Zwei ganz große Vorzüge hat Meran dem ambitionierten Rennradfahrer zu bieten. Einerseits seine klimatische Begünstigung und andererseits die interessante Vergangenheit. Durch die im Norden imposant 3000 Meter über Meran aufragende Texelgruppe und das nach Süden offene Etschtal hat der Meraner Kessel ein angenehm-mediterranes Klima mit rennradtauglichen Temperaturen bereits früh im Jahr und noch weit in den Herbst hinein. Es gibt also fast zu jeder Jahreszeit die Gelegenheit sich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu erradeln. Neben der Meraner Altstadt ist es vor allem das Schloss Tirol, das uns anzieht. Im Gegensatz zur Mehrzahl der Besucher nähern wir uns der Stammburg der Tiroler Grafen aber nicht im Reisebus sondern wie gewohnt auf zwei Rädern.
Ausgangspunkt ist das Meraner Stadtgebiet. Ganz leicht ist es hier allerdings nicht einen Parkplatz zu finden. Wer mit dem Auto kommt, fährt am besten gar nicht ins Stadtgebiet, sondern parkt in einem der Vororte. In diesem Fall im südlichen Vorort Sinich.
Ein kurzes Stück geht es auf dem Radweg Richtung Süden, dann fährt man parallel zur Hauptstraße nach Lana, dem südlichsten Ort unserer Runde.
Die nächsten Kilometer geht es durch Tscherms und Marling schnurstracks gen Norden. Je nach Wochentag und Tageszeit kann man es durchaus auf der Hauptstraße probieren, eine nette Alternative bieten bei zu viel Verkehr die parallel verlaufenden Kleinstraßen.
Bei der festungsartigen Brauerei Forst, einer der größten Italiens, wechseln wir auf die andere Etschseite und entlang des Radwegs nimmt man die folgende Talstufe in Angriff. Immerhin bis zu 14% ist der Radweg in diesem Bereich steil, was bei viel Gegenverkehr schon zur ein oder anderen brenzligen Situation führen kann.
Es wird aber bald wieder flach, bei Rabland ist dann der westliche Wendepunkt erreicht und nach einem neuerlichen kurzen Anstieg bald darauf auch der höchste Punkt der Runde in Partschins.
Es folgt die schöne und erholsame Abfahrt hinunter in den Meraner Kessel. Nach der Ortsdurchfahrt von Algund kann man sich aber schön langsam für den zweiten Anstieg des Tages bereit machen. Und was für einer! Nicht, dass er besonders schwer oder besonders lang wäre, die Fahrt durch die Weinberge hinauf zum Schloss Thurnstein und die anschließende Querung zum Stammsitz der Tiroler Grafen, wo Tirol sozusagen seinen Ursprung genommen hat, sind schon ausgesprochen schön. Unmittelbar am Schloss Tirol, wobei die Bezeichnung Burg oder Festung wohl treffender wäre, führt die kleine Straße vorbei, was nicht nur schöne Blicke auf das Schloss, sondern auch auf das zu Füßen liegende Meran und das Etschtal ermöglicht.
Über das Dorf Tirol erreicht man nach kurzer Abfahrt das Stadtgebiet von Meran. Nach einem Frühstücksespresso an der schönen Meraner Promenade geht es dann nur noch ein paar wenige Kilometer flach zurück zum Ausgangspunkt.
Der Tschögglberg ist ein langgezogener Bergrücken zwischen Meran und Bozen. Er fällt zu beiden Seiten steil ab, Richtung Westen zum Etschtal und Richtung Osten zum Sarntal. Aufgrund dieser Exponiertheit reiht sich ein Aussichtspunkt an den anderen. Zu unserem Glück wird er über seine gesamte Länge von einer Straße überquert, die man getrost als Panoramastraße der Extraklasse bezeichnen kann.
Mehrere Straßen führen auf das Hochplateau des Tschögglberges. Die verkehrstechnisch vernünftigste Auffahrt ist sicher die alte Jenesier-Straße, die von Bozen bergwärts führt. Die ist aber so steil, dass die Übersetzung, mit der ich eine Durchschnittssteigung von fast 20% über mehrere Kilometern bewältige, erst noch erfunden werden muss.
Eine gute Alternative ist die ebenfalls kaum befahrene Straße, die über Glaning und Oberglaning nach Jenesien zieht. Die Schwierigkeiten halten sich dabei soweit in Grenzen, dass man diese herrliche Straße getrost empfehlen und sogar noch genießen kann.
Doch bevor es soweit ist, heißt es sich zuerst einen Weg von Meran, unserem Startort, nach Bozen zu suchen. Eine vernünftige Möglichkeit ist der gut ausgebaute Etschtal-Radweg, der immer unmittelbar an der Etsch entlang südwärts verläuft. In Siebeneich überquert man die Bahntrasse und nach 2,5 Kilometern auf der Hauptstraße nähert man sich schön langsam dem Bozner Stadtgebiet.
Dieses wird nur im Norden der Stadt gestreift, richtig in den Trubel muss man nämlich nicht. Noch im Stadtgebiet beginnt die Steigung hinauf Richtung Jenesien. Wenn man es nicht unmenschlich steil haben will, bleibt einem nicht viel anderes übrig, als die ersten 3,5 Kilometer auf der gut ausgebauten Jenesier-Straße zu absolvieren. Die hat schon einiges an Verkehr aufzuweisen und ausgerechnet in diesem unteren Teil schraubt sie sich durch einige Tunnels rasch höher. Zumindest mit einem Rücklicht fühlt man sich in den Tunnels, in denen man aufgrund der Steigung auch nicht wahnsinnig schnell ist, deutlich wohler.
Auch wenn die Straße spektakulär angelegt ist und die freien Abschnitte schöne Tief- und Weitblicke auf Bozen und sein Umland freigeben, ist man doch froh, wenn man diesen Abschnitt verlassen kann. Unmittelbar nach der Abzweigung Richtung Glaning muss man noch durch einen letzten Tunnel, dann war es das aber mit dem Unterirdischen genauso wie mit dem Verkehr.
Mit schönen Blicken über das Etschtal und den gegenüberliegenden Mendelkamm kämpft man sich die verbleibenden 600 Höhenmeter bergauf. Nach einem flacheren Abschnitt erreicht man Jenesien, wo man wieder auf die Hauptstraße trifft. Die hat hier heroben ihren Schrecken verloren und den Verkehr in den Tallagen zurückgelassen. Mit ihren Traumblicken in die Dolomiten, die vom Schlern über Langkofel, Rosengarten und Vajolettürmen bis hin zum Latemar reichen, ist sie ein wahrer Genuss, auch wenn sie immer wieder steile Rampen aufweist, die noch einiges an Kraft abverlangen.
Ab Hafling, dem namensgebenden Ort der bekannten, im Alpenraum weit verbreiteten Pferderasse, geht es dann nur noch bergab. Auch hier muss man wieder einige Tunnels durchqueren, bevor man Meran wieder erreicht.
Einer dieser Tunnels führt übrigens unter dem Weiler St. Kathrein hindurch. Die dortige romanische Kirche ist aufgrund ihrer exponierten Lage von weiten Teilen des Etschtales sichtbar. Sie ist ein sehr beliebtes Foto- und Postkartenmotiv und einen kurzen Abstecher kann man nur empfehlen.
An höhenmeterreichen und zumeist alles andere als flachen Runden mangelt es der Rennradregion um Bozen wahrlich nicht. Flache Genussrunden sind da schon deutlich schwerer zu finden. Neben dem Burggrafenamt Richtung Meran bietet da vor allem das Südtiroler Unterland etliche Möglichkeiten. Ganz flach ist allerdings auch die hier vorgestellte Runde nicht. Die Rückfahrt über die Weinstraße hat doch einige kürzere, dafür aber giftig-steile Anstiege aufzuweisen. Das nimmt man angesichts der schönen Landschaft und der wunderbaren Orte entlang der Weinstraße aber gerne in Kauf und schließlich wertet gerade dieser Abschnitt diese Runde erst so richtig auf.
Ausgangspunkt ist der Bahnhof Sigmundskron am westlichen Stadtrand von Bozen. Unter der für Tirol zum Freiheitssymbol hochstilisierten Festung Sigmundskron geht es auf dem gut ausgebauten und perfekt asphaltierten Radweg immer der Etsch entlang südwärts.
Weil immer flach und Radweg irgendwann eintönig wird, zahlt es sich aus, nach etwa 15 Kilometern für etwas Abwechslung zu sorgen. Vorbei am Landesweingut Laimburg geht es auf den kurzen, 15% steilen Kreithersattel. Dieser ist der tiefste Einschnitt im Bereich des Mitterberges, der auf 14 Kilometern Länge das Südtiroler Unterland vom sogenannten Überetsch trennt. Das Überetsch ist mit Abstand das bedeutendste Weinbaugebiet Südtirols und wir schnuppern hier schon einmal etwas in Richtung Weinstraße. Am Ostufer des Kalterer Sees entlang geht es aber nochmals zurück zur Etsch auf den schon bekannten Radweg. Dieser verläuft übrigens genauso gut ausgebaut fast bis Verona weiter. Soweit folgen wir ihm allerdings nicht. Es geht noch an Salurn vorbei (“Von Sigmundskron der Etsch entlang, bis zur Salurner Klaus”: Ausschnitt aus dem Bozner Bergsteigermarsch, der heimlichen Hymne Südtirols), bei Mezzocorona ist dann aber Schluss mit dem Etsch-Radweg.
Der südliche Wendepunkt ist erreicht und es geht auf der westlichen Etsch-Seite nordwärts. So richtig schön wird es dann ab Margreid, wo das Gelände kupierter wird. Auch wenn die ausgeschilderte Weinstraße zumeist unterhalb der Orte verläuft, zahlt es sich auf jeden Fall aus, den durchwegs sehenswerten, mittelalterlichen Orten entlang der Weinstraße einen Besuch abzustatten. Das ist zwar meist mit einem kurzen Anstieg verbunden, die Runde würde aber ohne diese Abstecher deutlich an Reiz verlieren. Speziell die Abschnitte von Kurtatsch über Tramin zum Kalterer See sowie von St. Josef am See nach Kaltern sind zwei ganz außergewöhnlich schöne Abschnitte, auch wenn nach St. Josef eine 300 Meter lange Rampe wartet, die ob ihrer Steilheit erst bezwungen werden will.
Kurz nach Kaltern ist der höchste Punkt der Runde erreicht und es folgen weitere Orte mit so wohlklingenden Namen wie “Eppan” oder “Girlan”.
Nicht nur Liebhabern Südtiroler Weine, auch jedem landschaftsbegeisterten Radsportler kann diese tolle Runde empfohlen werden. Zudem kann sie nach Belieben verkürzt oder verlängert werden, so dass es wohl kaum einen gibt, der hier nicht auf seine Rechnung kommt.
Wenn es so etwas wie eine Bozner Paraderunde gibt, dann ist es wohl die Mendel-Gampen-Runde. Zugegeben, das wissen nicht nur wir Radfahrer, sondern auch die motorisierten Verkehrsteilnehmer. Wenn man die Runde aber nicht gerade auf ein Wochenende legt und früh startet, hat man diese bergigen Traumstraßen fast für sich allein und kann diese phantastische Runde so richtig genießen.
Ein möglicher Startpunkt für alle, die mit dem Auto anreisen, sind einige Parkplätze vor dem Bahnhof Sigmundskron am westlichen Stadtrand von Bozen. Wenn man die Runde aus dem Bozner Stadtgebiet beginnt, verlängert sie sich natürlich um einige wenige Kilometer.
Für die Fahrt hinauf ins Überetsch wählt man am besten den gut ausgebauten Radweg, der schon einige schöne Blicke über das Etschtal bis in den Meraner Kessel und die dahinter aufragenden Ötztaler Alpen bietet.
Kurz nach Eppan kommt man dann auf die Mendelpass-Straße, die sich vor allem, wie oben erwähnt, in den Morgenstunden angenehm ruhig präsentiert. Ein früher Aufbruch zahlt sich allemal aus. Je höher man kommt, desto schöner und enger wird die Straße. Zunehmend bieten sich grandiose Blicke in die Dolomiten und mit Fotomotiven wird nicht gegeizt. Obwohl über 1000 Höhenmeter zurückzulegen sind, ist der Mendelpass ein Anstieg für Genießer. Regelmäßigkeit ist Trumpf: Die Steigung pendelt sich um die 6-8% ein und es gibt lediglich ein paar Ausreißer nach unten – auf steile Rampen wartet man vergebens.
Die Passhöhe befindet sich am tiefsten Einschnitt des Mendelkammes und stellt gleichzeitig seit jeher die Sprachgrenze zwischen dem deutsch- und italienischsprachigen Tirol dar.
Es folgt eine kurze, nicht allzu schnelle Abfahrt hinunter ins obere Nonstal, die genug Zeit bietet, die schönen Ausblicke zu genießen. Diese reichen über das Nonstal hinweg auf die Brentagruppe und das vom Nonstal nach Westen verlaufende Sulztal, das mit dem berühmten Tonalepass endet. Bei Malosco ist der tiefste Punkt dieser Abfahrt erreicht und es wartet der zweite Anstieg des Tages.
Schwer ist aber auch die Südauffahrt auf den Gampenpass nicht. Immerhin 13 Kilometer werden einem vergönnt, um die etwas über 500 Höhenmeter bis zur Passhöhe zu bewältigen. Vom ersten etwas langweiligen Eindruck der Passhöhe sollte man sich nicht täuschen lassen. Eine der größten Bunkeranlagen Südtirols erstreckt sich unter der Oberfläche. Heute befindet sich darin ein von Reinhold Messner gestaltetes Museum.
Die phantastische 1200-Höhenmeter-Abfahrt hinunter ins Etschtal geizt dann ebenfalls nicht mit wunderbaren Blicken über das fruchtbare Etschtal und die umgebende Bergwelt. Schroff und majestätisch ragen die Dolomiten im Hintergrund auf.
In Lana ist dann der Talgrund erreicht und die Fahrt zurück nach Bozen ist nicht nur wegen der Weinberge und Apfelplantagen, welche die kleinen Straßen säumen, ein wahrer Genuß.
Wenn man sich das erste Mal seit 10 Jahren mit einem aus den Augen verlorenen Freund zu einer Ausfahrt verabredet, sollte man es mit einer gewissen Vorsicht angehen lassen. Noch dazu, wenn dieser Freund einen damals zwei Mal beim Ötztaler Radmarathon abgehängt hat. Eine flache Runde wäre also angesagt, denn man weiß ja, wie das Bergauffahren sonst abläuft: Jeder beteuert, sich nur dem Tempo des anderen anzupassen und kaum mithalten zu können. Und ohne es zu wollen, mündet das ganze in ein Tempo, das dem Kampf um das Maglia rosa alle Ehren machen würde. Der von uns gewählte Anstieg vom Bozner Stadtgebiet hinauf nach Kohlern und weiter zum Gasthaus Schneiderwiesen ist also für so ein Wiedersehen denkbar ungeeignet: zwar landschaftlich wunderschön, panoramareich und verkehrsarm, mit einer Durchschnittssteigung jenseits der 10% aber so schwierig, dass das anregende Gespräch allzu sehr unter der eingegangenen Sauerstoffschuld leidet. Spätestens auf der sonnigen Terrasse des Gasthaus Schneiderwiesen können die Speicher dann aber aufgefüllt werden und das Gespräch bei wieder normalisierter Atemfrequenz fortgeführt werden.
Die Orientierung dieser Runde ist denkbar einfach. Aus dem Bozner Stadtgebiet geht es auf dem Eisacktal-Radweg flussaufwärts. Bei der Talstation der Kohlerer Bahn zweigt dann die Nordauffahrt nach Kohlern ab. Zunächst noch durch offenes, vom Weinbau geprägtes Gelände gewinnt die von Anfang an recht steile Straße rasch an Höhe. Schöne Ausblicke ins Eisacktal und auf sein Wahrzeichen, den Schlern, ergeben sich immer wieder. Weiter oben bewegt man sich dann vorwiegend im Wald. Darunter leiden zwar die Weitblicke, das wird durch den wohltuenden Schatten aber mehr als wett gemacht. Im kleinen Weiler Kohlern kann man kurz durchschnaufen, bevor die letzten 250 Höhenmeter in Angriff genommen werden. Wem die Aussicht noch nicht genügt hat, der kann hier noch – dem Schuhwerk zum Trotz – auf den etwas rechts der Straße gelegenen Aussichtsturm steigen.
Etwas nach Kohlern erreicht man dann eine Kreuzung, wo man auf die von Leifers heraufziehende Südauffahrt trifft. Bevor es diese hinunter geht, warten aber noch die 1,5 jetzt flacheren Kilometer auf der Stichstraße zum Gasthaus Schneiderwiesen. Die dortige Belohnung hat man sich trotz der erst 13 bezwungenen Kilometern redlich verdient.
Nach der Stärkung geht es auf der kurvigen und nicht minder steilen Südrampe hinunter ins Etschtal. Dieses wird gequert und am besten auf dem Radweg geht es zurück zum Ausgangspunkt.
Es muss nicht immer die perfekte Runde sein. So manche Stichstraße ist es wert, befahren zu werden auch wenn man am gleichen Weg wieder zurück muss. Die Fahrt ins langgestreckte Ultental ist ein gutes Beispiel dafür. Der untere Teil des Tales lässt sich zwar in eine Runde mit Gampenpass und Hofmahdjoch einbauen, aber speziell der wunderschöne obere Teil bleibt dann erst wieder links liegen und das wäre wirklich schade.
Das Ultental zieht von Lana in südwestlicher Richtung in die Ortler Alpen. Vom Parkplatz geht es fast unmittelbar bergauf und das bleibt auch für einige Kilometer so. Erst nachdem man die erste Talstufe überwunden und den Talgrund erreicht hat, wird es flacher.
Nach St. Pankraz, dem äußersten Ort des Ultentales, kommt man zur Kreuzung, wo die gut ausgebaute Straße auf das Hofmahdjoch abzweigt. In diesem Bereich gilt es auch einige Tunnels zu durchqueren. Diese sind zwar nicht übermäßig dunkel bzw. verkehrslastig, Radlichter geben aber doch ein gutes Gefühl. Insgesamt zahlt es sich aus, die Auffahrt so früh wie möglich zu starten. Der morgendliche Berufsverkehr zieht eindeutig talauswärts, und bis die Wanderer fertig gefrühstückt haben und bergwärts streben, sind wir schon längst oben.
St. Walburg und der Zoggler Stausee werden zurückgelassen und bald ist St. Gertraud, die hinterste Ortschaft, erreicht. Hier beginnt der schönste und auch anspruchsvollste Abschnitt des Anstiegs. Es wird rasch deutlich steiler. Für zwei bis drei Kilometer geht es kontinuierlich mit zweistelligen Prozentwerten bergauf. Links unterhalb der Straße liegen schöne alte Höfe und Almen und schön langsam erkennt man, wo es hingeht. Links voraus erkennt man die Straße, die zum Weißbrunner-Stausee führt. Hier ist unsere Bergwertung erreicht und ab hier gehört das Gelände den Wanderern und dem Weidevieh.
Für uns geht es auf dem gleichen Weg wieder zurück bis St. Walburg. Wer noch Kraft hat, kann jetzt doch noch einen kleinen Umweg einbauen, um zumindest einen Teil der Rückfahrt zu einer Runde auszubauen.
Wiederum recht steil verläuft ein kleines Sträßchen an der schön gelegenen Kirche St. Walburg vorbei die Südhänge des Ultentals hinauf. Rasch gewinnt man an Höhe und das Rauschen des Baches hallt vom weit unten gelegenen Talgrund herauf.
Bei der Weiterfahrt sollte man die Blicke von der Südtiroler Bergwelt lösen und wieder nach vorne richten. Denn fast genauso steil wie es herauf gegangen ist, geht es auch wieder hinunter nach St. Pankraz und von hier entlang des Anfahrtsweges zurück zum Ausgangspunkt.
Fällt die Rede auf Osttirol, denkt man zuerst an Bergsteigen, Schifahren und an das Mountainbiken. Als Rennraddestination fristet Osttirol eher noch ein Dornröschendasein. Dabei muss sich Osttirols Rennradtradition überhaupt nicht verstecken. Der Giro d’Italia war zu Gast, ebenso der Giro del Trentino bzw. dessen Nachfolger die Tour of the Alps, eine Österreich-Radrundfahrt ohne Osttirol ist fast nicht denkbar und mit Felix Gall hat Osttirol auch Österreichs bisher einzigen Straßenweltmeister im Talon (2015 Juniorenweltmeister in Richmond). Zeit also, bekannt zu machen, dass Osttirol auch für den ambitionierten Hobbycyclisten ein überaus lohnendes Ziel ist. Und das beweist nicht zuletzt diese Parade-Runde.
Vom Ausgangspunkt in Lienz geht es den netten Iseltal-Radweg in kaum merkbarer Steigung flussaufwärts. In St. Johann im Walde wird die Isel überquert, kurz darauf passiert man die Ruine der Kienburg und dann ist Huben und damit das Ende des flachen Einradelns auch schon erreicht.
Geradeaus ginge es weiter nach Matrei und zum Felbertauern, rechts hinauf käme man nach Kals und zur Kalser Glocknerstraße und links geht es hinein ins Defereggental und weiter auf den Staller Sattel. Hier wollen wir hin.
Über eine erste Steilstufe gelangt man in das Hochtal und kaum ist der Talgrund erreicht, nimmt die Steigung wieder merklich ab. Hopfgarten, der erste Ort im Defereggental, ist bald erreicht. Es folgen ab hier eher mühsamere Kilometer, denn einmal muss man durch eine Galerie, dann durch einen Tunnel – beide können nicht umfahren werden. Zumindest ein Rücklicht ist hier sicherlich kein Fehler und kann das Sicherheitsempfinden merklich steigern.
Wer voller Tatendrang mit seinen Kräften nicht zu sehr haushalten will, dem sei am Ende des Tunnels ein Abstecher in das schön über dem Talgrund gelegene St. Veit empfohlen. 15% erreicht die Steigung im oberen Bereich allerdings, nur um dann nach dem Ort wieder fast ebenso steil zurück hinunter zur Defereggental-Landesstraße zu fallen. Schöne Blicke über das Tal und die umliegende Bergwelt sind diesen kleinen Umweg aber sicherlich wert.
Über St. Jakob kommt man nach Erlsbach, wo schließlich der Talboden verlassen wird. Zunächst noch durch bewaldete Hänge, später dann im offenen Almgelände geht es höher, bis man schließlich kurz nach dem schönen Obersee den Staller Sattel und damit den höchsten Punkt des Tages erreicht.
Während die österreichische Seite relativ gut ausgebaut ist, fährt man in Italien auf einer sehr schmalen und einspurigen Straße weiter. Aus diesem Grund gibt es eine Ampelregelung, die die Talfahrt vom Pass jeweils zur vollen Stunde für 15 Minuten, bzw. die Bergfahrt vom Antholzer See jeweils zur halben Stunde für 15 Minuten freigibt. Da man die wunderbare, kurvige Abfahrt ohne Gegenverkehr eindeutig besser genießen kann, sollte man sich an diese Regelung halten.
Mit wunderbaren Blicken auf die 3000er der Rieserferner-Gruppe, die das Puster vom Zillertal trennen, kommt man hinunter zum idyllischen Antholzer See, wo sich auch das Zentrum des italienischen Biathlon-Sports befindet.
Auf der Hauptstraße geht es bei sanftem Gefälle talauswärts, bis man auf die Pustertaler Staatsstraße trifft. Diese Straße ist viel zu stark befahren, um auch nur ansatzweise Vergnügen zu bereiten, weshalb wir die hier vorgeschlagene Variante, die über verkehrsarme Seitenstraßen führt, nur wärmstens empfehlen können. Dabei gewinnt die gewählte Straße in einigen Serpentinen rasch an Höhe und im Nu ist ein Plateau mit traumhaften Ausblicken über das Pustertal und in die zum Greifen nahen Pragser und Sextener Dolomiten erreicht.
Die Hauptschwierigkeiten der Runde sind damit bewältigt, 65 Kilometer liegen aber noch vor uns. Zuerst geht es über Taisten wieder hinunter ins Pustertal, und ab Welsberg dann auf dem gut ausgeschilderten Radweg Richtung Osten. Toblach wird links liegengelassen, das nette Städtchen Innichen lädt allerdings definitiv zu einer Espressopause in einem der Cafés mit Blick auf die imposante romanische Stiftskirche ein.
Bald darauf ist die österreichische Grenze erreicht und während der Radweg auf italienischer Seite noch recht angenehm zu befahren ist, kann man das auf Osttiroler Seite an einem durchschnittlichen Feriennachmittag nicht behaupten. Nicht weil er so schlecht ausgebaut wäre, sondern weil er so beliebt ist und unzählige Gruppen und Familien das permanente Gefälle Richtung Lienz genießen. Dennoch ist es am Radweg, im Vergleich mit dem Verkehr auf der Bundesstraße, wesentlich angenehmer und man kann die Fahrt ja stressfrei dazu nützen, sich das Laktat aus den Beinen zu strampeln. Es gibt ja schließlich auch noch ein Morgen.
Knackige Tagestour durch und um die Sarntaler Alpen.
Man sollte sich genügend Zeit nehmen, wenn man diese ausgiebige Runde in Südtirol fahren möchte. Bereuen wird man es kaum, denn für Cyclistinnen und Cyclisten bietet diese selektive Ausfahrt alles, was das Herz begehrt.
Los geht es in Gasteig, einem kleinen Ort südwestlich von Sterzing. Ein Parkplatz befindet sich, gleich nachdem man den Ridnaunbach überquert hat, bei der Tourismusinformation. Von hier geht es ca 1,5 km zurück auf der Anfahrtsstraße bis zur deutlichen Abzweigung „Penser Joch“. Schon nach einigen hundert Metern erreicht man das Ende des Talbodens und die Straße beginnt – zunächst in gemächlicher Steigung – sich den Hang hinaufzuwinden.
Am Anfang der Passstraße passiert man die Burg Reifenstein. Sie gilt als besterhaltenste Burganlage Südtirols, da sie in ihrer Geschichte niemals erobert oder zerstört wurde. Herrliche Landschaft, spitzenmäßiger Asphalt, eine dezente Steigung und nicht allzu viel Verkehr machen die Nordauffahrt auf das Penser Joch zu einem wahren Wohlfühlpass. Die Anzahl seiner Kehren – gezählte viermal muss man einlenken – wirkt zwar nicht gerade furchteinflößend, doch darf der Anstieg nicht unterschätzt werden: immerhin sind auf ca. 14 Kilometern mehr als 1200 Höhenmeter zu absolvieren. In konstanter Steigung zieht sich die Straße kilometerlang dem Hang entlang, zunächst immer in Richtung Südosten, dann nach Südwesten. Sobald der Wald lichter wird, öffnet sich der Blick auf den Übergang und den noch recht weit entfernten Alpenrosenhof. Dort angekommen bietet sich erstmals ein beeindruckender Rundblick, zurück auf die Tribulaune, links und rechts auf die Sarntaler Alpen.
Die folgende Abfahrt geht über ca. 30 Kilometer nach Bozen. Nur am Anfang und am Ende ist sie steil, dazwischen wird es flacher und man muss teilweise ordentlich in die Pedale treten. Hier lässt sich auch abschätzen, wie anstrengend der weitere Tagesverlauf sein wird: Hat man Gegenwind, dann wird die Rückfahrt in Richtung Norden zum Jaufenpass vermutlich angenehm, bei Rückenwind kann es später zum Kurbeln werden.
Weil kurz vor Bozen die Straße durch eine Serie von Tunnel verläuft – nur der nördlichste hat eine Umfahrung – sollten unbedingt Radlichter mit dabei sein. Bei einer Tunnellänge von bis zu 600 Metern ist es ein gutes Gefühl, gesehen zu werden.
Kurz vor dem Ortsschild Bozen geht es von der Sarntaler Straße rechts weg in die Fagenstraße. Ihrem Verlauf folgt man nach Westen, kommt bald auf den Moritzinger Weg, lässt die Abzweigung nach Meran, die den Weg über die Schnellstraße anzeigt, links liegen und fährt vorbei an der formschönen St. Mauritius Kirche auf die Meraner Straße, die später Bozner, dann Römer Straße heißt.
Die Orientierung ist einfach und auch vor Meran wird der Weg vorbei an den Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Richtung „Passeier Tal“ „Jaufenpass“ oder „Pässe“ gewiesen.
Langsam macht sich bemerkbar, dass die 100km-Marke erreicht ist. Das wellige Auf-und- ab der SS 44 hinein ins Passeier Tal wird durch die anfangs eher mühsame Verkehrslage nicht angenehmer. Dennoch erreicht man überraschend schnell St- Leonhard in Passeier und solltehier zumindest einen Moment dem Tiroler Che Guevara, Anderl Hofer, gedenken. Er wurde am Sandhof, der heute ein Museum ist, 1810 geboren, führte die Tiroler in den Kampf gegen Napoleon und wurde später zum Volkshelden stilisiert.
St. Leonhard liegt direkt am Fuße des Jaufenpasses; von hier zweigt auch die Straße auf das Timmelsjoch ab, dem gefürchteten 30 Kilometer langen Schlussanstieg des Ötztaler Radmarathons. Für die 1400 Höhenmeter über den Jaufenpass sind „nur“ 20 Kilometer zu bewältigen. Die Steigung ist wirklich durchgehend fair, keine Vernichtungsrampen zwischendrin, dennoch braucht es nach der durchaus ausgiebigen Performance bis hierher schon noch einige Körner, um das Rad über den Berg zu wuchten.
Wie immer man diese letzte Hürde angeht, ob durch Versetzung in einen tranceartigen Zustand, durch eine Pause in St. Leonhard samt Nudelinfusion oder durch eine nette Unterhaltung mit den Kolleginnen und Kollegen, die von den langen Querfahrten ablenkt – es gibt keinen Weg zurück, der Blick ist nach vorne, besser: nach oben, zu richten.
Die Abfahrt ist unschwierig und führt direkt zurück zum Auto.
Insgesamt ist die Penser Joch-Jaufenpass-Runde einfach eine spitzenmäßige Tagestour mit hohem Suchtpotential für weitere Ausfahrten.
Für heute haben wir uns ein besonderes Schmankerl ausgesucht: den Kronplatz: 2008 und 2010 jeweils Etappenziel eines Giro-Bergzeitfahrens. Während die Kronplatzumrundung durchaus reizvoll und fahrenswert ist, kann man das von der gut fünf Kilometer langen grobschottrigen Sackstraße vom Furkelsattel auf den Kronplatzgipfel nur eingeschränkt behaupten. Doch dazu unten mehr.
Wir starten in Bruneck vom Schwimmbadparkplatz in der Neurauthstraße. Es geht zunächst über den Hauptplatz von Bruneck, den Graben, und dann die Reischacher Straße hinauf in den gleichnamigen Ort, immer den Kronplatz vor Augen, den wir allerdings von der anderen, der südlichen Seite in Angriff nehmen werden.
Nach kurzer Abfahrt erreicht man St.Martin und es geht die Westflanke des Kronplatzes entlang. Verkehrsfrei aber ständig ansteigend verläuft diese Straße hoch über dem Talgrund des Gadertales bis man bei Kilometer 22 auf die SP 43 trifft, die von St. Vigil hinauf zum Furkelsattel zieht. Immer wieder eröffnen sich schöne Blicke hinein ins Gadertal und ins Enneberger Tal sowie zu den die beiden Täler umrahmenden Dolomitengipfel.
Die Straße hinauf auf den Furkelsattel ist recht gut ausgebaut, trotzdem gibt es auch hier kaum Verkehr. Unterschätzen sollte man die fünf Kilometer allerdings nicht, da vor allem der Bereich rund um den Weiler Costamesana durchgehend deutlich über 10% steil ist.
Kurz nach einer Unterführung, einige hundert Meter vor der Passhöhe beim Hotel Ju Furcia zweigt sie dann links ab, die Gipfelstraße zum Kronplatz.
Die Eckdaten dieser knapp über fünft Kilomter langen Straße sind beeindruckend. Etwas über 500 Höhenmeter sind zurückzulegen, Durchschnittssteigung über 10% trotz eines Flachstückes vor dem berüchtigten Schlusskilometer. Schon im unteren Bereich werden 20% Steigung erreicht, am letzten Kilometer sogar bis 24%. So weit so gut, wäre da nicht noch der grauenhafte Zustand der Straße. Für den Giro wurde die Straße jeweils speziell hergerichtet und „fahrbar“ gemacht, seit 2010 ist hier aber sicher nichts mehr passiert. Selbst mit einem Mountainbike täte man sich schwer, für ein Rennrad ist diese Straße aber praktisch unfahrbar und im steilsten Bereich am letzten Kilometer wird geschoben, auch wenn einen Radidole und Girosieger der Vergangeneheit, von Alfredo Binda über Fausto Coppi bis hin zu Marco Pantani, von übergroßen Gedenktafeln in den Serpentinen auszulachen scheinen.
Auch wenn ein 360° Panorama mit schönen Blicken in die Dolomiten und die Zillertaler Alpen etwas entschädigt, muss man die Sinnhaftigkeit dieses Anstieges für Rennradfahrer schon in Frage stellen und die Runde hat auch ohne den Gipfel genug zu bieten.
Auf der Nordseite des Furkelsattels wartet eine rasante Abfahrt und über Mitter- und Niederolang kommt man zum Radweg, der der Rienz entlang nach Bruneck bis zum Ausgangspunkt führt. Auch dieser Radweg ist zwar nicht durchgehend asphaltiert, aber immer noch angenehmer zu befahren als die stark befahrene Pustertaler Staatsstraße.
Fazit: Nicht alles, was eine Giro-Bergankunft ist, muss auch Sinn machen. Solange die Schotterstraße nur für den Giro fahrbar gemacht wird, und ansonsten im vorgefundenen schlechten Zustand bleibt, sollte man sich eine Auffahrt mit dem Straßenrad zweimal überlegen.
Doch auch die Kronplatzumrundung ohne Gipfelbezwingung ist eine sehr lohnende Runde.
Wann ist die beste Jahreszeit für Rennradtouren in den Dolomiten? Der Sommer hat den Vorteil der angenehmen Temperaturen. Immerhin befinden wir uns im Hochgebirge und auch diese Tour schraubt sich auf beachtliche 2320 Meter Seehöhe, da ist auch im Sommer eine Jacke für die Abfahrt kein Fehler. Frühling und Herbst wiederum haben den Vorteil, dass man die zur Hauptsaison gnadenlos überfüllten Strassen praktisch für sich alleine hat und vier- und zweirädrige motorisierte Ausflügler noch nicht oder nicht mehr anzutreffen sind. Wir haben uns für zweiteres entschieden und nehmen an einem wunderschönen aber doch schon recht kalten Allerseelen-Tag diese einzigartige Runde in Angriff mit der „Superstrada Panoramica“ auf die Auronzo-Hütte als Höhepunkt.
Wir starten in Innichen. Ein guter Ausgangspunkt ist der große öffentliche Parkplatz West in der Via Pizach. Das Zentrum von Innichen lassen wir links liegen und damit auch die beeindruckende Stiftskirche, ihres Zeichens einer der wichtigsten romanischen Sakralbauten des Ostalpenraumens. Wer also nach der Tour noch Muse verspürt oder ein paar Tage hier ist, der sollte dieser Kirche ruhig einen Besuch abstatten. Etwas Kultur und ein kurzes Stoßgebet haben noch keinem geschadet.
Auf teilweise noch reifbedeckten Straßen geht es hinein ins Sextental und von Anfang an zeigt die Runde, was sie kann. Nicht in puncto Schwierigkeit, die hält sich zu Beginn der Runde noch in Grenzen, sondern vielmehr was landschaftliche Schönheit betrifft. Unter der majestätischen Dreischusterspitze vorbei geht es nach Sexten und Moos, wo uns wunderschöne Blicke hinein ins Fischleintal erwarten. Das inoffizielle Wahrzeichen Sextens, die Sextener Sonnenuhr, bildet den atemberaubenden Talabschluss des Fischleintales. Die fünf Gipfel Neuner (2582 m), Zehner (Sextner Rotwand, 2965 m), Elfer (3092 m), Zwölfer (3094 m) und Einser (2698 m) bilden diese einzigartige Bergsonnenuhr. Und angesichts der angenehmen Steigung, die nach Moos zwar etwas zulegt aber immer im moderaten Bereich bleibt, haben wir auch genug Gelegenheit, das Panorama zu genießen.
Die Passhöhe des Kreuzbergpasses, der die Grenze zwischen den Regionen Südtirol und Veneto bildet, ist bald darauf erreicht, und es folgt eine zehn Kilometer lange Abfahrt hinunter nach Padola, dem ersten Ort auf venezianischem Boden. Hier verlassen wir die SS52, fahren durch den kleinen netten Ort, in dem bereits die nächste Steigung beginnt.
Nicht allzu lang und nicht allzu schwer ist diese Auffahrt von Norden auf den Passo San Antonio, lediglich 280 Höhenmeter auf den nächsten vier Kilometern gilt es zu überwinden. Deutlich anspruchsvoller ist da schon die Südseite, aber die geht es in unserem Fall ja hinunter. Mittlerweile hat die Spätherbst-Sonne auch so weit an Kraft zugelegt, dass die Abfahrt hinunter nach Auronzo di Cadore sogar richtig Spass macht, ohne uns vollkommen auszufrieren. Das Cadore-Tal ist übrigens auch als das Tal der Gelatieri bekannt. Von hier stammt nämlich angeblich die Mehrheit der italienischen Eisdielen-Besitzer in Deutschland und Österreich. So warm, dass wir uns von der Kunst der Zurückgebliebenen ein Bild machen wollen, ist es aber doch wieder nicht, und so verzichten wir aufs Gelato und lassen Auronzo und den Stausee Santa Caterina hinter uns und fahren talein ins Val d’Ansiei.
In ganz moderater Steigung fahren wir auf der im Sommer hochfrequentierten, jetzt im Herbst aber praktisch verkehrsfreien SR48 durch eine herrliche Berglandschaft. Die Cadini-Gruppe zur rechten und die mächtigen Massive von Marmarole und Sorapis zur linken führt uns die Straße hinauf auf den Col Sant’ Angelo. Ein Großteil dieses Anstieges ist relativ flach und erst, nachdem die Straße eine weitgezogene Kurve nach Norden gemacht hat, wird es für die letzten Kilometer doch noch spürbar steiler. Kurz vor dem höchsten Punkt folgt man nicht der SR48 Richtung Passo Monte Croce und Cortina, sondern hält sich gerade aus Richtung Misurina und Dobbiaco und erreicht bald den Misurina-See, der sich fast unmittelbar auf der Passhöhe befindet.
Zumindest hier heroben in dem beliebten Ausflugsziel treffen wir einige Ausflügler und gemeinsam mit den anderen Touristen verschwinden wir in einem kleinen Laden, um uns noch einmal vor den noch zu erwartenden Strapazen zu stärken.
Kurz nach dem nördlichen Seeende zweigt sie dann ab, die „Superstrada panoramica“ auf die Auronzo-Hütte, wie uns der Wegweiser bei der Abzweigung verkündet. Und das nicht zu Unrecht. Wunderbare Blicke eröffnen sich vor allem nach Süden und Westen auf Sorapis und das Cristallo-Massiv. Aber auch die vor uns aufragenden Drei Zinnen ziehen die Blicke magisch an, obwohl man eigentlich nur zwei, die Große und die Westliche Zinne zu Gesicht bekommt, da sich die Kleine etwas ängstlich hinter der Großen Zinne versteckt. Diese herrliche Straße ist nicht nur landschaftlich wunderschön und sehr panoramareich, sie ist auch alles andere als einfach. Sie ist schließlich die am höchsten hinaufführende Asphaltstraße der Dolomiten und noch dazu wesentlich schwieriger und steiler, als man es sonst von den Dolomiten gewohnt ist.
Gut 600 Höhenmeter gilt es auf sieben Kilometern zu überwinden und das trotz eines gut 1,5 Kilometer langen flachen bzw. sogar leicht bergab führenden Stückes. Auf den letzten vier Kilometern hält sich die Steigung konstant im zweistelligen Bereich und so verwundert es auch nicht, dass die Auronzo-Hütte schon fünf Mal Etappenziel beim Giro war, das letzte Mal 2007 allerdings mit zwei zwielichtigen Gesellen auf den ersten beiden Plätzen.
Und wenn die Hütte auch nicht am Fuss der berüchtigten Zinnen-Nordwände sondern „nur“ an deren Südseite liegt, so hat das zumindest den Vorteil, dass wir auch im November noch am Nachmittag in der Sonne sitzen, obwohl die Hütte leider nur in der Hauptsaison geöffnet hat.
Eine allzu lange Pause gönnen wir uns dann aber doch nicht, da es zurück nach Innichen noch ein recht ordentliches Stück ist. Große Orientierungsschwierigkeiten gibt es nicht mehr. Es geht zunächst bergab hinunter nach Schluderbach, wo wir an der SS51 rechts abbiegen, und von hier weiter das wunderschöne Höhlensteintal hinaus nach Toblach. Kurz nach dem idyllischen Dürrensee sollte man dann doch noch einmal den Blick vom Hinterrad des Vordermannes heben. Der Blick nach rechts-zurück auf die berühmten Zinnen-Nordwände ist atemberaubend, aber auch der hinter uns liegende Monte Cristallo mit seiner charakteristischen Scharte hat es in sich. Dermaßen beflügelt von der landschaftlichen Schönheit ist Toblach bald erreicht und auf dem Pustertaler Radweg geht es die letzten Kilometer zurück nach Innichen.