“Jessas, Jessas, jetzt fahren sie richtig ins Loch! Und schon war das Ungeheuer mit seinen hundert Rädern in der Tiefe.” so Peter Rosegger, der bekannte steirische Heimatdichter, bei seiner ersten Begegnung mit der Semmeringbahn. Man muss nicht im vor-vorigen Jahrhundert gelebt haben, ja man muss noch nicht einmal ausgewiesener Eisenbahn-Liebhaber sein, um von der Semmeringbahn begeistert zu sein. Vor mehr als 150 Jahren wurde mit dem Semmering der letzte noch fehlende Abschnitt der Eisenbahnlinie Wien-Triest nach nur sechsjähriger Bauzeit vollendet. Diese enorme technische Leistung mit 16 Viadukten, 15 Tunnels und 100 gemauerten Bogenbrücken brachten ihren Planer und Bauleiter Carl Ritter von Ghega auf den ehemaligen 20-Schilling-Schein und die Semmeringbahn selbst auf die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Abschnitte dieser schönen Runde verlaufen entlang dieser Bahnstrecke, wobei die Runde noch wesentlich mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.
Von Gloggnitz geht es auf versteckten Straßen nach Payerbach, wo man, sobald man den Ortskern erreicht, links Richtung Kreuzberg abbiegt. Es geht nun knapp fünf Kilometer hinauf auf die Sonnenterrasse von Payerbach, der Verkehr wird zu unserer Freude fast vollkommen im Tal zurückgelassen.
Fast am höchsten Punkt des Anstiegs steht rechts oberhalb der Straße das denkmalgeschützte Looshaus, ein Spätwerk von Adolf Loos, einem der Wegbereiter moderner Architektur in Österreich. Das Loos-Haus ist heute Hotel und Restaurant und wem es nicht noch zu früh zum Einkehren ist, soll ruhig die schöne Aussicht und die weithin gelobten Mohnpalatschinken genießen. Beides lohnt sich.
Nach einer schönen Abfahrt vorbei an Ort und Ruine Klamm erreicht man den schluchtartigen Adlitzgraben, den es jetzt durch die immer näher aneinander rückenden Felswände bachaufwärts geht. Nach einigen Kilometern im Adlitzgraben wird dieser wieder verlassen und es geht hinauf zum höchsten Punkt der Runde im Kurort Semmering. Man kommt sich hier fast wie in einem Freilichtmuseum vor, fährt man doch an fast unzähligen geschichtsträchtigen Villen und Hotels vorbei. Vor allem das ehemalige, jetzt brach liegende Südbahn-Hotel liegt eindrucksvoll an unserer Strecke.
Der schönste Teil der Runde folgt aber wohl jetzt. Während der Abfahrt hinunter nach Breitenstein und dem folgenden Anstieg durch die Kalte Rinne wird immer wieder die hier besonders spektakulär verlaufende Semmeringbahn gekreuzt. Besonders eindrucksvoll wird unsere Straße vom Adlitzgraben- und vom Kalte-Rinne-Viadukt überquert.
Nach der kurzweiligen Abfahrt hinunter nach Reichenau geht es zurück Richtung Gloggnitz, wobei sich, da die Runde sonst doch etwas kurz wäre, noch ein netter Umweg über St. Christof und Prigglitz anbietet.
In der Nähe des Ausgangspunktes befindet sich übrigens eine Großbaustelle, die besondere Bedeutung für diese Runde hat. Hier befindet sich nämlich das Portal des gerade im Bau befindlichen Semmering-Basistunnels. Und dieser fast 30 Kilometer lange Tunnel von Gloggnitz nach Mürzzuschlag wird die derzeit noch vom gesamten Güter- und Personenverkehr genutzte Semmeringbahnstrecke endgültig zur Museums- und Ausflugsbahn degradieren.
Noch vieles erinnert an die Hochblüte des Semmering-Gebietes, als Wiener Adel und Großbürgertum hier die Sommer verbrachten: mondäne Villen, einst luxuriöse – jetzt oftmals in die Jahre gekommene Hotels, das Unesco-Weltkulturerbe Semmeringbahn und nicht zuletzt die alles überragenden Ausläufer der Kalkalpen Rax und Schneeberg. Kein Wunder, dass es während des Fin de Siècle von der Kaiserfamilie über Künstler wie Arthur Schnitzler, Heimito von Doderer, Oskar Kokoschka und Adolf Loos bis hin zu Theodor Herzl alles mit Rang und Namen in Wien hier her gezogen hat. Diese großen Zeiten sind vorüber, doch während einsamer Rennradrunden, gedanklich in die Vergangenheit abzuschweifen, hat ja auch etwas für sich.
Von Gloggnitz, unserem Ausgangsort, nach Schottwien kommt man entweder einfach und flach durch das Auetal oder wesentlich kupierter und dafür auch einsamer und landschaftlich schöner über Eichberg und Klamm. Selbstredend, dass wir uns für die zweite Variante entscheiden.
Am Schloss Gloggnitz vorbei überwindet die immer wieder von flacheren Abschnitten unterbrochene Steigung 450 Höhenmeter. Mehrfach eröffnen sich schöne Blicke auf das Tal der Schwarza und seine umgebende Bergwelt.
Vom höchsten Punkt erreicht man nach kurzer Abfahrt den Weiler Klamm mit seiner von weitem sichtbaren Ruine und wenig später Schottwien, wo sich die mittelalterlichen Häuserzeilen unter der mächtigen Autobahnbrücke in das enge Tal schmiegen.
In moderater Steigung, nur unterbrochen von einem kurzen Steilstück, geht es über den Wallfahrtsort Maria Schutz hinauf zum Semmering-Pass. Die Siedlung rund um die Passhöhe ist geprägt vom Tourismus und dem unmittelbar an der Passhöhe gelegenen Schigebiet, wo immerhin regelmäßig Damen-Weltcuprennen stattfinden. Der wesentlich charmantere Kurort, wo sich schöne Villen an mondäne Hotels reihen, liegt etwas weiter nördlich und wird bei der Runde “Auf Schiene” durchquert.
Die Abfahrt vom Semmering hinunter nach Mürzzuschlag kann man bedenkenlos auf der Bundesstraße bestreiten. Es gibt zwar auch eine kleinere Straße, doch dank der parallel verlaufenden Autobahn macht die gut ausgebaute aber kaum befahrene Bundesstraße doch deutlich mehr Spaß.
Die Bergwerks- und Eisenbahnerstadt Mürzzuschlag wird durchquert und es folgen ein paar flache Kilometer die Mürz flußaufwärts, je nach Verkehrsaufkommen auf der Lahnsattel Bundesstraße oder dem auf der anderen Mürzseite verlaufenden, gut ausgebauten Radweg.
Im bald erreichten Weiler Kapellen verläßt man dann das Mürztal und es geht den Raxengraben hinein. Allzu viel Respekt braucht man der nun folgenden Auffahrt zum höchsten Punkt der Runde am Preiner Gscheid allerdings nicht entgegen zu bringen. Unter den schönen Südabhängen der Heukuppe, dem höchsten Gipfel des Rax-Massivs, gilt es 370 Höhenmeter auf knapp zehn Kilometern zu überwinden und die Steigung erreicht nur im oberen Teil kurz zweistellige Prozentwerte.
Die folgende Abfahrt hinunter Richtung Prein und Reichenau lässt dann auch keinen Zweifel darüber aufkommen, welche die schwierigere Seite des Preiner Gscheids ist. Uns soll es recht sein, so kommt bei der kurvigen Abfahrt erst gar keine Langweile auf, und ehe man es sich versieht sind die ehemaligen Nobel-Kurorte Reichenau und Payerbach erreicht. Verkehrsberuhigt geht es am orographisch linken Ufer der Schwarza zurück nach Gloggnitz und durch die Stadt zurück zum Parkplatz.
Es mag auf den ersten Blick abwechslungsreichere Rennradziele in Österreich geben: die Seen-Gebiete, das Hochgebirge, die Wein-Gegenden. Und doch verdient es auch der äußerste Nord-Osten Niederösterreichs, das ein oder andere Mal einen Besuch abgestattet zu bekommen. Donau-Auen, March-Schlösser, die Getreide-Kammer Österreichs und eine majestätische Distanz sprechen eindeutig für diese Runde rund um den Bezirk Gänserndorf entlang des ehemaligen eisernen Vorhangs.
Das Wiener Stadtgebiet lässt man am besten über Prater und Donauinsel hinter sich. So kommt erst gar keine Großstadt-Hektik auf und fast unbemerkt wechselt man von Wien nach Niederösterreich und befindet sich unvermittelt in der Lobau, dem westlichsten Teil des Nationalparks Donauauen.
Die Aulandschaften werden aber bald gegen die wogenden Getreidefelder des Marchfeldes getauscht und ohne große Umschweife geht es ostwärts in Richtung slowakischer Grenze. Bevor man die March, die über weite Strecken die österreichisch-slowakische Grenze bildet, erreicht, macht die Runde einen Schwenk nach Norden. Genau hier an diesem östlichsten Punkt des Tages befindet sich das größte der sechs Marchfeldschlösser, das Schloss Hof. Besonders der siebenterrassige Garten dieses Barockschlosses ist sehenswert, wobei man einen ersten Eindruck auch schon von der rund um das Schloss führenden Straße erhaschen kann.
Der March entlang, von deren geschützten Aulandschaften man allerdings leider fast nichts zu sehen bekommt, geht es nach Marchegg und weiter über Weikendorf und Prottes nach Dürnkrut.
Hier zwischen den verschlafenen Nachbarorten Dürnkrut und Jedenspeigen fand übrigens im August 1278 eine der größten Ritterschlachten statt. Der Sieg Rudolfs des Ersten über den König von Böhmen Ottokar II. Premysl bildete den Grundstein der Jahrhunderte lang währenden Regentschaft der Habsburger in Österreich.
Nach diesem kurzen historischen Ausflug wendet sich der Blick aber wieder Richtung Norden. Hohenau an der March ist bald erreicht, von wo es nun nicht mehr der slowakischen sondern der tschechischen Grenze entlang weiter geht. Da auch Österreich eine nördliche Begrenzung hat, rückt der Wendepunkt unweigerlich näher. Nach einigen Kilometern der tschechischen Grenze entlang, ist es auch für uns soweit, dem ehemaligen eisernen Vorhang den Rücken zu kehren und ab Schrattenberg wieder eine südliche Grundrichtung mit den Zielen Mistelbach und Wien einzuschlagen.
Für bergaffine Fahrer stellen die nun folgenden Weinviertler Hügel kein großes Hindernis dar. Sie sind nicht besonders steil und erst recht nicht besonders lang und doch bringen sie einen mit mittlerweile gut 150 Kilometern in den Beinen ganz schön zum Fluchen. Wenn dann auch noch der Wind stramm von vorne kommt, ist die Sehnsucht nach längst verflossenen Genuß-Ausfahrten nur allzu verständlich
Nach einer letzten Kraftprobe auf den Bisamberg ist es dann aber geschafft und auf der nördlichen Hälfte der Donauinsel geht es zurück zum Ausgangspunkt im Wiener Stadtgebiet.
“Wer nie am Ötscher gestanden ist, hat Niederösterreich nicht gesehen.” Dieser geflügelte Satz über Niederösterreichs steinernes Wahrzeichen hat schon seine Richtigkeit, beherrscht dieser freistehende Berg mit seinen weitläufigen Wäldern und tief eingeschnittenen Gräben doch das gesamte südliche Mostviertel. Die hier gefundenden reichen Eisenvorkommen haben der Bundesländer-übergreifenden Region Eisenwurzen nicht nur den Namen gegeben, sondern jahrhundertelang das wirtschaftliche Leben der Region bestimmt. Und auch wenn der Gipfel des Ötschers den Wanderern und Bergsteigern vorbehalten bleibt, so muss man obigen Satz für uns Cyclisten halt einfach etwas umwandeln: Wer nie unterm Ötscher vorbeigeradelt ist, hat Niederösterreich nicht gesehen.
Gestartet wird in Wilhelmsburg, gut zwanzig Kilometer südlich von St. Pölten, und die ersten 50 Kilometer verlaufen ohne nennenswerte Schwierigkeiten im sanften, hügeligen Alpenvorland Richtung Scheibbs.
Kurz vor Scheibbs trifft man auf ein kurzes Schotterstück. Die 500 Meter liegen aber schnell hinter einem und der folgende Abschnitt hoch über und dann hinunter in das Tal der Erlauf ist so lohnend, dass man den Schotter ruhig in Kauf nehmen sollte. Alternativ kann dieser Abschnitt ab St. Georgen an der Leys auch auf der B29 nach Scheibbs abgekürzt werden.
Von Scheibbs sind uns bis St. Anton an der Jeßnitz noch ein paar flache Kilometer vergönnt, bevor dann doch der erste, ernstzunehmende Anstieg des Tages wartet.
Die fünf Kilometer und 350 Höhenmeter auf den Schlagerboden sind aber rasch absolviert und noch ehe man Panorama und Landidylle so richtig ausgekostet hat, geht es auch schon wieder hinunter ins Tal und auf der B28, die an sonnigen Wochenenden und Feiertagen durchaus einiges an Ausflugsverkehr aufweisen kann, in weiteren 250 Höhenmetern nach Puchenstuben.
Nach einer kurzen Espresso-Pause wird der zweifellos schönste Abschnitt der Runde in Angriff genommen. Auf schmaler Straße geht es hinunter zur Erlauf und durch den Naturpark Ötscher-Tormäuer wildromantisch durch diese einsame Bergwelt. Man kann sich leicht vorstellen, dass wir hier in einem der wohl dünnst-besiedelsten und naturbelassensten Regionen Österreichs unterwegs sind und in diesen unzugänglichen Wäldern und Schluchten eine Vielzahl an Wildtieren ideale Lebensbedingungen vorfinden. Und tatsächlich war es in dieser Gegend, dass 1842 der vorläufig letzte österreichische Braunbär erlegt wurde. Nach 150 Jahren bärenloser Zeit, lebten in den 90er Jahren im Rahmen eines Wiederansiedelungsprogrammes noch einmal bis zu zehn Braunbären rund um den Ötscher. Heutzutage gibt es allerdings neuerlich, bis auf Fraßspuren einzelner, durchwandernder Individuen keine Hinweise auf dauerhaft hier lebende Bären. Unsere Suche nach den legendären Ötscherbären war also von vornherein zum Scheitern verurteilt, ein Umstand, der der Schönheit der Runde aber kaum etwas anhaben kann.
Von Erlaufboden heißt es noch einmal 250 steilere Höhenmeter hinauf in den Annaberger Ortsteil Lassingrotte zu meistern, dann sind die großen Schwierigkeiten der Runde aber vorbei. Zwar liegt der höchste Punkt der Runde noch 15 Kilometer und 200 Höhenmeter vor uns, die Steigungen halten sich aber so zurück, dass man nach Belieben aufs Tempo drücken, oder es in den einsamen Wäldern entspannt angehen kann.
Kurz nach Erreichen des höchsten Punktes wird man für ein kurzes Stück von einem kleinen Bächlein begleitet. Hierbei handelt es sich um den Quellfluss der Salza, die zu den naturbelassensten Flüssen der Ostalpen gehört und vor allem wegen ihrer steirischen Abschnitte bei Kanuten, Fischern und Wanderern gleichermaßen bekannt und beliebt ist.
Von jetzt an geht es die noch verbleibenden 50 Kilometer aber tatsächlich nur noch bergab, wobei man das geringe Gefälle ab St. Aegyd am Neuwalde nur insofern merkt, als man für eine vermeintlich flache Straße ungewohnte Geschwindigkeiten erzielt. Und so kann man bis zum Ausgangspunkt die Durchschnitts-Geschwindigkeit noch einmal ordentlich nach oben schrauben. Wer es allerdings eher ruhig angehen lassen will, nimmt besser nicht die Bundesstraße, sondern spätestens ab Lilienfeld den durchwegs asphaltierten Traisental-Radweg.
Zugegeben, auf einigen Abschnitten ist diese Runde relativ verkehrslastig, das Höhenprofil ist ziemlich einfallslos, und ja, es stimmt, die Ortschaften entlang der Runde strahlen teilweise einen etwas spröden Charme aus. Aber mit der Prater-Hauptallee, der Fährfahrt über die Donau, dem schönen Spiel zwischen Wind und Wolken über dem Marchfeld, der Durchquerung der Lobau, der Rückfahrt auf der Donauinsel und der Skyline der Donau City überwiegen schlussendlich ganz klar die positiven Eindrücke und der Runde gelingt es, etliche Wiener Rennrad-Highlights zu vereinen.
Gestartet wird diese Runde beim größten Kreisverkehr Wiens, dem Praterstern. Von hier aus zieht eine schnurgerade, für den motorisierten Verkehr gesperrte Straße – die Prater Hauptallee – in 4,5 Kilometern zum Lusthaus.
Etwas umständlich sucht man sich von diesem ehemaligen kaiserlichen Jagdhaus einen Weg zum Radweg, der entlang des Donaukanals stadtauswärts führt. Zwischen dem bald erreichten Kaiserebersdorf und Schwechat wird der Fahrspaß aufgrund des etwas mühsamen Verkehrsaufkommens etwas getrübt. Erst mit Erreichen des Radweges entlang der Schwechat wird es wieder angenehmer. Möglicherweise gibt es für diesen nur mäßig reizvollen Abschnitt ja eine alternative Streckenführung. Ich habe sie allerdings noch nicht gefunden und allzu lange dauert dieser Abschnitt ohnehin nicht.
Ab Himberg geht es auf Landstraßen ostwärts, die speziell an Wochenenden, wenn der Berufsverkehr eine Pause einlegt, angenehm ruhig sind. Fast unbemerkt passiert man zwischen Rauchenwarth und Schwadorf den höchsten Punkt der Runde, wobei die erreichten 230 Meter Seehöhe eine Kategorisierung als Bergetappe dann doch nicht rechtfertigen.
Entlang des Wiener Flughafens erreicht man Fischamend, von wo es dann auf einer kleinen ruhigen Nebenstraße weiter geht. Trotz der parallel verlaufenden, stark befahrenen Ostautobahn kommt hier fast so etwas wie Landidylle auf, vorausgesetzt man lässt den Blick über die sich südlich von uns ausbreitenden Felder schweifen. Bei erster Gelegenheit wird die Autobahn unterquert und über Maria Ellend kommt man nach Haslau und zur Donau.
Nach dem Ende der Straße führt ein ziemlich holpriger Weg an ein paar Donau-Altarmen vorbei zum Ufer. Die Vermutung hier auf so etwas wie einen Hafen zu treffen, wird bitterlich enttäuscht. Die hier querende Fähre, die nur Fußgängern und Radfahrern (3,5€ pro Person, 1€ pro Fahrrad) zur Verfügung steht, liegt am anderen Donauufer. Sie kommt nur bei Bedarf herüber und legt dann ohne große Umschweife am unbefestigten, steinigen Strand an. Souverän trotzt sie der doch recht beträchtlichen Strömung und allzu schnell ist die Bootsfahrt auch schon wieder zu Ende.
Auf der nördlichen Donauseite erwartet uns Orth an der Donau mit seinem imposanten Schloss, das heute als Sitz und Besucherzentrum des Nationalparks Donau-Auen dient. Von diesem einzigartigen Nationalpark, der eine der größten noch intakten Aulandschaften Mitteleuropas beherbergt, bekommt man leider nicht allzu viel zu Gesicht, da einen der Routenverlauf geradewegs in das Marchfeld, die Kornkammer Österreichs führt.
Ohne jegliche Ausschläge im Höhenprofil fährt man in Richtung Groß-Enzersdorf und dann, schon innerhalb der Wiener Stadtgrenze, durch ein weiteres schönes Augebiet der Donau, die Lobau. Hier schlug bereits 1809 Napoleon mit seinen Truppen in der Feuerpause zwischen den blutreichen Schlachten bei Aspern und Wagram sein Hauptlager auf. Für uns geht es aber ohne Pause und weniger grausam in Richtung Donauinsel und auf dieser insgesamt 21 Kilometer langen künstlichen Insel, die die Donau von der Neuen Donau trennt und Teil des Wiener Hochwasserschutzes ist, zurück zum Ausgangspunkt.
Sehr schöne Nachmittagsrunde, die man auf den unzähligen, schönen Wienerwald-Straßen nach Belieben erweitern und mit anderen Runden kombinieren kann. Typisch Wienerwald eben.
Ausgangspunkt dieser kurzen, netten Runde ist die Wiener Stadtgrenze. Da wo Wien Liesing an Perchtoldsdorf grenzt, beginnt die Kaltenleutgeber Straße und hier findet man auch meist recht problemlos einen Parkplatz entlang der Straße.
Man folgt der Kaltenleutgeber Straße bis Stangau und es ist immer wieder verblüffend, wie schnell es geht, den Stadtverkehr hinter sich zu lassen und in die Ruhe des Wienerwaldes einzutauchen. In Stangau sucht man sich die kleine, ruhige Straße, die nach Gruberau führt. In Gruberau biegt man links auf die L130 ab, der man immer leicht bergab bis Heiligenkreuz folgt.
Aufgrund des leichten Gefälles ist das eine optimale Strecke, um ordentlich Tempo aufzunehmen, und ein bißchen fühlt man sich wie Tony Martin bei seiner Lieblingdiziplin. Allzu lange ist uns der Spaß aber nicht vergönnt, denn in Heiligenkreuz, wo man rechts auf die Bundesstraße Richtung Alland abzweigt, geht es für drei Kilometer bergauf. Genau am höchsten Punkt zweigt links eine kleine Straße ab, der man hinunter nach Mayerling folgt. In Mayerling biegt man rechts ab und nach wenigen Metern gleich wieder links auf die L4004. Über Maria Raisenmarkt geht es immer ansteigend bis zum höchsten Punkt kurz vor Schwarzensee. Rechterhand liegt der Peilstein. Die Felsabstürze, die den Peilstein zu einem der bekanntesten Wiener Klettergebiete machen und die eng mit so klingenden Namen wie Emil Zsigmondy und Fritz Kasparek verbunden sind, sieht man allerdings nicht, die befinden sich auf der anderen, westlichen Seite.
Am höchsten Punkt angekommen, fährt man geradeaus und kommt auf der L4007 ins Triestingtal und auf der B212 nach Bad Vöslau.
Mit der Idylle ist es ab Bad Vöslau dann leider vorbei. Es kommen zwar noch einige schöne Abschnitte, wie die nette gepflasterte Ortsdurchfahrt von Gumpoldskirchen und der folgenden Strecke durch die Weinberge. Ab Mödling wird es dann aber wieder etwas mühsam und man kann es sich aussuchen, ob man sich die letzten acht Kilometer in ewigem Zick-Zack durch Nebenstrassen müht oder doch den Verkehr der Hauptstraßen in Kauf nimmt.
Die Gegend rund um die Donau in Niederösterreich ist altes Kulturland. Die Venus von Willendorf und der mit den Römern hierhergekommene Weinbau zeugen davon. Für Rennradfahrer bietet diese Landschaft hügeliges Alpenvorland vom Feinsten.
Wenn im Frühsommer die tiefstehende Sonne die Donau zum Funkeln bringt und der Duft von frisch gemähtem Gras und getrocknetem Heu über die Hügel zieht, dann ist es höchste Zeit, sich auf Rad zu schwingen und die Nase etwas in den Wind zu hängen. Wir präsentieren hier eine sinnvolle Abendbeschäftigung, die Vorfreude auf den Sommer macht.
Von Ybbs an der Donau führt eine Straße an der Südseite des Stroms immer nahe am Wasser flussaufwärts. Hier zu fahren macht schon deshalb Spaß, weil man ziemlich lässig an den stromaufwärts fahrenden Booten vorbeiziehen kann; sie tun sich bei der Fortbewegung merklich schwerer. Hinter dem funkelnden Fluss tauchen am Nordufer immer wieder kleine Dörfer auf, etwa das liebliche St. Nikola an der Donau, und schwer fällt der Abschied, wenn bei Grein die Hügel des Südufers erklommen werden.
Doch nur kurz trübt der Abschied die Stimmung. Durch ein kleines, dunkles Tal windet sich die Straße in sanfter Steigung bergan und schon bald öffnet sich der Blick auf Felder und Gehöfte, auf denen das rege Treiben der ersten Mahd von Statten geht. Hier macht der Strudengau den Eindruck eines verlassenen Flecken Erdens. Der Trubel der nahen Wachau lässt ihn kalt, weil er genau weiß, was er zu bieten hat. Für Radsportler sind es die kurvigen und hügeligen Straßen, die ihn durchziehen und auf denen es nun zurück nach Ybbs geht.
Die Wachau ist ein Schmuckstück unter Österreichs nicht gerade sparsam gesäten Sehenswürdigkeiten. Sie steht sowohl auf der Liste der UNESCO-Weltkultur- als auch der -Weltnaturerbe. Die Wachauer Weine genießen Weltruhm, und auch die Wachauer Geschichte ist nicht nur eng mit der Österreichs verknüpft, sondern international verwoben. So wurde kein geringerer als der legendäre englische König Richard Löwenherz auf seinem Rückweg vom dritten Kreuzzug in Dürnstein gefangen gehalten und erst nach Zahlung eines beträchtlichen Lösegeldes wieder freigelassen. Nur eines ist die Wachau nicht: ein erholsames und leichtes Rennradgebiet. Abgesehen vom Donauradweg sind kaum flache Abschnitte zu finden und angesichts der zu überwindenden Höhenmeter führt sich das “Nieder”österreich ad absurdum. Aber so unrecht ist uns das ja gar nicht und gerade diese Geländeherausforderung trägt schlussendlich ganz entscheidend zum Reiz der Wachau als Rennraddestination bei.
Ausgangspunkt dieser Wachau-Umrundung ist Krems. Und obwohl Krems definitiv einen Besuch wert wäre und zahlreiche Sehenswürdigkeit zu bieten hat, lassen wir es heute schnellstmöglich hinter uns und wechseln über eine Stahlfachwerkbrücke das Donauufer.
Über das auf der südlichen Donauseite gelegene Mautern nähert man sich dem mächtig auf einem Hügel thronenden und schon von weitem sichtbaren Stift Göttweig. Bevor man es aber erreicht, macht die Straße einen Schwenk nach rechts und es geht hinein in den Dunkelsteinerwald. In ständigem Auf und Ab wird dieser südlich der Donau gelegene und damit zum Mostviertel, aus geologischer Sicht allerdings zum Granit- und Gneisplateau des nördlich der Donau gelegenen Waldviertels gehörige Höhenzug durchquert. Der Dunkelsteinerwald ist nur sehr dünn besiedelt und die Siedlungen strahlen die gleiche Einsamkeit wie die Straßen aus. Einige Radfahrer kommen einem entgegen, Autos nur ganz sporadisch, was uns uns die Möglichkeit gibt, die schönen Ausblicke in die niederösterreichischen Voralpen bis hin zum Ötscher zu genießen. Es gibt wahrlich schlimmeres.
Nach etwa 40 Kilometern erblickt man das zweite berühmte Kloster der Wachau, das Stift Melk. Damit ist auch das Ende der Wachau und unser Wendepunkt erreicht und noch bevor es hinein nach Melk geht, wird die Donau überquert.
Auch wenn man es kaum glaubt, aber von der Donau aus beginnt jetzt ein Anstieg, den man dieser Gegend gar nicht zugetraut hätte. Zwar immer wieder unterbrochen von Flachstücken und kurzen Abfahrten geht es fast 20 Kilometer bergauf. Immerhin gute 700 Höhenmeter sind dabei zurückzulegen, bis man das Ende der Straße am höchsten Punkt der Wachau, dem Jauerling erreicht. Nur der letzte Kilometer ab Oberndorf ist eine Stichstraße, so daß sich diese Bergwertung ideal in die Runde einfügt.
Eine kurze Verschnaufpause sollte man sich oben gönnen und die Blicke über die weit unter einem liegende Umgebung schweifen lassen, bevor man die steile und kurvige Abfahrt hinunter in den Spitzer Graben in Angriff nimmt.
Unten angekommen kann man nur hoffen, dass noch einige Körner übrig sind. Denn nachdem die Straße durch die Weinberge des Spitzer Grabens noch keine nennenswerten Schwierigkeiten aufweist, wird es ab Mühldorf wieder deutlich anspruchsvoller. Es gilt noch einmal knapp 400 Höhenmeter zu überwinden bevor man wieder das Hochplateau der Böhmischen Masse erreicht.
Auf diesem äußerst dünn besiedelten Hochplateau geht es noch 15 Kilometer in ständigem Auf und Ab durch Felder und kleine Dörfer, bevor es wieder hinunter nach Krems geht und sich der Kreis unserer Wachau-Umrundung schließt.
Und da wir uns jetzt schon einmal hier befinden, darf der vermutlich beste österreichische Witz natürlich nicht fehlen:
Was liegt zwischen Krems und Stein? Richtige Antwort: Und
(gemeint ist der Stadtteil Und, benannt nach einem ehemaligen Kloster).
Ganz allein wird man auf dieser Runde selten sein, ist doch das südliche Weinviertel dank der Großstadtnähe bei Rennradfahrern sehr beliebt. Die Vorzüge dieser schönen Ausfahrt sind eben nicht nur für uns überzeugend: landschaftlicher Reiz, wenig Verkehr, gute Erreichbarkeit auch aus dem Wiener Stadtgebiet und – speziell bei unsicherer Wetterlage – eine Runde, die man problemlos erweitern bzw. abkürzen kann. Also nichts wie los!
Ein guter Ausgangspunkt ist Korneuburg. Alternativ ist das Weinviertel auch leicht aus dem Wiener Stadtgebiet erreichbar. Speziell über die Donauinsel hat man eine wunderbar stressfreie Möglichkeit, der Stadt zu entfliehen.
Über Bisamberg geht es sanft ansteigend in den Weinbau- und Heurigenort Hagenbrunn. Für ein Päuschen ist es zu diesem Zeitpunkt der Ausfahrt aber definitiv noch zu früh und so geht es entlang der Ausläufer des Weinviertler Hügellandes weiter nordwärts. Die ruhige Fahrt entlang der Hügel eröffnet schöne Weitblicke über das Marchfeld, die Kornkammer Österreichs, bis hin zur slowakischen Grenze.
Spätestens in Unterolberndorf ist es dann aber vorbei mit der Beschaulichkeit. Und das liegt nicht etwa an einer Zunahme des nach wie vor vernachlässigbaren Verkehrsaufkommens, sondern an der beträchtlichen weltpolitischen Bedeutung dieses knapp 700-Einwohner-Ortes. Im Dorfwirtshaus “Zum grünen Jäger” kam es hier nämlich 1985 zu einer konspirativen Sitzung des ugandischen National Resistance Movement, als deren direkte Folge es zum Sturz des damaligen Präsidenten Ugandas kam. Auf dem damals beschlossenen Unterolberndorfer Manifest beruht außerdem die 10 Jahre später in Kraft getretene neue Verfassung Ugandas.
Wir lassen die weltpolitische Bühne hinter uns und das nun folgende idyllische Kreuttal bringt uns zurück in die Weinviertler Gegenwart. Die kleine, beinahe verkehrsfreie Straße verläuft durch die Laubwälder nach Würnitz. Ab hier muss man dann allerdings für einige Kilometer etwas verkehrsreichere Straßen, die aber problemlos zu befahren sind, in Kauf nehmen. Harmannsdorf ist bald erreicht, von wo wieder eine wunderbare ruhige Straße vorbei am beliebten Ausflugsgasthaus “Goldenes Bründl” nach Oberrohrbach führt.
Bald darauf ist bei Spillern der westliche Wendepunkt erreicht und auf dem Weg zurück nach Korneuburg stellt sich uns nur noch ein kleiner Anstieg in den Weg. Dieser wäre an und für sich nicht erwähnenswert, würde nicht auf ihm die schon von weitem sichtbare Burg Kreuzenstein stehen. Irgendwie erscheint die mächtige Burganlage unwirklich, und tatsächlich wurde sie erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Resten einer mittelalterlichen Vorgängerfestung erbaut. Und so zieht die Burg nicht nur unsere neugierigen Blicke an, sondern ist auch, wie man sich leicht vorstellen kann, eine beliebte Filmkulisse.
Wenig später erreicht man dann nach Durchquerung des Korneuburger Zentrums wieder den Ausgangspunkt.
Es muss nicht immer ein Frühstück bei Tiffany‘s sein!
Dieses Mal muss nach dem Aufstehen ein Schluck aus der Trinkflasche, die von der letzten Ausfahrt noch halb voll ist, als (erstes) Frühstück reichen. Denn es geht gleich los zum Donaukanal und dann in Richtung Norden.
Der Radweg ist eine entspannte Option, wenn nicht gerade Hochsaison herrscht. Er führt vorbei an Klosterneuburg, teils direkt an der Donau, teils etwas im Landesinneren. Wenn man auf dem Treppelweg unterwegs ist, kann die exponierte Position einen etwas unangenehmen Gegenwind bewirken. Da heißt es ruhig bleiben und auf der Windkante des Vordermanns oder der Vorderfrau zu surfen.
In Tulln angelangt, ist es endlich Zeit für das bereits angekündigte Frühstück. Am Hauptplatz gibt es mehrere nette Lokale. Auch hier schmeckt das klassische Wiener Frühstück sehr lecker!
Nach ausreichender Stärkung geht es an die Rückfahrt. Zunächst entlang der L 120 pfeilgerade bis Königstetten und ab hier über die Neuwaldegger Straße hinauf nach Scheiblingstein. In moderater Steigung fügt sich Kehre an Kehre – es ist zwar nicht die Auffahrt nach Alpe d’Huez, aber das Beschleunigen in der Kurve fühlt sich ähnlich an.
Nur kurz sind die Passagen mit etwas mehr Steigungsprozenten und fast zu schnell erreicht man den höchsten Punkt. Es eröffnet sich der bekannt schöne Blick auf die Bundeshauptstadt, die man zum Beispiel über die Hernalser Hauptstraße wieder erreicht.