Vor allem im Herbst zur Zeit der Laubfärbung zeigt diese Runde, weshalb die Gardasee-Region so beliebt bei Radsportlern ist.
Startpunkt ist das etwas nördlich von Rovereto gelegene Villa Lagarina. Von hier geht es zunächst etwas oed Etsch-aufwärzts bis Aldeno, wo dann aber Schluss mit lustig ist. Es geht über die SP25 ziemlich direkt hinauf nach Cimone und weiter durch ein ansteigendes Tal in Richtung Lago di Cei.
Wer die Tour im Herbst fährt, durchquert hier intensiv orange leuchtende Wälder – noch einmal bringen die Bäume alle Energie auf, um in allen Herbstfarben zu strahlen.
Nach einer kurzen Abfahrt kommt eine Kreuzung, wo man sich rechts hält und wieder aufwärts zum auf 1253m hoch gelegenen Passo Bordala kommt. Die Straße windet sich überaus lieblich zwischen Feldern und kurzen Waldpassagen nach oben – da kann schon etwas Wehmut über das nahende Urlaubsende aufkommen.
Doch noch liegt so mancher Kilometer vor uns. Eine rasante Abfahrt führt durch Ronzo-Chienis und Pannone hinunter nach Valle San Felice. Hier geht es links weg auf die SP45 und wir wechseln wieder in den Aufstiegsmodus. Vor Manzano durchfährt man einen kurzen Tunnel und anschließend wird das Asphaltband immer schmäler. Es zieht sich durch waldiges Gelände und terassenförmig angelegte Felder. Noch einmal zeigt die Gardaseeregion, weshalb sie sich zum Rennradfahren so eignet.
Die Abfahr ist dann zunächst bis Lenzima richtig, richtig steil, wo man dann nach den abenteuerlichen Sträßchen wieder die Zivilisation erreicht. Wer noch nicht genug hat, kann noch den kurzen Anstieg über Patone zurück nach Villa Lagarina mitnehmen. Ansonsten führt auch die Hauptstraße unten im Etschtal schnell und unkompliziert zurück zum Ausgangspunkt.
Von Malcesine aus ist der Monte Baldo bequem über eine Seilbahn erreichbar. Die See-abgewandte Seite ist weniger schroff und von etlichen Straßen durchzogen. Die hier beschriebene Tour windet sich von Mori aus in unzähligen Kehren und Kurven bis knapp unter den Gipfel des Monte Baldo und zieht danach – Gegenanstieg und Schotterpassage inklusive – in einem weiten Bogen zurück zum Ausgangspunkt. Eine herrliche Tagestour, die sowohl abgekürzt als auch noch weiter ausgebaut werden kann.
Vom Zentrum in Mori zieht die SP3 in Richtung Monte Baldo. Wenn man gleich am Parkplatz beim Ausladen der Räder von einer rennradbegeisterten Italienerin angesprochen wird, dann steigt die Motivation gleich noch einmal. Das ist auch gut so, weil es direkt vom Ausgangspunkt weg bergauf geht – und zwar durchgehend 1500 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt der Runde.
Da dieses Gebiet auch von anderen Freizeitsportlern, vor allem Wanderern, genutzt wird, kann der Verkehr auf der SP3 etwas nervig sein. Nach der achten Kehre, die am Ortsende von Besagno liegt, empfiehlt es sich daher, nach rechts in Richtung Castione abzubiegen. Wer hinter diesem Namen einen Hinweis auf ein Kastanienvorkommen vermutet, hat zwar im Ergebnis recht, offenbart aber Lücken in seinen Kenntnissen der italienischen Sprache (Kastanie = Casagno). Wie dem auch sei Ende Oktober findet hier ein der Marone gewidmetes Fest statt, bei dem es auch Honig und andere lokale Spezialitäten zu verkosten und kaufen gibt.
Aber zurück zum eigentlichen Unterfangen: In einer Rechtskurve noch vor Castione geht es geradeaus steil bergauf weiter bis man nach etwa einem Kilometer wieder auf die SP3 stößt. Nach Brentonico schraubt sich die Straße Kehre für Kehre hinauf nach San Giacomo, wobei immer wieder kurzen Abfahrten aber auch steilen Rampen den Rhythmus brechen.
Im Blickfeld hat man bald die Einsattelung, in der San Valentino liegt. Von dort führt eine zusehends enger werdende, in den steilen Hang geschlagene Straße vorbei am Rifugo Baita Fos-Ce durch einen im Herbst herrlich strahlenden Buchenwald, bis man die Waldgrenze und mit dem Rifugio Graziani den höchsten Punkt der Tour erreicht. Einen Espresso ist das allemal wert.
Von da an zieht sich die SP3 mit schnellen Kurven bergab, vorbei am Rifugio Boca Navene, von wo aus man einen grandiosen Blick auf den weit unten liegenden Gardasee hat. In einer kurvenreichen Abfahrt erreicht man den Boden eines kleinen Tales. Hier überquert man die Mauer eines Stausees und gelangt auf der anderen Talseite über einige Kehren fast wieder bis hinauf nach San Valentino.
Beim Hotel Sole del Baldo zweigt eine kleine Straße nach rechts ab. Sie führt zunächst gemächlich, dann aber immer steiler bergauf durch ein Almgebiet. Oben angekommen wird man mit einem Belagwechsel belohnt: für etwa einen Kilometer bewegen wir uns nun auf einer stets leicht bergab führenden Schotterstraße, bis zu unserer Freude wieder Asphalt erreicht wird.
Die nun folgende Abfahrt nach Polsa bietet herrliche Ausblicke, verläuft nur kurz vor der Ortschaft noch einmal über unbefestigten Untergrund, bevor es in aerodynamischer Haltung über Prada und Saccone – fast überhängend – hinunter ins Etschtal und über die SP90 zurück zum Ausgangspunkt geht.
Der Passo Santa Barbara verbindet Arco mit dem jenseits des Monte Velo gelegenen Ronzo. Seine Westrampe, bei der es immerhin über 1000 Höhenmeter zu erklimmen gilt, ist ein immer wieder überaus lohnendes Tourenziel!
Wer die Tour am Anreisetag fährt, startet am Besten in Loppio, das nur wenige Kilometer nach der Autobahnausfahrt Rovereto Sud liegt. Bis Nago verläuft ein Radweg, der der stark befahrenen Straße über Passo San Giovanni jedenfalls vorzuziehen ist. Von Osten kommend ist die sanft Steigung allerdings nicht als Pass wahrnehmbar.
Hinunter nach Arco entkommt man dem Verkehr zwar nicht, da das kurze Stück aber ohnedies ausschließlich bergab verläuft, ist es schnell absolviert.
In Vignole verläuft die Route rechts ab von der Hauptstraße. Was am Wegweiser steht, ist Programm: „Monte Velo“. Was folgt sind 1000 Höhenmeter Rennrag-Genuss verteilt auf 13 Kilometer und über 20 Kehren. In fairer Steigung schlängelt sich die SP48 hinauf nach Santa Barbara und den gleichnamigen Pass. Immer wieder eröffnen sich dabei herrliche Ausblicke auf den Garadasee und die Landschaft um Arco. Es sind übrigens nicht die zahlreichen Kehren namensgebend für diese Tour, sondern eine als Schlange bemalte Wurzel entlang der Auffahrt, die sich den Abhang hinauf windet.
Die Abfahrt zurück nach Loppio ist rasant, die Orientierung unschwer. Für alle, die nach der Ausfahrt Lust auf ein Inhalten haben, gibt es in Pannone neben der Straße rechts, fast am Ortsausgang, ein kleines Café, wo es den unerreichten italienischen Cappuccino gibt.
Manche Runden sind es wert, gefahren zu werden, auch wenn man dafür etwas mehr Verkehr als üblich in Kauf nehmen muss. Man kann zwar auch am Monte Baldo auf weiten Strecken dem Verkehr ausweichen, gerade zur Hauptferienzeit und an Wochenenden ist man hier an einem der Hauptausflugsziele der Veroneser aber sicher nicht alleine. Macht aber nichts: wenn es eine Runde wert ist, Verkehr in Kauf zu nehmen, dann diese.
Der Monte Baldo ist ein Bergrücken, der auf 30 Kilometern Länge den Gardasee vom Etschtal trennt und diesen um mehr als 2000 Meter überragt. Er ist eines der interessantesten botanischen Gebiete des Alpenraumes, was ihm auch den Beinamen „Garten Europas“ eingebracht hat. Als sogenannter Nunatak hat er nämlich während sämtlicher Eiszeiten die Eisdecke überragt, was ihn zu einem Rückzugsort für viele Pflanzen und Tiere gemacht hat. Soviel dazu, uns interessiert heute allerdings wesentlich mehr, dass drei Straßen auf dieses Bergmassiv führen, die oben durch eine panoramareiche Höhenstraße der Extraklasse miteinander verbunden sind.
Und während man die Südauffahrt von Caprino Veronese im Sommer eher meiden wird, kommt ihre Sonnenexponiertheit bei einer herbstlichen Ausfahrt gerade recht. Nicht nur während der Auffahrt, auch oben auf der Sonnenterrasse des Refugio ist das Kurzarmtrikot selbst im November die adäquate Bekleidung.
Wir starten die Runde in Avio. Damit nutzen wir den flachen Abschnitt im Etschtal, das in diesem Bereich auch Vallagarina genannt wird, zum Einradeln. Je nach Verkehrslage kann man dafür entweder die Hauptstraße (SP11) oder den daneben verlaufenden, durchwegs asphaltierten, teilweise allerdings mühsam zick-zack verlaufenden Radweg, der Trient mit Verona verbindet, wählen.
Nach 20 Kilometern verlassen wir bei erster Gelegenheit das Etschtal. Über zwei Kehren kommen wir nach Zuane, wählen hier aber noch nicht den direkten Weg zum Monte Baldo, sondern gönnen uns noch einen kleinen Umweg durch die Bardolino-Weinberge. Es kann ja nicht schaden, wenn schon einmal der spätere Inhalt des Weinglases begutachtet wird. Über Pesina und Boi fahren wir nach Caprino Veronese, wo dann der Anstieg tatsächlich beginnt.
Wie oben erwähnt ist die Straße, die hinauf ins Baldo-Massiv führt, sehr schön, mitunter aber relativ stark befahren. Man kann aber immer wieder auf teilweise recht steile, dafür aber kleine und kaum frequentierte Sträßchen ausweichen. Das erste Mal gleich nach Caprino Veronese, wo eine schöne Variante über den kleinen Ort Vilmezzano führt, das nächste Mal nach zwei Kilometern auf der Hauptstraße, wo ein ebenso schöner Abstecher direkt nach Spiazzi führt. Und in Spiazzi kann man dann sowieso auf die längste und schönste Variante ausweichen, die weitere sieben verkehrsfreie Kilometer ermöglicht.
Dann ist es vorbei mit den Varianten, was aber nicht weiter schlimm ist: denn erstens hat der Verkehr hier oberhalb der Ortschaften schon deutlich abgenommen und zweitens ist die Straße ab hier so schön, dass man sie gerne mit dem ein oder anderen Ausflügler teilt. Zunächst noch in moderater Steigung, dann aber doch durchwegs um und über 10% Steigung zieht die Straße durch eine zunehmend offenere Berglandschaft. Es ist steil und anstrengend, die auf einem Verkehrsschild angekündigten 19% werden aber nicht erreicht. Nach diesem steilsten Abschnitt hinauf zum höchsten Punkt der Runde folgt eine Zwischenabfahrt, gefolgt von einer sensationellen Höhenstraße hinüber zur Bocca di Navene, dem tiefsten Einschnitt im Baldo-Rücken, der einen atemberaubenden Blick auf den gut 1300 Meter unter uns liegenden Gardasee zu bieten hat.
Ganz hat man sein Pulver bis hierher hoffentlich nicht verschossen, es folgen nämlich noch einmal 200 Höhenmeter auf den nächsten 2,5 Kilometern hinauf zur Bocca del Creer, wo wir den Anstieg dann aber endgültig bewältigt haben. Und wenn man es dann auch noch schafft, bei der etwas ungnädigen Bedienung im Rifugio Graziani eine Bestellung abzugeben, trennt einen nur noch ein Radler von einer Abfahrt ohne Flachstück hinunter nach Avio. Mit glühenden Bremsen und überwältigt von den unzähligen Ein- und Ausblicken gelangt man schließlich zum Ausgangspunkt dieser sensationellen Runde.
Es wundert mich immer wieder, wie unterschiedlich Rennradfahrer sind. Man würde meinen, dass doch eine Mehrheit versucht, die Hauptverkehrsstrecken zu meiden und sich eher auf kleine und ruhige Straßen zurückzieht. Weit gefehlt. Während sich an diesem herrlichen warmen Herbstsamstag unglaubliche Mengen an Radfahrern, teilweise Gruppen von 30 und mehr Radlern, mit ebenso vielen Auto- und Motorradfahrern auf der Gardesana mit ständigem Gehupe und Geschimpfe herumärgern, ist man nur wenig Kilometer westlich vom Trubel völlig alleine. Einige Tollkühne begleiten uns noch die erste Steigung hinauf bis Navazzo, spätestens hier, acht Kilometer vom Trampelpfad entfernt, drehen dann aber auch sie um und Radfahrer bekommen wir auf den nächsten 40 Kilometern keine mehr zu sehen. Und das definitiv nicht, weil sich dieser Abstecher ins Hinterland nicht auszahlen würde.
Vom Parkplatz in Gargnano geht es kurz auf der Gardesana südwärts, bevor man rechts dem Wegweiser Richtung Capovalle folgen kann. Bereits hier zeigt die Runde, was sie zu bieten hat. Mit wunderbaren Blicken über den Gardasee auf das auf der anderen Seeseite aufragende Baldo-Massiv zieht die Straße in langgezogenen Serpentinen knapp 500 Höhenmeter nach oben.
Kurz vor Navazzo legt sich die Straße deutlich nach hinten und der bis hierin schon kaum wahrnehmbare Verkehr hört jetzt völlig auf.
Durch ein einsames, tief eingeschnittenes und dicht bewaldetes Tal schlängelt sich die Straße ins Landesinnere. Man fährt vorbei an der über 100 Meter hohen Staumauer und dem dahinter liegenden fjordartigen Lago di Valvestino. Fotomotive ergeben sich genügend.
Kurz nach Ende des Stausees erreicht man eine Kreuzung, an der man entweder links abzweigen und den direkten Weg nach Capovalle nehmen kann, oder aber man baut noch einen kleinen Umweg über die einsamen Bergdörfer Turano, Persone und Moerna ein, bevor man ebenfalls nach Capovalle kommt.
Diese Dörfer sind übrigens alle ausschließlich von Süden, also von der Lombardei aus, zu erreichen, trotzdem kämpfen sie seit Jahren darum, wieder dem Trentino, dem sie bis 1934 angehörten, angegliedert zu werden.
Unmittelbar nach Capovalle überquert man den Passo San Rocco, dessen Westrampe von Idro heraufzieht. Bereits in der ersten Serpentine der Abfahrt kann man die Hauptstraße schon wieder Richtung Treviso Bresciano und Passo del Cavallino della Fobbia verlassen. Ein schmales, traumhaftes Sträßchen zieht steil und kurvenreich hinauf zu diesem unbekannten Pass, dem höchsten Punkt dieser Runde. Spektakulär durchzieht das Asphaltband die steilen, bewaldeten Abhänge und führt später an einer hübsch gelegenen kleinen Wallfahrtskirche vorbei, die anlässlich einer Marienerscheinung hierher in die Einsamkeit gebaut wurde. Auf der Liste der schönsten Rennradstraßen nimmt dieser Abschnitt auf jeden Fall einen vorderen Rang ein.
Die nun folgende enge Abfahrt erfordert wegen der Straßenverhältnissen einige Vorsicht und bringt einen hinunter nach Vobarno im Val Sabbia. In Vobarno biegt man links auf die Hauptstraße ab, kann diese aber schon bald, nachdem ein Tunnel rechts umfahren wurde, wieder verlassen und fährt durch einige Dörfer nach Salò, der größten Stadt am Westufer des Gardasees.
Falls man nicht unbedingt durchs Zentrum von Salò fahren will, bleibt man am besten auf der Umfahrungsstraße, der Via dei Colli. Nach nicht einmal drei Kilometern kann diese verkehrsreiche Straße auch schon wieder verlassen werden, die Runde hat nämlich noch ein weiteres Highlight zu bieten. Verheißungsvoll kündigt der Wegweiser die links abzweigende „strada panoramica“ an. Und das ist auch nicht zu viel versprochen. Herrliche Tiefblicke auf Salò und den See entschädigen auf jeden Fall für den Umweg und den zusätzlichen 300-Höhenmeter-Anstieg.
Damit sind die Schwierigkeiten der Runde aber fast geschafft. Ebenso panoramareich geht es hinunter nach Toscolano-Maderno und von hier entweder auf der Gardesana oder auf einer parallel dazu verlaufenden kleineren Straße, die allerdings noch einmal 100 Höhenmeter erfordert, zurück nach Gargnano, wo wir es uns erschöpft aber zufrieden in einem der Cafés an der Seepromenade gemütlich machen.
Der Monte Bondone, der Hausberg von Trient, ist nicht nur beliebtes Wandergebiet im Sommer, sowie Schi- und Langlaufdestination im Winter, sondern dank seiner drei hinaufführenden Straßen auch unter Radfahrern sehr beliebt. Dass er zudem ein Aussichtsberg sondergleichen ist und bereits mehrfach am Programm beim Giro d’Italia und beim Giro del Trentino stand, macht ihn zum Paradeziel für Rennradfahrer im Gardaseegebiet.
Ausgangspunkt dieser wunderbaren aber anspruchsvollen Runde ist Arco. Zum Einradeln geht es unter den mächtigen Ostwänden des Monte Colodri, in denen schon einige Seilschaften am Werk sind, auf einer kleinen Straße nach Dro. Wir überqueren die Hauptstraße und dann beginnt auch schon der erste Anstieg des Tages.
Durch die einzigartige Steinwüste der Marocche di Dro, die zwischen 3000 bis 200 v.Chr. durch mehrere gewaltige Felsstürze vom Monte Brento-Massiv entstanden ist, schlängelt sich das Asphaltband in moderater Steigung hinauf nach Drena mit seinem weithin sichtbaren Castello. Von dort steigt die Straße weiterhin sanft an, bis wir bald einen kleinen Übergang, sogar mit eigenem Passschild: Passo Sant’ Udalrico, erreichen.
Es folgt eine kurze Abfahrt, bevor wir kurz vor Lasino rechts Richtung Monte Bondone abzweigen, wo der Hauptanstieg des Tages beginnt. Auf einer perfekt ausgebauten Straße und doch völlig verkehrsfrei geht es in langen Querfahrten immer weiter hinauf. Nach einem kurzen Flachstück beim Lago di Lagolo, wo etliche Ferienhütten stehen, lichtet sich der Wald zunehmend und es eröffnen sich grandiose Blicke über die Gardasee-Berge, die mächtigen Brenta-Gipfel und das vergletscherte Adamello-Massiv. Aufgrund der durchwegs moderaten Steigung um die 8% ist die Auffahrt trotz der ab Lasino zu überwindenden 1100 Höhenmeter ein wahrer Genuss.
Oben legt sich die Straße dann deutlich zurück und wir kommen auf ein schönes Hochplateau, wo der höchsten Punkt der Runde erreicht ist. Auf der anderen Bergseite zieht die deutlich anspruchsvollere Auffahrt von Trient herauf, die zuletzt 2006 Bergankunft beim Giro d’Italia war.
Wir aber zweigen am höchsten Punkt rechts ab Richtung Garniga und Rovereto, lassen das kleine Gasthaus rechts liegen und nehmen die nun folgende Abfahrt in Angriff. Eine phantastische kleine Straße schlängelt sich durch die steilen Laubwälder hinunter ins Etschtal und das Herbstlaub, dass dank des fehlenden Verkehrs auf der Straße liegen bleibt, erfordert zwar etwas mehr Vorsicht in den Kurven, macht die Abfahrt aber definitiv noch stimmungsvolller.
Nach Carniga Terme, einem auf den ersten Blick unscheinbaren kleinen Bergort, der aber immerhin Italiens Zentrum für die Heubad-Therapie ist, geht es mit grandiosen Tiefblicken noch kurz weiter bergab, bevor wir nach der Ortsdurchfahrt von Cimoneri in einer Serpentine dem Wegweiser Richtung fraz. Frizzi folgen können. Auf dieser kleinen Abkürzung ersparen wir uns ein paar Höhenmeter, stoßen aber bald wieder auf unsere Straße, die SP25, und die geht es jetzt zunächst doch ordentlich steil hinauf zum Lago di Cei.
Auch wenn es hier kurz bergab geht, sollte man sich nicht zu früh freuen, denn bis hinauf auf den Passo di Bordala sind es immerhin noch sechs Kilometer. Die Durchschnittssteigung hält sich dabei zwar in Grenzen, einige giftige Rampen gilt es aber doch zu überwinden. Schließlich sind wir oben angelangt, und wer sich jetzt noch einige Körner aufgespart hat, kann sich glücklich schätzen. Denn nach der Abfahrt hinunter nach Ronzo-Chienis, den Hauptort des Val di Gresta, warten noch einmal drei gemeine Kilometer hinauf auf den von dieser Seite eher unscheinbaren Passo Santa Barbara. Vor allem der mittlere Kilometer ist unangenehm steil und lässt noch einmal ordentlich Laktat in die ohnehin schon müden Oberschenkel einschießen.
Bei der heiligen Barbara sind die Schwierigkeiten der Runde schließlich absolviert und das einzige, das uns jetzt noch von der verdienten Birra grande in Arco trennt, ist die grandiose 1000-Höhenmeter-Abfahrt auf der legendären Monte Velo Straße: Was für ein Abschluss dieser herrlichen Runde.
Die nördlichen Gardaseeberge sind ein wahres Rennradparadies. Während man rund um den See dem Trubel kaum ausweichen kann, hat man nur wenige Kilometer davon entfernt seine absolute Ruhe. So auch auf dieser landschaftlich grandiosen Runde, die das Zeug zum Klassiker hat.
Von Arco sucht man sich den Weg nach Varone und ab hier schlängelt sich die Straße in moderater Steigung durch die Olivenhaine und Weinberge hinauf nach Tenno mit dem schon von weitem sichtbaren Castello. An einem wolkenlosen Herbsttag, wie in unserem Fall, ist die Auffahrt mit den schönen Blicken hinunter zum Gardesee ein wahres Vergnügen.
Vorbei am tief türkisen Tennosee, im Sommer eine beliebte Badealternative zum Gardasee, steigt die Straße weiter an bis Ballino und dem gleichnamigen Pass. Verkehr gibt es hier heroben fast keinen mehr. In Ballino hat übrigens zwischen 1785 und 1788 kein geringerer als der damals gerade einmal 18-jährige Andreas Hofer gelebt und gearbeitet, lange bevor er zum Tiroler Freiheitskämpfer wurde.
Nach kurzer Abfahrt zweigt man links ab Richtung Fiavé. Diese schöne Gegend ist schon seit der frühen Bronzezeit besiedelt. Im nahe gelegenen Lago Carera wurden Reste von Pfahlbauten gefunden, die etwa um 2300 v.Chr. errichtet wurden und unter Unesco-Weltkulturerbeschutz stehen. Gleiches gilt übrigens auch für die Pfahlbauten im nahen Ledrosee, wo es auch ein nettes kleines Museum gibt.
Der weitere Streckenverlauf aber hält geradewegs auf den gut erkennbaren Einschnitt in der westlich von uns verlaufenden Bergkette zu, den Passo Duron. Knapp 400 weitere Höhenmeter gilt es bis zur Passhöhe, die auf knapp über 1000 Metern liegt, zu überwinden, was aber dank des schönen Panoramas und der angenehmen Temperaturen rasch geschafft ist. Die Abfahrt hinunter ins Sarcatal ist da schon bedeutend erfrischender.
Nach dem hübschen Örtchen Zuclo zweigt man rechts ab und erreicht kurz darauf die Hauptstraße im Talboden. Sie kann nach nur wenigen hundert Metern wieder verlassen und auf einer einsamen Straße entlang der Dörfer, die sich an die Südhänge der Brentaausläufer schmiegen, geht es ostwärts Richtung Stenico.
Und hier zeigt sich wieder einmal, dass das Glück auf der Seite des Tüchtigen ist. Die von uns ignorierte Straßensperre beschert uns nämlich einen perfekten frischen Asphaltbelag. Verkehr gibt es hier zwar auch sonst keinen, aber diese frisch sanierte, jungfräuliche Paradestraße hoch über der Sarca als erster zu befahren, ist schon ein besonderes Vergnügen.
In Stenico gibts in der Bar Centrale zur Hälfte der Runde erst einmal eine Espresso-Pause. Und wer glaubt, die Runde war schon schön genug und mit den Höhepunkte sei es das gewesen, der kann beruhigt werden. Es geht in gleicher Tonart weiter!
Zunächst nach Villa Banale und hinunter zur Sarca und dann durch die phantastische Sarcaschlucht. Die Befürchtung, dass sich die alte Straße durch die Schlucht noch in einem derart desolaten Zustand befindet, dass sie mit dem Rennrad definitiv nicht befahrbar ist, erweist sich zum Glück als nicht mehr aktuell. Irgendwann in den letzten Jahren wurde diese spektakuläre Strecke durch die senkrechten Steilwände saniert und in einen perfekten Radweg verwandelt, was uns zum Glück erspart, die beiden je ein Kilometer langen Tunnels durchfahren zu müssen.
Unten in Sarche angekommen überquert man die Hauptstraße und auf verkehrsfreien kleinen Nebenstraßen kommt man zum Lago di Cavedine.
Dieser nette kleine See, an dessen Ostufer es entlang geht, ist im Rahmen mehrerer Felsstürze vom Monte Brento entstanden. Und damit sind wir auch schon mitten im letzten Highlight unserer Runde. Richtig unwirklich erscheint die Fahrt durch dieses gewaltige Bergsturzgebiet, die Marocche di Dro. Dieses ist vermutlich zwischen 3000 und 200 v.Chr. durch mehrere Felsabbrüche entstanden ist. Im Gegensatz zur sonst so üppigen Vegetation des Sarcatales befindet man sich hier in einer richtigen Mondlandschaft und man kann das Ausmaß dieser Gesteinsablagerungen etwas erahnen, wenn man sich vor Augen hält, dass auch nach Jahrtausenden weite Teile dieses Gebietes vegetationslos sind.
Der Rest der Runde dient dann nur mehr dem Ausradeln. Kurz nach Dro sucht man sich den Radweg, der entlang der Sarca zurück zum Ausgangspunkt führt.
Wenn man durchs Sarca-Tal nach Norden fährt, sieht man von weitem den Monte Ranzo, der sich nördlich des Lago di Toblino erhebt. Und ebenso gut erkennt ein aufmerksamer Zeitgenosse, dass dessen Südseite von einer feinen Linie durchzogen wird: ein exponiertes Sträßchen, das in den gleichnamigen Ort Ranzo führt. Das Problem für den Rennradfahrer, der ja doch am liebsten vollständige Runden fährt, ist, dass diese Straße im kleinen Ort Ranzo endet. Was also machen? Auf diese grandiose und panoramareiche Straße verzichten, weil sie in keine Runde passt? Oder akzeptieren, dass es sich um eine Stichstraße handelt und es auf dem gleichen Weg wieder hinunter geht? Da uns beide Varianten nicht rundum glücklich machen, haben wir nach einer 3. Möglichkeit gesucht.
Solange Profiradrennen über den Colle delle Finestre, auf den Kronplatz, auf den Strade bianche rund um Siena und auf dem berüchtigten französisch-belgischen Kopfsteinpflaster ausgetragen werden, solange brauchen wir Amateure uns nicht auf tip-top Asphalt beschränken und die ein oder andere selektive Passage ist uns zuzumuten.
Uns so sind wir von unserem Startort Sarche zunächst ostwärts über Ponte Oliveti hinauf nach Calavino und von hier weiter nach Vezzano gefahren. In Vezzano beginnt sie dann, diese Panoramastraße der Extraklasse. Und da sich die Steigung durchgehend in Grenzen hält, kann man die grandiosen Ausblicke übers Sarca-Tal bis hin nach Arco und zum Gardasee so richtig genießen.
Wie gesagt, die asphaltierte Straße endet in Ranzo, aber mit etwas Pioniergeist kann man das Ganze doch zu einer Runde vervollständigen. Eine ebenfalls panoramareiche Schotterstraße, mit schönen Blicken in die Brenta, zieht hinüber ins Nachbartal, wo nach langen 6,5 Kilometer wieder Asphalt unter dem Gummi zu finden ist. Alles in allem ist dieser Abschnitt definitiv mit dem Straßenrad befahrbar, den ein oder anderen Platten, in unserer 6er-Gruppe waren es zwei, sollte man aber schon einkalkulieren.
Nach wenigen hundert Metern Asphalt kommt eine Kreuzung, wo man rechts zur gut ausgebauten SS421 kommt. Wenn man an dieser Stelle vom Schotter noch nicht völlig entnervt ist, kann man hier scharf links Richtung Moline abbiegen. Der Haken dabei ist, dass kurz vor einer kleinen Kirche ein 700 Meter langer Pflastersteinabschnitt beginnt, gegen den der berüchtigte Wald von Arenberg der reinste Boulevard ist.
Gut durchgeschüttelt lässt man im verschlafenen Molina die Grauslichkeiten endgültig hinter sich und auf glattem spießigen Untergrund geht es nach San Lorenzo in Banale und weiter talaus bis zu deren Einmündung in die SS237.
Diese stark befahrene Straße führt über einige längere Tunnels wieder hinunter nach Sarche. Zum Glück wurde in den letzten Jahren die alte, spektakulär durch die Sarca-Schlucht verlaufende Straße zu einem perfekten Radweg saniert, sodass diese Variante nicht mehr wie vor der Sanierung den Mountainbikern vorbehalten ist.
Und so gestalten sich auch die letzten Kilometer dieser vielleicht nicht in sportlicher Hinsicht anspruchsvollsten, dafür aber umso abwechslungs- und erlebnisreicheren Runde noch einmal kurzweilig.
Die Straße der Schlucht: Von den drei schönen Straßen, die hinauf nach Tremosine ziehen, ist zweifellos die 1913 eingeweihte Strada della forra die spektakulärste. Nachdem sie von Winston Churchill als das 8. Weltwunder bezeichnet und von Daniel Craig im James Bond „Ein Quantum Trost“ befahren wurde, gelangt diese phantastische Straße nun ein drittes Mal zu großen Ehren: sie wird ins Tourenportfolio des Cyclisten aufgenommen. Was kann eine Traumstraße mehr errreichen?
Man würde es aufgrund der Eckdaten der Runde (nur 24 Kilometer!) nicht vermuten, aber sie ist eine der spektakulärsten Touren des Gardaseegebietes. Drei Straßen führen hinauf auf das Hochplateau von Tremosine, eine von Norden von Limone, eine von Süden und eine direkt herauf vom See durch eine enge Schlucht, die Strada della forra. Alle drei sind es wert, befahren zu werden, zu einer Runde kann man sie aber trotzdem nur schwer verbinden. Denn dafür müsste man auf die Gardesana ausgeweichen und die ist in diesem Bereich noch tunnelreicher als sonst und daher eher lebensgefährlich als genussreich.
Wenn man die Gardesana occidentale Richtung Süden fährt, kommt einige Kilometer nach Limone eine längere Tunnel-Galerie-Kombination, an deren Ende rechts die SP38 nach Tremosine abzweigt. Seeseitig befindet sich am südlichen Tunnelportal eine Ausbuchtung mit Bushaltestelle, wo man meist einen freien Parkplatz findet. Wenn man vom Parkplatz nach oben schaut, sieht man schon die querende, spektakulär durch die Felswand verlaufende Straße. Fast unmittelbar beim Parkplatz wird ein kurzer Tunnel durchfahren und schon beginnt die Auffahrt.
Von Anfang an geht es bergauf, allerdings in durchwegs moderaten Steigungsprozenten. Kurz nach der ersten Kehre kommt ein längerer unbeleuchteter Tunnel, den man rechts auf einem asphaltierten Streifen umfahren kann. Es liegen zwar einige Steine am Weg, aber angesichts der Alternative des unbeleuchteten Tunnels ist die Umfahrung unbedingt zu empfehlen. Unglaublich spektakulär zieht die Straße entlang der hier besonders steil zum See abfallenden Felswände, wodurch sich immer wieder phantastische Blicke ergeben. Schließlich zweigt die Straße ins Landesinnere ab und schlängelt sich durch eine enge Schlucht aufwärts. Die überhängend aufragenden Wände berühren sich scheinbar über uns und man kommt aus dem Staunen kaum heraus.
Nach der Schlucht geht es weiter bergauf nach Pieve, wo man sich rechts Richtung Voltino und Vesio hält. Man kann diese Straße aber bald links Richtung Musio verlassen und über eine 14%-Rampe geht es in den kleinen Ort Sompriezzo und weiter nach Secastello. Über ein schönes Hochtal wird Sermerio erreicht, von wo aus es nur noch bergab zurück zum Ausgangspunkt geht.
Über Pregasio kommt man wieder nach Pieve, wo man sich einen Blick von den steil abfallenden Klippen hinunter auf den See nicht entgehen lassen sollte, entweder direkt vom Ortskern oder von der berühmten Terrasse des Schauders, der terrazza del brivido, des Hotels Paradiso.
Und weil sie so schön und eindrucksvoll ist, geht es von Pieve noch einmal über die Strada della forra hinunter zum See. Übrigens sollte man den längeren Tunnel auch bei der Abfahrt umfahren. Der ist dermaßen dunkel, dass man trotz der Radlichter kaum etwas sieht.
Trotz der Kürze eine absolut lohnende Runde, die sich besonders für den An- oder Abreisetag anbietet.