Der Brennerpass ist als Transitroute bekannt. Dass dieses Gebiet auch idyllische Rennradstrecken bietet, zeigen wir mit dieser Runde ins wilde Geschnitztal!
Die Tour kann in Innsbruck begonnen werden oder, wenn man es etwas kürzer mag, in Matrei am Brenner. Bei einem Start in Innsbruck ist der besondere Reiz, dass man in der Tiroler Landeshauptstadt und damit im urbanen Zentrum Tirols beginnt und von dort aus bis in die hochgelegene Almregion der Stubaier Alpen vordringt.
Dazu sind einige Höhenmeter zu überwinden und dies beginnt gleich zu Beginn. Die Straße hinauf nach Igls und weiter nach Patsch fordert unmittelbar Bergfahrerqualitäten und endlich oben angekommen eröffnen sich erste Blicke in das Stubaital mir seiner beeindruckenden Gletscherwelt rund um Serles, Habicht, Zuckerhüttl und Wilder Freiger.
Weiter geht es kurvig und wellig auf der alten Römerstraße in Richtung Staatsgrenze. Man passiert das Arztal, an dessen Ende am so genannten „Geschriebenen Stein“ etruskische Inschriften zu finden sind. Sie zeugen davon, dass der Brennerpass seit langer Zeit als Verbindung zwischen Nord und Süd genutzt wird. Auf einer dieser historischen Verbindungen rollt man bis knapp vor Matrei und zweigt dann bei einer unscheinbaren Kreuzung auf eine noch kleinere Straße ab. Matrei wird rechts liegen gelassen und es folgt eine kurze Rampe hinauf zum Eingang des Navistals gefolgt von einer ziemlich steilen Abfahrt wieder hinunter in das Wipptal. Die folgenden Kilometer führen landschaftlich reizvoll über Wiesen und entlang von Waldrändern bis in Steinach die Abzweigung in das Gschnitztal erreicht wird.
Dieses Seitental zum Wipptal ist touristisch wenig genutzt hat sich seine Ursprünglichkeit weitgehend bewahren können. Entlang des Gschnitzbachs verläuft die Tour immer weiter hinein in die schroffe Bergwelt des Alpenhauptkamms. Vor allem auf der Nordseite werden die Bergflanken immer steiler und steilen bald zu felsigen Wänden auf. Herunten im Tal schlängelt sich die kleine Straße stattdessen durch blütenreiche, anmoorige Wiesen. Immer wieder passiert man trutzburgenartige Berghöfe, die gefühlt schon seit jeher hier stehen. Nach etlichen Kilometern ist dann bei einem Parkplatz das Ende für den motorisierten Verkehr erreicht. Für Bergziegen am Rad beginnt hingegen erst der wahre Genuss. Das kleine asphaltierte Almsträßchen hinauf zur Laponesalm kann ohne weiteres als Radjuwel bezeichnet werden. Mit jedem Tritt und jeder Kurve dringt man tiefer in die Bergwelt ein und bei einem Erfrischungsgetränk auf der bewirtschafteten Alm kann man die herrliche Natur in vollen Zügen genießen.
Die Rückfahrt nach Innsbruck verläuft nun weniger verschnörkelt und wählt dementsprechend einen direkteren Verlauf. Auf der Hauptstraße des Gschnitztals geht es zunächst zurück nach Steinacht, dann kurz auf schottrigem Untergrund entlang der Sill. Ab Matrei dient die Brennerbundesstraße als Weg. Sie weist zwar etwas mehr Verkehr auf, dafür kommt man zügig voran. Im Angesicht der Nordkette werden die letzten Kilometer über ein paar lange Geraden und einigen Kehren absolviert, bis die Berg Isel-Skisprungschanze und damit Innsbruck wieder erreicht ist.
Der Tschirgant, Hausberg von Imst, ist von Westen aus gesehen eine formschöne Pyramide. Bekannt ist der Berg wegen eines massiven Bergsturzes vor rund 3.000 Jahren. Bis weit ins Ötztal hinein wurden damals Gesteinsbrocken geschleudert. Bei dieser Tour wird der Tschirgant umrundet, soweit möglich auf kleinen Straßen.
Los geht es beim großen Parkplatz unterhalb der Wallfahrtkirche Maria Locherboden bei Mötz. Man bleibt auf der nördlichen Innseite, durchfährt das Ortszentrum von Mötz und bleibt auf den kleinen Straßen, die die Felder durchziehen.
Wenn es im Folgenden immer an den Südhängen des Tschirgant entlang geht, wird die Autbahn mehrmals gekreuzt. Immer befindet man sich aber auf kleinen Straßen, auf denen es fast kein Autoverkehr gibt.
Auf Höhe Eingang Ötztal ändert sich die Vegetation, weil auf den kargen Böden des Bergsturzes vorwiegend Föhren wachsen. Da können schonmal italienische Gefühle aufkommen.
Bei Roppen wird die Landesstraße praktisch nur gestreift, denn bei Trankhütte beginnt ein ausgesprochen reizvolles Sträßchen nach Karres. Der Beginn ist zwar ordentlich steil, doch schon bald wird eine Mittelgebirgsterrasse erreicht und es wird flacher. Am höchsten Punkt eröffnen sich Ausblicke ins Pitztal sowie ins Tiroler Oberland und nicht nur weil man sich am Jakobsweg befindet, kommen positive Gefühle auf.
Der einfachste und schnellste Weg von Imst nach Nassereith ist dann die B189, jedoch ist hier auch ein hohes Verkehrsaufkommen hinzunehmen. Die hier vorgeschlagenen Wege sind dagegen verkehrsarm, allerdings nicht zu empfehlen für diejenigen, die gerne den direkten Weg zwischen A und B nehmen. Denn in etlichen Kurven und mit einigen Haken durchkreuzt man die Felder links und rechts des Gurglbachs. Günstig ist es sicherlich, hier ein GPS-Gerät zu verwenden, weil einige anfangs noch asphaltierte Wege in Schotterpassagen münden.
Nach Tarrenz in Dollinger ist die Detour aber mangels asphaltierter Nebenstraßen vorbei. Bis Nassereith muss die B189 entlanggebrettert werden, das sind jedoch nur einige wenige Kilometer.
Auch zum viel befahrenen Holzleitensattel gibt es eine überaus reizvolle Alternative. Von Dormitz führt den Rossbachs entlang ein schmales Asphaltsträßchen in Richtung Mieminger Plateau. Zunächst ist die Steigung fair, doch folgen hinauf nach Aschland zünftige Rampen. Während drüben auf der B189 der Verkehr brummt, herrscht auf dem schmalen Asphaltbändchen, das sich durch die Blumenwiesen windet, Ruhe und Idylle.
Die restliche Strecke bis zurück zum Ausgangspunkt verläuft dann doch über die B 189. Das ist aber deshalb eher unproblematisch, weil es fast nur bergab geht und daher der Verkehr weniger lästig ist. In wenigen Minuten erreicht man Obsteig und dann geht es nur noch hinab nach Maria Locherboden.
Auch zu hecktischen Tageszeiten stellt der Radweg am Inn eine entspannte Verkehrsader dar. Sicher: Tempobolzen ist hier nicht möglich. Für diese Runde macht es aber nichts aus, wenn die ersten Kilometer etwas gemütlicher zurückgelegt werden, weil es ohnehin noch genügend Möglichkeiten zum Auspowern gibt.
Vom Baggersee in der Rossau folgt man dem Radweg meist direkt am Inn bis Hall, bis der Fluss auf einem Holzsteg überquert wird. Hier ist der Radweg nun zwischen Autobahn und Inn eingeklemmt, dennoch verläuft er wegen der trennenden Lärmschutzwand und der dichten Uferböschung recht idyllisch über die Felder. Aufgepasst, man darf nicht die kleine Unterführung übersehen, die unter der Autobahn durch nach Volders führt. Über Feldwege gelangt man in die Kristallstatt Wattens und wenn der Blick nach Süden geht, eröffnet sich bereits der Taleinschnitt der Wattener Lizum.
Dass nun die Einrollphase vorbei ist, wird einem schon auf den ersten Meter der Straße, die zum rund zwölf Kilometer entfernten Talschluss führt, klar: Nach zwei steilen Aufschwüngen kommt die erste Kehre und die Steigung wird fairer. Dennoch bleibt sie konstant hoch, weil weitere Kehren Fehlanzeige sind. Der gesamte restliche Anstieg zieht durchwegs dem Hang entlang taleinwärts, etliche Abschnitte um und über 10% steil.
Kurz vor dem Gasthof Säge wird es vorübergehend flacher bis die Abzweigung zum Gasthof Mühle erreicht wird, die bei der Rückfahrt zu nehmen sein wird. Doch davor gilt es, die Lizum zu bezwingen und dafür müssen die folgenden recht konstant steilen Kilometer absolviert werden. Unten rauscht der Wattenbach, von der Seite stürzen in regelmäßigen Abständen Gebirgsbächlein talwärts nur selbst muss man sich gegen die Schwerkraft stemmen. Nach etlichen Rampen und Aufschwüngen ist es aber soweit: Kurz vor dem Alpengasthof Haneburger wird es wieder flacher und mit kräftigen Tritten ist schnell das Lager Walchen, ein Truppenübungsplatz des Österreichischen Bundesheers erreicht.
Zurück bei besagter Kreuzung führt die Tour hinunter zum Wattenbach und vorbei am Gasthof Mühle. Es folgt eine Schotterpassage, die aber relativ unproblematisch ist. Erstens ist sie nur ca. einen Kilometer lang, zweitens ist der Untergrund auch für Rennräder gut befahrbar und drittens ist die gesamte Wegstrecke flach. Aus dem Wald heraus gelangt man zum Vögelsberg und am Horizont erstreckt sich das charakteristische Panorama des Karwendels.
Über steile Bergmähder schlängelt sich die kleine Bergstraße in Richtung Inntal hinab. In Volders angelangt ist der Abfahrtsspaß aber schon wieder vorbei, denn bei ersten Gelegenheit geht es links ab auf die Kleinvolderbergstraße. Die ersten Wiegetritte und ein leichtes Brennen in den Oberschenkeln zeigen an, dass der nächste Anstieg in Angriff genommen wird. Jeden einzelnen Höhenmeter möchte man aber nicht missen, weil dieses versteckte Sträßchen Rennradgenuss pur bietet.
Nach den ersten Metern wird das wenig bekannte aber beeindruckenden Schloss Friedberg passiert, dann folgt eine Waldpassage, bis die freien Wiesen hoch über dem Inntal den Blick auf Innsbruck und die Nordkette freigeben. Nach dem letzten Bergbauernhof geht es stets in ansprechender Steigung weiter bergwärts, bis bei einer Abzweigung der Weg geradeaus als Sackgasse ausgewiesen ist und man sich rechts hält. Die letzten Meter aufwärts sind schnell absolviert und fast unbewusst überfährt man den Scheitelpunkt, ab dem es hinunter nach Tulfes geht. Die wenig befahrene Mittelgebirgsstraße führt wellig wieder zurück nach Innsbruck.
Kurz vor Innsbruck passiert man das Schloss Ambras, eines der wenigen Renaissanceschlösser nördlich der Alpen, mit seinem zum Verweilen einladenden Park. Hier empfiehlt es sich, eine Abkürzung über den steilen Bichlweg zu nehmen, weil man so auf wenig verkehrsträchtigen Wegen zurück zum Ausgangspunkt am Baggersee gelangt.
Bergstraßen, Schlösser, Almwiesen – diese Runde ist ein wahrer Innsbrucker Cyclassic!
Ja, sie ist immer noch ein Erlebnis die Kaunertaler Gletscherstraße, wenngleich ein Erlebnis mit mahnendem Beigeschmack. Noch zu meiner Studentenzeit – und solange liegt das jetzt auch wieder nicht zurück – hat sich der Gepatschferner deutlich mächtiger zu Tale gewälzt und an eine Schibefahrung der Weißseespitze-Nordwand, wie sie damals regelmäßig den alpinen Abschluss einer Schitourensaison bildete, ist mittlerweile im Frühsommer nicht mehr zu denken. Bei all der Dramatik des hier anhand des rasanten Gletscherschwundes demonstrierten Klimawandels soll aber doch noch Platz für Erlebnisse und Lebensfreude sein. Und so bietet diese Auffahrt auf der zweithöchsten asphaltierten Straße Österreichs und fünfthöchsten der Alpen nach wie vor ein unvergessliches Rennrad-Erlebnis.
Ausgangspunkt ist Prutz im Oberen Gericht, dem obersten Abschnitt des Inntals in Österreich. Bevor es aber in das hier bei Prutz in das Inntal mündende Kaunertal geht, steht noch ein Umweg über die Piller Höhe am Programm. Dass damit auch fast 700 Extrahöhenmeter zu bezwingen sind, sollte man nicht ganz außer Acht lassen, es sind schließlich nicht die letzten des Tages.
Zunächst geht es aber dem Inn entlang talaus und da heute ohnehin geduldiges Pedalieren den Tag bestimmt, nutzt man hierfür am besten den Radweg, auch wenn dabei ein kurzes Stück Schotter in Kauf zu nehmen ist.
Nach etwa sieben Kilometern verlässt man dann das Inntal und in noch moderater Steigung geht es über einige Serpentinen hinauf nach Fließ. Dann ist aber Schluss mit lustig, denn schon im Ort nimmt die Steigung auf der von uns gewählten alten Piller Straße rasant zu, um in den steilsten Bereichen 20% zu erreichen. Wer es sanfter angehen will, wählt besser die deutlich flachere, neue Piller Straße. Bezüglich des Verkehrs macht das keinen großen Unterschied, der ist auf beiden Varianten äußerst gering.
Nach Einmündung der alten in die neue Straße fehlen dann noch zwei Kilometer bis zum höchsten Punkt. Auf der Passhöhe befindet sich ein prähistorischer Brandopferplatz, der von der Bronzezeit bis in die späte Römerzeit Verwendung fand. Hingewiesen wird man auf dieses alpine Heiligtum durch eine Installation aus Eisen, die eine lebensgroße 20-köpfige Opferprozession darstellt. Das Original, dem diese Installation nachgebildet wurde, befindet sich auf einem Kupfereimer aus dem siebten Jahrhundert vor Christus.
Befindet sich der höchste Punkt der Straße noch im Wald, wird einem gleich darauf klar, warum die Piller Höhe für sein Panorama, seinen Gachen Blick, bekannt ist. Sowohl von der Aussichtsplattform am Gachen Blick als auch während der nun folgenden Abfahrt hat man einen überwältigenden Blick übers Inntal bis ins Engadin, sowie hinein ins Kaunertal, wohin es auch für uns nun geht.
Ist der Talboden des Kaunertals erreicht, folgt bald ein erstes kurzes Steilstück, bevor man mit großem Kettenblatt durch Feichten und vorbei an der Mautstelle rasch vorankommt. Ein weiterer steilerer Abschnitt führt über einige Serpentinen östlich der steinernen Staumauer hinauf zur Dammkrone des Gepatschspeichers. Entlang dieses sechs Kilometer langen Stausees geht es nun wieder flach talein und bald darauf nähert man sich dann auch dem Talschluss.
Der Anstieg ist hier aber längst noch nicht geschafft, gut 800 Höhenmeter fehlen nämlich immer noch. In zahlreichen Serpentinen schlängelt sich die Straße durch steile Almwiesen und verstreute Zirbenwäldchen, bevor dann immer mehr Fels und Eis die Oberhand gewinnen.
Nach 35 Kilometern Anstieg erreicht man schließlich das Ende der Straße am Rand des Weißseeferners am Fuße der sich über uns auftürmenden Weißseespitze. Obwohl doch zahlreiche Rad-, Motorrad- und Autofahrer das gleiche Ziel gewählt haben, lässt das beinahe leere Selbstbedienungsrestaurant den Trubel der noch fernen Wintersaison nur erahnen.
Damit liegen auch alle Schwierigkeiten hinter uns, denn zurück zum Ausgangspunkt geht es nur noch das Kaunertal hinaus bergab.
Es gibt wohl kaum einen Tiroler, der kein Mountainbike sein Eigen nennt. Zugegeben, zum Biken gibt es in Tirol doch erheblich mehr Möglichkeiten, doch auch für uns Straßenfahrer gibt es im Tiroler Unterland abseits der bekannten Anstiege wie Kitzbüheler Horn und Zillertaler Höhenstraße ein nicht zu unterschätzendes Potential. Und wenn es einmal nicht hoch hinaus gehen soll, drängt sich diese schöne Runde im Inntal förmlich auf.
Ausgangspunkt ist das Städtchen Rattenberg, das nicht nur die flächenmäßig kleinste Gemeinde Österreichs sondern mit etwas über 400 Einwohnern auch die kleinste Stadtgemeinde des Landes ist. Somit ist Rattenberg rasch durchquert. Nach absolvierter Runde sollte man dem Städtchen aber unbedingt einen zweiten Besuch abstatten, denn der mittelalterliche Stadtkern lädt geradezu zum Flanieren und Verweilen ein.
Entlang einer kaum befahrenen Bahnbegleitstraße geht es flussabwärts, bevor man bei Kundl den Inn überquert und ein erster sanfter Anstieg folgt. Von Breitenbach geht es hinauf nach Angerberg, das panoramareich auf einem Mittelgebirgsrücken über dem Inntal thront.
Es folgt eine kurze Abfahrt, bevor bei Angath der Inn neuerlich überquert wird. Der nächste kurze Anstieg bringt uns hinauf auf ein Hochplateau mit den Orten Bad Häring und Schwoich. Die ruhigen Kilometer hier heroben sollte man genießen, denn es folgen mit einem Abschnitt auf der Eiberg-Bundesstraße, der Stadtdurchfahrt von Kufstein und der darauffolgenden Rückfahrt im Inntal gut zehn Kilometer, wo man mit etwas mehr Verkehr rechnen muss.
Ab Unterlangkampfen folgen dann aber wieder kleine Straßen, die wir weitgehend für uns haben. Und das, soviel kann man verraten, bleibt auch bis zum Ende der Runde so.
Vorbei an der imposanten Burg und Wallfahrtskirche von Mariastein verläuft ein wahres Traumsträßchen am Fuß der steil über uns aufragenden Brandenberger Alpen. Etwa in Höhe von Mariastein befindet sich mit dem Hundsjoch der höchste Punkt dieses Gebirgskammes und nur wenig unterhalb dieses Gipfels versteckt sich mit der Hundalm Eishöhle die einzige öffentliche zugängliche Eishöhle Tirols.
Um diese Höhle besichtigen zu können, ist allerdings eine 900 Höhenmeter Wanderung notwendig, die wir uns dann doch nicht zumuten – selbstverständlich nur, um die Cleats unserer Schuhe zu schonen.
Stattdessen lassen wir die Runde ruhig ausklingen, passieren den Reintaler See, den größten der fünf hier aufgereiht liegenden Badeseen und erreichen bald darauf wieder das Inntal und unseren Ausgangsort Rattenberg.
Wie oft hört man, dass Tirol dem Rennradfahrer außer Verkehr nicht viel zu bieten hat. Und für einen nicht unerheblichen Teil des Tiroler Straßennetzes mag das auch stimmen. Doch wenn man etwas genauer hinschaut, dann entdeckt man die von uns geliebten kleinen, kaum befahrenen Straßen auch in Tirol. Vielleicht etwas spärlicher und mühsamer zu finden als in anderen Regionen, aber doch so gesät, dass sich daraus schöne Rennrad-Runden formen lassen. In diesem Fall kommt eine wunderschöne und ruhige Runde im Kaiserwinkl hart an der Bayerischen Grenze heraus, die die übermächtig erscheinenden Bundesstraßen fast vollständig vermeidet.
Der Kaiserwinkl ist ein touristisch gut erschlossenes Tal, das vom Inntal bei Kufstein ostwärts bis ins Bayerische Reit im Winkl verläuft. Zwischen den Chiemgauer Alpen im Norden und dem Kaisergebirge im Süden verlaufen durch diese sanfte, bäuerlich geprägte Landschaft etliche kleine und kaum befahrene Sträßchen, die Ziel dieser Runde sind.
Gestartet wird in Ebbs, dem tiefstgelegenen Ort Tirols. Vom Parkplatz beim Freizeitzentrum geht es mehr oder weniger flach nach Niederndorf, wo dann bereits der Hauptanstieg des Tages wartet.
Der Niederndorferberg ist ein Höhenzug an der Bayerisch-Tirolerischen Grenze. Steil zieht die Straße zu den verstreuten Siedlungen und Höfen hinauf und bis zum höchsten Punkt gilt es immerhin 500 Höhenmeter zu überwinden. Kaum oben angekommen, geht es auch schon wieder hinunter zur Wildbichler Straße und hügelig weiter nach Rettenschöss.
Bald danach rollt man durch die Schwemm, Nordtirols größte erhaltene Moorlandschaft. Mittlerweile ist man stolz auf dieses Naturschutzgebiet und weiß es auch touristisch zu nutzen, allzu lange ist es allerdings nicht her, dass heftige Diskussionen an den Plänen vermeintlich findiger Touristiker entbrannten, deren Ziel es war, dieses Moorgebiet trocken zu legen und durch einen Golfplatz zu ersetzen.
Bei Walchsee muss man für zwei Kilometer auf die Bundesstraße, dann geht es allerdings wieder auf wunderschönen kleine Wegen und Straßen nach Kössen. Nach der Ortsdurchquerung von Kössen folgt ein weiterer Anstieg, der Moserberg. Aufgrund der wunderbaren Blicke über den Kössener Kessel und das Kaisergebirge mit seinen beiden Ketten, dem Wilden- und dem Zahmen Kaiser, verwundert es nicht, dass sich den Traum vom Eigenheim hier an diesen wunderschönen Sonnenhängen immer mehr Kössener verwirklichen.
Der Anstieg ist rasch erklommen und nach einer schnellen Abfahrt erreicht man kurz darauf den östlichen Wendepunkt der Runde. Unmittelbar vor der Grenze zu Bayern biegt man rechts auf die B172 ab, auf der es weiterhin bergab zurück nach Kössen geht.
Noch bevor man den Ort erreicht, verlässt man die Bundesstraße und die noch ausstehenden gut 20 Kilometer laden zum Genießen ein. Verkehr ist nur während einer kurzen Fahrt auf der Bundesstraße bei Durchholzen anzutreffen, ansonsten schlängeln sich die schmalen aber durchwegs asphaltierten Straßen von Hof zu Hof. Immer wieder ergeben sich schöne Blicke über den Kaiserwinkl, seine ihn umgebende Bergwelt und natürlich den Walchsee, an dessen Südufer unsere Route vorbeizieht.
Nach einer letzten, nicht allzu langen, dafür aber recht steilen Steigung hinauf nach Buchberg erreicht man einen Aussichtspunkt der Extraklasse. Der wunderbare Blick über das unter uns liegende Inntal, von Kufstein bis weit hinaus in die Bayerische Ebene, lädt zu einer kurzen Pause ein, bevor es dann nur noch bergab hinunter nach Ebbs geht.
“Kaum ein anderer Radmarathon in Europa kann auf eine so lange Geschichte wie die Dolomitenradrundfahrt verweisen, und kaum eine andere Touristik-Fahrt versprüht mehr Flair.” Das ist der Homepage dieser heuer bereits zum 30. Mal ausgetragenen Traditionsveranstaltung zu entnehmen. Grund genug für uns, diese phantastische Runde näher zu begutachten. Resümee: am besten gleich noch einmal!
Im Gegensatz zur klassischen Dolomitenradrundfahrt beschreiben wir die Runde entgegen dem Uhrzeigersinn, und im Gegensatz zur klassischen Runde nehmen wir die großartige Pustertaler Höhenstraße gleich dazu. Dadurch erschwert sich die Runde nicht nur um einige Kilometer, sondern vor allem um fast 1500 Höhenmeter. Das kann ja heiter werden!
Der Vorteil, wenn man die Runde entgegen dem Uhrzeigersinn fährt, ist, dass man sich die Hauptschwierigkeiten nicht bis zum Schluss aufhebt. Die Nachteile: Die Schwierigkeiten kommen gleich zu Beginn und allein auf der Pustertaler Höhenstraße sind in Ost-West Richtung 500 Höhenmeter mehr zu absolvieren als in der Gegenrichtung.
Nach nur wenigen Kilometern Einradeln zieht ab Leisach die Pustertaler Höhenstraße gnadenlos nach oben. Und eines wird einem schnell klar: steil ist geil. Das dürften sich zumindest die Straßenbauer gedacht haben, denn in den einstelligen Bereich fällt die Steigung fast nie.
In drei Anstiegen führt die Straße hoch über dem Talgrund von Leisach nach Abfaltersbach. Alle drei Anstiege zeichnen sich durch ihre Homogenität aus, homogen steil. Und als ob das noch nicht reicht, nehmen wir einen vierten Anstieg nach Heinfels gleich noch mit. Dieser gehört zwar offiziell nicht mehr zur Höhenstraße, aber was solls. 300 Höhenmeter mehr oder weniger sind jetzt auch schon egal.
Noch nicht einmal ein Drittel der Runde ist absolviert und man fragt sich, was jetzt nach dieser grandiosen Panoramastraße noch kommen soll. Doch keine Sorge, es gibt noch mehr zu bieten.
Nicht umsonst gilt das Lesachtal als eines der schönsten und naturbelassensten Täler Österreichs. Und dieses traumhafte Tal zwischen Osttiroler Dolomiten und Karnischem Hauptkamm geht es nun, nachdem noch einmal 500 Höhenmeter auf den Kartitscher Sattel bezwungen wurden, hinaus. Vom höher gelegenen Osttiroler Talabschnitt verliert man bis ins Kärntner Kötschach-Mauthen fast 800 Höhenmeter. Wer aber glaubt, das sei eine leichte und gemütliche Angelegenheit, der sei gewarnt. Immer wieder unterbrechen giftige Gegenanstiege den Fahrfluss und auch die Abwärts-Passagen sind meistens verwinkelt und technisch anspruchsvoll. Wenn einen so eine Fahrt aber an so außergewöhnlich schönen Plätzen wie den Tilliacher Feldern mit zahlreichen alten Heuschupfen, dem Wallfahrtsort Maria Luggau oder den wunderbar einsamen Tälern, die in die Karnischen Alpen ziehen, vorbei führt, nimmt man das gerne in Kauf.
In Kötschach-Mauthen endet das Lesachtal. Viel zu früh, unserer Meinung nach, die Fahrt durch dieses schöne Tal hätte ruhig noch länger dauern können. Der nun folgende Gailbergsattel, über den man vom Gail- hinüber ins Drautal wechselt, stellt kein größeres Hindernis dar. Auf der gut ausgebauten Straße gibt es zwar speziell zur Ferienzeit einiges an Verkehr, bei nicht einmal ganz 300 Höhenmetern, steht man aber bald am Scheitelpunkt, speziell da die homogene Steigung permanent unter der 10%-Marke bleibt.
Unangenehmer sind dann schon die drei Kilometer auf der B100 zwischen Oberdrauburg und der Abzweigung vor Nörsach. Eine sinnvolle Alternative gibt es in diesem Bereich aber nicht.
Ab Nörsach geht es dann aber wieder viel ruhiger und weitgehend flach über Nikolsdorf und den Drauradweg zurück nach Lienz.
Als Verkehrsverbindung zwischen Tirol und Vorarlberg genießt die Silvretta-Hochalpenstraße eindeutig untergeordnete Bedeutung. Der Transitverkehr spielt sich dank des Arlbergtunnels hauptsächlich unterirdisch ab. Mit über 400.000, fast ausschließlich touristischen Benutzern während der Sommermonate (Wintersperre meistens von November bis Mai) gehört sie dennoch zu den beliebtesten Bergstraßen Österreichs. Und das zurecht, vor allem die 32 Serpentinen, die auf Vorarlberger Seite aus dem Montafon heraufziehen, gehören in das Tourenbuch eines jeden Cyclisten.
Wie bereits angedeutet, ist der Haken an dieser Umrundung des Verwall der Verkehr. Unsere Überlegung, diesem durch die Teilnahme am jährlich im Juli stattfindenden Arlberg-Giro zu entgehen, hat sich nur teilweise als richtig herausgestellt. Zwar ist der Arlberg-Giro eine schöne, lohnende Veranstaltung – gut organisiert, landschaftlich schön, nette Atmosphäre, passendes Preis-Leistungs-Verhältnis – das Verkehrsargument hat sich aber als nicht ganz zutreffend herausgestellt. Im Gegensatz zu vergleichbaren Veranstaltungen werden die Straßen nämlich für die Veranstaltung nicht gesperrt und so mögen die großen Gruppen an Radsportlern den einen oder anderen Auto- und Motorradfahrer zu besonders riskanten und unangenehmen Überholmanövern reizen. Wahrscheinlich ist die Runde um einiges ruhiger und entspannter, wenn man sie etwas außerhalb der Hauptferienzeit unter der Woche in Angriff nimmt.
Gestartet wird in St. Anton und es gibt einen klassischen Kaltstart, der gut zu diesem bekannten Wintersportort passt. Es geht gleich von Beginn an bergauf und bereits nach den ersten zwei Kehren unmittelbar am Ortsausgang werden zweistellige Steigungsprozente erreicht, unter anderem die mit 15% steilste Passage der gesamten Runde. Nach sechs Kilometern und knapp 400 Höhenmetern ist die Passhöhe schon erreicht und wird St. Christoph durchfahren.
Die Abfahrt auf Vorarlberger Seite bietet dann alles, was man sich von einer solchen erhofft: perfekter Asphalt, im oberen Bereich zahlreiche Serpentinen, die eine saubere Kurventechnik verlangen, und im unteren Bereich lange Geraden, teilweise windgeschützt in übersichtlichen Tunnels, die Höchstgeschwindigkeiten fast bis zum dreistelligen Bereich zulassen.
Bei Bludenz ist es dann vorbei mit dem Gefälle und es geht hinein ins Montafon. Während es zunächst noch recht gemächlich zur Sache geht und für die ersten 500 Höhenmeter knapp 30 Kilometer zur Verfügung stehen, merkt man ab Partenen, dem hintersten Montafoner Ort, dass man sich im Hochgebirge befindet. Bis zur Passhöhe sind weitere 1000 Höhenmeter zurückzulegen und vor allem im unteren, serpentinenreichen Teil liegt die Steigung konsequent um die 10%. Das Gelände bleibt aber immer fair und speziell in den Serpentinen gibt es jeweils etliche Meter zum Durchschnaufen.
Je weiter nach oben man kommt, umso schöner wird es. Die Gipfel und Gletscher der Silvretta-Gruppe rücken ins Blickfeld, und da die Steigung im oberen Teil deutlich abnimmt, muss der Blick nicht starr am Asphalt haften, sondern kann auch über die umliegende Bergwelt schweifen.
Beim Silvretta-Stausee ist der höchste Punkt der Silvretta-Straße erreicht und zurück auf Tiroler Boden wird die Abfahrt hinunter ins Paznauntal in Angriff genommen.
Beim Verlauf der Straße unterscheidet sich die Tiroler ganz wesentlich von der Vorarlberger Seite. Sie weist nur zwei Serpentinen im oberen Bereich auf und ist deutlich flacher. Man muss permanent arbeiten und es macht sich bezahlt, wenn man eine größere Gruppe erwischt, in deren Windschatten man sich verstecken kann.
Bei Pians ist das Paznaun dann auf voller Länge durchfahren, gleichzeitig ist der östliche Wendepunkt erreicht. Zurück nach St. Anton fehlen jetzt noch gut 20 Kilometer im Stanzer Tal, die bei entsprechend guter Einteilung der Kraftreserven keine größeren Schwierigkeiten aufweisen. In den bergauf führenden Schlusskilomtern kann man sich dann überlegen, wo man die entscheidende Attacke setzen will. In meinem Fall war das unmittelbar hinter der Ziellinie bei einem kühlen Bier.
Fällt die Rede auf Osttirol, denkt man zuerst an Bergsteigen, Schifahren und an das Mountainbiken. Als Rennraddestination fristet Osttirol eher noch ein Dornröschendasein. Dabei muss sich Osttirols Rennradtradition überhaupt nicht verstecken. Der Giro d’Italia war zu Gast, ebenso der Giro del Trentino bzw. dessen Nachfolger die Tour of the Alps, eine Österreich-Radrundfahrt ohne Osttirol ist fast nicht denkbar und mit Felix Gall hat Osttirol auch Österreichs bisher einzigen Straßenweltmeister im Talon (2015 Juniorenweltmeister in Richmond). Zeit also, bekannt zu machen, dass Osttirol auch für den ambitionierten Hobbycyclisten ein überaus lohnendes Ziel ist. Und das beweist nicht zuletzt diese Parade-Runde.
Vom Ausgangspunkt in Lienz geht es den netten Iseltal-Radweg in kaum merkbarer Steigung flussaufwärts. In St. Johann im Walde wird die Isel überquert, kurz darauf passiert man die Ruine der Kienburg und dann ist Huben und damit das Ende des flachen Einradelns auch schon erreicht.
Geradeaus ginge es weiter nach Matrei und zum Felbertauern, rechts hinauf käme man nach Kals und zur Kalser Glocknerstraße und links geht es hinein ins Defereggental und weiter auf den Staller Sattel. Hier wollen wir hin.
Über eine erste Steilstufe gelangt man in das Hochtal und kaum ist der Talgrund erreicht, nimmt die Steigung wieder merklich ab. Hopfgarten, der erste Ort im Defereggental, ist bald erreicht. Es folgen ab hier eher mühsamere Kilometer, denn einmal muss man durch eine Galerie, dann durch einen Tunnel – beide können nicht umfahren werden. Zumindest ein Rücklicht ist hier sicherlich kein Fehler und kann das Sicherheitsempfinden merklich steigern.
Wer voller Tatendrang mit seinen Kräften nicht zu sehr haushalten will, dem sei am Ende des Tunnels ein Abstecher in das schön über dem Talgrund gelegene St. Veit empfohlen. 15% erreicht die Steigung im oberen Bereich allerdings, nur um dann nach dem Ort wieder fast ebenso steil zurück hinunter zur Defereggental-Landesstraße zu fallen. Schöne Blicke über das Tal und die umliegende Bergwelt sind diesen kleinen Umweg aber sicherlich wert.
Über St. Jakob kommt man nach Erlsbach, wo schließlich der Talboden verlassen wird. Zunächst noch durch bewaldete Hänge, später dann im offenen Almgelände geht es höher, bis man schließlich kurz nach dem schönen Obersee den Staller Sattel und damit den höchsten Punkt des Tages erreicht.
Während die österreichische Seite relativ gut ausgebaut ist, fährt man in Italien auf einer sehr schmalen und einspurigen Straße weiter. Aus diesem Grund gibt es eine Ampelregelung, die die Talfahrt vom Pass jeweils zur vollen Stunde für 15 Minuten, bzw. die Bergfahrt vom Antholzer See jeweils zur halben Stunde für 15 Minuten freigibt. Da man die wunderbare, kurvige Abfahrt ohne Gegenverkehr eindeutig besser genießen kann, sollte man sich an diese Regelung halten.
Mit wunderbaren Blicken auf die 3000er der Rieserferner-Gruppe, die das Puster vom Zillertal trennen, kommt man hinunter zum idyllischen Antholzer See, wo sich auch das Zentrum des italienischen Biathlon-Sports befindet.
Auf der Hauptstraße geht es bei sanftem Gefälle talauswärts, bis man auf die Pustertaler Staatsstraße trifft. Diese Straße ist viel zu stark befahren, um auch nur ansatzweise Vergnügen zu bereiten, weshalb wir die hier vorgeschlagene Variante, die über verkehrsarme Seitenstraßen führt, nur wärmstens empfehlen können. Dabei gewinnt die gewählte Straße in einigen Serpentinen rasch an Höhe und im Nu ist ein Plateau mit traumhaften Ausblicken über das Pustertal und in die zum Greifen nahen Pragser und Sextener Dolomiten erreicht.
Die Hauptschwierigkeiten der Runde sind damit bewältigt, 65 Kilometer liegen aber noch vor uns. Zuerst geht es über Taisten wieder hinunter ins Pustertal, und ab Welsberg dann auf dem gut ausgeschilderten Radweg Richtung Osten. Toblach wird links liegengelassen, das nette Städtchen Innichen lädt allerdings definitiv zu einer Espressopause in einem der Cafés mit Blick auf die imposante romanische Stiftskirche ein.
Bald darauf ist die österreichische Grenze erreicht und während der Radweg auf italienischer Seite noch recht angenehm zu befahren ist, kann man das auf Osttiroler Seite an einem durchschnittlichen Feriennachmittag nicht behaupten. Nicht weil er so schlecht ausgebaut wäre, sondern weil er so beliebt ist und unzählige Gruppen und Familien das permanente Gefälle Richtung Lienz genießen. Dennoch ist es am Radweg, im Vergleich mit dem Verkehr auf der Bundesstraße, wesentlich angenehmer und man kann die Fahrt ja stressfrei dazu nützen, sich das Laktat aus den Beinen zu strampeln. Es gibt ja schließlich auch noch ein Morgen.
Es kann ja ausnahmsweise mal vorkommen, dass man am Sonntag das Bedürfnis hat, etwas länger zu schlafen, vielleicht auch, weil die Umstände der vorangegangenen Nacht ein solches Verhalten nahe legen. Wenn man es dann vom Bett auf die Couch geschafft hat, schließlich am Nachmittag das Fernsehprogramm endgültig zu langweilig wird, leichte Bewegung dem – sozusagen – Heilungsprozess entgegenzukommen scheint und man überhaupt nicht das Bedürfnis verspürt, die übliche Pro-Tour-Leistung zu erbringen, genau dann sei einem diese Ausfahrt ans Herz gelegt.
Denn, wenn Innsbruck verlassen und Rum erreicht wird, wird die wellige und unruhige Dörferstraße links liegen gelassen; statt dessen bleibt man in den Felder am Talboden des Inntals, radelt – hoffentlich etwas sportlicher als die zahlreichen Familienradausflugsgruppen – durch Radieschen, Kohl und Kartoffeln und gelangt alsbald nach Hall, der schönen mittelalterlichen Stadt.
Abwechslung gibt es nach Mils, wo Getreide- und Maisfelder an einem vorbeiziehen bis der Ortseingang von Baumkirchen auftaucht. Für die Überfahrt nach Volders gilt es eine Infrastrukturkette zu absolvieren: zunächst eine Bahnunterführung, gleich danach links und über einen Steg den Inn queren und schließlich durch eine weitere Unterführung die Autobahn kreuzen.
In Volders ist am südlichen Ortsende die Kleinvolderbergstraße zu nehmen. Ausnahmsweise bergwärts kommen wir zum formschönen Schloss Friedberg, aber schon auf dessen Höhe geht es wieder flach nach rechts in den Lachhofweg. Das schmale Asphaltband eröffnet einen herrlichen Blick auf das Karwendel, Autoverkehr ist Fehlanzeige. Nur einmal steilt es kurz auf und schon pfeift einem der Fahrtwind auf der Abfahrt nach Volderwald ins Gesicht.
Nach einem kurzen Abschnitt auf der L 9 zweigt man links ab ins liebliche Zimmertal, welches zunächst leicht ansteigend, dann etwas steiler auf die südliche Mittelgebirgsterrasse hinaufführt. Nach solch einer Leistung ist der Kampfgeist endgültig erwacht: In Ebenwald wartet der verborgene Weg hinauf zu den Prockenhöfen. Der Untergrund ist hier holprig, aber für versierte Rennradartisten ist diese ca. 500 Meter lange Passage kein Problem. Auf dem eher unbekannten Weg nähert man sich Aldrans, passiert den rechteckigen Herzsee und gelangt schließlich über die Innsbrucker Straße zunächst zum Schloss Ambras und gleich darauf wieder nach Innsbruck.
Diese Tour… sie verspricht Heilung pur!