„Soviel ich in meinem Leben an Bergen gesehen habe, nichts kommt in meinem Herzen den Julischen gleich.” so schreibt Julius Kugy, der Erschließer der Julischen Alpen und Erstbesteiger vieler ihrer Gipfel. Auch wenn die schroffen Gipfel den Bergsteigern vorbehalten bleiben, so gibt es doch auch für den Cyclisten äußerst lohnende Ziele. Allen voran die hier beschriebene, majestätische Umrundung der Julischen Alpen, die zwar wunderschön und lohnend, aber mindestens ebenso lang und kräftezehrend ist. Und nur um gleich alle Hoffnungen zu zerstören: man kann sie nicht abkürzen und der Hammer kommt zum Schluss.
Es zahlt sich auf jeden Fall aus, schon einige Kilometer und Höhenmeter in den Beinen zu haben, wenn man diese Runde angeht. Denn es gibt wahrlich leichtere Runden und wie eingangs erwähnt, einmal gestartet, gibt es kein zurück mehr. Und die Schmach, zurückzubleiben und sich von den Kameraden abholen zu lassen, will man sich unbedingt ersparen.
Gestartet wird im slowenischen Bergsteiger- und Wintersportort schlechthin: Kranjska Gora. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine Bahnstrecke von Ljubljana nach Tarvis. Heute fährt der Zug nur mehr bis Jesenice und auf der ehemaligen Bahntrasse wurde ein asphaltierter Radweg errichtet. Diesen geht es die ersten 15 Kilometer talaus, wobei man an einem schönen Wochenendtag nicht genau weiß, was einem lieber ist: der Autoverkehr auf der parallel verlaufenden Bundesstraße oder der Radfahrer-Verkehr am recht schmalen Radweg.
In Mojstrana läßt man den Verkehr aber ohnehin zurück und nach kurzem Anstieg erreicht man das schöne und überraschend einsame Radovna-Tal. Die bis vor kurzem unbefestigte Straße weist mittlerweile besten Asphalt auf und die folgenden gut zehn Kilometer vereinen Fahrspaß und Naturerlebnis, wie man es nur selten findet. Das einsam gelegene Dorf Radovna war während der Nazi-Besetzung Treffpunkt und Versorgungsposten der Widerstandskämpfer, was dazu führte, dass kurz vor Kriegsende das gesamte Dorf niedergebrannt wurde und 24 Einwohner, unter denen sich auch zahlreiche Kinder befanden, den Tod fanden. Heute erinnern nur noch Reste eines Hauses und ein Denkmal an das einstige Dorf.
Es folgt eine kurze Abfahrt hinunter nach Bled und nach einigen weniger inspirierenden Kilometern folgt die erste längere Steigung der Runde.
Ab dem netten, unter Denkmalschutz stehenden Dorf Kropa folgen 300 Höhenmeter, die durchwegs im Wald verlaufen. Erst oben auf einer kleinen Anhöhe wird das Gelände offener und man erhält ein paar schöne Blicke über das slowenische Hügelland.
Nach einer kurzen Abfahrt erreicht man den wenig reizvollen Ort Zelezniki, das einstige Zentrum der slowenischen Eisenindustrie, das sich aber immerhin mit dem einzigen noch erhaltenen Hochofen Sloweniens schmückt.
In sanfter Steigung geht es dann das Selškatal hinein, bis man bei Petrovo Brdo die höchste Stelle dieses Übergangs erreicht. Es folgt eine langgestreckte Abfahrt hinaus ins Soca-Tal, die allerdings stellenweise aufgrund der mäßigen Straßenbedingungen mit einer gewissen Vorsicht angegangen werden muss.
Kurz vor Tolmin erreicht man dann die weit über die Landesgrenzen bekannte Soca. Wegen ihres klaren Wassers, der landschaftlichen Schönheit und nicht zuletzt der endemischen Marmorata-Forelle zieht dieser Teil Sloweniens Jahr für Jahr mehr Besucher an. Der damit verbunde Verkehr schränkt den Reiz dieses Tales für den Radfahrer etwas ein.
Zwischen Tolmin und Kobarid, sowie zwischen Zaga und Bovec kann man zwar auf kleine, wenig befahrene Straßen ausweichen, die 15 Kilometer zwischen Kobarid und Zaga machen eine Fahrt außerhalb der Hauptferienzeit aber durchaus sinnvoll.
Ansonsten ist die Fahrt durchs Soca-Tal aber überwältigend und je weiter flussaufwärts man kommt, umso schöner wird es. Vor allem die Trenta oberhalb von Bovec ist an Idylle und Naturbelassenheit mit der smaragd-grün schimmernden Soca kaum zu überbieten.
Es wäre ja zu schön, wenn man die bis hierher immerhin schon gut 170 Kilometer lange Runde hier ausklingen lassen könnte. Aber ein Hindernis stellt sich uns noch in den Weg, und das ist ausgerechnet der höchste Pass Sloweniens, der Vrsic-Pass.
Ob man sich darüber freuen kann, hängt wohl in erster Linie von der Fitness jedes Einzelnen ab. Auf jeden Fall ist der Vrsic nicht nur landschaftlicher sondern auch sportlicher Höhepunkt der Runde. In Atemberaubender Kulisse schrauben sich die 50 Serpentinen durch den Triglav-Nationalpark. Und die zu überwindenden 1000 Höhenmeter sorgen dafür, dass man auch genug Zeit hat, die Szenerie zu genießen.
Weniger zu genießen gehabt haben die bedauernswerten russischen Kriegsgefangenen, die zwischen 1914 und 1916 diese Straße anlegen mußten. Insgesamt forderte der Bau der Straße nach Schätzungen mehr als 7000 Opfer. Noch wesentlich mehr Opfer forderten allerdings die zwölf Isonzo-Schlachten während des ersten Weltkrieges, die an verschiedenen Stellen des Socatales ausgetragen wurden und ohne die Versorgung über die neu angelegte Vrsic-Straße wohl bedeutend weniger verheerend ausgefallen wären.
Ober auf der Passhöhe sind für uns die Schwierigkeiten dann aber vorbei, denn es wartet nur noch die Abfahrt hinunter nach Kranjska Gora, wobei das Kopfsteinpflaster in den Serpentinen dazu führt, dass man am Abend nicht nur die Oberschenkel sondern auch die Arme ordentlich spürt. Das kühle Pivo in Kranjska Gora hat man sich nach dieser Runde auf jeden Fall eindeutig verdient.
Allzu viele grenzüberschreitende Runden in den Karawanken gibt es ja nicht. Das Grenzgebirge zwischen Kärnten und Slowenien ist einfach zu schroff, um viele asphaltierte Straßen zu beherbergen und entsprechend imposant und majestätisch präsentiert sich die uns umgebende Landschaft. Für uns bedeutet das: nichts wie hinein in diese grandiose Bergwelt, deren Reize man sich mit drei anspruchsvollen Anstiegen aber erst erarbeiten muss.
Zugegeben: ein Geheimtipp sieht anders aus. Ist doch der Loiblpass die kürzeste Verbindung zwischen Ljubljana und Klagenfurt. Ganz allein wird man hier also nicht sein, doch dank des nahen Karawankentunnels, der einiges an Verkehr abzieht, ist bei vernünftiger Planung auch der Loiblpass ein durchaus lohnender Teil dieser Runde.
Während unter der Woche der Berufs- und Pendlerverkehr über den Loibl eine Rennradbefahrung fast unmöglich macht, trifft man am Wochenende fast ebenso zahlreiche Wanderer, Motorradfahrer und sonstige Ausflügler. Am Wochenende zeitig aufzubrechen, ist da wohl die beste Strategie und genau das ist unsere Empfehlung.
Unterschätzen sollte man den Loiblpass, der als erstes auf unserem Roadbook steht, jedenfalls nicht. Gleich vom Start weg geht es bergauf, und obwohl es bis zum höchsten Punkt “nur” 700 Höhenmeter zu überwinden gilt, so ist der Anstieg doch mit etlichen giftigen, weit über 10% steilen Rampen gespickt.
Der höchste Punkt wird beim Grenzübergang am Nordportal des gut 1,5 Kilometer langen und problemlos mit dem Fahrrad zu befahrenden Loibltunnels erreicht. Dass uns die restlichen 300 Höhenmeter bis zur eigentlichen Passhöhe erspart bleiben, hat übrigens einen entsetzlichen Grund. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Loibltunnel unter unmenschlichen Bedingungen von Kriegsgefangenen und KZ-Insassen gegraben. Nicht wenige verloren dabei ihr Leben. Zur Internierung wurden im Bereich des Nord- und Südportals jeweils eine Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen errichtet, wo sich heute Gedenkstätten befinden.
Die einst asphaltierte Straße auf die Passhöhe, wo übrigens bereits um 1560 ein erster 150 Meter langer Tunnel gebaut wurde, wird seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt und ist allenfalls noch mit dem Mountainbike befahrbar.
Die slowenische Seite des Loiblpasses ist ebenso gut ausgebaut wie die österreichische und so erwartet uns eine rasante und schnelle Abfahrt, wo man bei günstigen Bedingungen durchaus eine dreistellige Geschwindigkeitsanzeige am Tacho erreichen kann. Nach einiger Zeit flacht die Straße ab und hier verlässt man am besten die gut ausgebaute Bundesstraße und wechselt auf eine kleine Nebenstraße, die in wenigen Kilometern nach Trzic führt.
Bald darauf schwenkt die Straße Richtung Osten und in ständigem, sanften Auf und Ab fährt man an den südlichen Ausläufern der Karawanken bis Preddvor, wo man auf die Kokra trifft, der man nun ihr liebliches Tal hinein flussaufwärts folgt.
26 Kilometer sind es von hier bis hinauf auf den Seebergsattel, wobei die erste Hälfte nur minimal ansteigt und noch keine große Anstrengung aufkommt. Nach einem ersten etwas steileren Stück weitet sich das Tal und man erreicht bei Zgornje Jezersko einen wunderschönen Talkessel, der Richtung Süd-Osten von den schroffen Steiner Alpen mit den Hauptgipfeln Kocna, Grintovec und Skuta begrenzt wird. Dieses wunderbare Panorama bildet auch die Kulisse für die noch fehlenden vier Kilometer, 300 Höhenmeter und sechs Kehren auf den Seebergsattel, Österreichs südlichsten Grenzübergang. Der südlichste Straßenpunkt Österreichs liegt übrigens ein wenig weiter östlich in der Auffahrt zum benachbarten Paulitschsattel.
Zurück auf österreichischem Boden wartet die rasante Abfahrt hinunter nach Bad Eisenkappel. Die Schwierigkeiten sind damit aber immer noch nicht absolviert. Denn wie bei der Runde über den Luschasattel geht es jetzt den sehr schönen und einsamen Ebriach-Graben hinein. Während der ersten Kilometer steigt die Straße nur äußerst zögerlich an, so dass man noch einmal durchschnaufen und Kräfte sortieren kann. Sobald man aber die Abzweigung der überaus lohnenden Stichstraße in die Trögener-Klamm links liegen gelassen hat, zeigt die Runde noch einmal ihre Zähne, zumal sich die absolvierten Kilometer auch nur mehr knapp im zweistelligen Bereich bewegen. Vor allem die letzten drei Kilometer mit einer Durchschnittssteigung von über zehn Prozent auf eher mäßig-rollendem Untergrund verlangen einem noch einmal einiges an Kraft ab.
Oben angekommen kann man aber erst einmal entspannt durchatmen, denn große Hürden kommen jetzt nicht mehr. Der Blick wandert den Koschuta-Kamm entlang über das Zeller Hochtal, durch das uns nach kurzer steiler Abfahrt die letzten Kilometer zurück zum Ausgangspunkt führen.
Einen Schwank aus vergangenen Tagen darf ich hier noch anhängen:
Erstmals in Angriff genommen habe ich diese Runde vor vielen Jahren nur einige Tage vor meiner Hochzeit. In der Auffahrt zum Seebergsattel ist mir damals der vordere Schaltzug gerissen und trotz recht guter Form war an ein Beenden der Runde auf dem großen Kettenblatt nicht zu denken. Dass mich der bereitwillig zu Hilfe eilende Schwiegervater in spe wieder aus dem nahen Ausland heimgeholt hat, hat mir während der Hochzeitsfeierlichkeiten wenige Tage später ob meines “durchkreuzten Fluchtversuchs” so manchen hämischen Kommentar eingebrockt.
Wieder einmal erweist sich Slowenien als wahres Rennradparadies. Die ins Hügelland übergehenden Alpenausläufer bieten schier unendliche Möglichkeiten. Kleine unbefahrene Straßen, erfreulich oft mit perfekter neuer Asphaltdecke, verbinden die über die Hügel verstreuten Dörfer und Höfe und drücken auch dieser schönen Runde ihren Stempel auf. Und obwohl man sich in unmittelbarer Nähe der slowenischen Hauptstadt bewegt, könnte diese Gegend kaum ruhiger und verträumter sein.
Gestartet wird in der alten Bischofsstadt Skofja Loka, deren hübscher Hauptplatz mit den zahlreichen Cafés und dem darüber thronenden Schloss auch für Nicht-Cyclisten einen Besuch wert ist.
Über die Kapuziner-Brücke wird das Stadtzentrum verlassen. Dabei sollte man unbedingt vermeiden, das gleiche Schicksal wie Bischof Leopold zu erleiden. Dieser war nämlich nicht nur Erbauer der Brücke sondern auch ihr erstes Opfer, stürzte er doch kurz nach der Eröffnung von der damals noch geländerlosen Brücke in den darunter verlaufenden Bach und ertrank. Es hat dann immerhin noch fünf Jahrhunderte gedauert, aber seit 1888 besitzt die Brücke zu unserem Schutz ein Eisengeländer.
Der Verkehr der Kleinstadt wird rasch weniger und spätestens nachdem man in Praprotno in Richtung Stari Vrh abzweigt, begegnen einem nur noch vereinzelt Autos.
Allerdings ist damit auch das flache Einradeln vorbei und die erste der drei Steigungen des Tages beginnt. Es geht hinauf auf den Stari Vrh, wobei der höchste Punkt der Straße aber doch knapp 300 Höhenmeter unter dem Gipfel erreicht wird. Jetzt im Herbst herrscht hier heroben eine angenehme Ruhe, im Winter bilden die vier Skilifte und 12 Pistenkilometer aber einen beliebten Anziehungspunkt für die Wintersport-begeisterten Laibacher.
Nach der rasanten Abfahrt auf der sonnenexponierten Südseite des Berges geht es unmittelbar vom tiefsten Punkt in Poljane in den nächsten Anstieg hinein. Dieser ebenso ruhige und idyllische Anstieg ist zwar etwas länger als der vorherige, dafür aber auch deutlich flacher. Ein Anstieg für Genießer sozusagen, der auf beiden Seiten immer wieder schöne Blicke über die sanfte Hügellandschaft und die zahlreichen, auf den Hügelkuppen thronenden Kirchen bietet.
Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, wartet jetzt nach einem Flachstück noch ein letzter Anstieg. Der ist mit nur drei Kilometern Länge zwar der deutlich kürzeste, dafür aber auch der deutlich steilste. Die bis zu 18% Steigung bringen die Oberschenkel ordentlich zum Brennen. Macht aber nichts, weil es oben mit den Schwierigkeiten dann ohnehin vorbei ist.
Man muss schließlich nur noch zurück nach Skofja Loka rollen, wo man es sich am besten in einem der netten Cafés am Hauptplatz gemütlich macht.
Einst vereint im Herzogtum Kärnten, dann durch einen blutigen Krieg und den folgenden eisernen Vorhang getrennt, bewegen sich das österreichische und das slowenische Unterkärnten nun wieder langsam aufeinander zu. Grund genug, sich die grenzüberschreitenden, in gewisser Weise vereinenden Tourenmöglichkeiten dieser ruhigen und dünn besiedelten Gegend genauer anzusehen. Wenn dabei noch der südlichste Straßenpunkt Österreichs passiert wird, sind die Zutaten für ein grandioses Rennrad-Erlebnis serviert.
Gestartet wird im kärntnerischen Bleiburg. In südlicher Richtung geht es auf die Petzen, den östlichsten Karawanken-Zweitausender, zu. An deren Fuß geht es in östlicher Richtung über Globasnitz nach Sittersdorf, wo man das Tal der Vellach erreicht, von wo es dann hinein in die Karawanken geht.
Bad Eisenkappel, der einzige österreichische Ort, der sowohl mit der Auszeichnung Kur- als auch Luftkurort bedacht ist, ist bald erreicht und allmählich nimmt die Steigung etwas zu. Richtig steil wird es aber erst nach Bad Vellach. Bei diesem zur Monarchiezeit sehr beliebten, mittlerweile aber fast völlig verfallenen Kurzentrum, lässt man die Hauptstraße weiter hinauf zum Seebergsattel ziehen und biegt links ab auf das kaum befahrene Sträßchen Richtung Paulitschsattel.
Die nächsten fünf Kilometer können dann mit einer anstrengenden 10%igen Durchschnittssteigung aufwarten. Hoch über der Vellacher Kotschna, einem von drei Seiten von den Steiner Alpen umrahmten Hochtal, zieht die Straße aufwärts. Dieses schöne Tal mit seinem malerischen, felsigen Talschluss bildet die südlichste Ausbuchtung Kärntens und damit auch Österreichs und an einer der zahlreichen panoramareichen Kurven passiert man dann auch den südlichsten Straßenpunkt Österreichs.
Am Scheitelpunkt wird die Grenze überfahren und auf slowenischer Seite folgt eine rasante Abfahrt hinunter ins Tal der Savinja. Dieser glasklare, bei Fischern und Paddlern gleichermaßen beliebte Wildfluss, steht der ungleich bekannteren Soča an landschaftlicher Idylle kaum nach. Da wo man auf die Savinja trifft, mündet von rechts das Logartal, in dem die Savinja entspringt und das als eines der schönsten Täler Sloweniens gilt. Und obwohl eine kleine asphaltierte Stichstraße bis zum Talschluss führen würde, geht es für uns geradeaus weiter talaus Richtung Luče und Ljubno.
Bei Ljubno rollt man allmählich vom Berg- ins Hügelland. Leider nimmt damit aber auch der Verkehr merklich zu. Vor allem der Berufsverkehr unter der Woche macht einem hier zu schaffen, sodass es sich empfiehlt nach einigen Kilometern einen kleinen Umweg über Radegunda auf nun wieder kleinen Straßen in Kauf zu nehmen.
Das bald erreichte Šoštanj wird von einem wenig ansehnlichen Braunkohlekraftwerk, das immerhin ein Drittel des slowenischen Strombedarfs deckt, dominiert. Es geht noch ein paar Kilometer flach weiter, bevor die zweite größere Steigung des Tages beginnt.
Das Ausmaß dieser Steigung kann zu deren Beginn leicht unterschätzt werden. Obwohl oder gerade weil sich die Steigung zumeist deutlich im einstelligen Bereich bewegt, ziehen sich die 12 Kilometer auf den weitgehend unbekannten und kaum befahrenen Wistrasattel ordentlich. Man hat zu diesem Zeitpunkt schließlich ja auch schon deutlich über 100 Kilometer in den Beinen.
Schließlich ist die Passhöhe aber erreicht und die folgenden 20 Kilometer sind dann Rennrad-Genuß pur. Ständig bergab geht es mit dickem Gang zurück Richtung österreichischer Grenze. Das hübsche Črna na Koroškem, der Heimatort der großartigen slowenischen Schirennläuferin Tina Maze, wird durchquert und nach einer letzten kurzen Steigung bei Mežica ist dann wieder Kärntner Boden und kurz darauf der Ausgangspunkt dieser phantastischen Runde erreicht.
Eines vorweg: So eine Greifvogeldichte, wie auf dieser Runde hat keiner von uns je zuvor gesehen. Unzählige Bussarde, Falken und Konsorten begleiten diese Ausfahrt: Sie kreisen über uns, sie halten auf Stromleitungen und Zäunen nach Beute Ausschau, sie lassen sich kaum beim Verzehr dieser Beute im Straßengraben von uns stören und sie gleiten fast lautlos und zum Greifen nahe vor uns durch die Wälder. Man kommt sich teilweise wirklich wie in einer Falknerei vor. Aber auch abseits dieses Spektakels bietet diese Runde in den östlich von Ljubljana gelegenen Hügeln alles, was ein schönes Raderlebnis braucht.
Das östlich der slowenischen Hauptstadt gelegene Hügelgebiet ist ein wahres Rennradparadies. Zahlreiche kleine und weitgehend verkehrsfreie Straßen schlängeln sich durch die harmonische, dünn besiedelte Landschaft. Allerdings muss man mit der Routenwahl etwas aufpassen, da nicht wenige Kleinstraßen in dieser urigen Gegend einen ebensolchen Belag aufweisen und man bei den zahlreichen Gräben, Hügeln und Kreuzungen schon einmal den Überblick verlieren kann.
Beim hier beschriebenen Ausgangspunkt im Osten Ljubljanas hat man den Stadtverkehr schon hinter sich gelassen und taucht rasch in die bewaldeten Hügel ein. Es geht von Anfang an leicht bergauf und hat man den ersten Anstieg samt dazugehöriger Abfahrt überwunden, wartet auch schon der Hauptanstieg des Tages. Allzu lang ist er nicht, dafür mit 18% doch ordentlich steil. Wie es hügelige Runden so an sich haben, reiht sich zwar Anstieg an Anstieg, was schlussendlich auch eine ansehnliche Höhenmeteranzahl mit sich bringt. Jeder einzelne Anstieg ist aber rasch überwunden, mag er auch noch so steil sein.
Nach Ende des steilsten Stückes folgt eine kurze Abfahrt und jetzt fordern Abgeschieden- und Einsamkeit der Runde doch noch ihren Tribut. Ein Schotterabschnitt mäßiger Qualität bringt einen zum höchsten Punkt der Runde beim kleinen Ort Leskovec. Eine wirklich sinnvolle Alternative dazu gibt es unserer Ansicht nach nicht, weil man sonst auf größere Straßen ausweichen müßte und ein sehr reizvoller und wesentlicher Teil dieser Runde verloren gehen würde. Es sind zwar nur etwa zwei Kilometer, trotzdem ist man um den Asphalt froh, der die nun folgende Abfahrt hinunter in den Talgrund zur Autobahn zum Genuß werden läßt.
Nach einem neuerlichen kurzen aber steilen Anstieg fährt man an der schönen Zisterzienserabtei Sticna vorbei, immerhin dem ältesten Kloster Sloweniens.
Ganz entgegen dem sonstigen Charakter der Runde folgen nun 15 weitgehend flache Kilometer, bevor die Route nach Norden schwenkt und es wieder hinein in die Hügel geht.
Auch die zweite Rundenhälfte kann mit ähnlichen Eigenschaften wie die erste aufwarten. Der Verkehr ist vernachlässigbar, die Landschaft sanft und harmonisch und von den Hügelkuppen ergeben sich oft schöne Ausblicke.
Ehe man sich versieht, ist auch der letzte Anstieg erklommen und die letzte Abfahrt bringt einen zurück zum Ausgangspunkt am Stadtrand Ljubljanas.
Slowenien spricht im Profi-Radsport in den letzten Jahren ein immer gewichtigeres Wörtchen mit. Rund um den zweifachen Gewinner der Tour de Suisse, Simon Spilak, und den frischgebackenen Triumphator einer Tour de France Bergetappe, Primoz Roglic, sind aktuell neun weitere Profis bei World-Tour-Teams unter Vertrag. Auch auf den Ausfahrten in Slowenien begegnen einem immer zahlreiche einheimische Rennradfahrer. Umso mehr verwundert es, dass sich Slowenien als Reiseziel für Rennradfahrer noch nicht so richtig etablieren konnte. Bei Runden wie dieser kann das allerdings nur noch eine Frage der Zeit sein.
Der Krim ist ein etwa 1100 Meter hoher Berg, der sich über dem südlich von Ljubljana gelegenen Laibacher Moor erhebt. Wegen seiner exponierten Lage ist er ein ausgezeichneter Aussichtsberg und bei Wanderern sehr beliebt. Es führt auch eine kleine Straße auf seinen Gipfel, die ist aber über zahlreiche Kilometer geschottert, sodass wir dieses Terrain gerne den Mountainbikern überlassen. Wir begnügen uns stattdessen mit einer Umrundung des Bergmassivs und die ist wahrlich lohnend genug.
Ein günstiger Startpunkt ist der kleine Podpeško jezero. Das hat den Vorteil, dass sowohl die Überhitzung im kleinen Teich als auch der Durst im Gasthaus am Seeufer unmittelbar nach getaner “Arbeit” gelöscht werden können.
Von Podpec, das unmittelbar am Übergang des Laibacher Moores zum Krim liegt, zweigt eine kleine, aber gut asphaltierte Straße hinein in die bewaldeten Berge ab. Und so kommt es, dass man gerade erst auf das Rad gestiegen ist, und schon den Hauptanstieg des Tages zu bewältigen hat. In moderater Steigung schlängelt sich die Straße hinauf nach Rakitna, einem kleinen Dorf dessen deutscher Name bezeichnenderweise Wiesendorf lautet. Auf welligem Terrain geht es auf einem schönen Plateau Richtung Süden, wobei man fast unbemerkt den höchsten Punkt der Runde passiert.
Es folgt eine schöne Abfahrt hinunter Richtung Cerknici. Bevor man allerdings unten im Tal ankommt, schwenkt die Tour Richtung Osten. In ständigem leichten Auf und Ab durchquert man die Ausläufer des Krimmassivs. Man fährt durch eine sehr dünn besiedelte, sanfte Landschaft, teilweise führen die kleinen Straßen durch wunderschöne Hochmoore und die Strecke lässt fast durchgehend an Idylle und Einsamkeit keine Wünsche offen.
Ab Karlovica geht es dann wieder zurück Richtung Norden – am Charakter ändert sich allerdings kaum etwas. Eine letzte Steigung gilt es noch zu überwinden, bevor man nach einer längeren Abfahrt Ig erreicht. Von hier geht es dann nur noch flach zurück zum Ausgangspunkt und der oben versprochene erfrischende Sprung in den kleinen Teich und eine Einkehr im Seelokal runden dann die Ausfahrt so richtig ab.
Dass die slowenische Region Krain mehr zu bieten hat als Krainer Würste und Oberkrainer Musik stellt diese Runde eindeutig unter Beweis. Die landschaftlichen Vorzüge dieser Gegend sind zwar bis jetzt mehr bei Wanderern, Bergsteigern und Wintersportlern bekannt, doch sollte man sie auch als Rennradrevier keineswegs außer Acht lassen.
Etwas eigenartig mutet es zwar schon an, ausgerechnet in dieser Gegend mit so klingenden Wintersportdestinationen wie Kranjska Gora, Planica und Pokljuka im Jänner eine Rennradrunde zu starten, aber wenn schon der Schnee heuer ausbleibt, dann lassen zumindest die frostigen Temperaturen Wintergefühle aufkommen.
Die Runde ist großteils flach, sollte aber nicht unterschätzt werden. Denn die wenigen Anstiege mögen zwar kurz sein, dafür sind sie aber umso knackiger! Für die Jännermuskeln ist die Tour ganz schön kraftfordernd.
Ausgangspunkt ist Bistrica pri Tržiču, der erste Ort auf slowenischer Seite, wenn man über den Loibl-Pass anreist. Im Ort gibt es genügend Parkplätze zum Beispiel rund um einen Schul-Wohn-Geschäftskomplex im Ortszentrum.
Es geht gleich vom Ausgangspunkt weg knapp drei Kilometer bergauf und dann weiter auf einer aussichtsreichen kleinen Straße Richtung Westen. Es eröffnet sich ein wunderschönes Panorama über die Oberkrain und die Julischen Alpen mit ihren beeindruckenden Felsgipfeln. Vor allem die schroffen und mächtigen Gestalten von Triglav und Škrlatica verlangen nach einer Fotopause.
Bei der Durchfahrt durch den kleinen Ort Begunje kann es einem schon kalt über den Rücken laufen; weniger aufgrund der aktuellen Minusgrade, auch nicht unbedingt, weil es der Geburtsort des Volksmusikanten und Oberkrainer-Pioniers Slavko Avsenik ist, sondern vielmehr weil die Straße quer durch das Schloss Katzenstein führt, welches zwischen 1941 und 1945 als Gestapo-Hauptquartier der Oberkrain missbraucht wurde.
Auf kleinen Straßen geht es weiter westwärts, bevor man in Moste dann für drei Kilometer auf die Bundesstraße ausweichen muss. Bei erster Gelegenheit geht es links weg, etwas verwinkelt hinunter zur Sava Dolinka, unter der Autobahn durch, bis ein kurzer, aber steiler Anstieg über 2 Kehren und eine längere Gerade hinauf nach Kočna führt. Über Spodnje Gorje fahren wir vorbei an der Abzweigung auf das Hochplateau von Pokljuka, der slowenischen Biathlon-Hochburg, weiter in Richtung Bled.
Das nächste Highlight der Runde erwartet uns schon bald: der wunderschöne Bleder See mit seiner Marienkirchen-Insel und der über ihm thronenden Burg. Das Panorama bei der Umrundung des Sees auf seiner Südseite lässt keine Wünsche offen. Wer dem kulinarischen Wahrzeichen von Bled, den weithin bekannten Cremeschnitten, nicht widerstehen kann, belastet zwar die Weiterfahrt mit einer kleinen Hypothek, aber was solls… Andererseits: Dass ich nach einer aufwärmenden Pause Motivationprobleme für die Weiterfahrt hätte, ist ein anderes Thema. Und so gibt es einen Riegel statt einer Cremeschnitte und -10 Grad am Rad statt +25 Grad in einem gemütlichen Caféhaus: hat ja auch was für sich.
Über einige nette Bauerndörfer geht es zur glasklaren Wocheiner Save, an deren Ufer ein etwas holpriges, einige hundert Meter langes Schotterstück folgt. Kaum wieder auf Asphalt, zweigt man bei erster Gelegenheit rechts ab und es folgt der nächste kurze diesmal bis 18% steile Anstieg.
In ständigem Auf und Ab verläuft die wunderschöne kleine Straße Richtung Kranj, unserem südöstlichen Wendepunkt. Mit kurzfristig etwas mehr Verkehr streifen wir das Stadtgebiet der immerhin drittgrößten slowenischen Stadt, spätestens nach der Ortsdurchfahrt von Naklo wird es aber wieder ruhiger und auf den gewohnt kleinen Straßen verlaufen die letzten zehn Kilometer flach zurück zum Ausgangspunkt.
Und jetzt nach absolvierter Runde hat man sich zweifellos eine Krainer-Wurst und eine Cremeschnitte verdient. Für eine beschwingte Oberkrainer-Polka braucht es allerdings noch ein Bier und einen Sliwowitz.
Obwohl durch den Bau des Karawankentunnels relativ gut zu erreichen, ist der Norden Sloweniens unter Rennradfahrern noch relativ unbekannt. Es rollen zwar die Touristenströme in großer Anzahl auf der Autobahn Richtung Süden, doch vielen ist nicht bewusst, an welch herrlichen Landschaften man hier vorbei fährt. Speziell das Wocheiner Tal an den östlichen Ausläufern der Julischen Alpen ist eine besonders schöne und idyllische Gegend und jederzeit einen Besuch wert. Der höchste Berg Sloweniens, der Triglav (zum Greifen nahe), der glasklare Wocheiner See, beschauliche und unverbrauchte Dörfer sowie fast verkehrsfreie kleine Straßen sind die Zutaten für diese phantastische Runde.
In Bled gibt es etliche öffentliche, allerdings gebührenpflichtige Parkplätze (1€ pro Stunde), jener in der Seliška cesta bietet sich als Ausgangspunkt an.
Nach einem hügeligen Einradeln durch die kleinen, Bled vorgelagerten Dörfer beginnt in Kropa auch schon einer der zwei Hauptanstiege des Tages. Auf der gut ausgebauten, aber nur wenig befahrenen Straße, die hinauf auf das Hochplateau von Pokljuca führt, gewinnt man rasch an Höhe. Während die untere Hälfte des Anstieges doch recht fordernd ist und regelmäßig Steigungsprozente jenseits der 10% zu bewältigen sind, legt sich die Straße im oberen Bereich deutlich zurück und man kann die Fahrt durch die Fichtenwälder am Fuß der Julischen Alpen so richtig genießen.
Kurz vor dem Biathlonstadion von Pokljuka ist der höchste Punkt der Runde erreicht. Hier, wo alljährlich im Winter die Biathlon-Weltelite von zehntausenden Zuschauern angefeuert wird, ist es im Sommer angenehm ruhig und wem die knapp 130 Kilometer dieser Runde nicht reichen, der kann hier heroben auf dem perfekten Asphalt der Pokljuka-Loipen ja noch eine mehr oder weniger ausgedehnte Extrarunde drehen. Ansonsten geht es vier Kilometer auf dem gleichen Weg zurück, bevor eine wunderbare kleine Straße rechts abzweigt und sich durch schöne Almwiesen und kleine Weiler hinunter in die Wochein schlängelt.
Am Talboden angekommen, ist der Wocheiner See rasch erreicht. Und der ist eine wahre Perle. Eine bessere Erfrischung, als an einem heißen Sommertag in das kühle Nass dieses traumhaften Sees zu tauchen, ist kaum vorstellbar.
Im Hauptort der Wochein, Bohinjska Bistrica, ist das Genussradeln dann vorbei. Es wartet der zweite Anstieg des Tages, der Wocheiner Sattel. 750 Höhenmeter verteilt auf 12 Kilometer gilt es zu überwinden. Schlängelt sich der untere Teil noch idyllisch durch die Laubwälder, verlaufen die letzten vier Kilometer dann etwas eintönig ohne nennenswerte Richtungsänderungen bis zum höchsten Punkt. Auch der Sattel selbst gibt nicht allzu viel her. Er ist weder selbst besonders reizvoll, noch kann er mit erwähnenswerten Ausblicken aufwarten. Umso mehr darf man sich allerdings auf die Abfahrt auf dessen Südseite freuen. Egal ob auf der schönen Höhenstraße hinüber nach Petrovo Brdo (wegen Bauarbeiten zwischen Februar und Oktober 2017 nur eingeschränkt passierbar) oder über Zgornja Sorica auf direktem Weg hinunter ins Selškatal, hier macht es einfach nur Spaß.
Durch das Selškatal geht es dann mit leichtem Gefälle talaus bis Zelezniki, dem einstigen Zentrum der slowenischen Eisenindustrie. Daran erinnert auch ein am südlichen Ortsende direkt an der Straße stehendes Denkmal der besonderen Art: ein nach Erliegen der Eisenverarbeitung in dieser Gegend stillgelegter Hochofen aus Stein, immerhin der letzte seiner Art in Slowenien.
Ein letzter Anstieg steht jetzt noch im Weg. Zunächst geht es entspannt talein, dann über einige Serpentinen durch die schönen Wiesen aufwärts in den Weiler Drazgose. Nach etwa 350 Höhenmeter ist auch dieser Anstieg bewältigt und es folgt eine kurvenreiche Abfahrt in das kleine Städtchen Kropa. Seine Blütezeit als Wiege des slowenischen Schmiedehandwerkes liegt zwar schon einige Zeit zurück, aufgrund seiner authentischen und gut erhaltenen Architektur steht es heute aber unter Denkmalschutz.
Die noch fehlenden 15 Kilometer verlaufen dann ohne nennenswerte Schwierigkeiten zurück zum Ausgangspunkt. Weil die bisherigen Strapazen aber ziemlich in den Knochen stecken, hält sich die Enttäuschung darüber in Grenzen.