Die höchsten Berge Lanzarotes sind nur etwas über 600 Meter hoch. Längere zusammenhängende Steigungen sind also eher Mangelware. Eine Ausnahme bildet der phantastische Anstieg vom auf Meereshöhe liegenden Arrieta bis knapp unter den höchsten Berg der Insel, den Peñas del Chache. Eingebettet in diese lohnende Runde sollte kein Lanzarote- Rennradurlaub ohne diesen Anstieg enden.
Vom Ausgangspunkt in Costa Teguise, einem der Hauptferienorte der Insel, geht es sanft ansteigend hinauf zur großen Straße, die von Tahiche in den Inselnorden führt. Hier hat man bereits einen schönen Blick auf die Famara-Berge, die den Norden der Insel beherrschen. Höchste Erhebung ist der Peñas del Chache, leicht zu erkennen am weithin sichtbaren Observatorium.
Unser Anstieg liegt allerdings noch versteckt hinter einem Bergrücken und bis zu seinem Beginn müssen noch einige flache Kilometer nach Norden zurückgelegt werden, was auf der parallel zur Hauptstraße verlaufenden Kleinstraße problemlos möglich ist.
In Arrieta ist Schluss der Einrollphase. Allzu spektakulär sind die Eckdaten mit knapp 600 Höhenmetern auf 10 Kilometern zwar nicht, dafür ist der Anstieg aber landschaftlich umso schöner. Das merkt man auch daran, dass man hier selten allein ist. Autoverkehr gibt es zwar keinen, dafür vor allem am Wochenende umso mehr Radverkehr. Uns erprobten Bergziegen stellen diese 600 Höhenmeter wohl kaum vor eine nennenswerte Herausforderung, speziell für die so zahlreich auf Lanzarote trainierenden Triathleten ist so ein Anstieg aber nicht alltäglich.
Es geht zunächst durch das schöne Valle de Temisa. Im Gegensatz zum Großteil der Insel ist dieses Tal relativ fruchtbar, was sich auch am intensiven Terrassenanbau bemerkbar macht. Diese Fruchtbarkeit verdankt das Tal einerseits der windgeschützten Lage im Windschatten der Famara-Berge und andererseits einer der nur ganz seltenen natürlichen Wasserstellen auf der Insel.
Nach gut der Hälfte des Anstiegs trifft man auf die Straße, die Haíra mit Teguise verbindet. Über fünf traumhafte Serpentinen mit herrlichen Blicken auf das Tal der tausend Palmen, in dem auch mit Haíra der schönste Ort des Nordens liegt, erreicht man den höchsten Punkt der Runde.
So wie auf Regen meistens Sonne folgt, so folgt auf einen Anstieg fast unausweichlich eine Abfahrt. Allzu aerodynamisch sollte man den Kopf aber nicht hinter dem Lenker verstecken, man würde sonst die tollen Ausblicke über die Insel versäumen und das wäre nun wirklich schade.
Ein kurzer Gegenanstieg bringt uns in die alte Inselhauptstadt Teguise zu Füßen des Castello Santa Bárbara, von wo es dann für einige Kilometer etwas verkehrslastig weiter nach Mozaga geht.
Der jetzt folgende Abschnitt abseits der größeren Straßen, auf denen sich nicht nur der Haupt-Auto- sondern auch der Haupt-Rad-Verkehr abspielt, ist zwar landschaftlich sehr reizvoll, mit schönen Blicken auf die in unzähligen Farbschattierungen leuchtenden Vulkane, aber speziell Liebhaber des glatten Untergrundes werden hier nur wenig Freude haben. Der Abschnitt ist zwar durchgehend asphaltiert, aber so manche Schotterstraße ist angenehmer zu befahren. Genau mein Terrain also und die Abgeschiedenheit und landschaftliche Schönheit belohnen für die Mühen.
Ab Masdache verläuft die Runde dann aber wieder auf dem gewohnt guten Untergrund und ohne nennenswerte Hindernisse erreicht man über San Bartolomé und Tahiche wieder den Ausgangspunkt.
Lanzarotes Norden ist der grünste, fruchtbarste und gebirgigste Teil der Insel. Zudem findet sich im Norden eine Vielzahl der Bauwerke und Attraktionen, die der untrennbar mit Lanzarote verbundenen Künstler Cesár Manrique hinterlassen hat. Optimale Voraussetzungen also für eine großartige Ausfahrt, und genau das ist diese Runde.
Ausgangspunkt ist der eher unscheinbare Ort Guatiza. Dass es hierher dennoch zahlreiche Touristen zieht, liegt am letzten großen Werk Manriques, dem Jardín de Cactus, einem riesigen Kakteengarten in einem aufgelassenen Steinbruch.
Parallel zur Hauptstraße geht es südwärts, bei erster Gelegenheit dann rechts ab und die Straße beginnt sanft anzusteigen. Über den kleinen Ort El Mojón kommt man nach Los Valles, ein relativ junges Dorf, das erst im 18. Jahrhundert nach den verheerenden Timanfaya-Vulkanausbrüchen von heimatlos gewordenen Flüchtenden gegründet wurde.
Fast unbemerkt haben wir bis hierher 200 Höhenmeter zurückgelegt und auf das Dach der Runde fehlen nur noch 300 weitere. Rasch kommt man über zwei langgestreckte Serpentinen weiter hinein in die Famara-Berge, die von Osten betrachtet relativ harmlos wirken, nach Westen hin aber über eine 600-Meter-Klippe, das Kliff von Famara, spektakulär zum Atlantik hin abbrechen. Mehrere Sträßchen führen zum Klippenrand und die erste davon zur Ermita de las Nieves, einem netten kleinen Kirchlein auf einem der großartigsten Aussichtspunkte der Insel, nehmen wir. Kaum zu glauben, dass sich die meisten Radfahrer vor lauter Trainingseifer diesen spektakulären Abschnitt entgehen lassen und auf der vergleichsweise langweiligen Hauptstraße bleiben.
Kurz bevor der Abstecher wieder in die Hauptstraße einmündet erreicht man dann den höchsten Straßenpunkt Lanzarotes knapp unter dem höchsten Gipfel der Insel, dem Penas del Chache.
Mit Superlativen muss man ja immer etwas vorsichtig sein, so viele schöne und spektakuläre Straßen verlangen nach einer Auszeichnung. Aber die nun folgenden 45 Kilometer mischen ganz oben mit bei der Suche nach meiner persönlichen Lieblingsstrecke. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll zu schwärmen: Die panoramareichen Serpentinen hinunter nach Haíra im Tal der tausend Palmen, die Umrundung des beeindruckenden Vulkans Monte Corona, die spektakuläre Querfahrt am Klippenrand zum grandiosen Aussichtspunkt Mirador del Río, einem weiteren von Cesár Manriques Meisterwerken, die wunderschöne Abfahrt durch die Lavafelder hinunter nach Órzola, dem nördlichsten Dorf Lanzarotes, oder die genussreiche Fahrt zurück entlang der Nordostküste: Eine Aneinanderreihung von Höhepunkten, die ihresgleichen sucht.
Und weil es so schön ist und die Motivation mit jedem Kilometer steigt, führt die Runde auch nicht auf direktem Weg zurück nach Guatiza, sondern wartet noch mit einem lohnenden Umweg auf.
Direkt an der Hauptstraße liegt Manriques wohl bekanntestes und schönstes Werk, Jameos del Agua, ein an mehreren Stellen eingestürzter Lavatunnel, der von Manrique zu der architektonischen Hauptattraktionen Lanzarotes inklusive zweier Restaurants, einer Konzerthalle, einem Swimmingpool und einem Museum ausgebaut wurde. Genau hier zweigt eine kleine Straße rechts ab und führt durch die Lavafelder des Malpais de la Corona zurück hinauf nach Máguez und Haría, ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Von Haíra folgt eine Abfahrt hinunter nach Arrieta, wo einen nur noch wenige flache Kilometer vom Ausgangspunkt trennen. Eine fantastische Runde!
Eine Runde, die fast alles abdeckt, was Lanzarote an zu bieten hat! Ausgehend von der alten Inselhauptstadt Teguise, deren Altstadt komplett unter Denkmalschutz steht, durchquert man sowohl das bizarre Weinbaugebiet La Geria, die unwirklich erscheinende Vulkanlandschaft des Nationalparks Timanfaya, die Halbwüste El Jable mit der vor allem bei Surfern bekannten Famara-Bucht und zum Schluss wird das ganze sogar noch mit einer Mini-Bergankunft auf der von Weitem sichtbaren Festung Santa Bárbara gekrönt. Was will man mehr!
Ausgangsort ist das bis 1852 als Hauptstadt Lanzarotes fungierende Teguise. Aus Furcht vor den damals häufigen Pirateneinfällen wurde die Hauptstadt ins Landesinnere verlegt. Mit dem Rückgang der Piraterie, gewann aber die aufstrebende Hafenstadt Arrecife an Bedeutung und lief Teguise schließlich den Rang ab. Was aber geblieben ist, ist eine traumhafte Altstadt im spanischen Kolonialstil mit zahlreichen empfehlenswerten Cafés und Lokalen, die nach absolvierter Runde zu einem Besuch einladen.
Vorher gilt es aber noch eine Radrunde zu absolvieren. Wir umrunden zu Beginn den weithin sichtbaren Vulkan Montana de Guanapay, auf dessen Kraterrand das eindrucksvolle und einschüchternde Castello de Santa Bárbara der stets steiden Brise trotzt – unsere spätere Bergankunft. Über Teseguite und El Mojón geht es ostwärts nach Guatiza. Die kleine Straße ist zwar durchgehend asphaltiert, teilweise aber in einem doch so fragwürdigen Zustand, dass nur die Kürze dieses Abschnitts und dessen landschaftliche Schönheit die Suche einer Ersatzstrecke verhindern.
Wieder auf dem für Lanzarote typischen perfekten Asphalt geht es auf einem kleinen parallel zur Hauptstraße verlaufenden und daher verkehrsfreien Sträßchen nach Tahiche. Etwas mühsam gelangt man durch das Gewirr an Einbahnen zum langjährigen Wohnhaus des wohl bekanntesten Lanzaroteno, des Künstlers und Architekten César Manrique. Hier sind heute ein Museum und der Sitz der Fundación César Manrique untergebracht. César Manrique setzte sich Zeit seines Lebens für eine schonende Entwicklung der Insel ein und er war federführend daran beteiligt, dass ganz Lanzarote von der Unesco zum “Weltschutzgebiet der Biosphäre” ernannt wurde. Den Vulkanausbrüchen und der Beharrlichkeit César Manriques haben wir das heutige so faszinierende Erscheinungsbild Lanzarotes zu verdanken. Ein Besuch der Hauptwerke Manriques, unter anderem dieses Museums, sollte also auf keiner Lanzarotereise fehlen.
Nach einem kurzen Anstieg und einer längeren Geraden erreicht man San Bartolomé. Immer den Wegweisern Richtung La Geria folgend sucht man sich einen Weg durch das Städtchen. Bei der Durchquerung des nun folgenden Weinbaugebietes bekommt man einen ersten Eindruck davon, wie mühsam Landwirtschaft auf Lanzarote ist. Die zu Tausenden einzeln in Gruben im Lavasand gesetzten und von einer Steinmauer geschützten Weinstöcke sind dazu vorgesehen, in diesem praktisch regenlosen Gebiet zu gedeihen. Einzige Wasserquelle ist der Morgentau, der vom Lavasand aufgenommen und gespeichert wird. Ein Wunder der Natur.
Damit hat die Runde aber noch lange nicht alles preisgegeben, was sie zu bieten hat. Die nun folgende fast pfeilgerade Straße durch den Randbereich des Nationalparks Timanfaya nach Mancha Blanca gehört ungelogen zu den schönsten Straßen, die ich je gefahren bin. Es bleibt einem einfach nur der Mund offen ob dieser urtümlich und futuristisch gleichermaßen faszinierenden Landschaft.
Nach einem kleinen Umweg durch das landwirtschaftlich genutzte Gebiet zu Füßen des Vulkans Tenezare erreicht man Tinajo. Die Straße ist zwar auch teilweise etwas holprig, man gewinnt aber auch hier schöne Einblicke davon, wie mühsam dem Boden die Erträge abgerungen werden.
Wie bei der Montanas del Fuego-Runde geht es über Munique durch die Halbwüste El Jable hinunter nach Soo. Diese Runde zweigt in Soo aber rechts ab und bald darauf erreicht man die Bucht von Famara, den unbestrittenen Surf-Hot-Spot der Insel. Obwohl ein kühles Bad in den Wellen locken würde, zieht die Straße unbarmherzig ins trockene Landesinnere. Einziger Trost: das bald verdiente kühle Bier in Teguise.
Vorher heißt es aber noch die versprochene Bergankunft auf die über Teguise aufragende Montana de Guanapay zu bezwingen. Ein nicht allzu langes aber wunderschönes Asphaltsträßchen zieht auf diesen erloschenen Vulkan. Endpunkt ist die massive Festung Santa Bárbara. Nicht zuletzt aufgrund des grandiosen Rundumblicks ist diese kleine Fleißaufgabe unbedingt empfehlenswert!
Jetzt fehlt nur noch eines, um dieser Runde endgültig das Prädikat “besonders wertvoll” zu verleihen: das ersehnte kühle Bier in einer der netten Bars in Teguise.
Die Durchquerung der Wüste El Jable und des weltberühmten Nationalparks Timanfaya sind zwei absolute Lanzarote-Highlights und machen diese Runde zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Das so faszinierende Erscheinungsbild Lanzarotes wird ganz entscheidend von den Folgen der Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert geprägt. Das Zentrum der verheerenden Eruptionen, die zwischen 1730 und 1736 fast ein Viertel der Insel unter einer Lavaschicht begruben, ist heute der Nationalpark Timanfaya. Diese einst fruchtbarste Region der Insel gleicht nun einer Mondlandschaft und man könnte meinen, die Ausbrüche hätten erst gestern stattgefunden.
Durch diese unwirklich erscheinende Landschaft verläuft unsere Runde. Bevor man den Nationalpark erreicht, gilt es aber ordentlich auszuholen, um auf eine halbwegs ansprechende Kilometeranzahl zu kommen, den Rest zur Trainingsoptimierung erledigt dann ohnehin der Wind.
Startpunkt ist der nette Ort Yaiza am südlichen Ende des Nationalparks. Wir heben uns dessen Durchquerung, den unbestrittenen Höhepunkt der Runde, aber für das Ende auf und fahren zunächst auf der Hauptstraße, was dank des breiten Radstreifens kein größeres Problem darstellt, einige Kilometer Richtung Arrecife. Nach der Abzweigung nach La Asomada im dritten großen Kreisverkehr lassen wir den Verkehr schlagartig hinter uns und die erste Steigung des Tages beginnt. Und das gleich ordentlich: Gegenwinderschwerte 10% werden uns abverlangt, aber wie alle Anstiege auf Lanzarote ist auch dieser nicht allzu lange.
In ständigem Auf und Ab durchquert man die Insel und über das Weinbaugebiet La Geria und die geschäftige Kleinstadt San Bartolomé kommt man nach Tiagua.
Nördlich von Tiagua erstreckt sich eine karge weite Landschaft bis zur Küste, die Wüste El Jable. Ständig blasender Nordwind, sandiger Untergrund, der sich immer wieder zu beeindruckenden Wanderdünen auftürmt, und kaum Schutz vor der brennenden Sonne machen das Überleben für Tiere und Pflanzen zur oft unüberwindbaren Herausforderung. Wir Radfahrer haben es etwas besser, denn der stramme Nordwind wird durch das Gefälle hinunter in den kleinen Ort Soo neutralisiert und die Steigung zurück hinauf nach Tinajo, wie auch der Rest der Runde, wird durch den barmherzigen Rückenwind zum Genuss.
Kurz nach Mancha Blanca beginnen dann die einzigartigen Lavafelder und Vulkankrater des Nationalparks Timanfaya. Nichts ist mehr übrig von der einst fruchtbarsten Gegend der Insel und die Assoziation mit einer Mondlandschaft ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Nicht nur diente Lanzarote zahlreichen Science Fiction-Filmen als Kulisse auch wurden die von der NASA bei der Mondlandung 1969 eingesetzten Fahrzeuge hier getestet.
Das Herz des Nationalparks wird zwar von einer schmalen Asphaltstraße durchzogen, doch auch mein flehentlichstes Bitten und Betteln hat die Nationalparkranger nicht erweicht: Individualverkehr jeglicher Art wird nur bis zum Besucherzentrum gestattet. Dieser kurze Abstecher von der “Haupt”straße und die dafür zu bezahlenden 9 Euro zahlen sich aber nur aus, wenn man auch die damit erworbene Bustour durch die Krater mitmacht. Die zahlt sich aber auf jeden Fall aus.
Vom Ausgangspunkt trennt uns jetzt nur noch eine letzte kurze Steigung sowie die nicht enden wollende Gerade nach Yaiza, die dank des leichten Gefälles und des Rückenwindes auch uns Hobbyfahrern ein sonst nur selten empfundenes Gefühl der Stärke ermöglicht. Enthusiastisch erreicht man den Ausgangspunkt und freut sich schon auf den nächsten Radtag.
Der Süden von Lanzarote wird von vielen Rennradfahrern mit wenig Aufmerksamkeit bedacht. Zu Unrecht, wie diese wunderschöne Runde beweist.
Der Süden der Insel ist der sonnigste, trockenste und am dünnsten besiedelte Teil Lanzarotes. Es gibt nur wenige Ortschaften und demzufolge auch nicht allzu viele rennradtaugliche Straßen. Die hier beschriebene Runde ist es aber allemal wert, in das Portfolio einer Lanzarote-Rennradreise aufgenommen zu werden.
Allzu ernst sollte der ambitionierte Rennradfahrer die Regionseinteilung der Insel aber ohnehin nicht nehmen. So groß, dass sich eine ordentliche Tour auf nur einen Inselbereich beschränken könnte, ist Lanzarote auch wieder nicht. Und so wird auch diese Runde um eine Schleife durch Inselmitte und -westen erweitert.
Startort ist Playa Blanca, das Urlauberzentrum im Süden der Insel. Und da in der einen Richtung nur Meer mit der gegenüberliegenden, zum Greifen nahen Nachbarinsel Fuerteventura zu finden ist, geht es zunächst einmal Richtung Norden.
Auf der parallel zur Hauptstraße verlaufenden, deutlich ruhigeren Kleinstraße geht es schnurgerade durch die Rubicón-Ebene. Glücklich wer sich im Windschatten einer Gruppe verstecken kann, denn der oft peitschende Nordwind macht diesen Abschnitt nicht gerade einfach.
Nach ca. 10 Kilometern erreicht man das erste Lavafeld und die ohnehin schon kaum vorhandene Vegetation verschwindet völlig. Fast unwirklich zieht die nur spärlich befahrene, aber perfekt asphaltierte Straße durch die schwarzen, scharfkantigen und bizarr geformten Gesteinsmassen, der aufgewühlte Atlantik immer zur Linken. Die einzige Ansiedlung an dieser rauhen Südwestküste ist El Golfo. Eine kurze Stichstraße führt in den kleinen Ort, der mit einem Naturschauspiel der ganz besonderen Art auf dieser ohnehin nicht mit Naturphänomenen geizenden Insel aufwartet. Wenn man seinen Fahrfluss kurz unterbricht und wenige Meter Fußweg in Kauf nimmt, kann man den inmitten eines schwarzen Lavastrandes liegenden tiefgrünen Lagunensee Charco de los Clicos bestaunen, ein Abstecher, der sich zweifellos lohnt.
Bald darauf sind die schönen Orte Yaiza und Uga und damit das offizielle Ende des Inselsüdens erreicht. Gerade erst warm gefahren sollte es aber in dieser unglaublichen Szenerie kein Problem sein, die nötige Motivation für eine Rundenerweiterung aufzubringen. Und so geht es hinauf in das berühmte Weinbaugebiet La Geria, das sich komplett von den uns vertrauten mitteleuropäischen Weingebieten unterscheidet. Tausende von Weinstöcken wurden einzeln in trichterförmige Vertiefungen im tiefen Lavasand gepflanzt und zum Schutz vor den meist kräftigen Winden noch mit einer halbkreisförmigen Steinmauer geschützt. Zusammen mit den wunderschönen weißen Häusern passt sich diese Kulturlandschaft wunderbar in die wildromantische Vulkanlandschaft ein.
Nachdem der nördliche Wendepunkt bei Masdache erreicht ist, geht es hinunter in den vermeintlich windgeschützten Inselwesten. Doch weit gefehlt: Speziell die nicht gerade beeindruckende 3 Kilometer / 100 Höhenmeter Steigung von Puerto Calero hinauf zur Hauptstraße kann einem bei Gegenwind die letzten Körner saugen und einen Boxenstopp in einer zum Glück bald erreichten Tankstelle erfordern. Übrigens ist auch die Hauptstraße, die von der Inselhauptstadt Arrecife über Tias hier herauf zieht, dank ihres breiten Fahrradstreifens problemlos zu befahren. Ihr Reiz hält sich zwar in Grenzen, für den ein oder anderen Verbindungskilometer ist sie aber allemal gut genug.
Egal ob frisch aufgetankt oder noch mit ausreichend Reserven ausgestattet: es folgt die Steigung hinauf aufs Dach dieser Runde. Nicht allzu lang, aber doch bis 12% steil geht es hinein in die archaischen Los Ajaches Berge, den ältesten Gebirgszug der Insel.
Nach der ersten Steilstufe kommt man in ein einsames Hochtal und kurz darauf erreicht man Femés, einen netten kleinen Ort und gleichzeitig höchsten Punkt dieser Runde. Direkt im Ort bricht das Hochtal jäh nach Süden ab, der berühmte Balcón de Femés mit einem grandiosen Blick hinunter auf Playa Blanca und hinüber auf Fuerteventura.
Die noch ausständigen 10 Kilometer führen dann nur mehr bergab zurück nach Playa Blanca und idealerweise direkt zu einem der zahlreichen Sandstrände.
Mit ihren über 90 Kilometern Länge, die den gesamten West- und Nordwestteil der Insel einnehmen, bietet die Serra de Tramuntana zahlreiche Tourenmöglichkeiten. Es wird wohl kaum einen europäischen Radfahrer geben, der nicht zumindest schon einmal an eine Mallorca-Reise gedacht hat. Und obwohl sich hier die ganze Welt trifft, ist Mallorca doch immer wieder eine (Rennrad)Reise wert. Bei dieser Runde erklimmen wir die Serra de Tramuntana von Osten und auch hier zeigt sie sich von ihrer besten Seite.
Vom Ausgangspunkt in Platja de Muro geht zunächst auf der MA-3433 Richtung Sa Pobla. Im Gegensatz zu Ausfahrten unter der Woche ist diese Straße am Wochenende tadellos zu befahren.
Man nimmt die erste Verbindungsstrasse zur MA-13, der man dann 2,5km folgt. Damit haben sich die weniger reizvollen Kilometer auch schon erledigt und das, was noch kommt, ist einfach herrlich.
Auf netten kleinen Strassen gehts nach Polenca. Polenca kann man entweder umfahren, oder man sucht sich einen Weg durchs Labyrinth aus kleinen Gässchen. Hinter Polenca eröffnet sich das gleichnamige Tal, dem man mit geringer Steigung taleinwärts folgt. Die Landschaft wird langsam gebirgiger und man schaut respektvoll auf die näherrückenden Berge. Nach ungefähr 6 km im Val Polenca zeigt uns eine Tafel, dass jetzt die Steigung beginnt: Coll de Femenia, 7,7km, 5,5%. Klingt ja nicht so schlimm, wenn nur die Nachmittagssonne Anfang Juni nicht so gnadenlos herunterbrennen würde. Wie mag sich das erst im Hochsommer anfühlen. Autos begegnen mir eher wenig, Radfahrer dafür doch etliche, obwohl die Hauptsaison für Mallorca-Radreisen längst vorbei ist.
Nach dem Pass geht es nur kurz hinunter, dann nach einer kurzen Gegensteigung noch einmal hinunter zum Kloster Lluc und vom Kloster noch einmal steil bergauf zum höchsten Punkt der heutigen Runde, dem Coll de sa Batalla mit seinen mäßig imposanten 576 Metern.
Oben am Pass zweigt übrigens auch die Straße zum höchsten Pass Mallorcas ab, dem Übergang unter dem Puig Major, den man in 16,5km und lediglich 200 Höhenmetern mehr erreichen würde. Die Auffahrt zum Pass ist aber definitiv von der anderen Seite, also von Soller, deutlich eindrucksvoller.
Die Abfahrt hinunter nach Caimari ist mindestens genauso schön wie die Auffahrt, und die Antwort auf die Frage nach der schöneren Passseite muss ich unbeantwortet lassen. Beide verdienen sich 5 Sterne.
In Caimari ist die Abfahrt dann vorbei, es ist aber noch nicht einmal die Hälfte der Runde geschafft und darum gehts noch nicht zurück Richtung Küste, sondern am Fuss der Serra de Tramuntana über Mancor de la Vall und Lloseta nach Alaro. Zwischen Lloseta und Alaro muss noch einmal ein zwar kurzer aber giftiger und erbarmungslos heisser Anstieg überwunden werden. Wunderschöne Blicke auf die eindrucksvoll geformten Berge Puig d’Alaro und es Penyal Decantat entschädigen allerdings reichlich.
In Alaro ist der westlichste Punkt der Runde erreicht. Ab jetzt geht es mehr oder weniger direkt die letzten 45km bis zum Ausgangspunkt zurück. Und nennenswerte Steigungen kommen auch nicht mehr.
Obwohl die Schwierigkeiten vorbei sind, zollt die Hitze ihren Tribut und ich muss in Binissalem einen „Tankstopp” einlegen. Wem es ähnlich geht, dem sei die Bar es Moli direkt an der MA-13a empfohlen. Ein herrliches Putenbrust-Käse-Tomaten-Sandwich, ein Cola und 2 Wasser für nur 5 Euro richten mich wieder auf und ich kann die Heimfahrt antreten.
Auf praktisch verkehrslosen Straßen geht es durch die Felder über Llubi nach Muro und weiter zur Küstenstraße und die letzten paar Kilometer zurück nach Platja de Muro.
Zusammenfassend kann man sagen: eine nicht nur wegen der Hitze anspruchsvolle Runde in herrlicher Landschaft.
Nach dieser Runde kann keiner mehr sagen, dass Mallorca nicht ein Rennradparadies ist. Das Cap Formentor ist halt auch nicht umsonst für seine landschaftliche Schönheit bekannt. Allein ist man hier nicht, aber wenn man erst gegen Abend aufs Cap fährt, ist zumindest eine Richtung relativ verkehrsarm. Eine Runde, die sich keiner entgehen lassen sollte.
Damit die Runde auch sicher die 100er Marke knackt, was mich immer noch gleich freut wie zu Beginn meiner Rennrad”karriere”, macht sich ein kleiner Umweg auf dem Weg nach Port de Polenca, dem Beginn des Caps, bezahlt.
Auf der unter der Woche vor allem auch von Lastwagen gut befahrenen MA-3433 geht es zehn Kilometer nach Sa Pobla. Ab Sa Pobla lässt der Verkehr deutlich nach und auf der MA-3421 geht es in Richtung der Berge. Nach Überqueren der vierspurigen Schnellstraße ist dieser erste, nicht so reizvolle Teil auch schon vorbei und der Rest der Runde sucht seinesgleichen. Da nimmt man diese 14 Kilometer gerne in Kauf.
Am Fuss der Berge fährt man durch ein verstecktes Tal mit einigen Fincas Richtung Nordosten, andere Verkehrsteilnehmer begegnen einem nur ganz vereinzelt. Die Straße mündet nach einiger Zeit in die MA-2200, der man zwei Kilometer Richtung Norden folgt. Bei einem Golfplatz biegt man wieder rechts ab und auf sehr kurzweiligen kleinen Straßen fährt man auf die Bucht von Polenca zu. Immer wieder hat man einen schönen Blick auf die schroffen Berge des Caps und den Talaia d’Albercutx, den Wachturm, den man von weitem sieht und auf den es natürlich bald hinaufgeht.
Kurz vor Port de Polenca trifft man wieder auf die MA-2200, und kaum hat man den geschäftigen Ort passiert, beginnt die Steigung. Mit moderater Steigung immer deutlich unter 10% geht es 3,5 Kilometer hinauf bis zu einem ersten Aussichtspunkt, dem Mirador de Mal Pas.
Am besten, man nimmt die Fleissaufgabe, die Auffahrt zum Leuchtturm Talaia d’Albercutx, gleich jetzt in Angriff. Die Straße zweigt unmittelbar hier am Sattel rechts ab und dieser Abstecher lohnt sich allemal. Deutlich steiler und mit deutlich schlechterem Straßenbelag geht es 2,5 Kilometer bis zum Ende der Straße einige Meter unterhalb des höchsten Punktes mit dem Leuchtturm. Entweder barfuß oder mit Rennradschuhen sollte man sich die wenigen Meter zum Turm hinauf kämpfen, ein herrliches Panorama weit über die Insel entschädigt einen dafür. Dann geht es erst einmal sechs Kilometer bergab, ein wahres Vergnügen mit immer wieder herrlichen Tiefblicken auf das Meer.
Am tiefsten Punkt zweigt die Straße zum Platja de Formentor ab, einem einst exklusiven Privatstrand, wo in einem Luxushotel schon Charlie Chaplin und Winston Churchill residierten. Ganz so mondän ist es jetzt nicht mehr und um jeden Preis muss man diesen Abstecher nicht machen. Der Blick von oben ist da wesentlich schöner.
Wieder auf der Hauptstraße geht es mit moderater Steigung auf einer langen Geraden durch das Halbinsel-Innere. Nach einiger Zeit wird es wieder etwas steiler, man sieht das Meer wieder, passiert ein Tunnel und in ständigem Auf und Ab geht es bis zum Leuchtturm am Cap, dem nördlichsten Punkt Mallorcas. Insgesamt sind es 18 Kilometer von Port de Polenca bis hierher, die beiden Abstecher nicht mit eingerechnet.
Der Rückweg nach Port de Polenca ist deutlich einfacher und schneller zurückgelegt als der Hinweg. In Port de Polenca verläßt man am Ende des Ortes die große Strasse wieder und auf netten Straßen erreicht man Port d’Alcudia und die Küstenpromenade. Mit stolz geschwellter Brust erreicht man den Ausgangspunkt: eine herrliche Tour!
Ja, die versteckten Straßen, wo einem kaum ein Auto und nur ganz vereinzelt ein Radfahrer begegnet, gibt es tatsächlich auch auf Malle. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell die Radfahrerdichte abnimmt, sobald man die Küstenpromenaden und Hauptstraßen verlässt. Das ist überall auf der Welt das gleiche und funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Tatsache, dass die Hotelpools immer bestens besucht sind, während man im Meer seine Ruhe hat. Aber gut, uns soll es recht sein.
So schön die kleinen Straßen im Hinterland auch sind, so verwinkelt und schwer zu navigieren sind sie. Ein Navigationsgerät kann die Fahrt deutlich erleichtern und es macht einfach mehr Spass, wenn man nicht alle 200 Meter stehenbleiben und die Karte auspacken muss. Das würde einem auf dieser Runde kaum erspart bleiben.
Von Platja de Muro geht es die gut befahrene Küstenstraße MA-12 Richtung Süden. Nach nur vier Kilometern kann man aber schon rechts abbiegen und auf zunehmend kleineren und ruhigeren Straßen fährt man Richtung Muro. Von Muro geht es im Zick-Zack auf kleinen einsamen Straßen durchs Hinterland zurück Richtung Küste.
Kaum ist die Küstenstraße wieder erreicht, sieht man auch wieder Radfahrer. Warum auch immer, trauen sich die nur ganz selten weg von den Trampelpfaden. Nach zwei Kilometern Küstenstraße geht es auf der gut ausgebauten aber kaum befahrenen MA-3330 wieder ins Landesinnere. Die leichte Steigung bringt uns zum höchsten Punkt der Runde, der aber auch nur auf 170 Metern Seehöhe liegt. Für einen schönes Panorama auf das Inselinnere und zurück Richtung Alcudia reicht es trotzdem.
Es geht hinunter nach Petra und auf den gewohnt kleinen Straßen weiter nach Sineu. Sineu wird umfahren und bald darauf erreicht man Llubi. Die Strecke von Muro bis Llubi ist mallorcinisches Hinterland, wie man es sich vorstellt: nette Städtchen, sich im Wind wiegende Getreidefelder, im Schatten der spärlichen Bäume dösende Schafe, und das alles weitgehend verkehrsfrei. Jetzt Anfang Juni ist die Radsaison auf Mallorca zwar schon fast vorbei, aber auch zur Hauptzeit von März bis Mai ist es hier ziemlich ruhig.
Über zwei Zusatzschleifen erreicht man das nette, kleine, auf einem Hügel liegende Städtchen Buger. Spät aber doch gibt es in Buger die verdiente Espresso-Pause, wir sind ja schließlich auf Urlaub hier. Parallel zur großen M-13, die man so lange wie möglich meiden sollte, geht es an Sa Pobla vorbei. Schließlich führt an der M-13 aber kein Weg mehr vorbei. Die hat aber in diesem Bereich bereits einen recht breiten Radstreifen, was die Fahrt doch deutlich angenehmer macht. Nach 2,5 Kilometern kann man links abbiegen und auf versteckten, teilweise auch relativ schlechten Sträßchen von Bauernhof zu Bauernhof schleichen, um dann erst wieder auf die M-13 zu müssen. Diese kleine Extra-Schleife muss natürlich nicht zwangsweise gefahren werden, irgendwie passt sie aber ganz gut in diese Runde und zurück zur Küstenstraße und zum Ausgangspunkt geht es dann ohnehin wieder auf gut ausgebauten, größeren Straßen.