Boxenstop gefällig? Wenn auf der Fahrt in den Süden die Alpen hinter einem liegen und auch die Po-Ebene durchquert ist, kommt man nach Bologna. Von der Stadt selbst sieht man aus dem Autofenster nicht viel, sehr wohl allerdings von den Ausläufern des Apennin, die sich unmittelbar am Stadtrand zu erheben beginnen. Wer hat sich da nicht schon von der Autobahn aus gefragt, ob es hier nicht die ein oder andere lohnende Rennrad-Runde gäbe. Und was spricht eigentlich dagegen, die mühsame Autofahrt zu unterbrechen und sich den Reisetag zu versüßen? Unserer Meinung nach gar nichts und so haben wir einfach unser Glück versucht.
Diese Runde auf bloßes Beine-Ausschütteln zu reduzieren, würde ihr allerdings nicht gerecht werden. Sowohl landschaftlich als auch topografisch ist sie mehr als ein Lückenbüßer und kann nur jedem wärmstens ans Herz gelegt werden.
Der Ausgangspunkt ist denkbar leicht zu finden. Die erste Möglichkeit nach Bologna, die Autobahn zu verlassen, ist Sasso Marconi. Unmittelbar nach der Mautstation kommt man zu einem Kreisverkehr mit angrenzendem großen Parkplatz. Von hier geht es los.
Fast unmittelbar vom Start weg geht es bergauf, zu unserer Freude allerdings mit durchwegs moderaten Steigungsprozenten, so dass zumindest ein gewisses Einroll-Gefühl aufkommt. Das nette, kaum befahrene Sträßchen schlängelt sich die sonnigen Südabhänge des Monte Mario hinauf, ehe der daneben liegende Monte Alto umrundet wird und es nach einer schönen Fahrt am Hügelrücken steil aber nicht minder schön hinunter nach Pianoro geht.
Nach Überwindung des nächsten Hügels wird der kleine Weiler Botteghino di Zocca erreicht, wo man über die Weiterfahrt zu entscheiden hat. Die hier beschriebene Routenführung führt in die Einsamkeit, wo andere Verkehrsteilnehmer, egal ob Autos oder die ansonsten recht zahlreichen einheimischen Ciclisti, kaum noch anzutreffen sind. Mäßige Asphaltqualität und auf zwei Kilometern unbefestigter aber tadellos zu befahrener Untergrund müssen dafür allerdings in Kauf genommen werden. Alternativ können Freunde des sanften Rollens einen kleinen Umweg in Kauf nehmen und auf der parallel verlaufenden SP36 südwärts rollen, um dann bei Zena wieder auf die Runde zu stoßen.
Zwei Hügelketten trennen uns jetzt noch vom Ausgangspunkt. Die Überquerung der Ersten führt hinüber nach Pianoro vecchio und nach Bewältigung des letzten Anstiegs des Tages, geht es dann nur noch hinunter zum Ausgangspunkt, wobei die letzten Kilometer der Runde auf schon bekannter Straße zurückgelegt werden.
Bei solchen Runden im unmittelbaren Umland muss man sich schon fragen, ob Bologna selbst nicht auch eine Rennrad-Reise wert wäre.
Wer den heißen Regionen Italiens entfliehen will, kann im Apennin etwas Abkühlung finden. Schattige Wälder, aber auch sonnige Hänge liegen am Weg dieser Ausfahrt. Dazu gibt es einen herrlich türkisenen Bergsee.
Das 1000-Einwohner-Dorf Ponte della Venturina liegt ziemlich genau zwischen Bologna und Pistoia an der SS 64. Während sich an seiner Westseite dicht bewaldete Hügel erheben, ist seine Ostseite eher kahl. In der hier beschriebenen Fahrtrichtung durchfährt man zunächst die schattigen Wälder und erklimmt dann die ostseitigen Hügel. Das hat den Vorteil, dass der schöne Lago di Suviana gleichsam als Höhepunkt gegen Ende der Tour erreicht wird. Bei heißen Temperaturen hat die umgekehrte Fahrtrichtung den Vorteil, dass der eher schattige Teil zu fortgeschrittener Stunde gefahren wird.
In gemächlicher Steigung führt die Tour zunächst im Talboden neben dem Fiume Reno südwestwärts. Mit jedem absolvierten Meter wird der Verkehr weniger und hört bald schon ganz auf, sobald man den Talboden über ein schmales Asphaltband rechts bergwärts verlässt. In bester Steigung und vom dschungelartigen Dickicht geschützt schraubt man sich die kleine Straße nach oben. Im kleinen Ort Casa Boni hält man sich links und quert auf noch kleinerer Straße den Hang weiter taleinwärts. Die letzten Höhenmeter zum höchsten Punkt in Casa Forlai sind etwas steiler und werden über einige Kehren überwunden. Oben angekommen eröffnet sich dann ein Blick auf die saftig grüne, dicht bewaldete Hügellandschaft. Wer „Asterix auf Korsika“ kennt, weiß, wovon die Rede ist.
Über zahlreiche Kurven und Kehren rollt man hinunter nach Porretta Terme. Spätestens dann, wenn wieder einmal ein süßlicher, vom Duft reifer Feigen geschwängerter Luftschwall die Nase kitzelt, dann ist klar, dass man im italienischen Sommer angekommen ist.
Der zweite längere Anstieg zieht über die SP 40 die Ostseite des Haupttales hoch. Die Olivenhaine bieten hier nur wenig Schutz vor der Sonne, bei angenehmer Steigung und rundem Tritt kann man die zahlreichen Kehren aber zügig bewältigen. Nach einem Flachstück kann zwar bereits der direkte Weg hinunter nach Ponte della Venturina genommen werden, es zahlt sich aber aus, den „Umweg“ über den Lago di Suviana zu nehmen. Der Stausee ist mit seinem türkisenen Wasser ein beliebtes Ausflugsziel und liegt eingebettet in die grünen Gipfel des Apennins im östlichen Paralleltal. Wegen der kurzen Abfahrt wartet also noch ein Abschlussanstieg. Der stellt jedenfalls dann kein Problem dar, wenn man sich zuvor bei herrlichem Ausblick mit einem Foccacia gestärkt hat.
Auf dem Weg in den Süden Italiens wird der Apennin meist in wenigen Minuten auf der Autobahn durchquert. Wer nach einer langen Autofahrt eine Pause braucht, findet hier allerdings eine landschaftlich reizvolle Radregion, die von einheimischen Ciclisti sehr geschätzt wird.
Sasso Marconi liegt an der A1, die von Modena nach Florenz führt. Parallel zur Autobahn verläuft in Nord-Süd-Richtung die SS64 bis Pistoia. Nach den ersten Kilometern auf dieser Straße wechselt man in Lama di Reno auf eine kleine Seitenstraße, die über einige kurze Anstiege weiter taleinwärts führt. Über eine schmale Hängebrücke wird die Flussseite gewechselt und nach einer neuerlichen kurzen Passage auf der SS64 beginnt der lange Anstieg zum höchsten Punkt der Runde. Wer zuvor achtsam war, konnte die Antenne, zu der es nun hochgeht, bereits erspähen.
Ohne Anlaufzeit verläuft die kleine Straße von Beginn an im zweistelligen Prozentbereich bergwärts. Das Gelände weist aber eine Stufung auf, sodass auf Steilpassagen stets flachere Abschnitte folgen, bevor sich die nächste Rampe erhebt. Bald schon lässt man die letzten Dörfer und Gehöfte hinter sich und je weiter man den Berg hinaufklettert, desto besser und schöner wird die Aussicht auf den Parco Storico di Monte Sole, der sich auf den Hügeln der anderen Talseite ausbreitet. Der Parco Storico di Monte Sole ist eine Mischung aus Naturschutzgebiet und Gedenkort an ein Massaker, das deutsche Truppen hier im Zweiten Weltkrieg verübten.
Die letzten Meter hinauf zur Antenne verlaufen einem schmalen Asphaltsträßchen. An manchen Stellen hat sich hier schon die Botanik Terrain zurückgekämpft und hell leuchtet das hohe Gras links und rechts der Straße in der Abendsonne.
Der verbleibende Teil der Runde ist im Abfahrtsmodus zu absolvieren. Zunächst nimmt man die Via Medelana den Bergrücken entlang nach Norden, vorbei an einem kleinen Schloss rechter Hand. Noch vor Mongardino zweigt die kleine Via Castelli recht ab, die ziemlich direkt hinunter nach Sasso Marconi führt.