Das Bodenseeklima begünstigt Ausfahrten früh im Jahr und das Höhenprofil dieser Tour gleicht auf weiten Teilen einer Herzstillstandsamplitude. Vor den Touristenströmen braucht man auch keine Angst zu haben: Die Radwege erweisen sich ohnehin wegen etlicher Schotterpassagen als wenig rennradfreundlich. Deshalb bietet sich ein Ausweichen auf die Landstraßen an, welche fast durchgehend einen von der Autofahrbahn abgegrenzten Fahrradstreifen haben – eine vernünftige und tolle Sache!
Wir sind diese Bodensee-Umrundung in entspannten drei Tagen angegangen, aber natürlich können sportlich Ehrgeizige auch die eine oder sogar andere Übernachtung unterwegs einsparen.
Die Tourenbeschreibung für den ersten Teil der Rundfahrt ist eigentlich denkbar einfach: Es geht stets dem Südufer des Bodensees entlang; wahlweise auf der Landesstraße Nr. 13 oder auf einer näher am See entlang führenden Variante. In einem der zahlreichen gemütlichen Cafés mit Seeblick kann man ein Eis schlecken oder einen „Kaffi“ trinken und so tingelt man über Arbon und Romanshorn vorbei an Kreuzlingen zum Südufer des Untersees.
Hier wird es etwas ruhiger, weil viele Radtouristen die Abkürzung über Konstanz nehmen. Folgt man aber dem Untersee weiter, erreicht man den westlichsten Punkt der Runde in Stein am Rhein, das neben Schaffhausen nur einer von zwei Schweizer Orte am nördlichen Rheinufers ist. Die Altstadthäuser in Stein sind reich bemalt und leuchten bunt in der Abendsonne. Kaum zu glauben, dass die Stadt gegen Ende des 2. Weltkriegs wegen einer Verwechslung bombardiert wurde.
Eine der vielen Übernachtungsmöglichkeiten ist der Gasthof „Adler“ in Wangen, nur wenige Kilometer von Stein am Rhein entfernt. Es gibt einen gemütlichen, kastanienbeschatteten Gastgarten, in dem Bodenseefische in verschiedenen Zubereitungsarten serviert werden. Jedenfalls sollte man nicht vergessen, die Flüssigkeitsspeicher wieder zu füllen. Hier reicht das Stichwort: Müller Thurgau.
Damit auch die Klettermuskeln auf ihre Rechnung kommen, geht es nun, in unserem Fall am nächsten Tag, gleich hinter dem Gasthof hinauf auf den Schiener Berg und hinter Radolfzell gleich wieder bergan bis Liggeringen. Beide Anstiege sind kurz, ohne Schwierigkeiten zu bewältigen und bieten dabei schöne Ausblicke auf den See.
An Nordufer des Sees kommt man vorbei an Meersburg, eine der ältesten Burganlagen Deutschlands. Das hübsche Städtlein ist heute eine Touristenhochburg und konsumierende Besucher werden besonders geschätzt. Je nach Wetter gibt es im Laufe der weiteren Kilometer mehrere Möglichkeiten auch einen Tauchgang im Schwäbischen Meer zu unternehmen; ein frei zugänglicher Strand ist zum Beispiel in Kressbronn. Der Ort eignet sich deshalb für eine Pause, weil es danach durchaus hügelig und mit ständigem Höhengewinn weg vom See ins Landesinnere nach Wangen im Allgäu geht.
Auf den verkehrsarmen Landstraßen kitzelt man die letzten Körner aus den Oberschenkeln. Es geht vorbei an Schleinsee und Degersee, bei der Durchfahrt von Busenhaus kommt man kurz auf andere Gedanken und lenkt dann schließlich ein ins denkmalgeschützte Wangen im Allgäu.Und damit erklärt sich auch der Titel der Runde: Wie am ersten Tag übernachten wir in Wangen, diesmal allerdings nicht am westlichen Seeufer hart an der Schweizer Grenze sondern im Allgäu. Es gibt viele Übernachtungsmöglichkeiten, zum Beispiel das Hotel „Allgovia“. Von dort kann man durch die Altstadt zur Pizzeria Romantica spazieren, wo sehr leckere Pizzen und Pastagerichte serviert werden.
Die letzte Etappe geht zunächst hügelauf-hügelab durchs Alpenvorland. Teilweise sind die Anstiege richtig knackig, zum Beispiel kurz vor Lindenberg, wo es keinen im Sattel hält. Landschaftlich und radtechnisch wirklich schön ist dann die zehn Kilometer lange Auffahrt von Rothach nach Sulzberg. Oben angekommen wird die Sonnenterasse „Alpenblick“ ihrem Namen gerecht. Einen Besuch wert ist jedenfalls auch der Laden der Käserebellen direkt an der Straße. Hier gibt es neben dem bekannten Vorarlberger Bergkäs alle möglichen Feinheiten und Spezialitäten.
Danach pfeift man, ein kurzer Gegenanstieg ausgenommen, hinunter nach Bregenz. Dort bekommt man das beste Gelatto in town bei „Isola Bella“ und schlecken kann man es am nahe gelegenen See. Wenn es das Wetter zulässt, kann man in „Neu Amerika“, einem freien Seebad zwischen Bregenz und Hard, nochmal untertauchen, bevor es zurück zum Ausgangspunkt geht.
Dass Stuttgart Autostadt ist, ist weithin bekannt. Dass es allerdings auch Weinstadt ist, weiß kaum wer. In immerhin 16 von 23 Stadtbezirken wird Wein angebaut, dass soll erst einmal eine andere Großstadt übertreffen. Und wie man als begeisterter Cyclist weiß, sind Weinbaugebiete, egal, wo auf der Welt, von einem Netz an asphaltierten Kleinstraßen durchzogen und so im ganz besonderen Maße fürs Rennradfahren geeignet. Und so kommt es, dass man auch hier in der Autostadt wunderbare und vor allem ruhige Ausfahrten machen kann.
Dass Weinbau auch in Stuttgart vorwiegend in Steillagen betrieben wird, merkt man bereits zu Beginn der Runde, wenn es über die Alte Weinsteige hinaus aus der Stadt geht. Der zwar nicht sehr lange, aber unangenehm steile Anstieg war in vergangenen Jahrhunderten die Hauptein- und -ausfahrtsstraße im Süden Stuttgarts. Dass dabei bis zu 16 Pferde notwendig waren, um die voll beladenen Karren und Kutschen aus der Stadt zu bringen, kann man sich leicht vorstellen. Heute gibt es hier nur mehr wenig Verkehr und die Radfahrer teilen sich die Straße in erster Linie mit der parallel verlaufenden Zahnradbahn.
Oben angekommen erreicht man die Filder, eine fruchtbare Hochebene im Südosten Stuttgarts und über das schöne und schnurgerade Königssträßle kommt man in den Stuttgarter Stadtteil Birkach. Beim von der Straße unscheinbar wirkenden Schloss Hohenheim, verlässt man das Stuttgarter Stadtgebiet, am Charakter ändert das aber nur wenig. Nach wie vor auf kleinen Straßen geht es durch die Ortschaften im idyllischen Körschtal ostwärts.
Bewegen wir uns zunächst im Körschtal, wird dieses bald darauf bei Nellingen überquert. Dieses 724 Meter lange Viadukt wurde bald nach seiner Eröffnung aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens für Radfahrer gesperrt. Erst im Sommer 2018 wurden die Fahrbahnen verschmälert und so Platz für einen aussichtsreichen Fahrradweg geschaffen.
Nellingen und Zollberg werden durchquert, bevor es über einige Serpentinen hinunter in das Neckartal nach Esslingen geht.
Auf der Suche nach deutschen Städten mit gut erhaltener mittelalterlicher Bausubstanz und Fachwerkhäusern kommt man an Esslingen nicht vorbei. Der gut erhaltene Altstadtkern mit seinem Schmuckstück, dem Rathaus, beinhaltet die älteste zusammenhängende Fachwerkhäuserzeile Deutschlands und ist es allemal wert, einen Besuch, in unserem Fall eine kleine Extraschleife, abgestattet zu bekommen.
War die Runde bis jetzt schon lohnend, die Schleife durch Esslingen ein touristischen Highlight, folgt der schönste Teil der Runde aber jetzt erst. Zunächst noch auf Kopfsteinpflaster, später wieder auf Asphalt geht es durch die Weinberge des Neckartals zurück Richtung Stuttgart. Während sich am Talboden die Mercedes-Werke breit machen, hat man hier heroben seine Ruhe und trifft nur den ein oder anderen Spaziergeher.
Auch nach Querung des Neckartals bei Obertürkheim geht es auf der südlichen Neckarseite ähnlich idyllisch weiter. Durch Weinberge geht es noch ein letztes Mal bergauf, bevor es wieder hinunter in den Stuttgarter Kessel und zurück zum Ausgangspunkt geht.
Trotz Grünem Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg und Grünem Oberbürgermeister gilt Stuttgart doch nach wie vor als ausgewiesene Auto-Stadt. Auch im aktuellen Fahrradklima-Test weiß Stuttgart nicht unbedingt zu überzeugen. Und doch findet man in und im unmittelbaren Umfeld der Stadt schöne Rennradmöglichkeiten, wobei man zu verkehrsarmen Zeiten natürlich schon deutlich entspannter unterwegs ist.
Egal von wo man startet, in unserem Fall vom Bahnhof, oberstes Ziel muss sein, Stuttgart Mitte so schnell wie möglich zu verlassen. Richtung Westen bietet sich dafür die Kombination aus Panorama- und Birkenwaldstraße an. Nicht nur wegen der hübschen Straßennamen, sondern weil man wirklich gleich schöne Blicke auf das bereits nach kurzer Zeit unter einem liegende Stadtgebiet erhält. Auch die Bebauung nimmt rasch ab und so ist es kein Zufall, dass am höchsten Punkt dieses ersten Anstiegs der Stuttgarter Bismarck-Turm steht. Und bekanntlich stehen die meisten dieser noch erhaltenen 173 Türme an aussichtsreichen Orten.
Der Höhenrücken des Krähenwaldes wird überquert, bevor es durch das Feuerbach-Tal in den gleichnamigen Stuttgarter Stadtteil geht. Die Weiterfahrt von Feuerbach nach Weilimdorf, das ebenfalls noch zum Stuttgarter Stadtgebiet gehört, verläuft durch die Weinberge, eine Idylle, die ruhig noch etwas länger andauern könnte.
Liegt Weilimdorf erst hinter einem, ist auch bald die Stadtgrenze erreicht. Auf nach wie vor kleinen, verkehrsarmen Straßen erreicht man Gerlingen, wo es nach Durchquerung des Städtchens über drei Serpentinen die Schillerhöhe zu erklimmen gilt, was aber angesichts der Kürze und moderaten Steigung keine größeren Schwierigkeiten bereitet. Störender kann hier sicherlich der Verkehr sein, weshalb man Stoßzeiten unter der Woche besser meidet. Oben auf der Schillerhöhe befindet sich neben einer Lungenheilanstalt auch das bereits wieder zum Stuttgarter Stadtgebiet gehörende Schloss Solitude.
Dieses zu Repräsentationszwecken erbaute Schloss, wurde seinem Erbauer Herzog Carl Eugen von Württemberg, dessen prunkvolle Hofhaltung keinen geringeren als Giacomo Casanova zu begeistern wusste, bald zu teuer. Deshalb wurde schon bald nach Fertigstellung die Hohe Karlsschule als Eliteschule für Söhne angesehener württembergischer Familien darin untergebracht. Bekanntester Schüler war zweifellos Friedrich Schiller, der einige Jahre auf Solitude verbrachte und dessen Vater zum herzoglichen Hofgärtner auf Schloss Solitude bestellt wurde.
Über den oberen Kirchhaldenweg geht es hinunter nach Botnang, wo man den aufkommenden Hunger in der Bäckerei Klinsmann stillen kann. Die Bäckerei wird nach wie vor von der Familie des Fußball-Weltmeisters und späteren Bundestrainers betrieben und auch Jürgen Klinsmann selbst hat hier schon das Bäckerhandwerk erlernt. „Bäcker kannst du bei mir machen, da kannst du zum Training gehen, wann du willst“, hatte Vater Siegfried Klinsmann gesagt.
Egal ob solchermaßen gestärkt oder weiter knapp am Hungerast, einmal heißt es noch, kräftig in die Pedale zu drücken. Botnang liegt nämlich, wie Stuttgart selbst auch, in einem von Hügeln umgebenen Kessel, und erst vom Botnanger Sattel aus geht es dann wieder hinunter in die Niederungen der Großstadt.
Schön soll es hier sein im Sauwald, sagt man. Das glaub ich aufs Wort, viel gesehen von den gepriesenen Schönheiten habe ich allerdings nicht. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, an denen der Nebel direkt in die darüber liegenden Wolken übergeht, die Sonne den ganzen Tag gnadenlos weggesperrt bleibt und die Temperaturen selten Plusgrade erreichen, sind nun einmal nicht die Tage, die Besucher anlocken. Noch nicht einmal oder ganz besonders nicht sonnenverwöhnte Rennradler. Wer Einsamkeit und mystischen Stimmungen nicht ganz abgeneigt ist, wird sich allerdings hier auch im Winter begeistern können, und alle anderen seien beruhigt: die Runde kann man auch im Sommer und bei Sonne nachfahren. Und das nicht einmal zum Nachteil der Runde.
Der überwiegende Teil der Runde liegt auf oberösterreichischem Hoheitsgebiet. Lediglich Ausgangspunkt und damit auch Ziel liegen im bayerischen Passau. Die schöne Drei-Flüsse-Stadt, wo Inn und Ilz in die Donau münden, wird allerdings rasch zurück gelassen. Nach nicht einmal zwei Kilometern erreicht man die Staatsgrenze und es geht hinauf in den Sauwald.
Der Sauwald ist ein Hochplateau, das geologisch zur böhmischen Masse gehört. Mit dem 895 Meter hohen Haugstein befindet sich hier auch der höchste Berg des Innviertels, weshalb der Sauwald auch den Beinamen “Dach des Innviertels” trägt. Seinen Namen hat er übrigens nicht, wie oft behauptet, von den ehemaligen Wildschweinbeständen, sondern vielmehr vom früheren Namen “Passauer Wald”.
Bis zum bekannten Wallfahrtsort Schardenberg geht es mehr oder weniger bergauf, meist allerdings ohne nennenswerte Steigungsprozente. Dann wird das Gelände kupierter. In ständigem Auf und Ab wird der Sauwald von West nach Ost durchquert und erholsame längere Flachstücke lassen vergeblich auf sich warten. Da wir uns meist auf kleinen, verwinkelten Straßen bewegen, dienen auch die kurzen Abfahrten kaum der Erholung und man sollte die Schwierigkeiten nicht unterschätzen.
Bei Stadl ist nicht nur der höchste Punkt der Runde erreicht, sondern nach der folgenden kurzen Abfahrt auch der östliche Wendepunkt. Parallel zur rechts unterhalb verlaufenden Donau geht es zurück Richtung Passau.
So mancher Aussichtspunkt wird passiert. Da ich bei dem undurchdringlichen Dezember-Nebel aber sogar Mühe habe, die am Straßenrand prangenden Hinweistafeln wahrzunehmen, bleiben mir die Panoramen heute verwehrt. Das gleiche gilt im bald erreichten Vichtenstein für die an und für sich nicht zu übersehende mächtige Burg Vichtenstein und die schönen Blicke auf Passau während der letzten Kilometer der Runde.
Umso mehr konzentriere ich mich eben auf die stimmungsvollen Eindrücke der näheren vom Nebel umhüllten Umgebung. Vor allem der Abschnitt im Kößlbachgraben zwischen Esternberg und Asing ist sehr reizvoll und allzu schnell befindet man sich in der finalen Abfahrt hinunter zu Inn und Donau.
Manchmal geht es nicht anders, alles hat seinen Preis. In diesem Fall “erkauft” man sich mit einem verkehrsreichen Stück Bundesstraße einen der großartigsten Rennradabschnitte, den dieses an Highlights nicht gerade arme Portal zu bieten hat: Die Hirschbichlstraße, die in atemberaubender Schönheit und atemberaubender Steilheit vom Bayerischen Hintersee ins Salzburgische Weißbach bei Lofer verläuft.
Ein ernstgemeinter Rennrad-Tourenvorschlag wird wohl kaum die stark befahrene Bundesstraße zwischen Lofer und Bad Reichenhall beinhalten. Wir machen eine Ausnahme. Nicht etwa weil wir diesen Abschnitt so übermäßig reizvoll finden, sondern weil es schlicht keine sinnvolle Alternative dazu gibt. Und auf die oben erwähnte Hirschbichlstraße zu verzichten, steht nun wirklich nicht zur Debatte.
Dank des Ausbaus der B178 sind zumindest die Ortsdurchfahrt Unken und der folgende, kurze Anstieg auf den Steinpass angenehm ruhig. Auf einigen Abschnitten gibt es auch einen asphaltierten Radweg, den Großteil dieser ersten 15 Kilometer muss man sich allerdings dem Transitverkehr aussetzen. Da hilft nur eines: große Scheibe, kleines Ritzel, Kopf zwischen die Schultern und drücken.
Nach Überquerung der Saalach bei Unterjettenberg ist es dann aber geschafft. Den Verkehr lassen wir weiter Richtung Bad Reichenhall und Salzburg ziehen und nehmen die 400 Höhenmeter hinauf auf den Schwarzbachwachtsattel, das Wachterl, in Angriff. Daß das Wachterl nicht ganz leicht ist, weiß schon der Reichenhaller Liedermacher Hans Söllner, dem es aber vermutlich egal ist, wenn er “mitn radl übers wachterl fahrt” und dabei “jeden dog a bissl länger braucht”.
Vom Wachterl geht es auf wunderschönen Straßen zum Hintersee und dann inmitten des Nationalparks Berchtesgaden zwischen den Abbrüchen des Hochkalter-Massivs zur einen und den Reiter Steinbergen zur anderen Seite in das zunehmend enger werdende Klausbachtal.
Anfangs weitgehend flach, dann steiler und gegen Ende über zwei fast unbezwingbare Steilstufen geht es hinauf auf den Hirschbichl. Und so viel sei noch verraten: vor allem die erste Steilstufe hat es in sich. Die Hoffnung, dass sich die Straße nach der bald erreichten Linkskurve zurücklegt, wird nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil, sie zieht noch ein ganzes Stück mit weit über 20%-Steigung nach oben. Die nach einem kurzen Flachstück folgende zweite Steilstufe mutet dagegen fast schon leicht an, wenngleich auch diese 20% erreicht.
Oben am Hirschbichl angekommen, erreicht man wieder österreichischen Boden. Viel Zeit zur Erholung bleibt allerdings nicht, denn die ebenso steile und enge Abfahrt auf Pinzgauer Seite erfordert zwar keine Beinkraft mehr, dafür aber umso mehr Fingerkraft und Konzentration.
Hoffentlich gut unten angekommen, liegt das Highlight der Runde hinter uns, und die bis Lofer noch fehlenden zehn Kilometer auf dem netten Radweg entlang der Bundesstraße dienen nur mehr dazu, sich das Laktat aus den Beinen zu strampeln.
Es ist immer wieder überraschend, welch ruhige und idyllische Gegenden man im Umkreis von Großstädten findet. Der etwas nördlich der Landeshauptstadt Baden-Württembergs gelegene, teilweise sogar noch zur 3 Millionen-Region Stuttgart gehörende Schwäbisch-Fränkische Wald ist so ein Beispiel. Hat es früher etwas spöttisch geheißen, dass man in dieser dünn besiedelten Region die Dörfer mit einer Laterne suchen muss, so hat sich am Grundcharakter der Gegend bis heute nicht viel geändert: eine ruhige, einsame, von kleinen Weilern beherrschte harmonische Landschaft, die jedoch von einem engmaschigen Netz wenig befahrener Straßen durchzogen ist: ein Paradies für Rennradler sozusagen. Das können wir uns nicht entgehen lassen!
Ausgangspunkt dieser Runde ist Winnenden, das etwa 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart liegt. Nach einigen entspannten Kilometern zum Einradeln starten bald die ersten Hügel. In ständigem Auf und Ab geht es Richtung Norden, aber im Vergleich zu den noch kommenden Abschnitten halten sich die Schwierigkeiten der ersten 30 Kilometer durchaus in Grenzen. Erst nachdem man die imposante Burg Lichtenberg und wenig später bei Schmidhausen den Eingang in den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald passiert hat, werden die Zacken im Höhenprofil ausgeprägter. Kein Wunder, geht es doch hinein in die Löwensteiner Berge, ein bis 561 Meter hoher Gebirgszug innerhalb des Naturparks.
Zunächst empfiehlt sich ein Abstecher durch die Weinberge von Maad und Billensbach mit schönen Blicken zurück auf das Tal des Neckar. Danach gönnen einem die Steigungen nach Stocksberg und Wüstenrot kaum eine Verschnaufpause.
Wer jetzt schon ein Päuschen einlegen möchte, kann dem Bausparmuseum in Wüstenrot, einer kleinen Ortschaft, in der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts die bekannte Bausparkasse gegründet wurde, einen Besuch abstatten. Ansonsten geht es auf durchwegs kleinen und verkehrsfreien Straßen weiter nach Altfürstenhütte und Großerlach.
Den nun folgenden Abschnitt durch das idyllische Rottal muss man sich an Wochenenden mit zahlreichen Radausflüglern und Wanderern teilen. Nicht nur ihretwegen, sondern auch wegen dem im Gegensatz zum Rest der Runde nicht optimalen Zustand des asphaltierten Sträßchens leidet hier der Fahrluss etwas. Eine Verschnaufpause und kurze Regeneration schaden aber ohnehin nicht, liegt doch die Hälfte der Runde mit etlichen weiteren Anstiegen noch vor uns.
Zwei dieser nicht allzu langen, aber teilweise recht steilen Anstiege, trennen uns noch von der netten Kleinstadt Murrhardt.
Murrhardt wurde bereits zur Römerzeit gegründet und der Limes, der die zivilisierte Welt vor den germanischen Barbaren schützen sollte, verlief mitten durchs Stadtgebiet. Von den römischen Ursprüngen bekommt man zwar bei der oberflächlichen Betrachtung im Rahmen unserer Durchreise nicht viel mit, zu einem Espresso-Päuschen lädt der nette von Fachwerkhäusern umrahmte Hauptplatz aber allemal ein.
Die Stärkung tut gut und ist auch nötig, denn es geht in gewohnter Weise weiter. Gnadenlos reiht sich Anstieg an Anstieg. Zuerst von Murrhardt hinauf nach Waltersberg und weiter nach Sechselberg und Althütte. Schließlich warten nach einer tollen Abfahrt von Althütte hinunter nach Rudersberg noch zwei letzte Zacken im Höhenprofil, bevor man durch Felder und auf kleinen Straßen Winnenden erreicht.
Bayern und das angrenzende Innviertel sind durch sanfte Hügel, verstreute Bauerndörfer, barocke Städte und – für den Rennradfahrer ganz wesentlich – von einer Vielzahl an kleinen, kaum befahrenen Straßen charakterisiert. Und all das hat diese wunderschöne Runde um die längste Burg der Welt im besonderen Maße zu bieten: Genuss pur.
Sogar der Ausgangspunkt kann hier mit ganz besonderen Vorzügen aufwarten, denen normalerweise bei der Parkplatzsuche nur untergeordnete Bedeutung zukommt. Hoch über der Salzach auf oberösterreichischer Seite befindet sich im kleinen Ort Duttendorf ein Aussichtspunkt mit dazugehörigem Parkplatz. Und so werden bereits Umziehen und Vorbereitung von einem phantastischen Blick auf die auf bayerischer Seite der Salzach gelegene Altstadt von Burghausen mit der darüber thronenden längsten Burganlage der Welt begleitet. Wenn das kein würdiger Auftakt ist.
Es geht zunächst auf direktem Weg hinunter zur Salzach, die hier auch die Staatsgrenze bildet, über die Brücke nach Bayern und dann über den Hauptplatz und “die Grüben” durch das prachtvolle Burghausen: Sightseeing zum Einradeln!
Nach Burghausen lassen wir den Verkehr hinter uns und auf zumeist kleinen verkehrsfreien Straßen geht es Richtung Westen. Burgkirchen an der Alz und Hirten lassen wir rechterhand liegen und auch nachdem die Grundrichtung von West auf Süd gewechselt ist, ändert sich nicht grundlegend etwas am Charakter der Runde. Über sanfte Hügel, durch einzeln stehende Höfe und vereinzelte kleine Dörfer ziehen die durchwegs von perfektem Asphalt überzogenen Sträßchen: ein wahrer Genuss.
Nach Freutsmoos erwartet uns der schönste Teil der Runde. Auf den jetzt noch kleineren und ruhigeren Straßen, die durch Wälder vorbei an der einsamen Kirche St.Pankratius ziehen, kommt richtiges Klassiker-Gefühl auf. Rennradfahren von seiner besten Seite!
Kurz nach Überquerung des mittelalterlichen Stadtplatzes von Tittmoning geht es wieder über die Salzach und damit über die Staatsgrenze und auf der oberösterreichischen Salzachseite geht es zurück Richtung Ausgangspunkt, nicht ohne dass sich auf den letzten Kilometern noch einmal wunderschöne Blicke auftun, sodass die Mini-Bergankunft eher zum Fotografieren als zum Sprint animiert.
Bayern und Tirol – Das schönste aus beiden Ländern wird in dieser Tour vereint. Was wäre diese Runde ohne die bayerische Mautstraßenkultur, die man nicht hoch genug loben kann. Derer gleich drei führen nämlich heute dazu, dass wir Unmotorisierte auf diesen Traumstraßen der Alpen den Ton angeben.
Welche Biker-Gang, welch pens- und passionierte Sonntagsfahrer, und welch rosarot-behemdeter Cabriofahrer zahlt schon gerne drei mal Maut während einer Ausfahrt. Ein Glück für uns, denn so hält sich der Verkehr zu diesen Parade-Ausflugszielen auch am Wochenende im erträglichen Rahmen.
Ausgangspunkt dieser wunderbaren Runde ist Lenggries. Ein gut gelegener Parkplatz befindet sich gegenüber vom Gasthaus Langeneck. Dafür muss man, von Bad Tölz kommend, kurz nach Lenggries Richtung Jachenau abbiegen und dann noch ungefähr 500 Meter talein fährt. Hier bei der Einmündung der Jachen in die Isar liegt versteckt hinter ein paar Bäumen ein größerer Parkplatz.
Die Orientierung der Runde ist denkbar einfach. Es geht zunächst knapp 20 Kilometer durch die Jachenau, ein wunderschönes Wald- und Wiesental, das zurecht als “das Sonnental” beworben wird. Die gleichnamige Gemeine ist einwohnermäßig übrigens mit knapp 850 Einwohnern die kleinste Gemeinde Bayerns. Kurz nach dem malerischen Ortsteil Dorf beginnt die erste Mautstraße, dank der der ohnehin schon spärliche Verkehr noch weiter abnimmt. Das Tal verengt sich etwas, durch einen Einschnitt im südlichen Hügelkamm rücken die ersten schneebedeckten Karwendelgipfel ins Blickfeld und wenige Kilometer später erreicht man den Walchensee.
Unmittelbar an dessem Südufer entlang führt die kaum befahrene Strasse bis Einsiedl, wo man auf die B11 trifft, der man die nächsten fünf Kilometer bis Wallgau folgt.
In Wallgau erwartet einen ein wunderbares Panorama, vom Karwendel über das Wettersteingebirge bis hin zur Zugspitze. Hier in Wallgau verlässt wir auch die B11 wieder, um die nächsten 10 Kilometer der nächsten Mautstrasse entlang durch das Tal der Isar zu rollen. Wunderschön meandert die glasklare Isar unter den schneebedeckten Karwendelgipfeln durch ihr breites Schotterbett und man fühlt sich hier definitiv an die kanadischen Rockys erinnert.
Kaum vorzustellen, die ursprünglich geplante vollständige Wasserableitung zum Walchenseekraftwerk wäre realisiert worden! So hat man der Isar zumindest eine geringe Restwassermenge gelassen und so dieses wunderschöne Flusstal erhalten. Ein Glück, das dem Rissbach, den man wenig später erreicht, nicht vergönnt blieb. Dem wird nämlich im unteren Bereich das gesamte Wasser für eben jenes Kraftwerk entzogen. Die Bürgerinitiative “Rettet die Isar jetzt” hat in ihrem Kampf um eine Restwassermenge kürzlich einen Rückschlag erlitten, da das bayerische Wasserwirtschaftsamt dem Rissbach einen guten ökologischen Zustand bescheinigt hat. Eine Einschätzung, die bei einem Gewässer das über einen längeren Abschnitt überhaupt kein Wasser mehr führt, schon an Verhöhnung grenzt.
Wenn man sich davon nicht abschrecken lässt und wenn es einem im Isartal gefallen hat, dann sollte man sich den Abstecher ins Rißtal zum großen Ahornboden nicht entgehen lassen. Ein Abstecher der je Richtung allerdings 25 Kilometer lang ist. Und das ist kein Kilometer zu viel. Herrlich zieht das Rißtal hinein ins Karwendel, bald überquert man die Grenze nach Tirol und es ist kein Wunder, dass es an einem wunderschönen Frühlingstag Wanderer, Mountainbiker, Rennradfahrer, Kajakfahrer und Schitourengeher gleichermaßen hierher zieht. Nur die Kletterer müssen die Schneeschmelze noch abwarten, bevor es zu den berühmt-berüchtigten Lalidererwänden geht.
Bald nachdem die Strasse einen Knick nach Süden macht, sieht man dann auch die ersten Bergahorne. Unzählige teilweise mehrere hundert Jahre alte Bäume bilden den Großen Ahornboden, der idyllisch in die Karwendelgipfel eingebettet ist. Und obwohl der Anstieg nicht der schwerste ist, den sensationell guten Radler im Gasthof Eng inmitten dieses Naturidylls hat man sich allemal verdient.
Obwohl noch knapp 50 Kilometer zu absolvieren sind, die Hauptschwierigkeiten der Runde sind geschafft. Es geht quasi nur mehr bergab und flach zurück zum Auto. Zuerst das Rißtal wieder hinaus, dann der Isar entlang flussabwärts zum Sylvenstein-Stausee, und nach der Überquerung des Stausees geht es dann der B13 entlang zurück nach Lenggries.
Jetzt könnte man sagen, dass diese Runde auch so schon schön genug ist. Die Krone wird dem Tag aber dann aufgesetzt, wenn man mit einem unwiderstehlichen Antritt alle Konkurrenten stehen lässt und den Zielsprint dieser Königsetappe für sich entscheidet. Und genau so hab ich es gemacht!
Da wo die Alpen ins Flachland übergehen, finden sich stets wunderbare Rennradgebiete. Das gilt für die südlichen Alpenausläufer genauso wie für das nördliche Alpenvorland. In diesem Fall zeigt uns das Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern, was es kann, und das ist eine ganze Menge. Speziell die Sudelfeldstraße an den Südhängen des von weitem sichtbaren Wendelsteins zieht Rennradfahrer magisch an: zurecht!
Gestartet wird diese Runde in Kierfersfelden. Parkplätze gibt es entweder entlang der Hauptstraße oder am Rathausplatz vor dem Gemeindeamt. Es geht zunächst auf der Hauptstraße, ST2089, einige Kilometer über Mühlbach nach Oberaudorf, wo man kurz nach der Kirche links Richtung Hocheck-Bergbahnen abbiegt.
Bald darauf kommt man in den Weiler Agg, wo man auf die Tatzelwurmstraße stößt. Gleich nach dieser Kreuzung, wo man die links bergauf führende Straße nimmt, kommt ein erstes Steilstück und auf dem nächsten Kilometer gilt es durchgehend 12% Steigung zu überwinden. Ab dem Gasthof Hummelei wird es dann aber merklich flacher, man kann etwas durchschnaufen und den herrlichen Blick zurück auf den Zahmen und Wilden Kaiser genießen. Traumhaft schön zieht die Straße nach oben und erst beim Wellnesshotel Tatzelwurm kurz vor der Einmündung in die Sudelfeldstraße wird es wieder steiler.
Bei besagter Kreuzung verläßt man die Tatzelwurmstraße, die rechts hinunter nach Brannenburg verläuft, sondern hält sich links Richtung Sudelfeld und für den weiteren Anstieg gibt es jetzt zwei Möglichkeiten: entweder man bleibt auf dieser gut ausgebauten, panoramareichen, an Wochenenden aber gut frequentierten Straße oder man nimmt in der ersten Serpentine die kleine Abzweigung Richtung Gasthof Rosengasse. Diese Variante hat mindestens genauso schöne Ausblicke zu bieten, ist aber doch wesentlich schwerer. Unerbittlich steil zieht die kleine Straße nach oben, fast durchgehend um die 15%. Verkehr ist hier dafür praktisch keiner anzutreffen. Nach 1,5 Kilometern zweigt man rechts ab Richtung Oberem Sudelfeld und nun oberhalb der Baumgrenze eröffnen sich wunderschöne Tief- und Weitblicke. Wenn der Mast vom Wendelstein ins Blickfeld rückt, hat man das schlimmste geschafft, vorausgesetzt, man wählt die direkte Variante hinüber aufs Sudelfeld und verzichtet auf den vom Gasthof Grafenherberg ausgehenden Abstecher zur Walleralm, wofür es immerhin weitere fast 3 Kilometer und 320 Höhenmeter zu überwinden gilt. Egal, ob man die Stichstraße zur Walleralm in Angriff nimmt oder nicht, vom Gasthof Grafenherberg folgt eine kurze Zwischenabfahrt hinunter zur Sudelfeldstraße, der man dann die restlichen zwei Kilometer zum Sudelfeldpass folgt.
Während der rasanten Abfahrt vom Sudelfeld hinunter nach Bayrischzell hat man schon einen schönen Blick hinein ins Ursprungtal und den weiteren Routenverlauf. In Bayrischzell zweigt man Richtung Kufstein und Thiersee ab und dann geht es hinauf auf den berüchtigten Ursprungpass. Vor allem die bayerische Seite hat es in sich: ganze 50 Höhenmeter gilt es auf den nächsten sieben Kilometern zu überwinden und angesichts der bereits bewältigten und noch zu bewältigenden Anstiege der Runde ist der Begriff „Pass“ doch etwas irreführend. Da hat die Tiroler Seite, was die Schwierigkeit betrifft, schon etwas mehr zu bieten, aber die geht es zum Glück hinunter. Allerdings nicht allzu lange, denn schon kurz nach Landl zweigt man, dem Wegweiser nach Hinterthiersee folgend, auf eine kleine Straße ab und die folgende Steigung hinauf nach Hinterthiersee ist da schon wieder deutlich anspruchsvoller.
Dass komischerweise auch etliche Reisebusse diese kleine, sonst kaum befahrene Straße nehmen, stört uns nicht weiter, trägt sogar zu unserer Unterhaltung bei. Die zwei engen Serpentinen sind nämlich zu eng für die Reisebusse. Der vorderste will es nicht glauben, probiert es und bleibt natürlich so stecken, dass es kein vor und zurück mehr gibt, und die übrigen Busse müssen auf der schmalen über 10% steilen Straße stehen bleiben und warten. Wie sich das ganze dann aufgelöst hat, oder ob die Busse heute noch beim reversieren sind, wissen wir leider nicht.
Wir jedenfalls sind schmunzelnd auf der nun völlig verkehrsfreien Straße hinauf nach Hinterthiersee gefahren.
Damit sind die Schwierigkeiten dann aber fast geschafft. Es geht hinunter ins schön gelegene Vorderthiersee mit dem namensgebendem See und dem dahinter spitz aufragenden Pendling und dann nach einem kurzen Gegenanstieg hinunter nach Kufstein. Im ersten Kreisverkehr nimmt man die Ausfahrt Richtung Kiefersfelden und kurz darauf erreicht man wieder den Ausgangspunkt.
Großartige Runde in den bayerischen Voralpen mit der Valepp-Schlucht als landschaftlichem Highlight.
Ausgangspunkt dieser phantastischen Runde ist der als „Parkplatz am See“ gut angeschriebene große Gratis-Parkplatz im Zentrum von Gmund am Tegernsee. Es geht zunächst am westlichen Seeufer entlang nach Rottach-Egern, wobei man je nach Geschmack auf der eher verkehrsreichen Hauptstraße oder wesentlich ruhiger, dafür etwas umständlich und eckig auf den Radwegen durch Bad Wiessee, Altwiessee und Ringsee fährt. Den Abstecher in den Weiler Holz gleich zu Beginn mit schönen Blicken hinunter auf den Tegernsee sollte man aber auf jeden Fall mitnehmen.
Und wenn man über den See zum anderen Seeufer schaut, fällt einem einerseits das einstige Kloster und später verweltlichte Schloss Tegernsee mit der weithin bekannten Brauerei auf und andererseits der tiefe Einschnitt am süd-östlichen Seeufer, aus dem die Rottach rinnt und in das wir hinein müssen.
Vorher gilt es allerdings, in Rottach-Egern die richtige Abzweigung zu finden und den Wegweiser Richtung Enterrottach und Valepp nicht zu übersehen.
Nach Rottach-Egern wird es zunehmend ruhiger und es geht der Rottach entlang talein. Nach der Mautstation, dank der die Straße herrlich verkehrsarm ist, nimmt die Steigung deutlich zu und an der Moni-Alm vorbei geht es zu einem kleinen Pass, dem Wechsel. Nach dem Wechsel wird es, falls das überhaupt möglich ist, landschaftlich noch schöner als bis hierher. Grandios zieht die schmale Straße durch das teilweise schluchtartige Tal der Weißen Valepp. Vor lauter in die Gegend schauen, sollte man aber doch den ein oder anderen Blick nach vorne werfen. Der Gegenverkehr, insbesondere durch relativ große Linienbusse, kann ziemlich abrupt um die Ecke kommen.
Kurz vor dem Forsthaus Valepp zweigt man links ab. Hier ist übrigens auch der Ausgangspunkt einer der schönsten bayerischen Schitouren: das Schinderkar, wofür es heuer aber schon zu spät und aper ist. War die Straße bis hierher eine wenig befahrene Mautstraße, so ist der nun folgende Abschnitt noch nicht einmal das. Völlig verkehrsfrei zieht das schmale Asphaltsträßchen der Roten Valepp entlang hinauf zum Spitzingsee. Erst hier treffen wir wieder auf Verkehr und an den gut besuchten Terrassen der Seegasthäuser vorbei erreichen wir nach einem letzten kurzen Aufschwung den Spitzingsattel. Den Schliersee vor Augen geht es nun eine schnelle Abfahrt hinunter ins Tal, wo wir auf die B307 treffen. Wir biegen rechts Richtung Bayrischzell ab und, um dem Verkehr auf der B307 zumindest auf einigen Kilometern auszuweichen, kann man zwischen Hammer und Geitau auf eine parallel zur Bundesstraße verlaufende nette kleine Straße ausweichen. Ansonsten heisst es bis Bayrischzell einfach Augen zu und hinein in den Windschatten. Wir haben das Glück, dass uns der Windschatten von einer sich ins Bayerische herüber verirrten Tiroler-Gruppe geboten wird. Wenn man die Augen dann doch einmal nach vorne richtet, steht direkt voraus der Wendelstein, wegen seiner vorgeschobenen Lage einer der markantesten Berge Bayerns. Über die rechte Schulter des Wendelsteins, das Sudelfeld, führt die weitere Strecke.
In Bayrischzell beginnt dann also dieser Anstieg hinauf aufs Sudelfeld, in dessen felsigen Kehren und der kaum enden wollenden Schlussgeraden man sich kurzzeitig beinahe wie im Hochgebirge fühlt. Mit 320 Höhenmetern auf knapp 4 Kilometern stellt das Sudelfeld dann aber doch keine Hors-Categorie dar. Schön ist es trotzdem, genauso wie die Abfahrt auf der anderen Seite mit schönen Blicken hinunter ins Inntal und auf den Wilden Kaiser.
Nach einigen Kilometern trifft man auf die Tatzelwurmstraße, die von Oberaudorf heraufzieht und deren weiterem Verlauf hinunter nach Brannenburg wir folgen. Auch dieses Teilstück der Tatzelwurmstraße ist zu unserer Freude mautpflichtig und so stellt auch der Höhepunkt, ein 95 Meter langer einspuriger steiler Tunnel, kein Problem dar.
Unten im Inntal angelangt haben wir jetzt zwar zumindest am Papier die Hauptschwierigkeiten der Runde hinter uns, ganz sollte man das hügelige Streckenprofil gegen Ende der Tour aber nicht unterschätzen. Die nächsten 15 flachen Kilometer über Großholzhausen und dann auf dem in diesem Bereich tadellos asphaltierten Bodensee-Königssee-Radweg sollte man also etwas zur Regeneration nutzen. Und wem das noch nicht genug Regeneration ist, der soll es wie wir machen und sich in Bad Feilnbach beim Kistlerwirt im schattigen Biergarten mit einem Weißbier-Radler laben.
So gestärkt machen wir uns also auf die letzten 25 Kilometer, die aber, wie erwähnt, alles andere als leicht sind. Zuerst darf man in Gottschalling die mit einem Radweg-Zeichen markierte linke Abzweigung nicht übersehen, dann geht es auf netten kleinen Straßen bergauf. Nach einem kurzen erholsamen Flachstück kommt man zu einer Hofdurchfahrt. Von den 200 Metern Schotter braucht man sich nicht verunsichern zu lassen, denn unmittelbar nach dem Hof erreicht man wieder eine schöne Asphaltstraße und die Steigung nimmt sofort wieder zu. Kurz nach Nicklasreuth haben wir diesen Anstieg dann aber geschafft, es folgt eine kurze Abfahrt, wir überqueren die Hauptstraße, nur um dann unmittelbar in das steilste Stück des heutigen Tages zu fahren. Warum ausgerechnet der in der Steigung liegende Weiler Eben heißt, ist uns ein Rätsel, und zum Glück, wird es, kaum sind wir durch Eben durch, auch etwas flacher.
Nach einer steilen Abfahrt erreicht man Agatharied, von wo es die letzten Kilometer in gleicher Tonart auf verkehrsfreien kleinen hügeligen Straßen zurück nach Gmund geht.
Das Tegernsee-Hell haben wir uns nach dieser wunderschönen aber anstrengenden Runde redlich verdient.