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Blicke zum Triglav, dem König der Julier, sowie zur Adria, mediterranes Flair und Berggefühl, schnelle Rollerpassagen und einsame ruhig Abschnitte, was will man da noch mehr? Wenn dann als Höhepunkt auch noch der landschaftlich grandiose Anstieg von Ajdovščina hinauf nach Predmeja wartet, sind das die Zutaten für eine perfekte Rennradrunde.

 

Ajdovščina ist der Hauptort des vom Weinbau geprägten Vipava-Tals. Das beschauliche Städtchen selbst geizt zwar mit Sehenswürdigkeiten, einige nette Cafés laden aber doch zum Verweilen ein. Hinzu kommt aber vor allem, dass es der ideale Ausgangsort für Ausfahrten in den slowenischen Karst sowie in die nördlich des Vipava-Tals gelegenen Hügel ist. Und genau in diese einsamen, bewaldeten Hügel führt uns diese Runde. 

Gleich vom Ortszentrum weg geht es bergauf und das Highlight der Runde wartet gleich zu Beginn. Der einsame Anstieg hinauf in den Weiler Predmeja lässt wirklich keine Wünsche offen. Wunderschöne Weitblicke über den Karst bis hin zur Adria, enge, den steilen Hängen abgerungene Kurven und mehrere kurze Tunnels machen die Auffahrt zum reinsten Rennrad-Vergnügen. Dass jeglicher Verkehr fehlt und die Steigung äußerst konstant nach oben führt, tragen das ihre zu Fahrfluss und und Fahrgenuss bei.

Da könnte man fast meinen, dass die Runde in Predmeja nach nur 13 Kilometern ihr Pulver verschossen hat. Doch weit gefehlt, auch der Rest der Runde ist äußerst lohnend und rundet diesen Anstieg erst so richtig ab.

Zunächst geht es auf wunderschönen aber ruhigen Straßen am Hochplateau des Ternowaner Waldes bis zum Ort Col. Hier streift man die Rückfahrtsroute, auf der es wenige Stunden späte zurück ins Vipavatal geht. Wir biegen hier aber zunächst links Richtung Nord-Osten ab und nach dem wenig anstrengenden Anstieg auf den Godovic-Pass folgt eine kurvige Abfahrt hinunter nach Crni Vrh. 

Bald darauf ist der kleine Ort Godovic erreicht, wo die Runde Richtung Süd-Osten abbiegt und man in ständigem leichten Gefälle bis Kalce so Richtung Tempo bolzen kann. Es wird uns allerdings bald klar, dass es so angenehm nicht ewig weiter gehen kann, schließlich stellt sich uns auf der Fahrt zurück nach Ajdovscina noch der Höhenzug des Birnbaumer Waldes in den Weg.

So wie uns ist es auch schon den Römern gegangen, die diesen nun folgenden kleinen Pass zur Hauptroute zwischen der oberen Adria um die damals bedeutende Bischofsstadt Aquileia und Ljubljana ausgebaut haben. Davon zeugen auch noch Reste eines römischen Forts am höchsten Punkt des Übergangs.

Damit liegen die Anstrengungen der Runde dann aber hinter uns. Man rollt zunächst noch entspannt in gleicher Höhe westwärts, bevor es über Col nur noch abwärts zurück zum Ausgangspunkt geht.

 

Der slowenische Karst, ein bis auf 600 Meter aufragendes Hochplateau hinter Triest, ist Namensgeber für alle geologisch verwandten Regionen weltweit. Doch im Gegensatz zu den meisten Karstlandschaften, die vor allem rau und karg sind, ist der slowenische Karst,  insbesondere das Vipava-Tal eine sehr fruchtbare Landschaft, wo Wein- und Obstbau neben dem aufkommenden Tourismus ein entscheidender Wirtschaftsfaktor sind. Durchzogen ist der slowenische Karst von einem dichten Netz an Kleinstraßen, die wie gemacht fürs Rennrad sind. 

 

Diese kurze Erkundungstour durch den Karst startet in Ajdovscina, dem Hauptort des Vipava-Tals. Das fruchtbare, vom Obst- und Weinbau geprägte Tal wird in südliche Richtung durchquert, wo es von den Vipavska brda, den Wippacher Hügeln, begrenzt wird. 

Eine kurze aber knackige Steigung führt hinein in diese einsame Hügellandschaft, wo man sich unwillkürlich einige Jahrzehnte zurückversetzt fühlt. Einsame kleine Sträßchen verbinden die verstreuten Weiler und die Ruhe der Gegend macht jeden Druck am Pedal zunichte und man kann nicht anders, als zu genießen.

Entlang der Branica geht es vorbei an der im 13. Jahrhundert erbauten Burg Branik in Richtung Dornberk, dem westlichen Wendepunkt unserer Runde.

Links und rechts der Vipava geht es auf ähnlich idyllischen Sträßchen zurück nach Ajdovscina und wer es nicht allzu eilig hat, sollte unbedingt eine Kaffeepause in Vipavski Kriz, der ältesten Stadt des Tals einlegen.

 

Westlich die immer populärer werdenden friulanischen Weinbau-Hochburgen, östlich das auch längst nicht mehr als Geheimtipp zählende Socatal. Man könnte annehmen, die zwischen den beiden Touristenmagneten befindliche Berglandschaft würde zumindest einige der Besucher abbekommen. Aber ganz das Gegenteil ist der Fall. Einsamkeit ist hier heroben Trumpf und wer einige ruhige Radstunden abseits von Verkehr und Hektik verbringen will, ist hier genau richtig. 

 

Eines sei aber noch angemerkt. Freunde des sanften Dahingleitens, wo sich Aerodynamik und Geschwindigkeit die Hand reichen, kommen hier nicht auf ihre Kosten: zu eng und zu verwinkelt sind die Straßen und die zu absolvierenden Höhenmeter sind auch nicht zu vernachlässigen.

Gestartet wird in Cividale, einer traditionsreichen Kleinstadt im Osten Udines, die nach absolvierter Runde wegen der netten Altstadt und der zahlreichen Bars und Cafés durchaus zum Flanieren und Verweilen einlädt. Das liegt aber noch in ferner Zukunft und so geht es zunächst noch flach nach Prepotto, das bereits dicht an der slowenischen Grenze liegt. Dem Grenzflüsschen entlang folgen wir bereits völlig verkehrsfrei einem kleinen Sträßchen, das uns hinein in die Hügel des einsamen Grenzgebietes zwischen dem Friaul und Slowenien führt.

Mit Überquerung des Flüsschens und damit der Staatsgrenze liegen die Einrollkilometer dann hinter uns und es folgt ein erster 400 Höhenmeter-Anstieg hinauf in das kleine slowenische Dörfchen Lig. 

In ständigem Auf und Ab geht es nun über die Hügelrücken weiter. Verstreute Dörfer und Kirchen schmiegen sich an die bewaldeten Hänge und strahlen ein Ruhe und Einsamkeit aus, wie man sie nur selten findet. Im Hintergrund ergänzen die schroffen Julischen Alpen die malerische Szenerie. 

Ein zweiter, schon von weitem erkennbarer Anstieg führt hinauf zum Passo Solarie. Diesen weitgehend unbekannten Übergang mit dem dazugehörigen Rifugio erreicht man, wenn man gegen Mitte des Anstiegs einem Wegweiser Richtung Italien folgt. Wir aber bleiben auf slowenischer Seite und folgen der Grenzstraße weiterhin bergauf zum höchsten Punkt der Runde beim Monte Kolovrat, wo ein Freilichtmuseum an die auch hier heroben wütenden Kämpfe der verheerenden Isonzo-Schlachten erinnert. Man kann sich eines beklemmenden Gefühls nicht erwehren und sich nur einmal mehr glücklich schätzen, in einem friedlichen und vereinten Europa zu leben.

Eine ruppige Abfahrt führt hinunter nach Livek, einem kleinen Dorf im Sattel zwischen dem gerade überquerten Kolovrat und dem nördlich anschließenden Matajur-Massiv. Es bleibt zu hoffen, dass die zu passierende Baustelle eine eklatante Verbesserung dieses desolatesten Abschnitts der gesamten Runde zum Ziel hat.

Kurz nach Livek überquert man wieder die Grenze und nun wieder auf italienischem Boden geht es noch kurz bergab, bevor die nächste Steigung wartet. Die 180 Höhenmeter über den Monte San Martino sind auf der einsamen und völlig verkehrsfreien Straße rasch erledigt und eine kurzweilige Abfahrt führt durch die verstreuten Siedlungen der Gemeinde Grimacco hinunter in das nächste Natisone-Tal, bevor dann ab Clodig der letzte ernstzunehmende Anstieg des Tages wartet. Noch einmal gilt es 400 Höhenmeter zu überwinden, bevor es dann am Hügelrücken auf direktem Weg in Richtung des mächtigen und befestigten Kapuzinerklosters Castelmonte geht. 

Nur diesem Heiligtum, das als eine der ältesten Marienpilgerstätten der Welt gilt, ist es wohl zuzuschreiben, dass uns nicht der ein oder andere Fluch auskommt. Denn ganz sollte man das anhaltende Auf und Ab mit ein paar lästigen Gegensteigungen nicht unterschätzen, die Oberschenkel haben heute schließlich schon einiges leisten müssen.

In Castelmonte hat man es dann aber endgültig geschafft, und nach einer Stärkung in einem der zahlreichen Cafés, besonders zu empfehlen ist die unmittelbar an der Straße gelegene L’Osteria di Delizie e Curiosità, geht es (fast) nur noch bergab hinunter zum Ausgangspunkt.

 

Wer den Triestiner Karst mag, wird den slowenischen Karst lieben. Sanfte Hügel, verstreute Dörfer und von Refosco-Trauben dominierte Weinberge. Der daraus gekelterte köstliche Teran, das Karster Blut, rundet die zweite große Spezialität der Region, den Karstschinken, erst so richtig ab. Eine Fahrt für Genießer.

 

Die Genießer unter uns werden allerdings rasch feststellen, dass die Runde einen entscheidenden Haken hat. Wenn man, wie hier beschrieben, in Triest startet, muss man erst hinauf kommen in den Karst. In diesem Fall verzichten wir auf große Umwege und Schnörkel und wählen eine der direkten Varianten, nämlich die grenzwertig steile Via Commerciale. Wir wollen ja schließlich so schnell wie möglich hinauf und so ist ein Großteil der heutigen Anstrengung bereits in Opicina nach etwa fünf Kilometern geschafft. 

Wenig später überrollt man dann bei Col die Grenze und dann kommt eine kleine Offenbarung: Nicht nur dass es hier landschaftlich äußerst reizvoll ist, auch sind die Straßen fast durchwegs in einem ausgezeichneten Zustand. Frischer, perfekt rollender Asphalt und dazu ein vernachlässigbares Verkehrsaufkommen, da macht diese Ausfahrt gleich noch einmal so viel Freude.

Möglichkeiten für Ausfahrten gibt es hier genügend und auf der Reise-Wunschliste steht dieser Teil Sloweniens nun ganz weit oben. Heute bleibt es allerdings aus Zeitmangel bei einem Hineinschnuppern in dieses Rennrad-Revier und nach einer Schleife über Dutovlje, Dobravlje, Skopo und Veliki Dol wechseln wir wieder hinüber nach Italien und über Gabrovizza und Procecco kommt man zurück zum Ausgangspunkt. Eine Runde, die Lust auf mehr macht.

 

Allzu lange gehört Triest ja noch nicht zu Italien. Vom 14. Jahrhundert bis 1918 war Triest Teil Österreich-Ungarns und diese Vergangenheit ist in Triest allgegenwärtig. Was liegt also näher, wenn man hier mit dem Rennrad die Gegend erkundet, als einen Ausflug zum Gestüt Lipica, einer weiteren Ikone der Habsburger-Monarchie, zu machen. Eingebettet in eine anspruchsvolle und wunderschöne Runde kann man sich hier mit etwas Glück mit galoppierenden Lipizzanern messen.

 

Vom Hauptbahnhof, dem Ausgangspunkt der Runde, muss man sich zuerst einen Weg durch Triests Straßengewirr suchen. Folgt man der Via Giulia leicht ansteigend stadtauswärts sieht man bald rechterhand einen bewaldeten Hang. Durch diesen flächenmäßig größten Park Triests, den Parco del Farneto, führt ein sanft ansteigendes, wenig befahrenes Sträßchen, das sich wunderbar eignet, um die Stadt zu verlassen.

Diese Idylle wird dann am Ende des Parks allerdings kurz unterbrochen, wenn es zuerst für wenige Meter auf die große SS202 geht und diese dann auch noch trotz doppelter Sperrlinie gequert werden muss. Eine andere Möglichkeit, um auf das auf der anderen Sraßenseite beginnende einspurige Sträßchen zu kommen, gibt es aber nicht. Und genau dieses Sträßchen ist es, das uns wunderbar ruhig und verwachsen aus der Stadt bringt.

Man kreuzt den ebenfalls wunderbaren Radweg Giordano Cottur, der auf der stillgelegten Bahnlinie verläuft und in der Tour Rosandra-Gravel beschrieben ist, und kommt dann in die beiden Weiler San Giuseppe della Chiusa und Sant’Antonio in Bosco. 

Bis hierher noch recht moderat, zeigt die Tour nun, dass man sie doch nicht unterschätzen sollte. Die Durchschnittssteigung auf den nächsten beiden Kilometern hinauf nach San Lorenzo liegt bei über zehn Prozent, wobei aber auch längere Abschnitte mit 15 Prozent und mehr zu überwinden sind. Da heißt es aufzupassen, dass der triefende Schweiß den Blick über das unter uns liegende Val Rosandra nicht gänzlich verhindert. Den schönsten Blick hat man aber ohnehin von einer kleinen Plattform in San Lorenzo, und da das steile Stück hier vorbei ist, kann man die Aussichts-Pause auch gleich zu einem tiefen Durchschnaufen nützen.

Kurz steigt die Straße noch an, bevor es hinunter nach Basovizza und flach über die Grenze nach Slowenien geht. Bei erster Gelegenheit verlässt man hinter der Grenze die Hauptstraße nach links und kommt nun nach Lipica, wo seit dem 16. Jahrhundert die schneeweißen Paradepferde des Habsburger Adels gezüchtet werden. Angesichts der für die Pferdezucht nicht gerade optimalen Bedingungen im harten und kargen Karstgebiet, wo nicht nur Felder für die Futtergewinnung sondern auch Wasser Mangelware war und ist, kann der Zuchterfolg dieses Gestüts nicht hoch genug eingschätzt werden. 

Weiße Zäune säumen heute die gepflegten und bewässerten Weiden, auf denen sich die Lipizzaner-Herden den Tag vertreiben und bei solch einer Idylle könnte dieser Abschnitt für unser Gefühl ruhig deutlich länger sein.

Über Sezana geht die Fahrt entlang des Italienisch-Slowenischen Grenzkammes weiter, bevor man bei Col wieder hinüber nach Italien wechselt. Kurz darauf ist auch Opicina erreicht, von wo uns dann nur mehr eine steile Abfahrt vom Ausgangspunkt trennt.

 

Manchmal kann man sich schon fragen, ob es wirklich immer neue Trends und Erfindungen braucht. Reicht es nicht, dass es Rennräder, Tourenräder und Mountainbikes gibt? Hat es da jetzt wirklich noch das Gravelbike gebraucht oder ist das doch wieder nur eine absatzfördernde Erfindung der Fahrradindustrie? Seit dieser Runde kennen wir die Antwort und die lautet Eindeutig: Ja, darauf hat die Welt gewartet. Zu viel und zu grober Schotter, um mit dem Rennrad glücklich zu werden, und doch wieder insgesamt zu gut befahrbar und zu lange Asphaltabschnitte, um ein plumpes Mountainbike zu benötigen. Bleibt noch ein Gravel/Cross-Rad, um diese phantastische Runde in Angriff nehmen zu können.

 

Eine ideale Möglichkeit, Triest in Richtung Süden zu verlassen, bietet der Radweg Giordano Cottur. Der Radweg ist einem ehemaligen Triestiner Radrennfahrer gewidmet, der in den Nachkriegsjahren immerhin dreimal zweiter beim Giro d’Italia wurde. Er verläuft auf einer stillgelegten Bahntrasse, die einst Triest mit dem slowenischen Hrpelje verband. 

Von Triest hinauf auf das Karstplateau zu kommen, ist ja gar nicht so leicht. Denn entweder sind die Straßen klein und unfassbar steil, oder so verkehrsreich, dass dieser Radweg eine in beiden Punkten willkommene Abwechslung bietet. Dafür ist er ab dem Triestiner Vorort Altura halt unbefestigt und man weiß alsbald, warum man ein geländegängiges Rad gewählt hat.

Die Trasse führt hinein in das landschaftlich wunderschöne Val Rosandra. Im von Höhlen und Grotten durchsetzten Triestiner Karst ist das Val Rosandra das einzige Tal und die Rosandra, die das Tal durchfließt, der einzige oberirdische Fluss. Stets in moderater Steigung wechseln sich Tunnels und aussichtsreiche Abschnitte ab und an Fotomotiven mangelt es wahrlich nicht. 

Nach dem Grenzübertritt ist auf slowenischer Seite dann bald die Karst-Hochebene erreicht und bei erster Gelegenheit verlässt man den Radweg und fährt über den Weiler Mihele zur Hauptstraße, die von Kozina heraufzieht. Auf dieser geht es zurück zur italienisch-slowenischen Grenze und dann mit leichtem Gefällt hinunter nach Basovizza. Hier verlässt man die Hauptstraße und wieder deutlich verkehrsberuhigter erreicht man das nette Dorf Gropada, wo der nächste Gravelabschnitt beginnt. 

Der leicht abfallende, ausreichend breite Waldweg bietet puren Fahrspaß und fast zu bald erreicht man wieder befestigten Untergrund.

Nach Überquerung der Autobahn bei Trebiciano folgt dann ein weiterer unbefestigter Abschnitt. Dieser knappe Kilometer erreicht dann die Grenze zu dem, was mit einem Gravelrad noch Sinn macht. Aufgrund der Kürze und der Tatsache, dass es sich immerhin um einen offiziellen Radweg handelt, wollen wir uns aber keine unnötige Blöße geben und beißen die Zähne zusammen.

Vorbei an einer ehemaligen Kaserne erreicht man das Dorf Banne, wo nach kurzem Anstieg dann ein letzter Schotterabschnitt folgt. Hoch über der Bucht von Triest verläuft dieser panoramareiche Abschnitt immer am Rand des Karstabbruches bis zum Obelisk von Opicina, von wo es dann nur mehr steil hinunter in das Stadtgebiet von Triest geht.

Eine Runde, die einem einfach Spaß machen muss.

 

„Soviel ich in meinem Leben an Bergen gesehen habe, nichts kommt in meinem Herzen den Julischen gleich.” so schreibt Julius Kugy, der Erschließer der Julischen Alpen und Erstbesteiger vieler ihrer Gipfel. Auch wenn die schroffen Gipfel den Bergsteigern vorbehalten bleiben, so gibt es doch auch für den Cyclisten äußerst lohnende Ziele. Allen voran die hier beschriebene, majestätische Umrundung der Julischen Alpen, die zwar wunderschön und lohnend, aber mindestens ebenso lang und kräftezehrend ist. Und nur um gleich alle Hoffnungen zu zerstören: man kann sie nicht abkürzen und der Hammer kommt zum Schluss.

 

Es zahlt sich auf jeden Fall aus, schon einige Kilometer und Höhenmeter in den Beinen zu haben, wenn man diese Runde angeht. Denn es gibt wahrlich leichtere Runden und wie eingangs erwähnt, einmal gestartet, gibt es kein zurück mehr. Und die Schmach, zurückzubleiben und sich von den Kameraden abholen zu lassen, will man sich unbedingt ersparen.

Gestartet wird im slowenischen Bergsteiger- und Wintersportort schlechthin: Kranjska Gora. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine Bahnstrecke von Ljubljana nach Tarvis. Heute fährt der Zug nur mehr bis Jesenice und auf der ehemaligen Bahntrasse wurde ein asphaltierter Radweg errichtet. Diesen geht es die ersten 15 Kilometer talaus, wobei man an einem schönen Wochenendtag nicht genau weiß, was einem lieber ist: der Autoverkehr auf der parallel verlaufenden Bundesstraße oder der Radfahrer-Verkehr am recht schmalen Radweg.

In Mojstrana läßt man den Verkehr aber ohnehin zurück und nach kurzem Anstieg erreicht man das schöne und überraschend einsame Radovna-Tal. Die bis vor kurzem unbefestigte Straße weist mittlerweile besten Asphalt auf und die folgenden gut zehn Kilometer vereinen Fahrspaß und Naturerlebnis, wie man es nur selten findet. Das einsam gelegene Dorf Radovna war während der Nazi-Besetzung Treffpunkt und Versorgungsposten der Widerstandskämpfer, was dazu führte, dass kurz vor Kriegsende das gesamte Dorf niedergebrannt wurde und 24 Einwohner, unter denen sich auch zahlreiche Kinder befanden, den Tod fanden. Heute erinnern nur noch Reste eines Hauses und ein Denkmal an das einstige Dorf.

Es folgt eine kurze Abfahrt hinunter nach Bled und nach einigen weniger inspirierenden Kilometern folgt die erste längere Steigung der Runde.

Ab dem netten, unter Denkmalschutz stehenden Dorf Kropa folgen 300 Höhenmeter, die durchwegs im Wald verlaufen. Erst oben auf einer kleinen Anhöhe wird das Gelände offener und man erhält ein paar schöne Blicke über das slowenische Hügelland.

Nach einer kurzen Abfahrt erreicht man den wenig reizvollen Ort Zelezniki, das einstige Zentrum der slowenischen Eisenindustrie, das sich aber immerhin mit dem einzigen noch erhaltenen Hochofen Sloweniens schmückt.

In sanfter Steigung geht es dann das Selškatal hinein, bis man bei Petrovo Brdo die höchste Stelle dieses Übergangs erreicht. Es folgt eine langgestreckte Abfahrt hinaus ins Soca-Tal, die allerdings stellenweise aufgrund der mäßigen Straßenbedingungen mit einer gewissen Vorsicht angegangen werden muss.

Kurz vor Tolmin erreicht man dann die weit über die Landesgrenzen bekannte Soca. Wegen ihres klaren Wassers, der landschaftlichen Schönheit und nicht zuletzt der endemischen Marmorata-Forelle zieht dieser Teil Sloweniens Jahr für Jahr mehr Besucher an. Der damit verbunde Verkehr schränkt den Reiz dieses Tales für den Radfahrer etwas ein.

Zwischen Tolmin und Kobarid, sowie zwischen Zaga und Bovec kann man zwar auf kleine, wenig befahrene Straßen ausweichen, die 15 Kilometer zwischen Kobarid und Zaga machen eine Fahrt außerhalb der Hauptferienzeit aber durchaus sinnvoll.

Ansonsten ist die Fahrt durchs Soca-Tal aber überwältigend und je weiter flussaufwärts man kommt, umso schöner wird es. Vor allem die Trenta oberhalb von Bovec ist an Idylle und Naturbelassenheit mit der smaragd-grün schimmernden Soca kaum zu überbieten.

Es wäre ja zu schön, wenn man die bis hierher immerhin schon gut 170 Kilometer lange Runde hier ausklingen lassen könnte. Aber ein Hindernis stellt sich uns noch in den Weg, und das ist ausgerechnet der höchste Pass Sloweniens, der Vrsic-Pass.

Ob man sich darüber freuen kann, hängt wohl in erster Linie von der Fitness jedes Einzelnen ab. Auf jeden Fall ist der Vrsic nicht nur landschaftlicher sondern auch sportlicher Höhepunkt der Runde. In Atemberaubender Kulisse schrauben sich die 50 Serpentinen durch den Triglav-Nationalpark. Und die zu überwindenden 1000 Höhenmeter sorgen dafür, dass man auch genug Zeit hat, die Szenerie zu genießen.

Weniger zu genießen gehabt haben die bedauernswerten russischen Kriegsgefangenen, die zwischen 1914 und 1916 diese Straße anlegen mußten. Insgesamt forderte der Bau der Straße nach Schätzungen mehr als 7000 Opfer. Noch wesentlich mehr Opfer forderten allerdings die zwölf Isonzo-Schlachten während des ersten Weltkrieges, die an verschiedenen Stellen des Socatales ausgetragen wurden und ohne die Versorgung über die neu angelegte Vrsic-Straße wohl bedeutend weniger verheerend ausgefallen wären.

Ober auf der Passhöhe sind für uns die Schwierigkeiten dann aber vorbei, denn es wartet nur noch die Abfahrt hinunter nach Kranjska Gora, wobei das Kopfsteinpflaster in den Serpentinen dazu führt, dass man am Abend nicht nur die Oberschenkel sondern auch die Arme ordentlich spürt. Das kühle Pivo in Kranjska Gora hat man sich nach dieser Runde auf jeden Fall eindeutig verdient.

 

Wie so oft haben gerade die Gegenden, die eher ein Schattendasein fristen, für den Rennradfahrer sehr viel zu bieten. Während sich die Touristenströme auf das nahe Triest und die Küstenabschnitte konzentrieren, weist das Hinterland des kleinen slowenischen Anteils Istriens kaum touristische Infrastruktur auf. Nicht nur, aber besonders dann, wenn man am An- oder Abreisetag durch die Grenzformalitäten und die damit verbundenen Staus schon etwas genervt ist, zahlt sich ein Durchatmen in dieser nicht vermuteten Idylle aus.

Unmittelbar bei der Autobahnabfahrt von Koper, noch bevor man sich in die Kolonne Richtung Kroatien einordnet, liegt der Friedhof von Koper. Dessen Parkplatz ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren ins Hinterland, weil man den Verkehr schlagartig hinter sich lässt und sich vom Start weg auf kleinen, einspurigen Straßen befindet.

Möglichkeiten sich zu verfahren, gibt es auf dieser Runde einige, denn nicht wenige Straßen enden als Sackgasse beim jeweils höchstgelegenen Dorf und vor allem im unmittelbaren Grenzbereich zu Kroatien sind etliche Straßen nicht befestigt. Wenn man sich aber erst einmal eine schöne Runde wie diese hier ausgesucht hat, wird man es nicht bereuen.

Leicht ist das Gelände nicht gerade. In ständigem Auf und Ab ziehen die Straßen durch und über das Hügelland und so kommt diese Runde trotz ihrer nur 50 Kilometer auf stattliche 1000 Höhenmeter. Die Anstiege sind aber zumeist nicht sehr steil, sodass Ruhe und Unaufgeregtheit der Landschaft durchaus auf den Besucher überspringen.

Eine Ausnahme bildet lediglich der letzte ernstzunehmende Anstieg von Zupancici hinauf nach Pomjan. Hier liegt auf etwa 1,5 Kilometern die Durchschnittssteigung deutlich über 10% mit einer Maximalsteigung von 20%. Da im Anschluss aber keine Schwierigkeiten mehr warten, kann man getrost all seine Kräfte aufbieten und zeigen, was man kann.

Von Pomjan und auch wenig später von Gazon eröffnen sich dann allerdings, als Belohnung sozusagen, wunderschöne Blicke hinunter auf die einzige Hafenstadt Sloweniens, Koper, und das unmittelbar nördlich davon liegende Triest.

Nach der Abfahrt hinunter nach Izola kommt man dann auf dem perfekt ausgebauten Radweg, der Triest mit Portoroz verbindet und der sich fest in der Hand der Triestiner Ciclisti befindet, zurück zum Ausgangspunkt.