Wie ein Raubtier seine Beute, so umschleichen wir den Großen Speikkogel und nähern uns diesem Giganten schrittweise. Die Straße auf den höchsten Gipfel der Koralm gilt als eine der schwersten Österreichs und wurde heuer auch von den Planern des Transcontinental Races als zwingend zu fahrender Parcours aufgenommen, bevor die Corona-Pandemie zur Absage gezwungen hat. Doch zu dieser knüppelharten Straße hoffentlich ein anderes Mal mehr. Die hier beschriebene Runde, die einem mit ihren fast 180 Kilometern und beinahe 4000 Höhenmetern auch nicht geschenkt wird, führt nicht auf den Gipfel selbst sondern um diesen herum. Dass dabei mit der Soboth und der Weinebene zwei bekannte Passübergänge mit versteckten Auffahrten am Programm stehen, soll bei aller Ehrfurcht vor dem Speikkogel nicht untergehen.
Vom Ausgangspunkt in Wolfsberg geht es zunächst am gut ausgebauten Radweg das Lavanttal hinunter. Nach etwa 25 Kilometern ist die Einrollphase vorbei und mit der Soboth wartet der erste Anstieg des Tages.
Während die gut ausgebaute Hauptauffahrt von Lavamünd vor allem an Wochenenden eindeutig den motorisierten Freunden gehört, ist man auf der hier gewählten Variante praktisch alleine. Hierzu muss man die in Ettendorf abzweigende schmale Straße finden, auf der es über St. Lamprecht bis hinauf aufs Koglereck geht. Erst hier am höchsten Punkt mündet diese wunderbar einsame Variante in die Soboth-Straße, eine Einsamkeit die bei einer Durchschnittssteigung jenseits der zehn Prozent allerdings hart erarbeitet werden muss.
Bald ist die steirische Grenze erreicht und langgestreckten Kurven, die verdeutlichen, warum diese Strecke bei Motorradfahrern so beliebt ist, ziehen hinunter zum Stausee Soboth. Der schön gelegene See ist aufgrund seiner Höhenlage, der umgebenden Fichtenwälder und insbesondere Dank der Auflage, dass er in den Sommermonaten stets gefüllt sein muss, ein beliebtes Ausflugs- und Badeziel.
Vom Stausee geht es etwa zehn Kilometer in ständigem Auf und Ab ostwärts. Beim Mauthnereck verlassen wir den bei Schönwetter doch nervigen Ausflugsverkehr und zweigen auf eine kleine Straße ab, auf der es für weitere zehn Kilometer immer in etwa 1000 Meter Seehöhe der slowenischen Grenze entlang geht. Schlussendlich wird die Abfahrt dann aber doch mit einigen engen Kurven und schönen Ausblicken auf die sich vor uns ausbreitende Süd- und Weststeiermark vollendet.
In Eibiswald schwenkt der Routenverlauf nach Norden, und das Sulm- und Laßnitztal querend geht es auf kleinen Straßen durch die weststeirischen Hügel. Bis Stainz kann man diesen relativ leichten Abschnitt der Runde genießen, doch allzu bald wird einem klar, dass der Ausgangspunkt und somit auch das Ziel der Runde jenseits der sich mächtig vor uns aufbauenden Koralm liegt.
Die Weinebene ist der zentrale Passübergang über die Koralm. Ihr höchster Punkt liegt auf immerhin 1668 Metern Seehöhe und sie ist ein seit Jahrhunderten genutzter Verkehrs- und Handelsweg. Der Name leitet sich von der einst hier heroben befindlichen Umladestelle ab, wo Wein und andere Waren umgehoben wurden (Wein(h)eben).
Die kürzeste Auffahrt zieht von Deutschlandsberg über Trahütten herauf. Unsere Anfahrt von Stainz ist da schon deutlich länger und komplizierter. Dafür wird man mit wahren Traumsträßchen belohnt, auf denen man weitgehend alleine bleibt. Grob kann man den Anstieg in drei Abschnitte unterteilen. Der erste Abschnitt zieht von Stainz an den Südhängen des Reinischkogels hinauf nach Kloster. Nach kurzer Abfahrt und Querung der Hebalm-Straße folgt der kurze zweite Anstieg nach Osterwitz mit seiner panoramareich und fotogen gelegenen Kirche. Nach einer neuerlichen Abfahrt erreicht man schließlich die Weinebenstraße, die von Deutschlandsberg heraufkommt und der man die immerhin noch fehlenden 850 Höhenmeter abringt.
Am Passübergang angelangt liegen dann aber alle Schwierigkeiten hinter einem und die rasante Abfahrt hinunter nach Wolfsberg rundet diese fordernde aber wunderschöne Koralm-Umrundung ab.
Er wirkt elegant, mittelgroß und kompakt; kurz gesagt athletisch. Härte und Ausdauer zeichnen ihn aus. Seine Bewegungen wirken graziös und sind durch einen federnden Gang ausgezeichnet. Er verfügt über ein hohes Maß an körperlicher und mentaler Stärke……Nein, ich beschreibe mich hier nicht selbst. Zugegeben, man könnte mich kaum besser charakterisieren, aber diese Zeilen sind dem Wikipedia-Eintrag des Lipizzaners entnommen. Der Lipizzaner ist Teil der österreichischen Identifikation und das Wissen um die Zucht dieser Pferderasse wurde zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe erklärt. Da sich das wichtigste Lipizzaner-Gestüt in unmittelbarer Nähe unseres Ausgangspunktes befindet und sich diese Runde von Piber hinauf in Richtung der Sommerweiden der Lipizzaner im Gleinalm-Gebiet windet, darf man diese schöne Ausfahrt ruhig unseren vierhufigen Freunden widmen, auf deren Rücken für manche so viel Glück zu finden ist, wie für uns auf zwei Rädern.
Vom Ausgangspunkt in Bärnbach geht es westwärts Richtung Köflach. Zwar ist ein Abstecher durch Piber zum bekannten Lipizzaner-Gestüt ein kleiner Umweg, aber wenn man schon im Zeichen des Pferdes unterwegs ist, zumindest ein lohnender.
Wenig später erreicht man dann doch den Köflacher Norden und zweigt in einem der Gräben ab, die sich tief in die Berge der Stub- und Gleinalm einfurchen.
Bis Krenhof folgen wir der Hauptstraße. Sobald diese aber eine Linkskurve macht und hinauf aufs Gaberl zieht, einen der schwersten Anstiege der Gegend, geht es für uns deutlich ruhiger geradeaus weiter bis Graden und dann völlig verkehrsfrei hinauf zum Eckwirt. Während der Anstieg von Graden hinauf zum Eckwirt einen etwas in die Jahre gekommenen Straßenzustand aufweist, präsentiert sich zu unserer Überraschung und Freude die Ostseite in gänzlich neuem Kleid. Auf perfektem Untergrund geht es hinunter nach Gallmannsegg, wo dann schon der nächste Anstieg wartet.
Auch hier erfreut man sich völlig einsamer Straßen und es geht durch Wälder und im oberen Bereich durch freieres Gelände nördlich des Römaskogel hinüber nach Geistthal.
Vorbei an der schönen gotischen Pfarrkirche und dem historische bedeutenden Buchhaus geht es auf der anderen Talseite, wie könnte es in dieser hügeligen Gegend auch anders sein, schon wieder bergauf. Die moderate Steigung führt hinauf zur Stübinggraben-Straße, die in entgegengesetzter Richtung in der Tour Stübing-Runde befahren wird. Die mäßige Steigung führt weiter nach Gschnaidt, von wo es dann landschaftlich schön am Hügelrücken südwärts und dann hinunter nach Södingberg geht.
Ein letzter Anstieg steht jetzt noch im Weg. Von Södingberg muss man noch hinüber in das Tal der Kainach wechseln, das es dann talaus zurück nach Bärnbach geht.
Ganz ist das touristische Programm aber noch nicht abgeschlossen. Bevor es nämlich zu Kaffee und Kuchen geht, sollte man der unmittelbar beim Ausgangspunkt stehenden St. Barbara-Kirche, die in den 80er Jahren vom bekannten Künstler Friedensreich Hundertwasser komplett neu gestaltet wurde, unbedingt einen Besuch abstatten.
Nicht umsonst wird die Steiermark auch als die grüne Mark bezeichnet, ist sie doch das waldreichste Bundesland Österreichs. Nicht unwesentlich trägt dazu das weststeirische Bergland bei, denn waldreich ist es hier und wasserreich. Und beide, Wald und Wasser, prägen nicht nur diese schöne Landschaft, sondern zu unserer Freude auch diese großartige Runde.
Gestartet wird in der weststeirischen Marktgemeinde Mooskirchen. Sozusagen als Ruhe vor dem Sturm geht es zunächst flach Richtung Krottendorf und dann durch den verschlafenen und dünn besiedelten Teigitschgraben westwärts.
Doch so gemütlich wie zu Beginn bleibt es nicht lange, nach etwa 20 Kilometern wird das Höhenprofil deutlich anspruchsvoller und bleibt es mehr oder weniger bis zum Ende der Runde. Ein erster Aufschwung führt hinauf an das an der Packer Bundesstraße gelegene Edelschrott. Ein kurzes Flachstück gilt es auf dieser Bundesstraße zurückzulegen, bevor dann noch einmal fünf Kilometer zum höchsten Punkt der Runde führen. Der letzte Kilometer ab der Kirche St. Hemma am Kreuzberg verläuft dabei auf Schotter, der aber problemlos zu befahren ist.
Verkehr und Hektik haben wir weiter unten zurückgelassen und hier auf immerhin knapp 1200 Metern Seehöhe ist man von Ruhe und Stille umgeben.
Auf wieder asphaltiertem Untergrund geht es rasant hinunter nach Hirschegg und dann der Teigitsch entlang talauswärts.
Nach Kreuzen der Packer Bundesstraße gilt es ein paar zähe Kilometer auf schlecht rollendem Asphalt zurückzulegen, bevor man den Packer Stausee erreicht. Diesen nicht nur zur Stromgewinnung, sondern auch von Badenden und allen möglichen Wassersportlern fleißig genutzten Stausee geht es entlang, bevor nach einem weiteren 200-Höhenmeter-Anstieg die herrliche Abfahrt hinunter zum Hirzmann-Stausee wartet. Rennrad-Spaß ist auf dieser engen, verwinkelten Abfahrt genauso garantiert, wie wenig später dann entlang des fjordartigen Hirzmann-Stausee.
Obwohl der Hirzmann-Stausee nur selten breiter als 100 Meter ist, ist er doch nach dem Salza-Stausee und dem wenig zuvor passierten Packer-Stausee der drittgrößte Stausee der Steiermark.
Das schönste Stück dieses Abschnitts zieht dabei vom südlichen Ende des Sees zu dessen Staumauer und dann der Teigitsch entlang zum Langmann Stausee. Landschaftlich wunderschön und autofrei. Leider ist dieser Abschnitt aber nicht nur für Autos, sondern für jeglichen öffentlichen Verkehr gesperrt, so dass der gpx-track gezwungenermaßen einen kleinen Umweg bildet. Lohnend wäre dieser Abschnitt aber allemal.
Vom Langmann Stausee geht es über den Wartenstein, einen nördlichen Ausläufer des Reinischkogels, hinüber nach Ligist und von hier über einige letzte Hügel zurück zum Ausgangspunkt.
Durch diese schöne Runde wurden wir von Philipp, einem Nutzer dieses Portals, geführt. Eine Initiative, für die wir uns herzlich bedanken wollen und die nachahmenswert ist.
Noch vieles erinnert an die Hochblüte des Semmering-Gebietes, als Wiener Adel und Großbürgertum hier die Sommer verbrachten: mondäne Villen, einst luxuriöse – jetzt oftmals in die Jahre gekommene Hotels, das Unesco-Weltkulturerbe Semmeringbahn und nicht zuletzt die alles überragenden Ausläufer der Kalkalpen Rax und Schneeberg. Kein Wunder, dass es während des Fin de Siècle von der Kaiserfamilie über Künstler wie Arthur Schnitzler, Heimito von Doderer, Oskar Kokoschka und Adolf Loos bis hin zu Theodor Herzl alles mit Rang und Namen in Wien hier her gezogen hat. Diese großen Zeiten sind vorüber, doch während einsamer Rennradrunden, gedanklich in die Vergangenheit abzuschweifen, hat ja auch etwas für sich.
Von Gloggnitz, unserem Ausgangsort, nach Schottwien kommt man entweder einfach und flach durch das Auetal oder wesentlich kupierter und dafür auch einsamer und landschaftlich schöner über Eichberg und Klamm. Selbstredend, dass wir uns für die zweite Variante entscheiden.
Am Schloss Gloggnitz vorbei überwindet die immer wieder von flacheren Abschnitten unterbrochene Steigung 450 Höhenmeter. Mehrfach eröffnen sich schöne Blicke auf das Tal der Schwarza und seine umgebende Bergwelt.
Vom höchsten Punkt erreicht man nach kurzer Abfahrt den Weiler Klamm mit seiner von weitem sichtbaren Ruine und wenig später Schottwien, wo sich die mittelalterlichen Häuserzeilen unter der mächtigen Autobahnbrücke in das enge Tal schmiegen.
In moderater Steigung, nur unterbrochen von einem kurzen Steilstück, geht es über den Wallfahrtsort Maria Schutz hinauf zum Semmering-Pass. Die Siedlung rund um die Passhöhe ist geprägt vom Tourismus und dem unmittelbar an der Passhöhe gelegenen Schigebiet, wo immerhin regelmäßig Damen-Weltcuprennen stattfinden. Der wesentlich charmantere Kurort, wo sich schöne Villen an mondäne Hotels reihen, liegt etwas weiter nördlich und wird bei der Runde “Auf Schiene” durchquert.
Die Abfahrt vom Semmering hinunter nach Mürzzuschlag kann man bedenkenlos auf der Bundesstraße bestreiten. Es gibt zwar auch eine kleinere Straße, doch dank der parallel verlaufenden Autobahn macht die gut ausgebaute aber kaum befahrene Bundesstraße doch deutlich mehr Spaß.
Die Bergwerks- und Eisenbahnerstadt Mürzzuschlag wird durchquert und es folgen ein paar flache Kilometer die Mürz flußaufwärts, je nach Verkehrsaufkommen auf der Lahnsattel Bundesstraße oder dem auf der anderen Mürzseite verlaufenden, gut ausgebauten Radweg.
Im bald erreichten Weiler Kapellen verläßt man dann das Mürztal und es geht den Raxengraben hinein. Allzu viel Respekt braucht man der nun folgenden Auffahrt zum höchsten Punkt der Runde am Preiner Gscheid allerdings nicht entgegen zu bringen. Unter den schönen Südabhängen der Heukuppe, dem höchsten Gipfel des Rax-Massivs, gilt es 370 Höhenmeter auf knapp zehn Kilometern zu überwinden und die Steigung erreicht nur im oberen Teil kurz zweistellige Prozentwerte.
Die folgende Abfahrt hinunter Richtung Prein und Reichenau lässt dann auch keinen Zweifel darüber aufkommen, welche die schwierigere Seite des Preiner Gscheids ist. Uns soll es recht sein, so kommt bei der kurvigen Abfahrt erst gar keine Langweile auf, und ehe man es sich versieht sind die ehemaligen Nobel-Kurorte Reichenau und Payerbach erreicht. Verkehrsberuhigt geht es am orographisch linken Ufer der Schwarza zurück nach Gloggnitz und durch die Stadt zurück zum Parkplatz.
Fast jeder von uns ist schon auf der Tauernautobahn auf dem Weg in den Süden durch den Lungau gefahren. Doch, Hand aufs Herz, wer ist tatsächlich für eine Rennrad-Ausfahrt stehengeblieben? Schade eigentlich, denn ein paar lohnende Runden gibt es hier auf jeden Fall. Den Beginn unserer Lungau-Entdeckungen bildet diese schöne 3-Länder-Runde durch Salzburg, die Steiermark und Kärnten, und weil es uns hier gefällt, wird das auch sicher nicht der letzte Lungau-Ausflug gewesen sein.
Ausgangsort dieser Runde ist Tamsweg, der Hauptort des Lungaus. Tamsweg ist einer von nur zwei Hauptorten eines österreichischen Bezirkes, dem nie das Stadtrecht verliehen wurde. Der zweite ist Reutte in Tirol.
Allzu viel Zeit zum Einrollen bleibt nicht. Denn erstens ist Tamsweg nicht gerade groß und rasch durchquert und zweitens beginnt gleich nach dem Ort die erste Steigung. Und die hat es in sich, zieht sie doch von Anfang an mit Steigungsprozenten deutlich im zweistelligen Bereich nach oben. Aufgrund einiger Flachstücke verteilen sich die 500 Höhenmeter hinauf zum Prebersee auf acht Kilometer und die Durchschnittssteigung hält sich somit in Grenzen. Zwischen den Flachstücken warten aber immer wieder giftige Rampen, die die noch nicht aufgewärmten Oberschenkel alles andere als erfreuen.
Der Verkehr hält sich durchaus in Grenzen, obwohl der Prebersee eines der beliebtesten Ausflugsziele der Gegend ist. So bleibt jedenfalls mehr Ruhe, um die schöne Landschaft der Niederen Tauern zu genießen. Am Prebersee findet jedes Jahr im August das weit über die Landesgrenzen bekannte Preberschießen statt. Ein Wettschießen, bei dem es gilt, die Kugel an der Wasseroberfläche abprallen zu lassen und erst dann die hölzerne Zielscheibe zu treffen. Das hohe spezifische Gewicht des Moorwassers macht es möglich.
Bald nach dem See erreicht man die Grenze zur Steiermark und dieses bis vor kurzem nicht asphaltierte Stück an der Grenze der beiden Bundesländer weist mittlerweile beste Straßenverhältnisse auf. Ganz im Gegensatz zur Abfahrt auf steirischer Seite, die ist bis hinunter zur Kreuzung nach Krakauschatten mit Vorsicht zu genießen.
Bei eben jener Kreuzung zahlt es sich aus, links abzubiegen und nach kurzer Gegensteigung die weitere Abfahrt über das einst zum schönsten Gebirgsdorf gekürte Krakaudorf zu absolvieren.
Von Schöder bis ins Murtal verläuft die Strecke dann etwa 20 Kilometer auf der Hauptstraße des Tales. Teilweise gibt es zwar einen Radweg, dessen Benutzung aber aufgrund des meist erträglichen Verkehrsaufkommens oft nicht notwendig ist. Ganz anders dann im Murtal, wo man um den Mur-Radweg sehr wohl dankbar ist.
Das Murtal wird hier aber ohnehin nach wenigen Kilometern wieder verlassen und nach kurzer Steigung hinauf zum Bahnhof Mariahof wird es wieder deutlich ruhiger. Sankt Lambrecht mit seinem den Marktplatz beherrschenden Benediktinerstift ist bald erreicht und kurz darauf ohne große Anstrengung der Talbacher Sattel überquert. Nach kurzer Abfahrt erreicht man das 500 Einwohner Nest Laßnitz. Was auf den ersten Blick verwirrend erscheinen mag, nämlich zwei Ortstafeln, einmal Steirisch Laßnitz und einmal Kärntnerisch Laßnitz, entpuppt sich tatsächlich als Laune der Geschichte. Seit dem Mittelalter gehört ein Teil des Dorfes zu Kärnten, auch wenn die nächsten Kärntner Orte kilometerweit entfernt sind. Eigentlich will daran auch keiner etwas ändern, erst recht nicht die Bewohner von Kärntnerisch Laßnitz, auch wenn so manch Kuriosität dabei herauskommt. Etwas dass für einen Teil des Ortes die zuständige Polizeistation 40 Kilometer, für den anderen Ortsteil aber nur sechs Kilometer entfernt ist. Oder dass einige Bauern regelmäßig ein behördliches Ansuchen stellen müssen, wenn sie ihr Vieh auf ihrem Bundesländer-übergreifenden Besitz, von einem Teil der Weide zu einem anderen treiben wollen.
Kurz nach Laßnitz zweigt unsere Runde dann links ab und man kommt in das ruhige und idyllische Hochtal des Grattinger Sattels, wo man am Scheitelpunkt dann endgültig Kärntner Hoheitsgebiet erreicht.
Nach einer kurzen Abfahrt hinunter ins Metnitztal wartet dann noch der letzter Anstieg des Tages auf die Flattnitzer Höhe. Und ganz unterschätzen sollte man auch den nicht, denn nach flachem Beginn sind vor allem die letzten beiden Kilometer, bevor man die aus dem Gurktal heraufziehende Straße erreicht, unangenehm steil. Dass man mittlerweile 100 Kilometer in den Beinen hat, lässt den Anstieg noch einmal steiler erscheinen.
Oben auf der Flattnitzer Höhe angekommen, liegen die Anstrengungen dann aber hinter uns und nach der Abfahrt hinunter ins Murtal geht es nur noch gemütlich auf dem Mur-Radweg zurück nach Tamsweg.
Da wo die Steiermark am flachsten scheint, offenbart sich ein Hügelland, das vor allem eines fordert: kräftige Oberschenkel. Sanft und ruhig schmiegen sich die Ortschaften in die Hügel, doch die zwar kurzen, aber gnadenlos steilen Anstiege reihen sich Sägeblatt-artig aneinander. Bestes Trainings-Revier also, dass entdeckt werden will.
Ausgangspunkt dieser schönen Runde ist Lannach, was den Vorteil hat, dass die Anreise dank nahen Autobahn denkbar einfach ist.
Zum Einrollen bleiben nur wenige Kilometer, denn schon bald erreicht das Navigationsgerät stolze 18% Steigung. Allerdings nur sehr kurz, bevor sich die Straße wieder zurücklegt. Auf einem panoramareichen Hügelrücken geht es in ständigem Auf und Ab südwärts. Kleine Straßen, wenig Verkehr, kurze aber steile Anstiege und schöne Ausblicke in alle Himmelsrichtungen: vom Schöckel im Norden, der Koralm im Westen, dem Steirisch-Slowenischen Grenzkamm im Süden bis hin ins Oststeirische Hügelland. So könnte man diesen Abschnitt wohl am besten charakterisieren, und diese Beschreibung lässt sich ohne Einschränkung auf die gesamte Runde erweitern.
Nach Preding erreicht man den Sausal, ein zwischen den Flüssen Sulm und Laßnitz gelegenes und vom Weinbau geprägtes Hügelland. Allerdings bleibt uns der kräftezehrende Anstieg hinauf nach Kitzeck erspart. Mit erfurchtsvollen Blicken hinauf zum höchst gelegenen Weinort Österreichs wird der Sausal in dessem Nord-Osten gequert, bis ab Tillmitsch ein mehrere Kilometer langes Flachstück im Leibnitzer Becken folgt. Nach Überquerung von Mur und der Richtung Süden ziehenden Phyrn-Autobahn wird es aber bald wieder hügeliger.
Zwei steile Hügel trennen uns noch von St. Peter am Ottersbach, wo der östliche Wendepunkt fast erreicht ist. Hier wendet sich die Strecke Richtung Norden und nach einigen leichten Kilometern zeigt uns das Höhenprofil noch einmal, was eine typisch südsteirische Rennrad-Runde ausmacht. Sägeblatt-artig reiht sich Oberschenkel-zermürbender Anstieg an Anstieg. St. Stefan im Rosental, der Heimatort des einem breiten Fernsehpublikum bekannten Fernsehkochs Johann Lafer, wird passiert und entsprechend ausgepumpt erreicht man nach dieser fordernden Tortur Wildon.
Hier ist es dann fast geschafft. Nach Weitendorf wartet noch ein letzter Anstieg, bevor uns dann doch noch ein paar flache Kilometer zurück nach Lannach zum Ausradeln vergönnt sind.
Bekanntlich trifft man sich im Leben immer zweimal. So ist eines Tages völlig unerwartet mein alter Kumpel “Al” aus den Tiefen der Facebook-Virtuality aufgetaucht. Ebenfalls völlig unerwartet tut es mir dieser ehemaliger Festival-Mitstreiter gleich und hat den hirnrissigen Plan entwickelt, beim 24-Stunden-Ultracycling-Race in Kaindorf bei Hartberg als Solist an den Start zu gehen. Grund genug, sich für eine gemeinsame “Vorbereitungsausfahrt” zu verabreden. Denn schließlich werden im Gegensatz zu früher heute die Straßen gerockt und am nächsten Tag gibt´s maximal Muskelkater. Schön so, gut so, vernünftig so. Wie wir halt sind, mittlerweile, meistens …
Nun gut. Die anstehende 130-Kilometer-Runde starten wir in Graz beim Sankt-Peter-Friedhof. Parkplätze sind ausreichend vorhanden und der Startpunkt ist gut erreichbar, der Verkehr dahin überschaubar. Über die Petersbergenstraße fahren wir stadtauswärts und lassen die befahrenen Straßen sofort hinter uns. Der wunderbare Abschnitt über Hohenrein nach Laßnitzhöhe eignet sich hervorragend zum Aufwärmen. Mit 565 Meter Höhe erreichen wir hier auch schon den höchsten Punkt (aber keine Sorge, es wird schon noch schwer).
Zur ersten Tempoverschärfung durch meinen Kollegen kommt es dann im Bereich Langegg bei Graz. Die Straße ist klein, der Asphalt rollt hervorragend, die Landschaft ist schön. Ich konzentriere mich auf meinen Puls, der an den 170 kratzt.
Im Raabtal wählen wir den Radweg, der eine sehr gute Option zu den stark befahrenen Straßen darstellt, schwelgen ein bisschen in längst vergangenen Zeiten und bereiten uns schon auf den bald folgenden, hügeligen Abschnitt der Runde vor. Schnell ein Riegel, zur Sicherheit ein Gel, ein kräftiger Schluck und bei Reith beginnt der erste von acht teils recht giftigen Anstiegen, welche auf den nächsten 50 Kilometern folgen. Die Steigungen haben allesamt nur rund 100 Höhenmeter und von der Papierform her ist man versucht, diese gleich “durchzuziehen”, die bis zu 24 % aufsteilenden Straßen machen dem aber recht bald einen Strich durch die Rechnung und bringen uns zurück auf den schmerzhaften Boden der Realität.
Landschaftlich hat das Riedelland vieles zu bieten und es würde sich theoretisch auszahlen, das Tempo etwas rauszunehmen und die einen oder anderen Ein- und Ausblicke in die Landschaft zu wagen. Auch ein Espresso-Stopp in Straden, einer kleinen, historisch angehauchten Marktgemeinde, die aufgrund ihrer erhöhten Lage eine wunderbare Aussicht bietet, wäre empfehlenswert. Wir gönnen uns diesen Luxus heute nicht und ziehen ab Straden nun konsequent in Richtung Westen weiter.
Das ständige Auf und Ab der letzten 50 Kilometer macht sich langsam bemerkbar. Der Saft geht aus – und das nicht nur in der Trinkflasche … Aber was soll´s. In Anbetracht der zu erwartenden Qualen beim angepeilten 24-Stunden-Rennen darf hier nicht gejammert werden. Zähne zusammenbeißen, einen Gang härter schalten und mit rund 40 km/h geht es im nun flachen Teil der Runde über Ragnitz, Wildon und einen kleinen Hügel, den Murberg – inklusive wunderbaren Blicks über das Grazer Becken – zurück zum Ausgangspunkt.
Wem das nicht reicht, dem sei ein Abstecher in die Region Stiefingtal empfohlen. Die unzähligen kleinen Straßen bieten dem Rennradler ein perfektes Terrain. Uns jedenfalls reicht´s.
Die Weststeiermark hat mit dem Schilcher eine ganz spezifische und regional begrenzte Weinsorte anzubieten. Doch der Wein lockt uns erst in zweiter Linie hierher, denn noch viel mehr hat es uns die dazugehörige Schilcher Weinstraße angetan. Wie so oft in Weinbaugebieten gleicht das Höhenprofil einem Sägeblatt. Ein knackiger Anstieg folgt auf den anderen und Erholungsmöglichkeiten sind rar gesät, denn auch die verwinkelten Abfahrten erfordern einiges an Konzentration. Belohnt wird man mit kleinen ruhigen Straßen durch eine wunderschöne Landschaft und natürlich einer Buschenschankjause und einem Glaserl Schilcher nach absolvierter Runde.
Ausgangspunkt ist in Stainz der Parkplatz vor dem etwas über dem Markt thronenden Schloss, das früher ein Kloster war.
Die ersten Kilometer sind noch dem gemütlichen Einradeln vorbehalten, recht bald wird einem aber bewusst, dass Weinbau zumeist in Hanglagen betrieben wird und die Weinstraßen selten flach in der Ebene verlaufen. Es geht zunächst kurz nordwärts Richtung Sankt Stefan ob Stainz, bevor die Richtung wechselt und man der Weinstraße in südlicher Richtung über Bad Gams bis kurz vor Deutschlandsberg folgt. Die Anstiege sind nicht besonders lang, aber durchwegs steil und auf Flachpassagen wartet man vergebens: kaum oben angekommen geht es auch schon wieder ebenso steil hinunter.
Erst nach dem südlichen Wendepunkt bei Deutschlandsberg beruhigt sich das Höhenprofil etwas und es folgen 20 leichtere Kilometer durch die sanfte weststeirische Hügellandschaft.
Man sollte das flache Mitteldrittel zur Regeneration nutzen, denn die letzten 25 Kilometer sind dann wieder deutlich anspruchsvoller und kupierter. Während die bisherige Runde fast ausschließlich auf kleinen Nebenstraßen verlaufen ist, ist die vier Kilometer lange abschließende Abfahrt von Sankt Stefan ob Stainz hinunter nach Stainz der einzige Abschnitt, der einiges an Verkehr aufweist. Doch auch der ist bald geschafft und wer jetzt noch Kraft übrig hat, kann diese beim steilen Bergauf-Zielsprint hinauf zum Schloss Stainz verpulvern. Die Speicher können getrost gelehrt werden, denn die stärkende Buschenschankjause ist nicht mehr weit.
Zwei coole Sättel und eine geniale Abfahrt im Nirgendwo.
Auf geht´s, zur wunderbaren Runde mit dem klingenden Namen “2 Sättel Gaudi”. Ich starte in den sehr frühen Morgenstunden im Zentrum von Ratten, einer 1000-Seelen-Gemeinde und regionales Zentrum des oberen Feistritztals. Gleich neben der Fleischerei Sommersguter befinden sich kostenlose Parkplätze.
Bei erfrischendem Gegenwind geht es entlang der L407 Richtung Norden. Die moderate Steigung – falls man die 2-3 % so nennen kann – ist perfekt zum Aufwärmen. Verkehr gibt es so gut wie keinen, lediglich der Milchmann, begegnet mir auf Höhe Rettenegg und überlässt mir mit einem motivierenden “Daumen hoch” den Vorrang.
Ab Rettenegg wird die Straße schmaler, das Tal deutlich enger und auch die begleitende Feistritz nimmt ursprüngliche Formen an. Wir bewegen uns Richtung Feistritzwald, dem wohl abgelegensten Örtchen Ostösterreichs. Ab Feistritzwald nimmt die Steigung leicht zu, es geht hoch zum Feistritzsattel. Die 8 % werden aber nicht überschritten und so gewinne ich rasch an Kilometern und Höhenmetern. Am rund 1300 Meter hoch gelegenen Sattel, der zugleich die Grenze zwischen der Steiermark und Niederösterreich bildet, bleibe für ein Foto kurz stehen, genieße die Aussicht Richtung Hohe Wand und Schneeberg.
Es folgt eine der coolsten Abfahren die ich kenne. Ich komme sofort in den Flow, ziehe die nicht zu steile, kurvenreiche und perfekt ausgebaute Straße entlang, grinste über beide Ohren hinaus als der Tacho die 90 überschreitet und jauchze wie mein Großvater, als er in jungen Jahren zur Oma “fensterln” gegangen ist…
Nach diesem Highspeed-Abschnitt biege ich in Otterthal links auf die L134 Richtung Schlagl ab. Die kurze Zwischensteigung schmerzt, das Laktat schießt in die Höhe und ich bin am Boden der Radfahrerrealität. Aber: Zähne zusammenbeißen, rauf auf den Hügel und in Schlagl die Aussicht genießen! Rax, Höllental, Schneeberg, Hohe Wand und viele mehr lassen Grüßen.
Von Schlagel geht es bergab nach Gloggnitz, dem tiefsten Punkt der Runde. Kurz vor der Ortseinfahrt biege ich links ab und folge der L4168 nach Schottwien, und über Maria Schutz hinauf zum Schiweltcup-Ort Semmering. Die Straßen sind top ausgebaut, der Verkehr aufgrund der nahezu parallel laufenden Autobahn sehr gering und die Landschaft ist herrlich. Nicht umsonst hat sich Kaiser Franz hier eine seiner Sommerresidenzen ersonnen.
Nach der kurzen Abfahrt von Semmering in Richtung Mürzzuschlag biegen wir bei der Stuhleckblicksiedlung in den Fröschnitzgraben und folgen der L117 Taleinwärts. Nach einigen gemütlichen Kilometern wartet der Anstieg auf den Pfaffensattel.
Die Straße wird schlagartig schmal, der Asphalt rauh und löchrig und die Steigungsprozente auf meinem Garmin schnellen hinauf in den 2 stelligen Bereich. Im oberen Bereich des Anstiegs werden maximal 18 % angezeigt. Der Pfaffensattel ist nicht sonderlich lang, aber dennoch nicht einfach zufahren. Am Sattel angekommen ist es wieder Zeit für ein Foto und den schönen Ausblick nach Süden in das Feistritztal.
Die anstehende Abfahrt ist nun mit etwas Vorsicht zu genießen, weil steil, eng und löchrig.
Am südlichen Fuß des Pfaffensattels angekommen zieht sich die Straße nun talauswärts zurück nach Ratten. Ein wunderbarer Abschluss der Runde da man meist rückenwindunterstützt die letzten 12 Kilometer mit hohem Tempo der wohlverdienten Jause beim Sommersguter entgegen rollt.
Das Mürztal ist eine der wichtigsten Industrieregionen Österreichs und bekanntlich sind Industriegebiete nicht gerade die malerischsten Rennradreviere. Diese Runde bildet eine der seltenen Ausnahmen, denn einerseits setzt das Mürztal seit dem Rückgang der Schwerindustrie zunehmend auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus und andererseits wird diese Runde durch einen Ausflug in die einsamen Mürzsteger Alpen aufgewertet.
Vom Ausgangspunkt in Kapfenberg geht es zunächst 20 Kilometer weitgehend flach auf dem Radweg flussaufwärts durch das Mürztal. Der Mürztal-Radweg ist bis auf ein sehr kurzes Stück bei Kindberg durchgehend asphaltiert und im Gegensatz zu vielen anderen verwinkelten und engen Radwegen lässt er so viel Fahrfluss zu, dass er auch dem engagierten Cyclisten empfohlen werden kann. Alternativ dazu käme natürlich auch die von vielen Rennradfahrern benutzte alte Bundesstraße in Betracht, gerade zu Stoßzeiten ist auf dieser das Verkehrsaufkommen aber doch ziemlich nervig.
In Mitterdorf beim Schloss Pichl verlassen wir das Mürztal und zweigen Richtung Norden in das Veitschtal ab. Ohne nennenswerten Höhengewinn geht es in das Dorf Veitsch, und wer immer schon wissen wollte, wo sich das größte begehbare Holzkreuz der Welt befindet, der wird hier fündig. Schon von weitem sichtbar, thront dieses 40 Meter hohe Kreuz auf dem Veitscher Ölberg am Kreuzungspunkt mehrerer Pilgerwege. Wir lassen dieses aber rechts liegen, ohne ihm einen Besuch abzustatten, und halten weiter auf den namensgebenden Gebirgsstock, die Hohe Veitsch zu.
Bald darauf wird das Veitschtal Richtung Turnau verlassen und die Straße wird spürbar steiler. Denn die immerhin 1000 Höhenmeter dieser Runde werden einem nicht geschenkt.
Wunderbar einsam zieht die Straße über knapp 400 Höhenmeter durch den Pretalgraben hinauf auf den Pretalsattel, eine Auffahrt, die das Rennradlerherz höher schlagen lässt. Eine ebenso schöne wie schnelle Abfahrt führt auf der anderen Seite hinunter in das am Fuß des Hochschwab gelegene Turnau, wo wir links Richtung St. Lorenzen abbiegen. Über einen weiteren 300-Höhenmeter-Übergang, den Pogusch, wechseln wir wieder zurück ins Mürztal.
In St. Lorenzen im Mürztal geht es noch nicht direkt zurück nach Kapfenberg. Eine Schleife über ein schön über dem Mürztal gelegenes Plateau nach Parschlug gönnen wir uns noch. Der Rest ist dann aber nur noch Ausradeln hinunter zum Ausgangspunkt.