Kiebitze mit ihrer frisch geschlüpften Brut zu beobachten. Und weil es so viel zu beobachten gibt, stört es auch gar nicht, dass die Eckdaten (61 Kilometer, 140 Höhenmeter) und die Orientierung dieser Runde eher unspektakulär sind.
Vom Parkplatz in Neusiedl folgt man einfach dem bestens markierten Neusiedler See-Radweg (Bezeichnung B10) dem Ostufer des Neusiedlersees entlang Richtung Süden. Ein 3 Kilometer langes Schotterstück zwischen Weiden und Podersdorf ist auch mit dem Rennrad tadellos zu befahren.
Von Podersdorf geht es am oberen und unteren Stinkersee vorbei weiter nach Illmitz, unserem südlichen Wendepunkt. Nach Illmitz folgt man weiter dem Radweg B10 bis zum Warmsee, wo man auf eine gute und kaum befahrene Straße Richtung Frauenkirchen stößt.
Mit Wind muss man in dieser Gegend immer rechnen. Und haben wir während der ersten Hälfte der Runde noch mit dem doch erheblichen Gegenwind gekämpft, so bläst uns dieser jetzt mit für uns sonst unerreichbarer Geschwindigkeit zurück Richtung Norden.
Optimale Bedingungen also für die Hochgeschwindigkeitsanfahrt zum Ortstafelsprint in Frauenkirchen. Trotz ausgezeichneter Ausgangsposition schaffe ich es trotzdem noch irgendwie, zu früh im Wind zu sein und mir den prestigeträchtigen Sieg nehmen zu lassen. Trotzdem, gute 60 km/h im Flachen erreiche ich auch nicht jeden Tag.
In Frauenkirchen biegt man kurz vor dem Hauptplatz links ab, wieder den Radweg-Markierungen folgend. Über die Judengasse und die Neustiftstraße fährt man aus dem Ort und kommt auf den Kulturradweg (B23), dem man über Mönchhof nach Gols folgt.
Ab Gols kann man dann die letzten Kilometer zurück nach Neusiedl entweder etwas mühsam auf dem teilweise umständlich verlaufenden Radweg oder auf der ob des Verkehrs auch nicht ganz optimalen Bundesstraße zurücklegen. Der Schönheit der Runde können diese letzten Kilometer aber nichts mehr anhaben.