Cyclist DEV

Da soll noch einer sagen, Großstädte sind nicht fürs Rennrad geeignet. Da wo es seit Jahrhunderten den Lissabonner Adel zur Sommerfrische hinzieht, können auch wir nicht gänzlich fehl am Platz sein. Entlang der Tejo-Mündung in den Atlantik, zum westlichsten Punkt des europäischen Kontinents bis hin zu den Palästen von Sintra bietet diese Runde nicht nur ein ansprechendes touristisches Angebot, sondern vor allem auch schöne Straßen, die keine Rennrad-Wünsche offen lassen.

 

Die Runde startet im Zentrum von Lissabon vor dem empfehlenswerten Radverleih Lisbon Bike Rentals. Hier werden die neuesten Canyon-Modelle vermietet und für mich gibt es heute das aktuelle Canyon Aeroad CF SL Disc. Wie es sich für die iberische Halbinsel gehört, natürlich im Movistar-Design und ohne mich jetzt zu sehr im technischen Dschungel verirren zu wollen, kann ich eines zu dem Rad sagen: es fliegt.

Und zwar fliegt man, wenn man diese Runde nachfährt, schnurstracks Richtung Westen. Aus Angst vor dem Verkehr wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Lissabon auf der parallel zum Tejo verlaufenden Ausfallsstraße (N6) zu verlassen. Nach beruhigenden Worten der Crew vom Radverleih wage ich es dann aber doch und bin vom Ergebnis überrascht. Zwar gibt es einigen Verkehr, die portugiesischen Autofahrer sind aber überaus rücksichtsvoll und halten soviel Abstand, wie man es sich in unseren Breiten in den kühnsten Träumen nicht auszumalen wagt. Vielleicht habe ich nur Glück, aber während der gesamten Ausfahrt bleiben mir brenzlige Situationen erspart.

Vorbei am Torre de Belém erreicht man allmählich die Mündung des Tejo, des längsten Flusses der Iberischen Halbinsel, in den Atlantik. Weiter in streng westlicher Richtung geht es der Costa do Estoril entlang nach Estoril und Cascais.

Aufgrund der dichten Besiedlung ist Estoril nicht gerade als Rad-Hotspot bekannt. Eher schon für den mittlerweile nicht mehr am Rennplan stehenden Formel 1 Grand Prix sowie als gepflegter Rückzugsort für die reiche Oberschicht Lissabons und für diverse zu Beginn des letzten Jahrhunderts gestürzte europäische Herrscher, wie etwa Don Juan de Borbón aus Spanien, Miklós Horthy aus Ungarn, Umberto II., der Letzte König Italiens, Zar Simeon aus Bulgarien und König Karl II. aus Rumänien. 

Man passiert den mondänen Yachthafen und das prächtige Rathaus von Cascais und dann lässt man den Verkehr erst einmal hinter sich. Der Küste entlang kommt man zur Praia do Guincho, einem Strand der vorwiegend von Surfern und Liebhabern romantischer Sonnenuntergänge frequentiert wird. Als Badestrand hat er aufgrund der gefährlichen Strömungen nur untergeordnete Bedeutung. 

Den nun folgenden Anstieg kann man in zwei Abschnitte unterteilen. Zunächst geht es parallel zur Atlantikküste in Richtung Norden nach Azoia. In dieser an und für sich unspektakulären Ortschaft sollte man sich keinesfalls einen kleine Abstecher entgehen lassen, auch wenn dieser eine Abfahrt und einen Gegenanstieg von zusätzlichen 140 Höhenmetern nach sich zieht. Der Grund für diese Fleißaufgabe ist der westlichste Punkt des europäischen Festlandes mit einem angeblich beeindruckenden Blick über den Atlantik. Dichte Wolken und Regen vermiesen mir leider den Ausblick und New York kann ich wohl nicht nur aufgrund des schlechten Wetters nicht am Horizont entdecken.

Die Runde verlässt nun die Küste und schwenkt ins Landesinnere um. Die gesamte Regenmenge des letzten Monats prasselt im grundsätzlich wettersicheren Portugal auf mich herab, während ich den Hügelzug Serra de Sintra erklimme, der von West nach Ost auf wunderbarer ruhiger Straße überquert wird.

Am Nordöstlichen Rand der Serra de Sintra liegt die namensgebende Stadt Sintra, die wegen ihrer teils jahrhundertealter Villen und Paläste zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Die Runde führt auch unmittelbar an der Hauptattraktion, dem Palacio Nacional da Pena vorbei. Dieser ist ein wahrer Besuchermagnet, weswegen man hier am östlichen Rand der Serra de Sintra wieder mit reichlich Verkehr rechnen muss. Parkplätze gibt es nur wenige, die Straße ist in diesem Bereich auch so eng und steil wie sonst nirgends während der Runde und zudem hier für einige Kilometer mit einem recht ruppigen Kopfsteinpflaster bestückt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es hier wohl öfters zu einem Verkehrskollaps kommt. Bei beiner Befahrung kommt dabei ein Stau heraus, von dem ich nicht weiß, wie er sich irgendwann wieder aufgelöst hat. Durch den seltenen Regen haben sich die Straßen in eine wahre Rutschbahn verwandelt und ausgerechnet im steilsten Abschnitt ist ein Wohnmobil hängen geblieben, für das es wohl noch einige Zeit weder vor noch zurück gegangen ist. Ich komme leicht vorbei, aufgrund des dichten Nebels ist mir allerdings ein Blick auf den imposanten Palacio verwehrt, wobei ich allerdings nicht einmal weiß, ob man ihn bei Schönwetter von der Straße aus sieht.

Auf diesen küstennahen Straßen, die nur selten Wasser sehen, führt Regen immer zu Problemen. Das wissen auch die Leute von Lisbon Bike Rental, die schon sorgenvoll auf meine Rückkehr warten und dann akribisch den teuren Boliden auf Sturzfolgen absuchen. Trotz einiger bedrohlicher Rutscher kann ich aber zum Glück einen Sturz vermeiden und das Rad heil zurückbringen.

Für den sanft abfallenden Rückweg zur Küste wähle ich aufgrund der nass-rutschigen Verhältnisse kleine Straßen abseits des Verkehrs. Bei entsprechendem Verkehrsaufkommen und trockenen Straßenverhältnissen würde so ein Aerorenner auf den größeren Straßen aber sicher auch gehörig Spaß machen.

Entlang der Küste gebe ich auf den letzten 15 Kilometern dem Radweg eine Chance. Der teilt allerdings das gleiche Schicksal wie viele seiner Artgenossen: über weite Strecken gut ausgebaut und schön zu fahren, dann an entscheidenden Stellen aber verwinkelt, eng und ungepflegt oder gar nicht erst vorhanden, so dass ein richtiger Fahrfluss nicht aufkommen mag. Da versteht man dann doch, warum die Locals die Straße bevorzugen. Wenn man die Runde aber gemütlich ausklingen lassen mag und einem die Durchschnittsgeschwindigkeit egal ist, kann er durchaus eine entspannte Alternative sein.

 

Gemütlich drauf los radeln, die Sonne und das Meer genießen, die Seele baumeln lassen, entspannen….Wer das sucht, muss weitersuchen, denn genau das hat diese Runde nicht zu bieten. Statt dessen: nicht immer ganz leichte Orientierung, oft stürmischen Wind, der immer wieder kurze Schauer über einen hinweg treibt und eng aufeinander folgende Steigungen in Oberschenkel-zerstörender Steilheit, die einem so manchen Fluch entlocken. Aber irgendwie machen ja gerade diese Attribute Rennrad-Fahren auf Madeira  aus und deswegen sind wir schließlich hier.

2900 Höhenmeter auf nur 66 Kilometern sprechen für sich. Dass da nicht allzu viel Zeit zum Einrollen bleibt, liegt auf der Hand und so geht es gleich mit den ersten Tritten bergauf. Da das Wetter in Madeiras Norden oft in den Morgenstunden am besten ist und ab Mittag zunehmend Wolken aufziehen, macht sich ein früher Aufbruch bezahlt. Die schönen Sonnenaufgangsstimmungen bereits am Rad zu genießen, sind ein zusätzlicher Anreiz.

Grundsätzlich kann man zu dieser Runde folgendes sagen: es geht in ständigem Auf und Ab Richtung Westen bis Sao Jorge und in ständigem Auf und Ab wieder zurück. Die Steigungen während der ersten Rundenhälfte, die näher am Meer verläuft, sind dabei durchaus nicht zu unterschätzen, die richtig gemeinen und steilen Mauern warten allerdings erst während der Rückfahrt im Hinterland. Ausgerechnet dann, wenn es mit den Kräften ohnehin schon dem Ende zu geht.

Belohnt wird man mit schönen und authentischen Einblicken in Landschaft, Landwirtschaft und Siedlungsraum dieses Inselteils. Man fährt abwechselnd durch Urwald, Terrassen-Felder mit allen erdenklichen Südfrüchten und ruhige verschlafene Dörfer und würden nicht regelmäßig 20% und mehr Steigungsprozente erreicht werden, man könnte getrost von perfektem Rennrad-Terrain sprechen.

Da sich der Hauptverkehr auf die häufig untertunnelte VE-1 konzentriert, spielt Verkehr auf dieser Runde kaum eine Rolle und angesichts des Schweißes in den Augen bleibt unklar, ob die Blicke der einem begegnenden Madeiraner eher bewundernder oder mitleidiger Natur sind.

Zwei dieser Tunnels gilt es gegen Ende der Runde dann doch noch zu durchfahren. Nach dem zweiten, könnte man dann gemütlich hinunter zum Ausgangspunkt rollen, wer aber noch irgendwo ein Körnchen Kraft auftreiben kann, soll noch einen Abstecher in die hoch über Porto da Cruz liegenden Dörfer machen. Dass hierfür die ein oder andere steile Rampe im Weg steht, versteht sich fast von selbst.

Nicht nur wegen des Trainingseffektes, der wohl noch weit in die Saison hinein anhalten wird, sondern vor allem wegen der schönen Einblicke in den Inselalltag Madeiras ist diese Runde sehr empfehlenswert und jeden Höhenmeter wert.

 

Es gibt schöne Rennrad-Runden und es gibt schönere. Und dann gibt es noch die, wo einem die Superlative ausgehen. Genau so eine ist diese traumhafte Runde durch Madeiras wilden Nord-Westen. So kurz, dass kein einziger Meter langweilig wird, so schwer, dass jeder auf seine Kosten kommt, so schön, dass einem die Landschafts-beschreibenden Adjektive fehlen und so abenteuerlich, dass ohne eine ordentliche Portion Pioniergeist gar nichts geht.

Erst Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die Küstenstraße, die Sao Vicente mit Porto Moniz verbindet, der Steilküste abgerungen. Hoch aufragende Klippen, Urwald und herabstürzende Wasserfälle zur einen und der tosende Atlantik zu anderen Seite: da bleibt kaum Platz für eine Straße, geschweige denn für Ortschaften und Landwirtschaft. Diese kleine abenteuerliche Straße war bis zum Bau der neuen ER101 zur letzten Jahrtausend-Wende tatsächlich die Hauptverbindungsstrecke nach Porto Moniz, und wie wild diese Nordküste ist, zeigt sich daran, dass die Natur nur wenige Jahre gebraucht hat, um sich diese Straße wieder zurück zu holen.

Seit ca. zehn Jahren wird diese Straße nicht mehr gepflegt und diese Zeit hat ausgereicht, sie auf wesentlichen Bereichen unfahrbar zu machen. Teilweise nur durch leicht zu überwindende Ketten und Warntafeln abgetrennt, ist der gefährlichste Bereich sogar durch eine hohe Betonmauer unzugänglich gemacht worden. Bis auf diesen abgesperrten Bereich kurz vor Seixal bin ich beim Einfahren dieser Runde (Februar 2018) durchwegs auf der alten Straße gefahren. Vor allem aber die ersten beiden Abschnitte gleich nach Sao Vicente sind in einem so schlechten Zustand, Geröll-übersät, nass, rutschig und verwachsen, dass eine Befahrung mit dem Rennrad keinen Sinn mehr macht und man besser auf die Tunnelumfahrungen ausweicht.

Die Tunnels sind aber aufgrund des geringen Verkehrs kein größeres Problem und die verbleibenden Abschnitte entlang der Küste sind so schön und lohnend, dass man hier nach wie vor von einer Traumstraße sprechen kann. So wie die Route auf diesem gpx-track verläuft, kann sie derzeit noch guten Gewissens empfohlen werden.

Nach etwa 13 Kilometern in Ribeira da Janela heißt es dann Abschied nehmen von der Küstenidylle und die nächsten gut 20 Kilometer führen uns hinauf auf die Hochebene Paul da Serra, die die westliche Inselhälfte beherrscht und auf die von mehreren Himmelsrichtungen Straßen hinauf führen.

Allen Auffahrten gemeinsam ist, dass sie sehr sehr ruhig sind. So wenig Verkehr wie auf dieser schönen Straße von Ribeira da Janela, ist mir allerdings nur selten begegnet. Kilometerlang schlängelt sich die perfekt ausgebaute Straße durch die Lorbeerwälder, ohne dass man irgendwen zu Gesicht bekommt. Zeit genug, sich darüber zu freuen, hat man auf jeden Fall. Denn auch, wenn der Anstieg vor allem im oberen Bereich zunehmend leichter wird, gilt es doch fast 1600 Höhenmeter zu überwinden und die wollen nicht zu forsch angegangen werden.

Schließlich ist man aber doch oben auf der fast nordisch anmutenden Hochebene, wo die Urwälder längst zurückgelassen wurden und Gräser und flacher Strauchbewuchs das Bild prägen.

Über einige nicht enden wollende Geraden erreicht man den höchsten Punkt. Die Straße wendet sich Richtung Süden und eröffnet phantastische Blicke auf die tief unten liegende Küste. Allzu lange bleibt aber nicht Zeit zum Genießen, denn es wird wieder spannend. Spannend, ob die Runde, so wie hier beschrieben möglich ist, oder man sich eine Alternativstrecke überlegen muss. Die grundsätzlich sehr gut ausgebaute Straße hinunter zum Encumeada-Pass war nämlich in den letzten Jahren immer wieder wegen Felsstürzen und Waldbränden gesperrt. So auch zum Zeitpunkt dieser Befahrung. Die Absperrungen zu ignorieren und diese somit autofreie Straße zu befahren, kann aber natürlich nicht so ohne weiteres empfohlen werden und das Risiko muss jeder selbst abwägen.

Sollte die Straße aber offen sein oder falls man sich wagemutig darüber hinweg setzt, erwartet einen ein Landschaftserlebnis der ganz besonderen Art. Immer wieder von Geröll und Felsbrocken übersät – eine Befahrung stellt aber kein größeres Problem dar – windet sich die Straße die steilen Berghänge entlang und eröffnet phänomenale Blicke auf das die östliche Inselhälfte einnehmende schroffe Zentralgebirge. Eine schönere Straße bin ich selten gefahren!

Nach Erreichen des Encumeada-Passes ist die Abfahrt noch nicht zu Ende. Es fehlen noch zehn Kilometer und 1000 Höhenmeter hinunter nach Sao Vicente. Und das bedeutet nur eines: Rennrad-Spaß vom Feinsten im Madeirischen Urwald. Ein würdiger Abschluss dieser großartigen Runde.

 

Wer auf Madeira unterwegs ist, muss nicht nur mit steilen Straßen und vielen Höhenmetern rechnen, sondern vor allem auch mit wechselndem Wetter und schwankenden Temperaturen. Ganz besonders merkt man dies auf dieser Runde, wo man in der Regel im sonnenverwöhnten und auch im Winter angenehm warmen Süden startet und dann in den wesentlich raueren und oft wolkenverhangenen und feuchten äußersten Westen eintaucht. Und während es unten an der Küste auch im Winter annähernd 20 Grad hat, sind oben auf der Hochebene Paul da Serra auf knapp 1500 Metern Seehöhe einstellige Temperaturen und morgendlicher Raureif eher die Regel als die Ausnahme. Aber gerade diese Unterschiede tragen vermutlich ganz wesentlich zum Reiz Madeiras und insbesondere zum Reiz dieser Runde bei.

Diese Runde startet in Calheta und zwar von einem der wenigen, wenn auch künstlich angelegten Sandstrände Madeiras. Und wie nicht anders zu erwarten war, geht es von Beginn an bergauf. Nach sehr steilen ersten hundert Höhenmetern legt sich die Straße etwas zurück und zieht in einer schönen Querung hinauf nach Estreito da Calheta.

Nach etwa fünf Kilometern zweigt man links ab Richtung Jardim do Mar und eine rasante Abfahrt bringt uns hinunter in den kleinen Küstenort. Der Nachbarort Paul do Mar ist nicht weit entfernt, war aber über Jahrhunderte nur auf dem Seeweg erreichbar. Mittlerweile ist auch dieser Inselfleck ins Straßennetz eingebunden, wenngleich diese 2,5 Kilometer unterirdisch verlaufen.

Dieser Tunnel könnte zwar auch weiträumig umfahren werden. Doch erstens stellt er aufgrund des kaum vorhandenen Verkehrsaufkommens kein nennenswertes Problem dar – der einzige, der mir begegnet ist, war ein anderer Rennrad-Fahrer – und zweitens würde man sonst auf den nach Paul do Mar folgenden großartigen Anstieg hinauf nach Faja da Ovelha verzichten müssen.

Grandios schlängelt sich die Straße durch die unmittelbar hinter dem schmalen Küstenstreifen steil aufragenden Klippen, und wegen der begeisternden Szenerie und den grandiosen Ausblicken auf den tief unter uns liegenden Atlantik sind die 500 Höhenmeter hinauf nach Faja da Ovelha mehr Freude als Strapaze.

Ganz geschafft ist der Anstieg in Faja da Ovelha aber noch nicht, es fehlen nämlich noch 200 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt, von wo es dann in ständigem Auf und Ab durch die einsamen Wälder im Hinterland der Küste westwärts geht.

Ponta da Pagro, der westlichste Ort Madeiras, wird zurückgelassen und in gleicher Charakteristik mit immer wieder schönen Blicken auf das Meer, geht es in Richtung Porto Moniz.

Noch bevor man den hübsch gelegenen Ort im äußersten Nordwesten der Insel erreicht, zweigt allerdings unsere Runde rechts ab und es geht schnurstracks ins Landesinnere. Stetig steigt die Straße an, im Gegensatz zu den meisten Anstiegen Madeiras allerdings durchwegs mit moderaten Prozenten. Mit Blicken abwechselnd auf Nord- und Südküste, vorausgesetzt die regelmäßig ab den Mittagsstunden aufkommende Bewölkung meint es gut mit einem, erreicht man die zentrale Hochebene Paul da Serra. Aber auch wenn man, so wie in meinem Fall, von dichtem Nebel eingehüllt ist und man kaum weiter als bis zur nächsten Kurve sieht, verströmt diese Hochebene einen ganz eigenen, schottisch anmutenden Reiz. Ein Ausflug hier herauf kann nur jedem Madeira-Reisenden dringend ans Herz gelegt werden und ist jede Mühe wert. Zu unterschätzen ist der Anstieg allerdings keineswegs, muss man doch auf knapp 1500 Meter Seehöhe hinauf und aufgrund des welligen Profils fällt die tatsächliche Höhenmeteranzahl noch deutlich höher aus.

Kurz nach der Abzweigung nach Rabacal, einem beliebten Wander- und Ausflugsgebiet, ist der höchste Punkt der Runde dann schließlich aber erreicht und da es auf der nach Süden exponierten, steilen Abfahrt hinunter zum Ausgangspunkt rasch wieder warm wird, kann man sich schon auf ein kühles Erfrischungsgetränk oder womöglich sogar eine Abkühlung in den Atlantikwellen am schönen Strand von Calheta freuen.

 

Rennradfahren auf Madeira heißt vor allem eines: Bergübersetzung! So steile Straßen wie hier, findet man nur selten und es fällt einem schwer, zumindest einigermaßen moderate Runden zu finden. Auch der vermeintlich flachste Teil Madeiras, der Süd-Osten, durch den diese Runde führt, kann hier nur bedingt aushelfen. Und trotz aller Härte und Steilheit ist Madeira ein Rennrad-Ziel der Extraklasse, wozu nicht zuletzt diese schöne Runde entscheidend beiträgt.

Gestartet wird in Canico bei der von Weitem sichtbaren Christus-Statue und gleich nach wenigen Metern zeigt sich, was Rennrad-Fahren auf Madeira heißt: flach gibt es nicht und auch vermeintlich leichte Abschnitte sind durch ständiges Auf und Ab charakterisiert.

Der Küste entlang geht es durch dicht besiedeltes Gebiet ostwärts, aber dank der parallel verlaufenden Schnellstraße bleibt genügend Ruhe für die dem Höhenprofil geschuldete geringe Geschwindigkeit.

Nach dem netten und von Neubauten weitgehend verschonten Santa Cruz fährt man am Insel-Flughafen vorbei und dann nähert man sich schön langsam Machico, wo 1419 erstmals die bis dahin unbesiedelte Insel betreten wurde. Machico ist auch die älteste Stadt Madeiras, auch wenn sie ihren einstigen Rang längst an die jetzige Hauptstadt Funchal  abtreten mußte.

Gleich nach dem Ort wartet eine erste längere Steigung und nach einem problemlos zu befahrenden Tunnel scheint die Landschaft plötzlich wie ausgewechselt.  Statt der üppigen Vegetation und den Lorbeer-Urwäldern erwartet uns hier an der äußersten Nordost-Spitze der Insel eine raue und karge Wüstenlandschaft. Nach kurzer Abfahrt erreicht man Canical, das ehemalige Walfang-Zentrum der Insel. Doch seit Portugal 1981 dem Washingtoner Artenschutzabkommen beigetreten ist, ist es auch auf Madeira vorbei mit dem Walfang. Den Walen ist das Dorf aber weiterhin verbunden geblieben und aus den ehemaligen Jägern sind Walschützer geworden. Die Küste vor Canical ist heute Teil eines Nationalparks für Meeressäugetiere.

Nach einigen weiteren Kilometern ist der östlichste Straßenpunkt Madeiras auf der Ponta de Sao Lourenco erreicht. Ab hier geht es nur noch per pedes oder per Mountain-Bike weiter.

Auf dem gleichen Weg geht es zurück nach Machico und dann wartet die Hauptsteigung des Tages. Durch meist tief hängende Wolken geht es durch terrassenartige Felder hinauf nach Santo Antonio da Serra und dann in ständigem Auf und Ab durch die landwirtschaftlich geprägten Hügel hinüber nach Camacha, dem madeirischen Korbflechter-Zentrum.

Die Schwierigkeiten der Runde liegen damit hinter uns und vom Ausgangspunkt trennt uns jetzt nur noch eine steile und teilweise recht ruppige Abfahrt.