Cyclist DEV

Wenn sich in einem abgeschiedenen Bergtal im italienischen Teil der Julischen Alpen ein uralter slawischer Dialekt zu einer eigenen Literatursprache entwickelt hat, wenn sich in diesem Tal zudem die wenigen Einwohner zu einer eigentümlichen, jahrhundertealten Musik, bestehend aus nur zwei Instrumenten der Geige „cïtira“ und der Baßgeige „bünkula“, in Trance tanzen, und wenn dann auch noch eine kleine, erst seit wenigen Jahren für den öffentlichen Verkehr freigegebene Straße ins jenseits des schroffen Talabschlusses liegende Ucceatal führt, dann sind das die Zutaten aus denen sich eine Rennrad-Runde ganz nach unserem Geschmack formen läßt.

Die Rede ist hier vom Resiatal, einem wenig beachteten Seitental des Canal del Ferro, das man auf dem Weg in den Süden meist unbeachtet lässt. Dieses landschaftlich und kulturell hochinteressante Tal nimmt zwar nur einen kleinen Teil dieser Runde ein, doch dieser gefällt uns so sehr, dass wir ihn ganz bewußt in den Mittelpunkt dieser Ausfahrt stellen.

Ausgangspunkt ist allerdings das etwas weiter westlich gelegene Cavazzo Carnico. Es geht zunächst über den Tagliamento, dann über die Fella und dann der Fella entlang flußaufwärts bis Resiutta. Hier zweigen wir ab in das oben erwähnte Resiatal und bereits die ersten noch flachen Kilometer lassen jedes Rennradlerherz höher schlagen.

Noch bevor man die verstreuten Ortschaften des Tales erreicht, zweigt eine kleine Straße Richtung Süden ab und die Steigung nimmt schlagartig zu. 700 Höhenmeter gilt es auf den nächsten sechs Kilometern zu überwinden und zu allem Überdruß nimmt die Steigung der engen, verkehrsfreien und erst seit wenigen Jahren durchgehend asphaltierten Straße gegen oben hin immer mehr an Steigung zu, was in einer Maximalsteigung von fast 20% gipfelt. Der Anstieg auf die Sella Carnizza verläuft fast durchgehend im Wald und erst kurz nach dem höchsten Punkt kommt man zu einer kleinen offenen Almfläche mit einigen Steinhäuschen.

Dem Uccea-Bach entlang geht es in deutlich moderaterem Gefälle hinaus Richtung Slowenien, noch bevor man allerdings die Grenze erreicht, zweigt man rechts auf eine breite gut ausgebaute Straße ab, die hinauf auf den Passo di Tanamea und dann hinaus in die friulanische Ebene nach Tarcento führt. Breit und gut ausgebaut klingt grundsätzlich nach Verkehr, der ist aber in dieser einsamen Gegend im Niemandsland zwischen Italien und Slowenien nicht existent.

Hat man nach der relativ flachen Abfahrt, die fast ständiges Kurbeln erfordert, Tarcento erreicht, gibt es zwei Möglichkeiten für die weitere Streckenplanung. Entscheidet man sich für die kürzere Variante, sucht man sich die Straße nach Gemona, überquert dann den Tagliamento und erreicht bei Bordano auf der westlichen Tagliamento-Seite wieder die im Anschluss beschriebene Route.

Hat man sich noch einige Körner aufgespart, zahlt sich aber durchaus ein Umweg durch die friulanische Tiefebene hinüber nach San Daniele aus. Der folgende Anstiege über den Giro erprobten Monte di Ragogna und die wunderschöne, den Tagliamento entlang führende Strada di Bottecchia entlohnen einen reichlich für die zusätzlichen Kilometer. Dieser Rundenabschnitt, insbesondere wie die Strada di Bottecchia zu ihrem Namen kam, sind schon hier beschrieben.

Über Braulins und Bordano geht es zurück Richtung Norden. Die Straße zwängt sich zwischen den Tagliamento und die unmittelbar vom Flußufer aufragenden Berge, wobei es auch hier grandiose Straßen, die man mit Fug und Recht als Geheimtipp bezeichnen kann, zu entdecken gibt. 

Wo die Straße wieder den Tagliamento quert, bleiben wir am westlichen Ufer, und folgen dem sehr empfehlenswerten Alpe-Adria-Radweg zurück zum Ausgangspunkt.

 

Vor allem im Herbst zur Zeit der Laubfärbung zeigt diese Runde, weshalb die Gardasee-Region so beliebt bei Radsportlern ist.

Startpunkt ist das etwas nördlich von Rovereto gelegene Villa Lagarina. Von hier geht es zunächst etwas oed Etsch-aufwärzts bis Aldeno, wo dann aber Schluss mit lustig ist. Es geht über die SP25 ziemlich direkt hinauf nach Cimone und weiter durch ein ansteigendes Tal in Richtung Lago di Cei.

Wer die Tour im Herbst fährt, durchquert hier intensiv orange leuchtende Wälder – noch einmal bringen die Bäume alle Energie auf, um in allen Herbstfarben zu strahlen.

Nach einer kurzen Abfahrt kommt eine Kreuzung, wo man sich rechts hält und wieder aufwärts zum  auf 1253m hoch gelegenen Passo Bordala kommt. Die Straße windet sich überaus lieblich zwischen Feldern und kurzen Waldpassagen nach oben – da kann schon etwas Wehmut über das nahende Urlaubsende aufkommen.

Doch noch liegt so mancher Kilometer vor uns. Eine rasante Abfahrt führt durch Ronzo-Chienis und Pannone hinunter nach Valle San Felice. Hier geht es links weg auf die SP45 und wir wechseln wieder in den Aufstiegsmodus. Vor Manzano durchfährt man einen kurzen Tunnel und anschließend wird das Asphaltband immer schmäler. Es zieht sich durch waldiges Gelände und terassenförmig angelegte Felder. Noch einmal zeigt die Gardaseeregion, weshalb sie sich zum Rennradfahren so eignet.

Die Abfahr ist dann zunächst bis Lenzima richtig, richtig steil, wo man dann nach den abenteuerlichen Sträßchen wieder die Zivilisation erreicht. Wer noch nicht genug hat, kann noch den kurzen Anstieg über Patone zurück nach Villa Lagarina mitnehmen. Ansonsten führt auch die Hauptstraße unten im Etschtal schnell und unkompliziert zurück zum Ausgangspunkt.

Von Malcesine aus ist der Monte Baldo bequem über eine Seilbahn erreichbar. Die See-abgewandte Seite ist weniger schroff und von etlichen Straßen durchzogen. Die hier beschriebene Tour windet sich von Mori aus in unzähligen Kehren und Kurven bis knapp unter den Gipfel des Monte Baldo und zieht danach – Gegenanstieg und Schotterpassage inklusive – in einem weiten Bogen zurück zum Ausgangspunkt. Eine herrliche Tagestour, die sowohl abgekürzt als auch noch weiter ausgebaut werden kann.

Vom Zentrum in Mori zieht die SP3 in Richtung Monte Baldo. Wenn man gleich am Parkplatz beim Ausladen der Räder von einer rennradbegeisterten Italienerin angesprochen wird, dann steigt die Motivation gleich noch einmal. Das ist auch gut so, weil es direkt vom Ausgangspunkt weg bergauf geht – und zwar durchgehend 1500 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt der Runde. 

Da dieses Gebiet auch von anderen Freizeitsportlern, vor allem Wanderern, genutzt wird, kann der Verkehr auf der SP3 etwas nervig sein. Nach der achten Kehre, die am Ortsende von Besagno liegt, empfiehlt es sich daher, nach rechts in Richtung Castione abzubiegen. Wer hinter diesem Namen einen Hinweis auf ein Kastanienvorkommen vermutet, hat zwar im Ergebnis recht, offenbart aber Lücken in seinen Kenntnissen der italienischen Sprache (Kastanie = Casagno). Wie dem auch sei Ende Oktober findet hier ein der Marone gewidmetes Fest statt, bei dem es auch Honig und andere lokale Spezialitäten zu verkosten und kaufen gibt.

Aber zurück zum eigentlichen Unterfangen: In einer Rechtskurve noch vor Castione geht es geradeaus steil bergauf weiter bis man nach etwa einem Kilometer wieder auf die SP3 stößt. Nach Brentonico schraubt sich die Straße Kehre für Kehre hinauf nach San Giacomo, wobei immer wieder kurzen Abfahrten aber auch steilen Rampen den Rhythmus brechen.

Im Blickfeld hat man bald die Einsattelung, in der San Valentino liegt. Von dort führt eine zusehends enger werdende, in den steilen Hang geschlagene Straße vorbei am Rifugo Baita Fos-Ce durch einen im Herbst herrlich strahlenden Buchenwald, bis man die Waldgrenze und mit dem Rifugio Graziani den höchsten Punkt der Tour erreicht. Einen Espresso ist das allemal wert.

Von da an zieht sich die SP3 mit schnellen Kurven bergab, vorbei am Rifugio Boca Navene, von wo aus man einen grandiosen Blick auf den weit unten liegenden Gardasee hat. In einer kurvenreichen Abfahrt erreicht man den Boden eines kleinen Tales. Hier überquert man die Mauer eines Stausees und gelangt auf der anderen Talseite über einige Kehren fast wieder bis hinauf nach San Valentino.

Beim Hotel Sole del Baldo zweigt eine kleine Straße nach rechts ab. Sie führt zunächst gemächlich, dann aber immer steiler bergauf durch ein Almgebiet. Oben angekommen wird man mit einem Belagwechsel belohnt: für etwa einen Kilometer bewegen wir uns nun auf einer stets leicht bergab führenden Schotterstraße, bis zu unserer Freude wieder Asphalt erreicht wird. 

Die nun folgende Abfahrt nach Polsa bietet herrliche Ausblicke, verläuft nur kurz vor der Ortschaft noch einmal über unbefestigten Untergrund, bevor es in aerodynamischer Haltung über Prada und Saccone – fast überhängend – hinunter ins Etschtal und über die SP90 zurück zum Ausgangspunkt geht.

Der Passo Santa Barbara verbindet Arco mit dem jenseits des Monte Velo gelegenen Ronzo. Seine Westrampe, bei der es immerhin über 1000 Höhenmeter zu erklimmen gilt, ist ein immer wieder überaus lohnendes Tourenziel!

 

Wer die Tour am Anreisetag fährt, startet am Besten in Loppio, das nur wenige Kilometer nach der Autobahnausfahrt Rovereto Sud liegt. Bis Nago verläuft ein Radweg, der der stark befahrenen Straße über Passo San Giovanni jedenfalls vorzuziehen ist. Von Osten kommend ist die sanft Steigung allerdings nicht als Pass wahrnehmbar.

Hinunter nach Arco entkommt man dem Verkehr zwar nicht, da das kurze Stück aber ohnedies ausschließlich bergab verläuft, ist es schnell absolviert. 

In Vignole verläuft die Route rechts ab von der Hauptstraße. Was am Wegweiser steht, ist Programm: „Monte Velo“. Was folgt sind 1000 Höhenmeter Rennrag-Genuss verteilt auf 13 Kilometer und über 20 Kehren. In fairer Steigung schlängelt sich die SP48 hinauf nach Santa Barbara und den gleichnamigen Pass. Immer wieder eröffnen sich dabei herrliche Ausblicke auf den Garadasee und die Landschaft um Arco. Es sind übrigens nicht die zahlreichen Kehren namensgebend für diese Tour, sondern eine als Schlange bemalte Wurzel entlang der Auffahrt, die sich den Abhang hinauf windet. 

Die Abfahrt zurück nach Loppio ist rasant, die Orientierung unschwer. Für alle, die nach der Ausfahrt Lust auf ein Inhalten haben, gibt es in Pannone neben der Straße rechts, fast am Ortsausgang, ein kleines Café, wo es den unerreichten italienischen Cappuccino gibt. 

 

Westlich die immer populärer werdenden friulanischen Weinbau-Hochburgen, östlich das auch längst nicht mehr als Geheimtipp zählende Socatal. Man könnte annehmen, die zwischen den beiden Touristenmagneten befindliche Berglandschaft würde zumindest einige der Besucher abbekommen. Aber ganz das Gegenteil ist der Fall. Einsamkeit ist hier heroben Trumpf und wer einige ruhige Radstunden abseits von Verkehr und Hektik verbringen will, ist hier genau richtig. 

 

Eines sei aber noch angemerkt. Freunde des sanften Dahingleitens, wo sich Aerodynamik und Geschwindigkeit die Hand reichen, kommen hier nicht auf ihre Kosten: zu eng und zu verwinkelt sind die Straßen und die zu absolvierenden Höhenmeter sind auch nicht zu vernachlässigen.

Gestartet wird in Cividale, einer traditionsreichen Kleinstadt im Osten Udines, die nach absolvierter Runde wegen der netten Altstadt und der zahlreichen Bars und Cafés durchaus zum Flanieren und Verweilen einlädt. Das liegt aber noch in ferner Zukunft und so geht es zunächst noch flach nach Prepotto, das bereits dicht an der slowenischen Grenze liegt. Dem Grenzflüsschen entlang folgen wir bereits völlig verkehrsfrei einem kleinen Sträßchen, das uns hinein in die Hügel des einsamen Grenzgebietes zwischen dem Friaul und Slowenien führt.

Mit Überquerung des Flüsschens und damit der Staatsgrenze liegen die Einrollkilometer dann hinter uns und es folgt ein erster 400 Höhenmeter-Anstieg hinauf in das kleine slowenische Dörfchen Lig. 

In ständigem Auf und Ab geht es nun über die Hügelrücken weiter. Verstreute Dörfer und Kirchen schmiegen sich an die bewaldeten Hänge und strahlen ein Ruhe und Einsamkeit aus, wie man sie nur selten findet. Im Hintergrund ergänzen die schroffen Julischen Alpen die malerische Szenerie. 

Ein zweiter, schon von weitem erkennbarer Anstieg führt hinauf zum Passo Solarie. Diesen weitgehend unbekannten Übergang mit dem dazugehörigen Rifugio erreicht man, wenn man gegen Mitte des Anstiegs einem Wegweiser Richtung Italien folgt. Wir aber bleiben auf slowenischer Seite und folgen der Grenzstraße weiterhin bergauf zum höchsten Punkt der Runde beim Monte Kolovrat, wo ein Freilichtmuseum an die auch hier heroben wütenden Kämpfe der verheerenden Isonzo-Schlachten erinnert. Man kann sich eines beklemmenden Gefühls nicht erwehren und sich nur einmal mehr glücklich schätzen, in einem friedlichen und vereinten Europa zu leben.

Eine ruppige Abfahrt führt hinunter nach Livek, einem kleinen Dorf im Sattel zwischen dem gerade überquerten Kolovrat und dem nördlich anschließenden Matajur-Massiv. Es bleibt zu hoffen, dass die zu passierende Baustelle eine eklatante Verbesserung dieses desolatesten Abschnitts der gesamten Runde zum Ziel hat.

Kurz nach Livek überquert man wieder die Grenze und nun wieder auf italienischem Boden geht es noch kurz bergab, bevor die nächste Steigung wartet. Die 180 Höhenmeter über den Monte San Martino sind auf der einsamen und völlig verkehrsfreien Straße rasch erledigt und eine kurzweilige Abfahrt führt durch die verstreuten Siedlungen der Gemeinde Grimacco hinunter in das nächste Natisone-Tal, bevor dann ab Clodig der letzte ernstzunehmende Anstieg des Tages wartet. Noch einmal gilt es 400 Höhenmeter zu überwinden, bevor es dann am Hügelrücken auf direktem Weg in Richtung des mächtigen und befestigten Kapuzinerklosters Castelmonte geht. 

Nur diesem Heiligtum, das als eine der ältesten Marienpilgerstätten der Welt gilt, ist es wohl zuzuschreiben, dass uns nicht der ein oder andere Fluch auskommt. Denn ganz sollte man das anhaltende Auf und Ab mit ein paar lästigen Gegensteigungen nicht unterschätzen, die Oberschenkel haben heute schließlich schon einiges leisten müssen.

In Castelmonte hat man es dann aber endgültig geschafft, und nach einer Stärkung in einem der zahlreichen Cafés, besonders zu empfehlen ist die unmittelbar an der Straße gelegene L’Osteria di Delizie e Curiosità, geht es (fast) nur noch bergab hinunter zum Ausgangspunkt.

 

Wer den Triestiner Karst mag, wird den slowenischen Karst lieben. Sanfte Hügel, verstreute Dörfer und von Refosco-Trauben dominierte Weinberge. Der daraus gekelterte köstliche Teran, das Karster Blut, rundet die zweite große Spezialität der Region, den Karstschinken, erst so richtig ab. Eine Fahrt für Genießer.

 

Die Genießer unter uns werden allerdings rasch feststellen, dass die Runde einen entscheidenden Haken hat. Wenn man, wie hier beschrieben, in Triest startet, muss man erst hinauf kommen in den Karst. In diesem Fall verzichten wir auf große Umwege und Schnörkel und wählen eine der direkten Varianten, nämlich die grenzwertig steile Via Commerciale. Wir wollen ja schließlich so schnell wie möglich hinauf und so ist ein Großteil der heutigen Anstrengung bereits in Opicina nach etwa fünf Kilometern geschafft. 

Wenig später überrollt man dann bei Col die Grenze und dann kommt eine kleine Offenbarung: Nicht nur dass es hier landschaftlich äußerst reizvoll ist, auch sind die Straßen fast durchwegs in einem ausgezeichneten Zustand. Frischer, perfekt rollender Asphalt und dazu ein vernachlässigbares Verkehrsaufkommen, da macht diese Ausfahrt gleich noch einmal so viel Freude.

Möglichkeiten für Ausfahrten gibt es hier genügend und auf der Reise-Wunschliste steht dieser Teil Sloweniens nun ganz weit oben. Heute bleibt es allerdings aus Zeitmangel bei einem Hineinschnuppern in dieses Rennrad-Revier und nach einer Schleife über Dutovlje, Dobravlje, Skopo und Veliki Dol wechseln wir wieder hinüber nach Italien und über Gabrovizza und Procecco kommt man zurück zum Ausgangspunkt. Eine Runde, die Lust auf mehr macht.

 

Allzu lange gehört Triest ja noch nicht zu Italien. Vom 14. Jahrhundert bis 1918 war Triest Teil Österreich-Ungarns und diese Vergangenheit ist in Triest allgegenwärtig. Was liegt also näher, wenn man hier mit dem Rennrad die Gegend erkundet, als einen Ausflug zum Gestüt Lipica, einer weiteren Ikone der Habsburger-Monarchie, zu machen. Eingebettet in eine anspruchsvolle und wunderschöne Runde kann man sich hier mit etwas Glück mit galoppierenden Lipizzanern messen.

 

Vom Hauptbahnhof, dem Ausgangspunkt der Runde, muss man sich zuerst einen Weg durch Triests Straßengewirr suchen. Folgt man der Via Giulia leicht ansteigend stadtauswärts sieht man bald rechterhand einen bewaldeten Hang. Durch diesen flächenmäßig größten Park Triests, den Parco del Farneto, führt ein sanft ansteigendes, wenig befahrenes Sträßchen, das sich wunderbar eignet, um die Stadt zu verlassen.

Diese Idylle wird dann am Ende des Parks allerdings kurz unterbrochen, wenn es zuerst für wenige Meter auf die große SS202 geht und diese dann auch noch trotz doppelter Sperrlinie gequert werden muss. Eine andere Möglichkeit, um auf das auf der anderen Sraßenseite beginnende einspurige Sträßchen zu kommen, gibt es aber nicht. Und genau dieses Sträßchen ist es, das uns wunderbar ruhig und verwachsen aus der Stadt bringt.

Man kreuzt den ebenfalls wunderbaren Radweg Giordano Cottur, der auf der stillgelegten Bahnlinie verläuft und in der Tour Rosandra-Gravel beschrieben ist, und kommt dann in die beiden Weiler San Giuseppe della Chiusa und Sant’Antonio in Bosco. 

Bis hierher noch recht moderat, zeigt die Tour nun, dass man sie doch nicht unterschätzen sollte. Die Durchschnittssteigung auf den nächsten beiden Kilometern hinauf nach San Lorenzo liegt bei über zehn Prozent, wobei aber auch längere Abschnitte mit 15 Prozent und mehr zu überwinden sind. Da heißt es aufzupassen, dass der triefende Schweiß den Blick über das unter uns liegende Val Rosandra nicht gänzlich verhindert. Den schönsten Blick hat man aber ohnehin von einer kleinen Plattform in San Lorenzo, und da das steile Stück hier vorbei ist, kann man die Aussichts-Pause auch gleich zu einem tiefen Durchschnaufen nützen.

Kurz steigt die Straße noch an, bevor es hinunter nach Basovizza und flach über die Grenze nach Slowenien geht. Bei erster Gelegenheit verlässt man hinter der Grenze die Hauptstraße nach links und kommt nun nach Lipica, wo seit dem 16. Jahrhundert die schneeweißen Paradepferde des Habsburger Adels gezüchtet werden. Angesichts der für die Pferdezucht nicht gerade optimalen Bedingungen im harten und kargen Karstgebiet, wo nicht nur Felder für die Futtergewinnung sondern auch Wasser Mangelware war und ist, kann der Zuchterfolg dieses Gestüts nicht hoch genug eingschätzt werden. 

Weiße Zäune säumen heute die gepflegten und bewässerten Weiden, auf denen sich die Lipizzaner-Herden den Tag vertreiben und bei solch einer Idylle könnte dieser Abschnitt für unser Gefühl ruhig deutlich länger sein.

Über Sezana geht die Fahrt entlang des Italienisch-Slowenischen Grenzkammes weiter, bevor man bei Col wieder hinüber nach Italien wechselt. Kurz darauf ist auch Opicina erreicht, von wo uns dann nur mehr eine steile Abfahrt vom Ausgangspunkt trennt.

 

Manchmal kann man sich schon fragen, ob es wirklich immer neue Trends und Erfindungen braucht. Reicht es nicht, dass es Rennräder, Tourenräder und Mountainbikes gibt? Hat es da jetzt wirklich noch das Gravelbike gebraucht oder ist das doch wieder nur eine absatzfördernde Erfindung der Fahrradindustrie? Seit dieser Runde kennen wir die Antwort und die lautet Eindeutig: Ja, darauf hat die Welt gewartet. Zu viel und zu grober Schotter, um mit dem Rennrad glücklich zu werden, und doch wieder insgesamt zu gut befahrbar und zu lange Asphaltabschnitte, um ein plumpes Mountainbike zu benötigen. Bleibt noch ein Gravel/Cross-Rad, um diese phantastische Runde in Angriff nehmen zu können.

 

Eine ideale Möglichkeit, Triest in Richtung Süden zu verlassen, bietet der Radweg Giordano Cottur. Der Radweg ist einem ehemaligen Triestiner Radrennfahrer gewidmet, der in den Nachkriegsjahren immerhin dreimal zweiter beim Giro d’Italia wurde. Er verläuft auf einer stillgelegten Bahntrasse, die einst Triest mit dem slowenischen Hrpelje verband. 

Von Triest hinauf auf das Karstplateau zu kommen, ist ja gar nicht so leicht. Denn entweder sind die Straßen klein und unfassbar steil, oder so verkehrsreich, dass dieser Radweg eine in beiden Punkten willkommene Abwechslung bietet. Dafür ist er ab dem Triestiner Vorort Altura halt unbefestigt und man weiß alsbald, warum man ein geländegängiges Rad gewählt hat.

Die Trasse führt hinein in das landschaftlich wunderschöne Val Rosandra. Im von Höhlen und Grotten durchsetzten Triestiner Karst ist das Val Rosandra das einzige Tal und die Rosandra, die das Tal durchfließt, der einzige oberirdische Fluss. Stets in moderater Steigung wechseln sich Tunnels und aussichtsreiche Abschnitte ab und an Fotomotiven mangelt es wahrlich nicht. 

Nach dem Grenzübertritt ist auf slowenischer Seite dann bald die Karst-Hochebene erreicht und bei erster Gelegenheit verlässt man den Radweg und fährt über den Weiler Mihele zur Hauptstraße, die von Kozina heraufzieht. Auf dieser geht es zurück zur italienisch-slowenischen Grenze und dann mit leichtem Gefällt hinunter nach Basovizza. Hier verlässt man die Hauptstraße und wieder deutlich verkehrsberuhigter erreicht man das nette Dorf Gropada, wo der nächste Gravelabschnitt beginnt. 

Der leicht abfallende, ausreichend breite Waldweg bietet puren Fahrspaß und fast zu bald erreicht man wieder befestigten Untergrund.

Nach Überquerung der Autobahn bei Trebiciano folgt dann ein weiterer unbefestigter Abschnitt. Dieser knappe Kilometer erreicht dann die Grenze zu dem, was mit einem Gravelrad noch Sinn macht. Aufgrund der Kürze und der Tatsache, dass es sich immerhin um einen offiziellen Radweg handelt, wollen wir uns aber keine unnötige Blöße geben und beißen die Zähne zusammen.

Vorbei an einer ehemaligen Kaserne erreicht man das Dorf Banne, wo nach kurzem Anstieg dann ein letzter Schotterabschnitt folgt. Hoch über der Bucht von Triest verläuft dieser panoramareiche Abschnitt immer am Rand des Karstabbruches bis zum Obelisk von Opicina, von wo es dann nur mehr steil hinunter in das Stadtgebiet von Triest geht.

Eine Runde, die einem einfach Spaß machen muss.

 

Nach vorne das Meer, nach hinten schroffe Karstabhänge und nur ein schmaler Landstreifen hin zur slowenischen Grenze. Diese exponierte geographische Lage gemeinsam mit der wechselvollen Geschichte prägen Triest und seinen Karst und machen es zu einem so lohnenden Reiseziel, wo das Rennrad keineswegs fehlen darf.

 

Ausgangspunkt dieser schönen Runde durch den italienischen Karst ist der Hauptbahnhof von Triest. Die Küstenstraße Richtung Norden ist nicht gerade das, was man sich als Rennrad-Highlight vorstellt. Zwar landschaftlich wunderschön und auch von vielen Ciclisti befahren, kann einem das starke Verkehrsaufkommen aber doch ganz schön die Laune vermiesen. Gerade aber an Wochenenden in der Früh, noch bevor der Freizeitverkehr in die Stadt beginnt, bzw. die Erholungssuchenden Triestiner die Stadt verlassen, bieten sich günstige Zeitfenster, wo man die Fahrt auf der Küstenstraße genießen kann. 

Doch auch bei günstiger Verkehrslage macht es Sinn, kurz nach dem Schloss Miramare links abzubiegen und nach kurzer Steigung für einige Kilometer auf ein nettes, panoramareiches Sträßchen mit schönen Blicken auf das Meer bis hin nach Grado auszuweichen.

Nach 17 Kilometern erreicht man Sistiana, wo man die Küste hinter sich lässt, um das Hinterland des Karstes zu erkunden. Was gibt es dafür schöneres, als der Terrano-Weinstraße zu folgen, die sich entlang der Italienisch-Slowenischen Grenze südwärts durch den Karst schlängelt. 

Tendentiell ansteigend, aber nie steil ist diese Straße ein wahrer Rennrad-Leckerbissen, den man unbedingt in seine Karst-Runden einplanen sollte. Erst gegen Ende bei Rupinpiccolo und Repen warten zwei kurze, steilere Rampen, die aber auch mit ein paar kräftigen Tritten überwunden sind. 

Mit schönen Blicken auf die Kirche von Monrupino verlässt man die slowenische Grenze wieder und es geht zurück Richtung Küste. Dazu kann man jetzt den direkten Weg nach Prosecco wählen, vorbei an Borgo Grotta Gigante. Hier befindet sich, wie der Name vermuten lässt, eine Höhle. Und das Gigante im Namen ist keinesfalls übertrieben, gibt es doch sogar einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde, der den Status als größte Schauhöhle der Welt bestätigt.

Wer allerdings noch Muse hat, sollte einen kleinen Umweg über Opicina und die Wallfahrtskirche Monte Grisa in Kauf nehmen. Dabei ist allerdings nicht die Kirche aus den 50er Jahren die Attraktion, sondern der dorthin führende kleine aber durchgehend asphaltierten Waldweg. Fahrverbotstafeln sind zwar aufgestellt, die Schönheit des Weges rechtfertigt unserer Meinung aber diese kleine Ordnungswidrigkeit.

Beim Ort Prosecco, der übrigens nichts mit dem gleichnamigen Weinbau- und Rennradgebiet im Veneto zu tun hat, sehen wir dann das Meer wieder und auf der Strada del Friuli bringt uns dann eine schöne Abfahrt mit traumhaften Blicken auf die Triestiner Bucht und die Stadt zurück zum Ausgangspunkt.

 

Was für ein Erlebnis! Zugegeben, es ist nicht nach Jedermanns Geschmack, sich mit 5000 von der Leine gelassenen, übermotivierten Italienern in einen schmalen Schotterweg zu quetschen. Schließlich sind sie genau so radikal auf zwei Rädern unterwegs, wie sie Auto fahren: soll doch der andere nachgeben! Irgendwie geht sich das ganze dann zwar doch meistens aus, so viele offensichtliche Sturzfolgen wie hier – leere Trinkflaschen, abgebrochen Fahrradteile, verletzte Fahrer – sieht man bei anderen Veranstaltungen aber definitiv nicht am Straßenrand liegen. Wer sich von diesem Szenario nicht abschrecken lässt, kann sich auf eine wunderschöne Runde in typisch toskanischem Flair gefasst machen und versteht jetzt, warum Strade bianche von manchen schon als das sechste Monument des Radsports bezeichnet wird.

 

Ein kleiner Tipp vorweg: Man sollte es unbedingt vermeiden, seine Startnummer unmittelbar nach Start des Männer-Elite-Rennens am Samstag Vormittag abzuholen. Diese Idee haben nämlich fast 5000 andere auch und die Grundstimmung in den nur schleppend vorankommenden Warteschlangen ist nichts für sanfte Gemüter.

Hat man sein großzügiges Starterpaket mit Trikot und Weste aber erst in Händen, heißt es hinaus aus der Stadt und sich an einem der Schottersektoren zu positionieren, bevor die Profis vorbei donnern.

So holt man sich, falls es dessen überhaupt bedarf, die nötige Motivation für den nächsten Tag, wo man sich im Morgenfrost vor der Fortezza Medicea einfindet. Gilt es während der ersten 20 Kilometer nur die Schwierigkeit zu meistern, sich im hektischen Fahrerpulk zu behaupten, geht es danach Schlag auf Schlag. Auf den nächsten 35 Kilometern warten die ersten vier Schottersektoren, wovon der längste immerhin fast sechs Kilometer lang ist. Während der erste Sektor technisch noch einfach ist, warten die folgenden Sektoren dann mit zunehmend verwinkelten Kurven, steilen Rampen und abenteuerlichen Abfahrten auf. Hier sollte man doch darauf achten, dass sich Motivation und Risikobereitschaft mit einer entsprechenden Menge an Vor-, Über- und Rücksicht die Waage halten.

Nach diesen vier Sektoren kann man erst einmal etwas durchatmen. Auf gut ausgebauter und vor allem gut abgesicherter Straße geht es weitgehend flach im Tal des Arbia von Buonconvento nach Monteroni d’Arbia.

Bevor man aber zu sehr in der Komfortzone versinkt, wird die Hauptstraße wieder verlassen und es geht hinein in die Crete Senesi. Der mit 9,5 Kilometern längste Schotterabschnitt führt quer durch diese karge Erosionslandschaft, wobei dieser Sektor in umgekehrter Richtung bereits in unserer Runde Crete Senesi befahren wurde.

Damit ist dann zwar der längste, aber sicherlich noch nicht der schwierigste Sektor bewältigt. Nach der Abfahrt nach Taverna d’Arbia und einigem Auf und Ab auf durchwegs asphaltierten, wenngleich teilweise doch recht steilen Straßen warten dann jenseits der 120 Kilometer-Marke noch zwei ordentliche Kaliber. Die beiden letzten Sektoren, Colle Pinzuto und Le Tolfe, sind zwar jeweils nicht allzu lang, mit ihren bei 15 und 18% liegenden Maximalsteigungen verlangen sie den Oberschenkeln allerdings noch einmal alles ab.

Das war es dann aber mit den Strade bianche, es geht zurück nach Siena, wo wie bei den Profis die ruhm- und stimmungsreiche Zieleinfahrt auf der Piazza del Campo wartet. Und selbstverständlich müssen hierfür auch wir wie die Profis die zwar kurze aber extrem knackige Altstadtauffahrt meistern, die 2018 auch Wout van Aert bei seiner Fahrt zu Platz drei zum Absteigen gezwungen hat.