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Von Gletschern rundgeschliffene Gipfel jenseits der 2000 Meter, saftige Almwiesen bis in die höchsten Regionen, dazu in tieferen Lagen die größten zusammenhängenden Zirben- und Fichtenwälder der Ostalpen: das ist das einzigartige Bild, das sich einem in den Nockbergen bietet. Und durch diese grandiose Berglandschaft schlängelt sich seit den 1980er Jahren die Nockalmstraße, die im Mittelpunkt dieses langen Rennradtages steht.

Schön ist sie also zweifellos, die Nockalmstraße, und jedem Rennradfahrer kann sie nur wärmstens ans Herz gelegt werden. Dass auf der Website der Straße aber ausschließlich die zahlenden Oldtimer-Fans, Motorradfahrer und Busreisenden angesprochen werden und Radfahrer unerwähnt bleiben, zeigt schon etwas die Problematik auf.

Naturschutz, schonender Tourismus und 100000 Fahrzeuge pro Saison lassen sich halt nicht so leicht unter einen Hut bringen.

Da hilft am besten früh aufstehen, noch bevor der motorisierte Verkehr erwacht oder die Fahrt abseits der beliebten und belebten Wochenenden zu legen. Gelingt einem das, steht einem Rennraderlebnis der besonderen Art nichts mehr im Weg.

Dass nichts mehr im Weg steht, stimmt so allerdings auch nicht ganz, denn immerhin startet die hier beschriebene Runde in Klagenfurt und bis zum Beginn der Nockalmstraße in Ebene Reichenau gilt es auch schon 50 Kilometer und die ein oder andere Steigung zu überwinden. Aufgrund der Länge der Runde verzichten wir hierzu auf allzu große Schnörkel und Umwege und halten uns großteils an die B95, die Turracher Bundesstraße. 

Speziell die fünf Kilometer zwischen Moosburg und Oberglan sowie der kurze Anstieg von Feldkirchen nach Himmelberg erfüllen definitiv nicht die Kriterien eines Traumsträßchens, aber manchmal muss man da einfach durch und auf entsprechende Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme der Autofahrer setzen.

Nach Himmelberg wartet noch einmal ein 300-Höhenmeter-Anstieg, bevor sich die Straße zurücklegt und mit nur noch minimaler Steigung das obere Gurktal flussaufwärts führt. Auch hier kann der Verkehr durchaus nerven, allerdings bietet der parallel zur Straße verlaufende und zumeist gut befahrbare Radweg eine willkommene Ausweichmöglichkeit.

In Ebene Reichenau sollte man noch einmal seine Trinkflaschen auffüllen, denn unmittelbar am Ortsende beginnt die Steigung. Zunächst geht es noch kurz auf der Hauptstraße talein. Bevor diese aber unerhört steil hinauf zur Turracher Höhe zieht, zweigt links die Nockalmstraße, das Ziel unserer heutigen Träume, ab.

Bis Innerkrems liegen nun 32 Kilometer, 52 Kehren und etwa 1500 Höhenmeter vor uns. Die Höhenmeter müssen aber nicht auf einmal bewältigt werden, denn nach Erreichen der Schiestlscharte auf 2024 Metern Seehöhe folgt eine kurvenreiche Abfahrt, bevor noch einmal 500 Höhenmeter hinauf zur Eisentalhöhe auf 2042 Metern warten. Ausblicke auf die umgebende Bergwelt und Fotomotive gibt es zahlreich und so wird die Fahrt zu keinem Zeitpunkt monoton und, da die Steigung zehn Prozent nur selten überschreitet, ist die Anstrengung in erster Linie vom selbst gewählten Tempo abhängig.

Nach einem letzten Blick von der Eisentalhöhe auf die Gletscher der Ankogelgruppe geht es rasant hinunter nach Innerkrems, wo die Nockalmstraße endet.

Während es bei der klassischen Nockalm-Runde nun weiter talaus Richtung Krems und Gmünd geht, stellt sich einem bei der Weiterfahrt Richtung Norden ein weiterer Anstieg in den Weg. Kurz aber recht steil geht es auf den Schönfeldsattel und dann durch ein wunderschönes Hochtal hinaus in den Salzburger Lungau. Welch ein Wohlgefühl, dass der motorisierte Ausflugsverkehr diese Anfahrt zur Nockalmstraße noch nicht so richtig entdeckt hat.

Am Ende der Abfahrt wartet das Thomatal, durch das es weiterhin sanft abfallend in Richtung Murtal geht, das bei Madling erreicht wird.

Ramingstein, die einzige Gemeinde im Lungau, die unter 1000 Meter Seehöhe liegt, mit ihrem Wahrzeichen der mächtigen Burg Finstergrün wird passiert und die nächsten 30 Kilometer geht es nun in sanftem Gefälle das Murtal hinaus.

Bei günstigem Verkehrsaufkommen bietet es sich an, ordentlich Tempo auf der Bundesstraße zu machen, ansonsten ist man auf dem durchwegs asphaltierten Murradweg, dem dieser Track folgt, deutlich entspannter unterwegs.

Hat man den netten, mittelalterlichen Stadtkern von Murau durchquert, lässt man das Murtal zurück und befindet sich unmittelbar in der nächsten Steigung. Zunächst steil, dann nach kurzer Abfahrt deutlich sanfter gilt es noch einmal fast 400 Höhenmeter wegzudrücken, bevor man wieder Kärntner Boden erreicht. Wunderbar einsam verläuft die Straße nördlich der Frauenalpe hinüber ins Kärntner Metnitztal, durch das es nun hinaus bis Friesach geht.

Die großen Schwierigkeiten liegen nun hinter uns und die Rückfahrt nach Klagenfurt über Althofen und vorbei an Kärntens größter Burg Hochosterwitz gestaltet sich unkompliziert.

Grund genug also, diese heroische Runde schon einmal zu feiern und der auf halbem Weg zwischen Friesach und Althofen direkt am Weg liegenden Brauerei Hirt einen Besuch abzustatten. Die noch fehlenden 50 Kilometer gestalten sich solcherart gestärkt zumindest lustiger, wenn auch nicht unbedingt leichter.

Zurück in Klagenfurt wartet dann der erfrischende Wörthersee, bevor man diesen phantastischen Rennradtag noch einmal Revue passieren lässt.

 

Wie ein Raubtier seine Beute, so umschleichen wir den Großen Speikkogel und nähern uns diesem Giganten schrittweise. Die Straße auf den höchsten Gipfel der Koralm gilt als eine der schwersten Österreichs und wurde heuer auch von den Planern des Transcontinental Races als zwingend zu fahrender Parcours aufgenommen, bevor die Corona-Pandemie zur Absage gezwungen hat. Doch zu dieser knüppelharten Straße hoffentlich ein anderes Mal mehr. Die hier beschriebene Runde, die einem mit ihren fast 180 Kilometern und beinahe 4000 Höhenmetern auch nicht geschenkt wird, führt nicht auf den Gipfel selbst sondern um diesen herum. Dass dabei mit der Soboth und der Weinebene zwei bekannte Passübergänge mit versteckten Auffahrten am Programm stehen, soll bei aller Ehrfurcht vor dem Speikkogel nicht untergehen.

Vom Ausgangspunkt in Wolfsberg geht es zunächst am gut ausgebauten Radweg das Lavanttal hinunter. Nach etwa 25 Kilometern ist die Einrollphase vorbei und mit der Soboth wartet der erste Anstieg des Tages.

Während die gut ausgebaute Hauptauffahrt von Lavamünd vor allem an Wochenenden eindeutig den motorisierten Freunden gehört, ist man auf der hier gewählten Variante praktisch alleine. Hierzu muss man die in Ettendorf abzweigende schmale Straße finden, auf der es über St. Lamprecht bis hinauf aufs Koglereck geht. Erst hier am höchsten Punkt mündet diese wunderbar einsame Variante in die Soboth-Straße, eine Einsamkeit die bei einer Durchschnittssteigung jenseits der zehn Prozent allerdings hart erarbeitet werden muss.

Bald ist die steirische Grenze erreicht und langgestreckten Kurven, die verdeutlichen, warum diese Strecke bei Motorradfahrern so beliebt ist, ziehen hinunter zum Stausee Soboth. Der schön gelegene See ist aufgrund seiner Höhenlage, der umgebenden Fichtenwälder und insbesondere Dank der Auflage, dass er in den Sommermonaten stets gefüllt sein muss, ein beliebtes Ausflugs- und Badeziel.

Vom Stausee geht es etwa zehn Kilometer in ständigem Auf und Ab ostwärts. Beim Mauthnereck verlassen wir den bei Schönwetter doch nervigen Ausflugsverkehr und zweigen auf eine kleine Straße ab, auf der es für weitere zehn Kilometer immer in etwa 1000 Meter Seehöhe der slowenischen Grenze entlang geht. Schlussendlich wird die Abfahrt dann aber doch mit einigen engen Kurven und schönen Ausblicken auf die sich vor uns ausbreitende Süd- und Weststeiermark vollendet.

In Eibiswald schwenkt der Routenverlauf nach Norden, und das Sulm- und Laßnitztal querend geht es auf kleinen Straßen durch die weststeirischen Hügel. Bis Stainz kann man diesen relativ leichten Abschnitt der Runde genießen, doch allzu bald wird einem klar, dass der Ausgangspunkt und somit auch das Ziel der Runde jenseits der sich mächtig vor uns aufbauenden Koralm liegt. 

Die Weinebene ist der zentrale Passübergang über die Koralm. Ihr höchster Punkt liegt auf immerhin 1668 Metern Seehöhe und sie ist ein seit Jahrhunderten genutzter Verkehrs- und Handelsweg. Der Name leitet sich von der einst hier heroben befindlichen Umladestelle ab, wo Wein und andere Waren umgehoben wurden (Wein(h)eben).

Die kürzeste Auffahrt zieht von Deutschlandsberg über Trahütten herauf. Unsere Anfahrt von Stainz ist da schon deutlich länger und komplizierter. Dafür wird man mit wahren Traumsträßchen belohnt, auf denen man weitgehend alleine bleibt. Grob kann man den Anstieg in drei Abschnitte unterteilen. Der erste Abschnitt zieht von Stainz an den Südhängen des Reinischkogels hinauf nach Kloster. Nach kurzer Abfahrt und Querung der Hebalm-Straße folgt der kurze zweite Anstieg nach Osterwitz mit seiner panoramareich und fotogen gelegenen Kirche. Nach einer neuerlichen Abfahrt erreicht man schließlich die Weinebenstraße, die von Deutschlandsberg heraufkommt und der man die immerhin noch fehlenden 850 Höhenmeter abringt.

Am Passübergang angelangt liegen dann aber alle Schwierigkeiten hinter einem und die rasante Abfahrt hinunter nach Wolfsberg rundet diese fordernde aber wunderschöne Koralm-Umrundung ab.

 

Die Touristiker am Falkertsee haben sich ganz Heidi und ihren Mitstreitern verschrieben. Und so ganz unrecht haben sie ja nicht damit. Würde man Heidi von den dunklen Tannen und grünen Wiesen im Sonnenschein des Berner Oberlandes in die Ostalpen übersiedeln, wären die Nockberge durchaus eine Option. Und gemeinsam mit den zuvor gemeisterten Anstiegen auf den Kraiger Berg, nach Masternitzen und auf die Hochrindl kann man diese Runde mit der fordernden Kletterei zum Falkertsee mit Fug und Recht als Bergetappe bezeichnen.

 

Das ganze beginnt mit einem ziemlichen Kaltstart. Nur ein Kilometer trennt den Ausgangspunkt vom Beginn des ersten Anstiegs. Allzu schwer ist diese Südauffahrt auf den Kraiger Berg zwar nicht, gut 500 Höhenmeter gilt es allerdings doch zu überwinden. Und wenn dieser Anstieg schon nicht der schwerste der Runde ist, der ruhigste ist er allemal und spätestens ab dem imposanten Schloss Frauenstein, ist Verkehr Mangelware.

Kurz nach Erreichen des höchsten Punktes kommt man in den Ortsteil Eggen. Hier sollte man kurz anhalten und die Aussicht auf sich wirken lassen. Einerseits natürlich, weil diese wirklich schön ist, und andererseit weil sie einen wunderbaren Überblick auf den weiteren Verlauf der Runde bietet. Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt Pisweg, dahinter das Schigebiet Hochrindl, das ebenfalls erklommen werden muss, und ganz am Horizont sieht man den markanten Falkert, an dessen Fuß der Falkertsee liegt, der höchste Punkt dieser Runde.

Zunächst folgt aber die kurzweilige Abfahrt nach Kraig und dann einige flache Kilometer in der äußeren Wimitz. Noch bevor der schönste Teil der Wimitz beginnt, verlässt unsere Straße den Talboden und zieht in moderater Steigung in vier Kilometern hinauf nach Pisweg. Hier verläßt man die Straße, die von hier hinunter ins Gurktal zieht, und zunächst noch in moderater Steigung geht es panoramareich nach Masternitzen und von hier auf erst vor wenigen Jahren neu asphaltierter Straße hinunter nach Weitensfeld. Eine wirklich grandiose Abfahrt, die in umgekehrter Richtung bereits in der Runde Einsame Wimitzer Berge beschrieben ist.

In den nun folgenden, weitgehend flachen zehn Kilometern heißt es, sich zu verpflegen und Kraft zu tanken, denn noch liegen die beiden anspruchsvollsten Anstiege des Tages vor uns.

Von den drei Anstiegen hinauf in das Wander- und Schigebiet Hochrindl ist der über Sirnitz die Nummer zwei in puncto Schwierigkeit. Während die kleine, kaum befahrene Straße von Deutsch-Griffen doch eine Durchschnittssteigung von fast zehn Prozent auf acht Kilometern aufweist (Hochrindl), ist die hier gewählte Auffahrt von Sirnitz doch deutlich leichter, zumal ein Flachstück nach einem Drittel der Strecke noch einmal Gelegenheit zum Durchschnaufen bietet. 750 Höhenmeter gilt es aber auch hier zu überwinden, da kann es nicht schaden, wenn man sich seine Kräfte einteilt.

Im Ortsteil Tatarmann, der nach dem weitesten Punkt benannt ist, zu dem zur Zeit der Türkeneinfälle im Gurktal ein Tatarenkämpfer angeblich vorgedrungen ist, kommt man zu einer Kreuzung. Geradeaus geht es zum höchsten Punkt der Hochrindl-Straße, wo auch die Straße, die von Deutsch-Griffen heraufzieht, einmündet. Biegt man links ab, spart man sich ein paar Höhenmeter und kann sich schon bereit für die Abfahrt hinunter nach Ebene Reichenau machen.

Unten angekommen warten nur fünf flache Kilometer, bevor eine überdimensionale Heidifigur den Abzweig der Falkertstraße markiert. Und hier ist es dann vorbei mit Erholung und Gang-Aufsparen. Die nächsten acht Kilometer mit einer Durchschnittssteigung von elf Prozent fordern alles und auch, wenn nach sechs Kilometern das Ortsschild Falkertsee erreicht wird, ist einem keine Gnade vergönnt. Die Straße bäumt sich hier für einen weiteren Kilometer sogar noch einmal auf und geschafft ist der Anstieg wirklich erst bei den letzten Häusern am Falkertsee, der idyllisch am Fuß des namensgebenden Berges liegt. Damit man die abzweigende Straße zum See auch wirklich findet, muss man nur nach dem Geissenpeter Ausschau halten. Der ist nicht zu übersehen.

Die stärksten touristischsten Zeiten sind hier heroben aufgrund des Schigebietes natürlich die Wintermonate, doch auch an schönen Sommerwochenenden, kann es ein Geduldsspiel werden, einen Platz auf einer der Sonnenterrassen zu ergattern. Eine Stärkung kann nach dem geleisteten Kraftakt aber definitiv nicht schaden.

Aufgrund des Gefälles und der meist sehr guten Straßenverhältnisse lässt auch die Abfahrt keine Wünsche offen, und den Schwung kann man dann gleich für die Fahrt auf der Turracher-Bundesstraße bis Himmelberg mitnehmen. Diese weist leider doch ein nicht zu unterschätzendes Verkehrsaufkommen auf, eine sinnvolle Alternative gibt es aber leider nicht.

Kurz nach Himmelberg kann man dem Verkehr dann aber wieder den Rücken kehren. Über den beschaulichen Tiffner Winkel erreicht man Feldkirchen und wenig später den Maltschacher See. Zum Abschluss dieser fordernden aber sehr schönen Runde wartet jetzt noch eine meiner Lieblingsstrecken. Auf verkehrsarmen Sträßchen geht es über St. Gandolf, Maria Feicht, Zweikirchen, St. Peter am Bichl, Projern und Hörzendorf zurück zum Ausgangspunkt. Die teilweise miserablen Straßenverhältnisse im Bereich St. Gandolf und Maria Feicht, die bislang viele abgeschreckt haben, gehören übrigens der Vergangenheit an und sind mittlerweile vorbildlich saniert. Diese Meldung ist aber so neu und als Geheimtipp zu werten, dass noch ein Großteil der Einheimischen keine Ahnung davon hat.

 

Wie viele weithin als Aussichtsberg bekannte Gipfel, auf die noch dazu eine mit dem Rennrad befahrbare Straße führt, gibt es schon. Allzu viele fallen mir spontan nicht ein. Die Gerlitzen ist einer davon. Sie ist einer der südlichsten Gipfel der Kärntner Nockberge und durch diese vorgeschobene Lage mit einem einzigartigen Panorama gesegnet. Während die von Süden heraufziehende, bekanntere und häufiger befahrene Straße den Gipfel nicht ganz erreicht und bei der Bergeralm ca. 120 Höhenmeter unter dem Gipfel endet, bringt uns die im nördlich der Gerlitzen gelegenen Arriach beginnende Straße bis auf den Gipfel und belohnt mit einem Rundumblick, der seinesgleichen sucht. Dass nun die letzten Kilometer saniert wurden und besten Asphalt aufweisen, mag viele freuen. Für mich hat die Schotterpassage zum Schluss der Auffahrt eher noch die besondere Würze verliehen.

 

Bevor es auf die Gerlitzen hinauf geht, heißt es aber vorher unseren Gipfel zu drei Viertel zu umrunden. Dafür geht es zunächst Kärntens drittgrößten See entlang Richtung Westen. Die Straße entlang des Südufers durch das namensgebende Ossiach ist die eindeutig ruhigere Variante, wenngleich es an Wochenenden und zur Ferienzeit auch hier nicht gerade wenig Verkehr gibt.

Vom westlichen Ende des Ossiacher Sees geht es kurz im Gegendtal nordwärts, bevor man kurz nach Treffen eine erste Bergwertung zu bezwingen hat. Wunderbar einsame fünf Kilometer ziehen hinauf nach Buchholz, von wo es in kurzer aber rasanter Abfahrt hinunter nach Arriach, Kärntens geographischen Mittelpunkt, geht.

Jetzt heißt es noch einmal durchschnaufen, denn nur knapp zwei Kilometer später zweigt sie dann ab, die Gerlitzen-Gipfelstraße. Zehn Kilometer und ziemlich genau 1000 Höhenmeter schlängeln sich in konstanter Steigung die Nordhänge der Gerlitzen hinauf. Im unteren Bereich noch in dichtem Wald, wird es, je weiter man nach oben kommt, offener und oben präsentiert sich dann ein 360-Grad-Panorama, das seinesgleichen sucht. Während man die gesamte Auffahrt mehr oder weniger allein ist, herrscht am Gipfel erheblicher Betrieb, wobei die allermeisten Ausflügler bequem mit den Liften den Berg erklimmen. Das gilt übrigens auch für die zahlreichen Mountainbiker, die auf der Südseite eine neu eröffnete Downhill-Strecke vorfinden. Und obwohl nur auch die letzten rund 1,5 bestens asphaltiert sind, ist man hier heroben mit dem Rennrad eindeutig in der Minderzahl. 

Macht nichts, der Radler auf der Terrasse des Gipfelgasthauses schmeckt umso besser, bevor es dann auf gleichem Weg wieder hinunter ins Tal geht. Der weitere Verlauf der Gerlitzen-Umrundung führt über Inner- und Außerteuchen nach Himmelberg, und von hier über Tiffnerwinkel und Tiffen zurück zum Ausgangpunkt.

 

Der Kärntner Zentralraum bietet Rennrad-Genuß vom Feinsten: wenig befahrene Straßen in idyllischer Landschaft, kleine Weiler, historische Baudenkmäler und für besonders Motivierte den ein oder anderen Höhenmeter als Draufgabe. Wem dies zusagt, der macht mit dieser Runde auf keinen Fall etwas falsch.

 

Vom Ausgangspunkt am Klagenfurter Stadtrand erreicht man bald die von uns gesuchten kleinen Straßen. Ein dichtes Netz dieser verkehrsarmen, teilweise etwas in die Jahre gekommenen Straßen durchzieht das Hügelland zwischen Klagenfurt, St. Veit und Feldkirchen. Kurz gesagt: ein wahres Rennrad-Paradies.

Über Poppichl geht es nordwärts in Richtung Ulrichsberg. Die Gegend rund um den Ulrichsberg gilt als die Wiege Kärntens und archäologische Funde legen nahe, dass der Ulrichsberg bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war. Leider führte die Geschichte des Berges dazu, dass er in den letzten Jahrzehnten vor allem von Abwehrkämpfer-Gruppierungen, SS-Veteranen und Neonazi-Gruppen vereinnahmt wurde, die ihre zwielichtigen Treffen regelmäßig auf seinem Gipfel abhalten. Ein Schicksal, dass diese schöne Landschaft mit Sicherheit nicht verdient hat.

Hinauf auf den Ulrichsberg geht es für uns zwar nicht, aber die beschauliche Umrundung an seinem Fuß braucht sich auch nicht zu verstecken. Die praktisch verkehrsfreien, einspurigen Straßen geben genügend Möglichkeit, die schönen Ausblicke auf die umgebenden Hügel und die Wimitzer Berge zu genießen. Nach flacher Durchquerung des Glantals und einem kurzen Intermezzo auf der Bundesstraße geht es wieder hügelig und verkehrsbefreit über Pulst nach Glantschach.

Ein paar leichtere Kilometer sind uns noch vergönnt, bevor sich in St. Urban die Straße dann deutlich aufsteilt.

Lohnende sechs Kilometer und 450 Höhenmeter führen hinauf zum kleinen aber feinen Familienschigebiet Simonhöhe. Immer wieder eröffnen sich wunderschöne Weitblicke bis hin zu den Karawanken und Julischen Alpen. Während es hier im Winter an Wochenenden doch recht lebhaft zu geht, verirren sich außerhalb der Schisaison nur ein paar Wanderer und Schwammerl-Sucher herauf.

Nach kurzer Rast geht es auf dem gleichen Weg hinunter nach St. Urban und von hier weiter auf rasanter Abfahrt ins Glantal. Damit hat die Runde aber noch lange nicht ihr Pulver verschossen, denn auch die Rückfahrt nach Klagenfurt über den Maltschacher See, Klein St. Veit, Tigring und vorbei am Schloss Hallegg verläuft fast durchwegs auf kleinen, reizvollen Straßen und rundet diese schöne Runde erst so richtig ab.

 

Unbedingt schöner macht es einen Berg ja nicht, wenn eine Straße bis auf seinen Gipfel führt. Aber wenn sie schon einmal da ist, kann man sie auch befahren und das für den Rennradfahrer nicht alltägliche Gipfelglück genießen. Wobei genießen angesichts eines der höchsten mit dem Rennrad erreichbaren Punkte Österreichs relativ ist und man sich die Edelweißspitze durchaus erarbeiten muss.

 

Ein Tipp vorweg: Wenn sich irgendwo früh aufstehen lohnt, dann ist es die Großglockner-Hochalpenstraße. In den Morgenstunden, kurz nach Sonnenaufgang hat man die gesamte Straße für sich allein, wenn man von den zahlreichen Murmeltieren absieht, die aufgeregt pfeifend die Straße verlassen, sobald man um die Kurven kommt. Im Laufe des Vormittags wird die Straße dann zunehmend von Autos und Motorrädern in Beschlag genommen, aber da ist unser Tagwerk ja längst vollendet.

Obwohl das Hochtor bereits in vorchristlicher Zeit als Alpenübergang genutzt wurde, wie am Passübergang gefundene Bronzestatuen sowie keltische und römische Münzen beweisen, hat es über viele Jahrhunderte doch nur untergeordnete Bedeutung gehabt. Erst als nach dem 1. Weltkrieg Südtirol an Italien fiel und plötzlich der Radstädter Tauern die einzige Verbindung von Osttirol und Oberkärnten nach Nordtirol war, ist das Hochtor verstärkt ins verkehrspolitische Interesse gerückt. In den 1930er Jahren wurde deshalb dieser seit jeher bekannte Handelsweg ausgebaut und die Großglockner-Hochalpenstraße errichtet. Mit dem Bau der Felbertauern-Straße und der Tauernautobahn sowie dem wieder problemlosen Verkehr über den Brenner nach dem 2. Weltkrieg hat die Glockner-Straße dann aber rasch wieder an Bedeutung verloren und wird heute nur noch zu touristischen Zwecken genutzt.

Orientierungsschwierigkeit gibt es keine wesentlichen. Es geht von Döllach zunächst ein paar Kilometer flach talein, bevor dann schon vor Heiligenblut die Steigung deutlich zunimmt. Abgesehen von einer kurzen Abfahrt nach dem Kasereck geht es nun 1400 Höhenmeter hinauf, wobei sich die Steigung recht konstant um die zehn Prozent hält. Spielt das Wetter mit, bekommt man auch den auf der anderen Talseite sich erhebenden Großglockner, mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs, eindrucksvoll zu Gesicht.

Nach zahlreichen Serpentinen erreicht man das Hochtor, den Hauptpass der Großglockner-Hochalpenstraße. Während der historische Pass noch ein paar Höhenmeter höher liegt, wird der Straßenverkehr durch den 300 Meter langen auf 2505 Metern Seehöhe gelegenen Tunnel geführt.

Nach einer 250-Höhenmeter-Abfahrt folgt der Gegenanstieg aufs Fuscher Törl und von hier dann noch einmal 150 mit Kopfsteinpflaster garnierte Höhenmeter auf die Edelweißspitze, mit 2571 der höchste Punkt der Großglockner-Hochalpenstraße und damit auch dieser Tour. Die auf die ursprüngliche Gipfelhöhe von 2577 Metern fehlenden Gesteinsmassen wurden übrigens dem das gesamte Gipfelplateau einnehmenden Parkplatz geopfert. Die Aussicht vom Gipfel kann sich jedenfalls sehen lassen und verdient die Bezeichnung 360-Grad-Panorama zurecht.

Nach der etwas mühsamen Gegensteigung zurück hinauf aufs Hochtor folgt dann die Traumabfahrt im erwachenden Ausflugsverkehr hinunter zum Ausgangspunkt.

 

Fast jeder von uns ist schon auf der Tauernautobahn auf dem Weg in den Süden durch den Lungau gefahren. Doch, Hand aufs Herz, wer ist tatsächlich für eine Rennrad-Ausfahrt stehengeblieben? Schade eigentlich, denn ein paar lohnende Runden gibt es hier auf jeden Fall. Den Beginn unserer Lungau-Entdeckungen bildet diese schöne 3-Länder-Runde durch Salzburg, die Steiermark und Kärnten, und weil es uns hier gefällt, wird das auch sicher nicht der letzte Lungau-Ausflug gewesen sein.

 

Ausgangsort dieser Runde ist Tamsweg, der Hauptort des Lungaus. Tamsweg ist einer von nur zwei Hauptorten eines österreichischen Bezirkes, dem nie das Stadtrecht verliehen wurde. Der zweite ist Reutte in Tirol.

Allzu viel Zeit zum Einrollen bleibt nicht. Denn erstens ist Tamsweg nicht gerade groß und rasch durchquert und zweitens beginnt gleich nach dem Ort die erste Steigung. Und die hat es in sich, zieht sie doch von Anfang an mit Steigungsprozenten deutlich im zweistelligen Bereich nach oben. Aufgrund einiger Flachstücke verteilen sich die 500 Höhenmeter hinauf zum Prebersee auf acht Kilometer und die Durchschnittssteigung hält sich somit in Grenzen. Zwischen den Flachstücken warten aber immer wieder giftige Rampen, die die noch nicht aufgewärmten Oberschenkel alles andere als erfreuen.

Der Verkehr hält sich durchaus in Grenzen, obwohl der Prebersee eines der beliebtesten Ausflugsziele der Gegend ist. So bleibt jedenfalls mehr Ruhe, um die schöne Landschaft der Niederen Tauern zu genießen. Am Prebersee findet jedes Jahr im August das weit über die Landesgrenzen bekannte Preberschießen statt. Ein Wettschießen, bei dem es gilt, die Kugel an der Wasseroberfläche abprallen zu lassen und erst dann die hölzerne Zielscheibe zu treffen. Das hohe spezifische Gewicht des Moorwassers macht es möglich.

Bald nach dem See erreicht man die Grenze zur Steiermark und dieses bis vor kurzem nicht asphaltierte Stück an der Grenze der beiden Bundesländer weist mittlerweile beste Straßenverhältnisse auf. Ganz im Gegensatz zur Abfahrt auf steirischer Seite, die ist bis hinunter zur Kreuzung nach Krakauschatten mit Vorsicht zu genießen.

Bei eben jener Kreuzung zahlt es sich aus, links abzubiegen und nach kurzer Gegensteigung die weitere Abfahrt über das einst zum schönsten Gebirgsdorf gekürte Krakaudorf zu absolvieren.

Von Schöder bis ins Murtal verläuft die Strecke dann etwa 20 Kilometer auf der Hauptstraße des Tales. Teilweise gibt es zwar einen Radweg, dessen Benutzung aber aufgrund des meist erträglichen Verkehrsaufkommens oft nicht notwendig ist. Ganz anders dann im Murtal, wo man um den Mur-Radweg sehr wohl dankbar ist.

Das Murtal wird hier aber ohnehin nach wenigen Kilometern wieder verlassen und nach kurzer Steigung hinauf zum Bahnhof Mariahof wird es wieder deutlich ruhiger. Sankt Lambrecht mit seinem den Marktplatz beherrschenden Benediktinerstift ist bald erreicht und kurz darauf ohne große Anstrengung der Talbacher Sattel überquert. Nach kurzer Abfahrt erreicht man das 500 Einwohner Nest Laßnitz. Was auf den ersten Blick verwirrend erscheinen mag, nämlich zwei Ortstafeln, einmal Steirisch Laßnitz und einmal Kärntnerisch Laßnitz, entpuppt sich tatsächlich als Laune der Geschichte. Seit dem Mittelalter gehört ein Teil des Dorfes zu Kärnten, auch wenn die nächsten Kärntner Orte kilometerweit entfernt sind. Eigentlich will daran auch keiner etwas ändern, erst recht nicht die Bewohner von Kärntnerisch Laßnitz, auch wenn so manch Kuriosität dabei herauskommt. Etwas dass für einen Teil des Ortes die zuständige Polizeistation 40 Kilometer, für den anderen Ortsteil aber nur sechs Kilometer entfernt ist. Oder dass einige Bauern regelmäßig ein behördliches Ansuchen stellen müssen, wenn sie ihr Vieh auf ihrem Bundesländer-übergreifenden Besitz, von einem Teil der Weide zu einem anderen treiben wollen.

Kurz nach Laßnitz zweigt unsere Runde dann links ab und man kommt in das ruhige und idyllische Hochtal des Grattinger Sattels, wo man am Scheitelpunkt dann endgültig Kärntner Hoheitsgebiet erreicht.

Nach einer kurzen Abfahrt hinunter ins Metnitztal wartet dann noch der letzter Anstieg des Tages auf die Flattnitzer Höhe. Und ganz unterschätzen sollte man auch den nicht, denn nach flachem Beginn sind vor allem die letzten beiden Kilometer, bevor man die aus dem Gurktal heraufziehende Straße erreicht, unangenehm steil. Dass man mittlerweile 100 Kilometer in den Beinen hat, lässt den Anstieg noch einmal steiler erscheinen.

Oben auf der Flattnitzer Höhe angekommen, liegen die Anstrengungen dann aber hinter uns und nach der Abfahrt hinunter ins Murtal geht es nur noch gemütlich auf dem Mur-Radweg zurück nach Tamsweg.

 

Allzu viele grenzüberschreitende Runden in den Karawanken gibt es ja nicht. Das Grenzgebirge zwischen Kärnten und Slowenien ist einfach zu schroff, um viele asphaltierte Straßen zu beherbergen und entsprechend imposant und majestätisch präsentiert sich die uns umgebende Landschaft. Für uns bedeutet das: nichts wie hinein in diese grandiose Bergwelt, deren Reize man sich mit drei anspruchsvollen Anstiegen aber erst erarbeiten muss.

 

Zugegeben: ein Geheimtipp sieht anders aus. Ist doch der Loiblpass die kürzeste Verbindung zwischen Ljubljana und Klagenfurt. Ganz allein wird man hier also nicht sein, doch dank des nahen Karawankentunnels, der einiges an Verkehr abzieht, ist bei vernünftiger Planung auch der Loiblpass ein durchaus lohnender Teil dieser Runde.

Während unter der Woche der Berufs- und Pendlerverkehr über den Loibl eine Rennradbefahrung fast unmöglich macht, trifft man am Wochenende fast ebenso zahlreiche Wanderer, Motorradfahrer und sonstige Ausflügler. Am Wochenende zeitig aufzubrechen, ist da wohl die beste Strategie und genau das ist unsere Empfehlung.

Unterschätzen sollte man den Loiblpass, der als erstes auf unserem Roadbook steht, jedenfalls nicht. Gleich vom Start weg geht es bergauf, und obwohl es bis zum höchsten Punkt “nur” 700 Höhenmeter zu überwinden gilt, so ist der Anstieg doch mit etlichen giftigen, weit über 10% steilen Rampen gespickt.

Der höchste Punkt wird beim Grenzübergang am Nordportal des gut 1,5 Kilometer langen und problemlos mit dem Fahrrad zu befahrenden Loibltunnels erreicht. Dass uns die restlichen 300 Höhenmeter bis zur eigentlichen Passhöhe erspart bleiben, hat übrigens einen entsetzlichen Grund. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Loibltunnel unter unmenschlichen Bedingungen von Kriegsgefangenen und KZ-Insassen gegraben. Nicht wenige verloren dabei ihr Leben. Zur Internierung wurden im Bereich des Nord- und Südportals jeweils eine Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen errichtet, wo sich heute Gedenkstätten befinden.

Die einst asphaltierte Straße auf die Passhöhe, wo übrigens bereits um 1560 ein erster 150 Meter langer Tunnel gebaut wurde, wird seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt und ist allenfalls noch mit dem Mountainbike befahrbar.

Die slowenische Seite des Loiblpasses ist ebenso gut ausgebaut wie die österreichische und so erwartet uns eine rasante und schnelle Abfahrt, wo man bei günstigen Bedingungen durchaus eine dreistellige Geschwindigkeitsanzeige am Tacho erreichen kann. Nach einiger Zeit flacht die Straße ab und hier verlässt man am besten die gut ausgebaute Bundesstraße und wechselt auf eine kleine Nebenstraße, die in wenigen Kilometern nach Trzic führt.

Bald darauf schwenkt die Straße Richtung Osten und in ständigem, sanften Auf und Ab fährt man an den südlichen Ausläufern der Karawanken bis Preddvor, wo man auf die Kokra trifft, der man nun ihr liebliches Tal hinein flussaufwärts folgt.

26 Kilometer sind es von hier bis hinauf auf den Seebergsattel, wobei die erste Hälfte nur minimal ansteigt und noch keine große Anstrengung aufkommt. Nach einem ersten etwas steileren Stück weitet sich das Tal und man erreicht bei Zgornje Jezersko einen wunderschönen Talkessel, der Richtung Süd-Osten von den schroffen Steiner Alpen mit den Hauptgipfeln Kocna, Grintovec und Skuta begrenzt wird. Dieses wunderbare Panorama bildet auch die Kulisse für die noch fehlenden vier Kilometer, 300 Höhenmeter und sechs Kehren auf den Seebergsattel, Österreichs südlichsten Grenzübergang. Der südlichste Straßenpunkt Österreichs liegt übrigens ein wenig weiter östlich in der Auffahrt zum benachbarten Paulitschsattel.

Zurück auf österreichischem Boden wartet die rasante Abfahrt hinunter nach Bad Eisenkappel. Die Schwierigkeiten sind damit aber immer noch nicht absolviert. Denn wie bei der Runde über den Luschasattel geht es jetzt den sehr schönen und einsamen Ebriach-Graben hinein. Während der ersten Kilometer steigt die Straße nur äußerst zögerlich an, so dass man noch einmal durchschnaufen und Kräfte sortieren kann. Sobald man aber die Abzweigung der überaus lohnenden Stichstraße in die Trögener-Klamm links liegen gelassen hat, zeigt die Runde noch einmal ihre Zähne, zumal sich die absolvierten Kilometer auch nur mehr knapp im zweistelligen Bereich bewegen. Vor allem die letzten drei Kilometer mit einer Durchschnittssteigung von über zehn Prozent auf eher mäßig-rollendem Untergrund verlangen einem noch einmal einiges an Kraft ab.

Oben angekommen kann man aber erst einmal entspannt durchatmen, denn große Hürden kommen jetzt nicht mehr. Der Blick wandert den Koschuta-Kamm entlang über das Zeller Hochtal, durch das uns nach kurzer steiler Abfahrt die letzten Kilometer zurück zum Ausgangspunkt führen.

 

Einen Schwank aus vergangenen Tagen darf ich hier noch anhängen:

 

Erstmals in Angriff genommen habe ich diese Runde vor vielen Jahren nur einige Tage vor meiner Hochzeit. In der Auffahrt zum Seebergsattel ist mir damals der vordere Schaltzug gerissen und trotz recht guter Form war an ein Beenden der Runde auf dem großen Kettenblatt nicht zu denken. Dass mich der bereitwillig zu Hilfe eilende Schwiegervater in spe wieder aus dem nahen Ausland heimgeholt hat, hat mir während der Hochzeitsfeierlichkeiten wenige Tage später ob meines “durchkreuzten Fluchtversuchs” so manchen hämischen Kommentar eingebrockt.

 

Darf es etwas weiter sein? Auch wenn 100 Kilometer nach wie ihren Reiz ausüben, erfüllt einen doch der zweier vorweg nicht nur mit wesentlich mehr Erschöpfung sondern vor allem auch mit erheblich mehr Genugtuung. Das landschaftlich schöne Unterkärnten ist geradezu prädestiniert für so ein Unterfangen, zumal sich kräftezehrende Anstiege leicht vermeiden lassen und dennoch trotz der Länge nie Langeweile aufkommt.

 

Gestartet wird in Klagenfurt und sofort geht es auf kleinen, wenig befahrenen Straßen in das schöne Umland der Landeshauptstadt. Am Fuß des Magdalensberges und wenig später den Südabhängen der Saualm entlang geht es ostwärts. Griffen mit seinem schönen Burgberg ist bald erreicht und wenig später folgt der Hauptanstieg des Tages. Nach wenig fordernden 180 Höhenmetern erreicht man nicht nur den höchsten Punkt der heutigen Runde sondern auch die eher historische Sprachgrenze zwischen den einstigen slowenisch- bzw. deutschsprachigen Teilen Kärntens.

Auf schöner und schneller Abfahrt geht es hinunter ins Lavanttal. St. Paul mit seinem schönen, über dem Ort thronenden Benediktinerstift wird durchquert und man sucht sich den schnellsten Weg zum Radweg, der uns parallel zur renaturierten Lavant nordwärts bringt. Kurz vor Wolfsberg wird der nördliche Wendepunkt erreicht und auf der westlichen Talseite des Lavanttales geht es wieder südwärts.

Während sich die für den Rennradfahrer alles andere als leichte Koralm zur linken erhebt, ergeben sich rechterhand schöne Blicke über die Unterkärntner Hügellandschaft und die dahinter aufragenden Steiner Alpen und Karawanken.

Lavamünd am südlichen Ende des Lavanttales ist der tiefste Punkt der heutigen Runde, und wie der Name schon vermuten lässt, mündet die Lavant hier in die Drau. Kaum vorstellbar an diesem sonnigen Maitag, dass 2012 die hier aufgestaute Drau über die Ufer trat und Lavamünd meterhoch unter Wasser setzte.

Heute gelingen die Ortsdurchfahrt von Lavamünd und die Drauüberquerung problemlos und in ständigem Auf und Ab geht es in Richtung Bleiburg. Bei Neuhaus werden die Blicke unweigerlich vom Museum Liaunig, einem der größten Privatmuseen für moderne Kunst in Österreich, angezogen.

Auch wenn eine Pause gut täte und das Museum definitiv einen Besuch wert ist, lassen wir es heute ebenso am Straßenrand zurück wie das ebenfalls sehr empfehlenswerte Werner-Berg-Museum in Bleiburg, das wenig später passiert wird.

Auf schon bekannten Pfaden  (Koroska und Klopeiner See) geht es über Globasnitz, Sittersdorf und dann der Vellach entlang in Richtung Rosental.

Nennenswerte Schwierigkeit gibt es hier nicht, außer dass die Länge der Runde doch schön langsam zu spüren ist. Der Drau entlang geht es über Ferlach flussaufwärts in Richtung Osten. In der Regel weist die Rosental-Bundesstraße östlich von Ferlach nur wenig Verkehr auf und ist problemlos zu befahren. Eine Alternative wäre der Drau-Radweg, der in diesem Bereich allerdings nicht asphaltiert ist, so dass die Bundesstraße bis und durch Ferlach wohl die bessere Lösung ist.

Ab Kirschentheuer kann man dann wieder auf kleine Nebenstraßen ausweichen, bevor man kurz vor Feistritz neuerlich die Drau überquert und die letzte Steigung des Tages wartet. Zwischen Rosental und Klagenfurter Becken mit dem Wörthersee erhebt sich nämlich noch eine eiszeitliche Endmoräne, der Sattnitz-Kamm. Aber auch dieser letzte Anstieg ist weder lang noch schwer und bald ist bei Ludmannsdorf die Radstrecke des Kärntner Ironmans erreicht. Auf dieser rollt man nach Köttmannsdorf und Lambichl und bald darauf ist Klagenfurt und das ersehnte Ende der Runde erreicht.

 

Einst vereint im Herzogtum Kärnten, dann durch einen blutigen Krieg und den folgenden eisernen Vorhang getrennt, bewegen sich das österreichische und das slowenische Unterkärnten nun wieder langsam aufeinander zu. Grund genug, sich die grenzüberschreitenden, in gewisser Weise vereinenden Tourenmöglichkeiten dieser ruhigen und dünn besiedelten Gegend genauer anzusehen. Wenn dabei noch der südlichste Straßenpunkt Österreichs passiert wird, sind die Zutaten für ein grandioses Rennrad-Erlebnis serviert.

Gestartet wird im kärntnerischen Bleiburg. In südlicher Richtung geht es auf die Petzen, den östlichsten Karawanken-Zweitausender, zu. An deren Fuß geht es in östlicher Richtung über Globasnitz nach Sittersdorf, wo man das Tal der Vellach erreicht, von wo es dann hinein in die Karawanken geht.

Bad Eisenkappel, der einzige österreichische Ort, der sowohl mit der Auszeichnung Kur- als auch Luftkurort bedacht ist, ist bald erreicht und allmählich nimmt die Steigung etwas zu. Richtig steil wird es aber erst nach Bad Vellach. Bei diesem zur Monarchiezeit sehr beliebten, mittlerweile aber fast völlig verfallenen Kurzentrum, lässt man die Hauptstraße weiter hinauf zum Seebergsattel ziehen und biegt links ab auf das kaum befahrene Sträßchen Richtung Paulitschsattel.

Die nächsten fünf Kilometer können dann mit einer anstrengenden 10%igen Durchschnittssteigung aufwarten. Hoch über der Vellacher Kotschna, einem von drei Seiten von den Steiner Alpen umrahmten Hochtal, zieht die Straße aufwärts. Dieses schöne Tal mit seinem malerischen, felsigen Talschluss bildet die südlichste Ausbuchtung Kärntens und damit auch Österreichs und an einer der zahlreichen panoramareichen Kurven passiert man dann auch den südlichsten Straßenpunkt Österreichs.

Am Scheitelpunkt wird die Grenze überfahren und auf slowenischer Seite folgt eine rasante Abfahrt hinunter ins Tal der Savinja. Dieser glasklare, bei Fischern und Paddlern gleichermaßen beliebte Wildfluss, steht der ungleich bekannteren Soča an landschaftlicher Idylle kaum nach. Da wo man auf die Savinja trifft, mündet von rechts das Logartal, in dem die Savinja entspringt und das als eines der schönsten Täler Sloweniens gilt. Und obwohl eine kleine asphaltierte Stichstraße bis zum Talschluss führen würde, geht es für uns geradeaus weiter talaus Richtung Luče und Ljubno.

Bei Ljubno rollt man allmählich vom Berg- ins Hügelland. Leider nimmt damit aber auch der Verkehr merklich zu. Vor allem der Berufsverkehr unter der Woche macht einem hier zu schaffen, sodass es sich empfiehlt nach einigen Kilometern einen kleinen Umweg über Radegunda auf nun wieder kleinen Straßen in Kauf zu nehmen.

Das bald erreichte Šoštanj wird von einem wenig ansehnlichen Braunkohlekraftwerk, das immerhin ein Drittel des slowenischen Strombedarfs deckt, dominiert. Es geht noch ein paar Kilometer flach weiter, bevor die zweite größere Steigung des Tages beginnt.

Das Ausmaß dieser Steigung kann zu deren Beginn leicht unterschätzt werden. Obwohl oder gerade weil sich die Steigung zumeist deutlich im einstelligen Bereich bewegt, ziehen sich die 12 Kilometer auf den weitgehend unbekannten und kaum befahrenen Wistrasattel ordentlich. Man hat zu diesem Zeitpunkt schließlich ja auch schon deutlich über 100 Kilometer in den Beinen.

Schließlich ist die Passhöhe aber erreicht und die folgenden 20 Kilometer sind dann Rennrad-Genuß pur. Ständig bergab geht es mit dickem Gang zurück Richtung österreichischer Grenze. Das hübsche Črna na Koroškem, der Heimatort der großartigen slowenischen Schirennläuferin Tina Maze, wird durchquert und nach einer letzten kurzen Steigung bei Mežica ist dann wieder Kärntner Boden und kurz darauf der Ausgangspunkt dieser phantastischen Runde erreicht.