Cyclist DEV

Was für ein Erlebnis! Zugegeben, es ist nicht nach Jedermanns Geschmack, sich mit 5000 von der Leine gelassenen, übermotivierten Italienern in einen schmalen Schotterweg zu quetschen. Schließlich sind sie genau so radikal auf zwei Rädern unterwegs, wie sie Auto fahren: soll doch der andere nachgeben! Irgendwie geht sich das ganze dann zwar doch meistens aus, so viele offensichtliche Sturzfolgen wie hier – leere Trinkflaschen, abgebrochen Fahrradteile, verletzte Fahrer – sieht man bei anderen Veranstaltungen aber definitiv nicht am Straßenrand liegen. Wer sich von diesem Szenario nicht abschrecken lässt, kann sich auf eine wunderschöne Runde in typisch toskanischem Flair gefasst machen und versteht jetzt, warum Strade bianche von manchen schon als das sechste Monument des Radsports bezeichnet wird.

 

Ein kleiner Tipp vorweg: Man sollte es unbedingt vermeiden, seine Startnummer unmittelbar nach Start des Männer-Elite-Rennens am Samstag Vormittag abzuholen. Diese Idee haben nämlich fast 5000 andere auch und die Grundstimmung in den nur schleppend vorankommenden Warteschlangen ist nichts für sanfte Gemüter.

Hat man sein großzügiges Starterpaket mit Trikot und Weste aber erst in Händen, heißt es hinaus aus der Stadt und sich an einem der Schottersektoren zu positionieren, bevor die Profis vorbei donnern.

So holt man sich, falls es dessen überhaupt bedarf, die nötige Motivation für den nächsten Tag, wo man sich im Morgenfrost vor der Fortezza Medicea einfindet. Gilt es während der ersten 20 Kilometer nur die Schwierigkeit zu meistern, sich im hektischen Fahrerpulk zu behaupten, geht es danach Schlag auf Schlag. Auf den nächsten 35 Kilometern warten die ersten vier Schottersektoren, wovon der längste immerhin fast sechs Kilometer lang ist. Während der erste Sektor technisch noch einfach ist, warten die folgenden Sektoren dann mit zunehmend verwinkelten Kurven, steilen Rampen und abenteuerlichen Abfahrten auf. Hier sollte man doch darauf achten, dass sich Motivation und Risikobereitschaft mit einer entsprechenden Menge an Vor-, Über- und Rücksicht die Waage halten.

Nach diesen vier Sektoren kann man erst einmal etwas durchatmen. Auf gut ausgebauter und vor allem gut abgesicherter Straße geht es weitgehend flach im Tal des Arbia von Buonconvento nach Monteroni d’Arbia.

Bevor man aber zu sehr in der Komfortzone versinkt, wird die Hauptstraße wieder verlassen und es geht hinein in die Crete Senesi. Der mit 9,5 Kilometern längste Schotterabschnitt führt quer durch diese karge Erosionslandschaft, wobei dieser Sektor in umgekehrter Richtung bereits in unserer Runde Crete Senesi befahren wurde.

Damit ist dann zwar der längste, aber sicherlich noch nicht der schwierigste Sektor bewältigt. Nach der Abfahrt nach Taverna d’Arbia und einigem Auf und Ab auf durchwegs asphaltierten, wenngleich teilweise doch recht steilen Straßen warten dann jenseits der 120 Kilometer-Marke noch zwei ordentliche Kaliber. Die beiden letzten Sektoren, Colle Pinzuto und Le Tolfe, sind zwar jeweils nicht allzu lang, mit ihren bei 15 und 18% liegenden Maximalsteigungen verlangen sie den Oberschenkeln allerdings noch einmal alles ab.

Das war es dann aber mit den Strade bianche, es geht zurück nach Siena, wo wie bei den Profis die ruhm- und stimmungsreiche Zieleinfahrt auf der Piazza del Campo wartet. Und selbstverständlich müssen hierfür auch wir wie die Profis die zwar kurze aber extrem knackige Altstadtauffahrt meistern, die 2018 auch Wout van Aert bei seiner Fahrt zu Platz drei zum Absteigen gezwungen hat.

 

Wer von uns lässt nicht gerne während eines sich dahin ziehenden Arbeitstages seine Gedanken schweifen? Mir kommt dabei regelmäßig eine Frühlingsausfahrt in der Toskana in den Sinn: Sanfte Hügel, die doch überraschende Weitblicke bieten, sich im Wind wiegende Pinien- und Zypressenalleen und mittelalterliche Städte inmitten schier endloser Weinberge, die Lust auf den Chianti classico nach absolvierter Runde machen. All das und noch viel mehr hat diese Runde im Herzen der Toskana zu bieten, die mich in meinen Gedanken-Reisen noch länger begleiten wird.

 

Kann es einen schöneren Ausgangspunkt geben als die Piazza del Campo in Siena? Da, wo zweimal jährlich der Palio, das berühmte Pferderennen der 17 Stadtteile Sienas, ausgetragen wird, und seit 2007 das mittlerweile aus dem Rennrad-Kalender nicht mehr weg zu denkende Strade bianche endet, fühlen auch wir uns wohl und nach einem Espresso kann die Runde losgehen.

Siena wird Richtung Norden verlassen und spätestens, nachdem bei Badesse die Autobahn unterquert wird, bleibt auch der Verkehr zurück. In gemächlicher Steigung geht es hinein in die Ausläufer des Chiantigebietes und die für die Toskana so typischen Weitblicke auf Zypressen-gesäumte Straßen und bauliche Kleinode aus vergangenen Jahrhunderten begleiten uns bei jedem Tritt.

Bei Castellina in Chianti, von wo besonders Aufmerksame in der Ferne bereits die Türme von San Gimignano erspähen können, wird die berühmte Chianti-Weinstraße erreicht. Diese wird allerdings nur gequert, denn für die Weiterfahrt Richtung Westen wählen wir eine nördlich verlaufende, deutlich ruhigere Variante. Das schöne Sträßchen bringt uns hinunter nach Poggibonsi, von wo es auf der anderen Talseite dann hinauf nach San Gimignano geht.

Die Beinamen “Manhattan des Mittelalters” und “Stadt der Türme” lassen schon vermuten, weswegen es dieses Kleinod zum Unesco-Weltkulturerbe gebracht hat. Dank des auch im Mittelalter weit verbreiteten Größenwahns lieferten sich die Adelsfamilien der Stadt einen Wettstreit um den höchsten Turm. Von den einst 72 Türmen stehen heute noch 15, was immer noch für eine imposante Skyline reicht und San Gimignano zu einem der meistbesuchten Ziele der Toskana macht. Grund genug, hier ein Päuschen einzulegen und sich um einen der begehrten Caféhaus-Tische auf einer der Piazzas zu bemühen. Wo, wenn nicht hier, soll man die oft vernachlässigte Pausenkultur pflegen?

Noch ist allerdings erst etwas über die Hälfte der Runde geschafft und so lassen wir San Gimignano für unseren Geschmack etwas zu früh wieder zurück und machen uns auf den Rückweg. Bei Colle di Val d’Elsa hat man etwas mit dem Verkehr zu kämpfen, nach wenigen Kilometern lässt man das “zivilisierte” Leben aber wieder hinter sich und in Ruhe und Einsamkeit geht es über ein wahres Rennrad-Kleinod zurück nach Siena.

Die kleine Straße, die quer durch die Montagnola Senese verläuft, kann jedem Rennradfahrer nur wärmstens ans Herz gelegt werden. Vom Verkehr vernachlässigt schlängelt sich die Straße durch einsame Wälder, die vor allem im Sommer wohltuenden Schatten spenden. Die westliche Seite ist die etwas steilere, erreicht auch das ein oder andere Mal zweistellige Prozentwerte, ist aber insgesamt als reiner Genussanstieg einzustufen. Nicht minder reizvoll präsentiert sich die Ostseite, die vor allem im Bereich des kleinen Ortes Celsa mit seinem neben der Straße liegenden Castello di Celsa schöne Blicke in Richtung Süden offenbart, wo man am Horizont den Monte Amiata, ein weiteres Highlight der Region, erkennt. (Monta Amiata)

Gegen Ende der Abfahrt wartet ein knapp zwei Kilometer langer, völlig problemlos zu befahrener Schotterabschnitt, wie er hier in der Toskana zu einer vollwertigen Runde einfach gehört, und allmählich nähern wir uns dann wieder Siena, wo die Fahrt durch die Altstadt zur Piazza del Campo die schöne Ausfahrt so richtige abrundet.

Wo der Tag mit einem Espresso begonnen hat, finden wir uns jetzt wieder ein. Statt Espresso gibt es jetzt ein Glas Chianti und beim Rekapitulieren der Runde lassen wir uns von der italienischen Lebensfreude immer mehr vereinnahmen.

 

Südöstlich von Livorno erstreckt sich der hügelige Foresta della Valle Benedetta. Die höchste Erhebung, der Poggio Lecceta, erhebt sich bis in eine Höhe von 457m über dem Meeresspiegel. Damit eignet sich diese kleine toskanische Hügelkette, die von etlichen Straßen durchzogen wird, hervorragend für eine halbtägige Ausfahrt mit dem Rennvelo.

 

Gleich nach dem Start in Crocino führt das Asphaltband recht unmittelbar bergwärts. Man passiert die bellenden Hunde Colognole und arbeitet sich weiter durch das dichte Gestrüpp links und rechts der Straße den Berg hinauf. Nach wenigen Kilometern zweigt man bei einer markanten Kreuzung links ab, es wird flacher und sowie man die SP8 erreicht, geht es auch schon wieder bergab bis Gabbro und dann weiter bis Castelnuovo della Misericordia.

Verkehr gibt es auf diesen Straßen kaum, dafür jede Mange Kurven. Der Straßenbelag ist teilweise etwas dürftig, aber das betrifft nur wenige Kilometer.

Nach dem kurzen Anstieg hinauf nach Nibbiaia eröffnet sich einem unvermittelt der Blick auf die Weite der Ligurischen See. Immer wieder blitzt zwischen dem Buschwerk das Blau des Meeres hervor und oben am Berg sind die Segel- und Frachtschiffe noch kleine Punkte auf der glatten Oberfläche.

Nach der traumhaften Abfahrt hinunter zum Meer sollte man sich das Highlight eines Cappuccinos am Strand nicht entgehen lassen. Eine gute Möglichkeit bietet die kleine Taverne La Spiaggetta in Quercianella, die man auf Seehöhe 0 ohnehin passiert.

Derart gestärkt folgt schon der nächst Anstieg. Der Montenero hat einen düsteren Namen, ist aber ohen großen Aufwand in ein paar Kehren erreicht. Wiederum zeigt sich das Meer von seiner schönsten Seite, diesesmal aber mit der Hafenstadt Livorno im Vordergrund. Ein Abstecher ins Zentrum wäre zwar durchaus lohnend, bei der hier vorgeschlagenen Variante vermeidet man aber die hektische Innenstadt, kurvt in Seitengassen um sie herum und befindet sich bald am vierten und letzten Anstieg.

In einigen Kehren und moderater Steigung wird die Hügelkette nun wiederum in West-Ost-Richtung gequert. Bei einer Seehöhe von ca. 360 Meter über dem Meeresspiegel hat man den höchsten Punkt erreicht und hat nur noch – den Blick auf das toskanische Kernland gerichtet – die abschließende Abfahrt vor sich.

Wer in der Gegend rund um Pisa auf die schräge Bahn geraten will, also rennradtechnisch, der kommt am Monte Serra nicht vorbei. Diese Erhebung ist dem Hauptkamm des Apennin südlich vorgelagert und ist durch den Antennenwald an seinem Gipfel leicht zu erkennen. Für Rennradfahrer ist er von besonderem Wert, weil sich drei Straßen seine Abhänge hinaufwinden.

 

Die vorliegende Runde ist aus dem Bemühen geschuldet, Höhenmeter in die müden Beine zu bekommen. In Form einer liegenden Acht wird der Monte Serra dabei zweimal erklommen. Die Distanz-Höhenmeter-Relation ist für toskanische Verhältnisse top.

Der Ausgangspunkt ist Vicopisano. Die ersten Kilometer sind flach und zum Einrollen geeignet. Schon hier zeigt sich an der Anzahl der Ciclisti, dass Livorno und sein Umland eine radsportbegeisterte Region ist. Von der SR439 sollte man nach dem gemächlichen Start nicht die Abzweigung in die Via Milano verpassen, einer kleinen Straße, die nun durch die Weinberge aufwärts führt.

Noch vor Pieve di Compito zweigt links die Bergstraße ab. Über sie gelangt man auf den folgenden gut zehn Kilometer auf den Gipfel des Monte Serra. Und kurz gesagt: Die Auffahrt ist der Hit! Durch die mit Kastanien, Farnen und Eichen dicht bewaldeten Hänge zieht das mit Parolen verzierte Asphaltband in konstanter Steigung, mal querend, mal in Kehren den Berg hinauf. Immer wieder brausen herabkommende Rennradler vorbei und puschen mit dem bekannten „Vai, vai!“.

Die letzten eineinhalb Kilometer zum Gipfel sind für den Autoverkehr durch einen Schranken gesperrt. Dementsprechend kommt noch mehr Dschungelfeeling auf. Und nach einer schneckenförmigen Umrundung des Gipfels steht man schließlich vor dem markanten Antennenwald.

Die Abfahrt glänzt durch ihre Ausblicke in das Tal des Arno und sollte mit Bedacht genommen werden, weil fiese Schlaglöcher eine Gefahr für sensible Körperteile darstellen.

Im Tal angekommen ist die Querfahrt zum südwestlichen Anstieg auf den Monte Serra nur kurz etwas mühsam wegen des Verkehrs. Zunächst schnurgerade führt die Straße dem Berg entgegen, zunächst flacher, dann aber immer steiler. Erst ganz am Talende waren die Erbauer der Piste gnädig und haben eine erste Kehre eingebaut. Ihr folgt aber eine Reihe weiterer Kehren und so gelangt man ohne große Schwierigkeiten zu der Kreuzung, die man eben erst bei der ersten Abfahrt passiert hat.

Am bekannten Weg geht es zurück zum Ausgangspunkt. Und weil ja die Kohlenhydratspeicher aufgefüllt werden sollten: Ab in die nächste Bar Central auf Panini und Birra!

Bei den italienischen Rennradfreunden ist das Hinterland von Livorno überaus beliebt. An Wochenenden kann man hier große Gruppen antreffen, die in reger Unterhaltung die kurvenreichen Straßen bevölkern. Fauglia, ein kleiner etwa 20 Kilometer von der Küste entfernter Ort, ist ein optimaler Ausganspunkt für Runden in dieser Gegend. Die hier beschriebene Tour kann im besten Sinne als ‚Standardrunde‘ dieses Gebietes bezeichnet werden.

Wer sich für einen mehrtägigen (Rad-)Urlaub in dieser Gegend entscheidet, dem kann das Agriturismo ‚Podere Sant’Antonio‘ empfohlen werden, das mit seiner gepflegten Art und den netten Betreibern einen ausgezeichneten Stützpunkt darstellt.

Fauglia wird über die Südausfahrt verlassen und als erstes rollt man über den Hügel hinab bis zur SP 21. Am Horizont erkennt man von hier einen Berg, auf dem markante Windräder errichtet wurden. In den folgenden rund 70 Kilometern gilt es diese Erhebung zu umrunden.

Schon bald gilt es die erste Steigung hinauf nach Lorenzana zu nehmen. Die ist zwar ziemlich steil, dafür aber nicht sehr lange und man wird mit dem nächsten netten Toskanadorf belohnt. 

Nach einigen Kurven auf der SP 21 wird diese bei einer markanten Kreuzung verlassen und die SP 13 nach Santa Luce genommen. Es beginnt hier einer der schönsten Abschnitte der Runde, der das Prädikat ‚Genusstour‘ redlich verdient. Er ist geprägt von kurvigem Auf und Ab und der Verkehr ist vernachlässigbar. Am Horizont zur rechten Seite eröffnen sich Blicke auf das nahe Ligurische Meer, zur Linken erhebt sich der Poggio della Nebbia, an dessen Abhängen man sich stetig weiter in Richtung Süden vorarbeitet. 

Fast zu schnell werden Santa Luce und die Ortseinfahrt von Castellina Marittima erreicht, wo der (kleine) Passübergang auf die östliche Bergseite beginnt. Am Beginn noch im freien Gelände, verläuft der zweite Teil des Anstiegs in dichter, aber wohltuenden Schatten spendenen Macchia. Überhaupt stellt dieser Übergang kein großes Hindernis dar, weil die Steigungsprozente nie zweistellig werden und die zu überwindende Distanz nicht sehr lange ist.

Oben angekommen schweift der Blick nach Osten, wo Volterra und San Gimignano im trubeligen Kernland der Toskana liegen. Hier in den Colline Pisane bleibt man vom touristischen Treiben einigermaßen verschont und kann sich über die Ruhe und Gelassenheit auf den Straßen und in den Dörfer erfreuen. 

Der weitere Verlauf der Tour folgt der SP 48. Eine kleine Hürde ist der etwas steilere Rücken hinauf nach Sassi Bianchi, aber auch jetzt überwiegt die Freude am südlichen Ambiente – wenn die Grillen zirpen und der Duft von wildem Thymian die Nase kitzelt. 

Über das nette Dorf Chianni wird das etwas verschlafene Casciana Terme erreicht. Der Auffahrt nach Casciana Alta folgt eine kurze, sehr steile Abfahrt hinunter zur SP 46, der man bis Lari folgt. Der Ort ist aus verschiedenen Gründen einen Besuch wert. Die massive Festung hielt lange den Angriffen der Florentiner statt, bis sie schließlich im Jahr 1406 in einer blutigen Schlacht eingenommen wurde. Speziell für Radsportfreunde ist von Bedeutung, dass sich in Lari die kleinste Nudelfabrik der Welt, jene der Brüder Martelli, befindet. 

 

Wer sich in einem Café oder einer Bar gestärkt hat, braucht die Weiterfahrt nicht zu scheuen. In typisch toskanischer Landschaft werden die verbleibenden ca. 10 Kilometer absolviert. Nicht flach, aber auch nicht bergig; nicht urban, aber auch nicht in der Einöde – toskanisch eben.

 

Wer den heißen Regionen Italiens entfliehen will, kann im Apennin etwas Abkühlung finden. Schattige Wälder, aber auch sonnige Hänge liegen am Weg dieser Ausfahrt. Dazu gibt es einen herrlich türkisenen Bergsee.

Das 1000-Einwohner-Dorf Ponte della Venturina liegt ziemlich genau zwischen Bologna und Pistoia an der SS 64. Während sich an seiner Westseite dicht bewaldete Hügel erheben, ist seine Ostseite eher kahl. In der hier beschriebenen Fahrtrichtung durchfährt man zunächst die schattigen Wälder und erklimmt dann die ostseitigen Hügel. Das hat den Vorteil, dass der schöne Lago di Suviana gleichsam als Höhepunkt gegen Ende der Tour erreicht wird. Bei heißen Temperaturen hat die umgekehrte Fahrtrichtung den Vorteil, dass der eher schattige Teil zu fortgeschrittener Stunde gefahren wird.

In gemächlicher Steigung führt die Tour zunächst im Talboden neben dem Fiume Reno südwestwärts. Mit jedem absolvierten Meter wird der Verkehr weniger und hört bald schon ganz auf, sobald man den Talboden über ein schmales Asphaltband rechts bergwärts verlässt. In bester Steigung und vom dschungelartigen Dickicht geschützt schraubt man sich die kleine Straße nach oben. Im kleinen Ort Casa Boni hält man sich links und quert auf noch kleinerer Straße den Hang weiter taleinwärts. Die letzten Höhenmeter zum höchsten Punkt in Casa Forlai sind etwas steiler und werden über einige Kehren überwunden. Oben angekommen eröffnet sich dann ein Blick auf die saftig grüne, dicht bewaldete Hügellandschaft. Wer „Asterix auf Korsika“ kennt, weiß, wovon die Rede ist.

Über zahlreiche Kurven und Kehren rollt man hinunter nach Porretta Terme. Spätestens dann, wenn wieder einmal ein süßlicher, vom Duft reifer Feigen geschwängerter Luftschwall die Nase kitzelt, dann ist klar, dass man im italienischen Sommer angekommen ist.

Der zweite längere Anstieg zieht über die SP 40 die Ostseite des Haupttales hoch. Die Olivenhaine bieten hier nur wenig Schutz vor der Sonne, bei angenehmer Steigung und rundem Tritt kann man die zahlreichen Kehren aber zügig bewältigen. Nach einem Flachstück kann zwar bereits der direkte Weg hinunter nach Ponte della Venturina genommen werden, es zahlt sich aber aus, den „Umweg“ über den Lago di Suviana zu nehmen. Der Stausee ist mit seinem türkisenen Wasser ein beliebtes Ausflugsziel und liegt eingebettet in die grünen Gipfel des Apennins im östlichen Paralleltal. Wegen der kurzen Abfahrt wartet also noch ein Abschlussanstieg. Der stellt jedenfalls dann kein Problem dar, wenn man sich zuvor bei herrlichem Ausblick mit einem Foccacia gestärkt hat. 

Der Monte Amiata überragt mit seinen 1738 Metern alles ringsum und auch wenn er zuletzt vor mehreren hundertausend Jahren ausgebrochen ist, optisch kann er seinen vulkanischen Ursprung nicht verbergen. Olfaktorisch allerdings auch nicht: regelmäßig steigen einem Schwefelgerüche in die Nase und auch die warmen Quellen rund um den Berg werden von ähnlich “angenehmen” Gerüchen überlagert. Mehrere Straßen führen von allen Seiten auf die etwa 200 Meter unter dem Gipfel verlaufende Ringstraße, sodaß sich der Monte Amiata geradezu ideal in eine Runde einbauen läßt. Da kann man nur noch eines sagen: fenomenale!

Nach dem gestrigen Regentag sind wir richtig erleichtert, dass uns in der Früh die Sonne weckt. Etwas kühl ist es zwar schon noch, aber damit muss man im März in der Toskana einfach noch rechnen.

Bei der Anfahrt zum heutigen Ausgangspunkt mischen sich dann aber doch ein paar Zweifel und Sorgen in die Euphorie. Mächtig und sonnenbeschienen steht er vor uns, unser heutiges Ziel der Monte Amiata, und weiß. 

Über Nacht hat es tatsächlich geschneit und das nicht nur im obersten Gipfelbereich, sondern ausgesprochen weit herunter. Und jeder von uns beginnt sich zu fragen, ob dass jetzt wirklich eine jener Heldengeschichten wird, die man Jahre später noch gerne erzählt oder ob nicht doch ein kläglicher Rückzug in niederere und wärmere Gefilde vernünftig wäre.

Wir lassen es auf jeden Fall darauf ankommen, von vornherein aufzugeben, ist keine Option.

Während sich also oben im gar nicht so kleine Skigebiet die Süd-Toskanesen dem Wintersport hingeben, starten wir Gebirgler unsere Radtour ambitioniert in kurzer Montur.

Startpunkt ist der kleine Ort Bagni San Filipo. Der Ort besteht quasi nur aus einer Einbahn, die von oben nach unten durchs Dorf führt. Während man am Vormittag ein verschlafenes Nest vorfindet, wo man problemlos einen Parkplatz ergattert, wird es mit fortschreitender Stunde voller und die Parkplätze spärlicher. Schuld daran sind das Thermalbad und die Balena bianca, ein eindrucksvoller Sinterfelsen, der von zahlreichen warmen Quellen umgeben wird. 

Von Bagni San Filipo geht es zunächst zwei Kilometer bergab zur Via Cassia, wo man rechts abbiegt, um diese gleich darauf wieder links Richtung Radicofani zu verlassen. Nun beginnt die erste Steigung des Tages, die zwar im Höhenprofil ziemlich unspektakulär ausschaut, immerhin 500 Höhenmeter gilt es aber doch zu überwinden. Es geht immer den Wegweisern Richtung Abbadia San Salvatore nach und wir lassen uns vom immer weit über uns liegenden eingeschneiten Gipfel und den Schneeketten-Gebotstafeln nicht allzu sehr einschüchtern.

Nach der Ortsdurchfahrt von Abbadia San Salvatore geht es in gemächlichem Auf und Ab über Piancastagnaio und Saragiolo nach Santa Fiora, dem angeblich schönsten Ort im Amiatagebiet. Eine Espresso-Pause machen wir hier zwar, auf eine größere Ortsbesichtigung verzichten wir aber, sondern machen uns weiter auf den Weg nach Castel del Piano.

Die Strecke von Arcidosso bis Castel del Piano ist wegen des verstärkten Verkehrsaufkommens etwas ungemütlich. Entschädigt wird man allerdings durch den schönen Blick auf das gegenüberliegende Städtchen Montelaterone und die Gewissheit, dass man in Castel del Piano auf die einsame Westauffahrt auf den Monte Amiata abzweigen wird.

Jetzt beginnt also die Hauptsteigung des Tages und unterschätzen sollte man sie definitiv nicht. 1040 Höhenmeter verteilt auf knapp 15 Kilometer sind auch unter optimalen Bedingungen nicht einfach. Sommerliche Hitze, in der Toskana naturgemäß keine Seltenheit, oder wie heute winterliche Bedingungen machen das Unterfangen keineswegs leichter.

Während es im unteren Teil noch angenehm warm ist, wird es, je weiter wir nach oben kommen, deutlich kühler und der von den Bäumen fallende Schnee trägt auch nicht unbedingt zur Erwärmung bei. Da hilft nur eins: ein ambitioniertes Tempo einschlagen, und das tun wir auch.

Bei der Talstation des ersten Schiliftes am Prato delle Macinaie, wo überraschend viele Schifahrer unterwegs sind, halten wir uns rechts Richtung Prato della Contessa und die bis hierher doch meistens um die 10% steile Straße wird merklich flacher. Man befindet sich jetzt auf einer Ringstraße, die etwa 200 Meter unterhalb des Gipfels rundherum um diesen verläuft. Um auf dieser zu bleiben muss man am Prato della Contessa links abzweigen und nach weiteren zwei Kilometern kommt man zu einer weiteren Kreuzung, wo man neuerlich links abbiegt, bzw. bergauf weiter fährt. Wer noch eine Attacke starten möchte, sollte sich jetzt beeilen, denn bald darauf hat man den höchsten Punkt der Straße erreicht. Man kommt zur Talstation eines weiteren Schiliftes mit dem dazugehörigen Parkplatz, einige Ferienhütten und dem Albergo/Ristorante Sella. 

Wir deponieren unsere Räder beim gut benutzten Schiständer und stärken beziehungsweise wärmen uns im Ristorante auf, wo uns Alberto Tomba und Deborah Compagnoni von der Foto-Wand entgegen lachen. Das Aufwärmen ist auch notwendig, wie wir beim Verlassen merken. Gerade einmal null Grad hat es hier heroben und wir wirken unter all den Schifahrern offensichtlich so deplaziert, dass unsere Bitte, von uns ein Gruppenfoto zu machen, nur zu einem wortlosen und fluchtartigen Haken weg von uns führt.

Der Rest der Runde führt jetzt nur noch bergab. Wir ziehen uns alles an, was wir haben, und über Abbadia San Salvatore rollen wir zurück zum Ausgangspunkt.

Hier macht sich unser Ausgangspunkt bezahlt, denn nach der eiskalten Abfahrt sind die zahlreichen, frei zugänglichen und bis zu 40° warmen Quellen eine wahre Wohltat und unser erobertes Parade-Becken wird während der nächsten Stunde weder verlassen noch mit den zahlreichen, uns neidisch beobachtenden Wartenden geteilt.

Obwohl es erst seit 2007 im Profikalender zu finden ist, hat das Strade Bianche nicht zuletzt aufgrund der namhaften Siegerliste – 3x Fabian Cancellara, Zdeněk Štybar, Michał Kwiatkowski, Philippe Gilbert,… – und der immerhin 50 Kilometer auf den namensgebenden Schotterstraßen seinen Platz im dicht gedrängten Profi-Frühjahrskalender längst behauptet. Was liegt also näher, wenn man schon mit dem Rennrad in der Gegend um Siena ist, einen Teil der Rennstrecke nachzufahren. Und wenn wir schon dabei sind, suchen wir uns dafür natürlich einen der längsten Schotterabschnitte aus, wenngleich wir diesen in entgegengesetzter Richtung der Rennstrecke fahren.

Und als ob das noch nicht für eine schöne Tourenbeschreibung reicht, führt uns diese Runde noch dazu durch eine ganz einzigartige Landschaft. Die sehr trockene Errosionslandschaft der Crete Senesi mit den Biancane, den durch Verwitterung entstandenen weißen, nur wenige Meter hohen Hügeln ohne jede Vegetation, verleiht der Runde eine zusätzliche Würze.

Ausgangspunkt der heutigen Runde ist Taverna d’Arbia an der östlichen Ausfallsstraße von Siena. Ein geeigneter Parkplatz am Beginn der SS438, der Strada Provinciale Lauretana, ist rasch gefunden.

Nach einer Brücke über die Arbia und dem gleichnamigen Ort folgen wir dieser landschaftlich sehr schönen Straße quer durch die Crete. An sich herrscht hier nicht wahnsinnig viel Verkehr, aber der landwirtschaftliche Verkehr mit zahlreichen größeren Traktoren ist doch etwas nervig. Nach knapp neun Kilometern zweigen wir aber schon rechts ab Richtung San Martino in Grania und unsere Strada biancha beginnt. 

Landschaftlich ist dieser Abschnitt wunderschön, aber vor allem die Bergab-Passagen mit den 23er Reifen auf dem teilweise doch recht groben Untergrund mit zahlreichen Schlaglöchern sind schon gewöhnungsbedürftig. Aber was tut man nicht alles, um sich mit den besten der Zunft zu messen. Auf regelmäßige Attacken, allzu hohes Risiko und Positionskämpfe verzichten wir allerdings gerne.

Es mag nicht jedermanns Sache sein und manch einem tut es verständlicherweise um sein glänzendes, wohnzimmergepflegtes Rad leid, für mich sind solche Abschnitte aber das Salz in der Suppe des Rennradfahrens. Schmale, verwinkelte Straßen, Kopfsteinpflaster und auch Schotter gehören für mich bis zu einem gewissen Grad zum Rennradfahren einfach dazu.

Nach San Martino in Grania geht es mit einigen Gegenanstiegen weiterhin schottrig hinunter nach Monteroni d’Arbia. In Monteroni d’Arbia bleibt man im Endeffekt immer auf dem Hauptweg, bis man wieder auf Asphalt trifft.

Nach neun Kilometern Schotter sind wir für diesen Luxus-Straßenbelag doch dankbar und wieder auf einer wunderschönen, diesmal völlig verkehrsfreien Straße fahren wir nach Asciano. Bei der Kreuzung mit der SS438, kurz vor Asciano, fahren wir rechts, dann über eine Brücke und nach der Brücke in einem Kreisverkehr wieder rechts Richtung Chiusure. 

Nach dem Kreisverkehr geht es gleich bergauf los und nach wenigen Kilometern erreicht die Steigung stolze 20%. Auch in weiterer Folge kommen immer wieder ähnlich steile Rampen, allerdings zum Glück immer nur relativ kurz. Diese Straße, die uns bis Chiusure führt, ist ein absolutes Highlight. Sie verläuft immer oben am Hügelkamm und bietet wunderschöne Weitblicke über die Crete bis hin nach Siena.

Kurz vor Chiusure, unserem höchsten Punkt und südlichem Wendepunkt, fahren wir bei einer Kreuzung links. Rechts käme man in wenigen hundert Metern zur berühmten Abtei Monte Oliveto Maggiore, die vor allem wegen ihres freskengeschmückten Kreuzganges viele Kulturliebhaber anzieht. Wir aber wollen die Olivetaner mit unserer Aufmachung und für Steinböden nur mäßig geeignetem Schuhwerk nicht nervös machen, sondern biegen in Chiusure links ab und in einer schönen Abfahrt geht es wieder hinunter nach Asciano.

Nach einem Espresso-Päuschen folgen wir der SS438 direkt zurück zum Ausgangspunkt, wobei sich der angekündigte Wetterumschwung mit einem doch zunehmend starken und böigen Wind bemerkbar macht, was vor allem die Abschnitte oben auf den Hügeln und die Abfahrten mühsamer als gedacht gestaltet. 

Wenn man an Rennradfahren in der Toskana denkt, hat man nicht unbedingt Landschaften wie die, durch die diese Runde führt, im Kopf. Abseits der Touristenpfade von Montalcino, Pienza und Montepulciano führt diese Runde durch dünnst besiedelte, bewaldete oder von Strauchwerk überzogene Hügel. Eine karge, raue Landschaft dominiert und von Weinbergen, mondänen Städten und sich sanft im Wind wiegenden Zypressen-Alleen ist auf einem Großteil der Runde nichts zu sehen. Aber wahrscheinlich ist es gerade dieser herbe Charme der diese Runde zu einem Rad-Erlebnis macht, das einem lange in Erinnerung bleibt.

Hinzu kommt, dass man, wenn man San Quirico in südlicher Richtung verlässt, die weithin sichtbare Burg von Radicofani stets vor Augen hat. Mächtig und furchteinflössend thront sie auf einem Basaltfelsen und man kann sich gut vorstellen, dass Reisende im 13. Jahrhundert ob des dort oben hausenden Raubritters Ghino di Tacco den Weg in den Süden mit einem mulmigen Gefühl angetreten sind. Da er vorwiegend Wohlhabende ausraubte, während er arme Durchreisende verschonte, ist er als eine Art Robin Hood der Toskana in die Literatur eingegangen. 

Da wir keine großen Reichtümer, sondern lediglich ein paar Euros für den obligaten Espresso eingesteckt haben, macht uns der Raubritter weniger Sorgen, als der dazugehörige Anstieg hinauf nach Radicofani. Jedenfalls trägt auch diese Geschichte zum düsteren Reiz der Runde nicht unwesentlich bei.

Und so verlassen wir San Quirico in südlicher Richtung. Für knapp zwei Kilometer müssen wir auf die Via Cassia, um dann links auf die ruhige Landstraße SP53 abzubiegen. Einige Kilometer zum Scherzen und Aufwärmen bleiben noch, bevor der Hauptanstieg des Tages nach Radicofani beginnt. 

Allerdings folgen wir kurz vor Beginn des Anstieges bei einer Kreuzung nicht dem direkten Weg nach Radicofani, sondern biegen rechts ab. Über einige Serpentinen geht es relativ gemütlich hinauf nach Contignano. In dem verschlafenen Nest stoßen wir auf eine zehnköpfige Palmsonntags-Prozession, die sich von uns genauso überrascht zeigt wie wir von ihr. Wir grüßen uns gegenseitig respektvoll und jede Gruppe setzt ihren Weg fort, denn den Kirchgang lassen wir heute ausfallen.

Nach einer doch deutlich steileren Rampe kommt man auf eine schöne, sich am Hügelkamm dahinschlängelnde Straße, die uns zum Fuß des letzten Aufschwungs führt. Doch auch diese letzten fünf Kilometer des Anstiegs sind dank der schönen Blicke auf den nahen Monte Amiata zur rechten, beziehungsweise auf den spärlich besiedelten Kessel, in dem irgendwo die Orcia entspringt, zur linken recht kurzweilig und bald geschafft.

Radicofani sollte man nicht auf der komfortablen Umfahrungsstraße passieren, sondern sich die Zeit für einen Abstecher in die mittelalterliche Gassen nehmen. Neben der schönen mittelalterlichen Bausubstanz und der schönen romanischen Kirche aus dem 13. Jahrhunderts gibt es eine Statue des oben erwähnten Volkshelden mit Schild, Schwert und einem abgetrenntem Kopf zu bestaunen.

Wie bis hierher ist auch der weitere Verlauf der Runde quasi verkehrsfrei. Nach einer Abfahrt auf schön geschwungenen Kurven folgen einige Bergauf-Kehren zur ausgeschilderten Orcia-Quelle, von der wir allerdings, da wir uns den mühsamen Weg durchs Unterholz lieber sparen, nichts zu Gesicht bekommen.

Über Sarteano kommt man nach Chianciano Terme, wo man allerdings noch vor Beginn des Ortes links abbiegt. Ein giftiger 13%-Anstieg zum oberen Ortsende muss bezwungen werden und nach einer kurzen Zwischenabfahrt hinunter zu einem kleine Stausee geht es bergauf weiter, wenn auch deutlich flacher.

Beim idyllischen mittelalterlichen Landgut La Foce, wo ein Verkehrsschild schon verheissungsvoll 8%-Gefälle anzeigt, gönnen wir uns nicht den einfachen Weg hinunter ins Orciatal, sondern wir zweigen dem Wegweiser Richtung Montepulciano und Montichiello folgend rechts ab. Liebhaber der toskanischen Straßenkultur kommen dabei ganz auf ihre Rechnung, denn es folgt eine 3 Kilometer lange Strada biancha. Ein Abschnitt zum Genießen, wenn uns nicht ironischerweise ausgerechnet auf diesem Schotterabschnitt mehr Autos begegnen würden, als auf dem gesamten Rest der Runde.

Am Ende de Schotterstraße zweigt man links nach Montichiello ab. Nach einer wunderschönen von Zypressen gesäumten Abfahrt und einem kurzen aber giftigen Anstieg, erreicht man das wunderbare mittelalterliche Städtchen. Wenn das keine Kulisse für den ersehnten Espresso ist. Ein paar Paninis gibt es aufgrund der doch beginnenden Entkräftung dazu.

Ganz hat man es aber immer noch nicht geschafft. Ein letzter 200 Höhenmeter-Anstieg, allerdings belohnt mit einem weiteren Highlight, wartet noch: die sehr schöne Auffahrt nach Pienza. Und auch das als Idealstadt der Renaissance am Reißbrett entworfene Pienza sollte man sich keineswegs entgehen lassen. Statt auf der Umfahrungsstrasse wagen wir auf der Hauptstrasse des Ortes mutig den Slalom durch die Touristenströme, es zahlt sich aus.

Damit haben wir es dann aber doch so gut wie geschafft, denn die letzten Kilometer zurück nach San Quirico bereiten keine größeren Schwierigkeiten mehr.

Ein kühles Bier hat man sich nach dieser Tour auf jeden Fall verdient. Und ein Gläschen Vino nobile sowieso.

 

Großartige Runde am Fuße des Monte Amiata: Toskana pur!

Wie schon des öfteren in dieser Woche starten wir unsere Tour in San Quirico d’Orcia. Und wer glaubt, die Tourenmöglichkeiten sind damit erschöpft, den kann ich beruhigen. Das umfassende Straßennetz der Region ist auch mit dieser Runde nicht annähernd ausgefahren und wir könnten uns hier, sofern wir die Zeit hätten, schon noch einige Tage vergnügen.

Entweder auf direktem Weg oder über das nette Ortszentrum von San Quirico suchen wir uns die ehemalige und damit quasi verkehrsfreie „Ex Cassia“, der wir bis Torrenieri folgen. 

In Torrenieri biegen wir scharf links ab Richtung Montalcino, man kommt kurz darauf auf die Hauptstraße, der man gut einen Kilometer zurück Richtung San Quirico folgt, bevor man rechts auf die SP14 abbiegt. 

Montalcino immer schön im Blickfeld führt diese Straße durch die Brunello-Weinberge hinauf in den Ort. Angesichts des Panoramas und des schönen Straßenverlaufs nehmen wir das immer noch moderate aber im Vergleich zur restlichen Tour doch gesteigerte Verkehrsaufkommen gerne in Kauf. Die Stadtbesichtigung von Montalcino heben wir uns für einen Regentag auf und auch auf die Verkostung des kürzlich präsentierten 2012er Brunellos pfeifen wir, sondern bleiben beim unteren Stadttor auf der Hauptstraße, kommen kurz darauf zu einem Kreisverkehr und auf der steileren nach Süden (Grosseto) führenden Straße verlassen wir diesen weltberühmten Weinort auch schon wieder.

Die Straße steigt noch ein paar Kilometer sanft an, bevor wir den Passo del Lume Spento erreichen. Es folgt eine schöne zehn Kilometer lange Abfahrt hinunter ins Orcia-Tal, vorbei am schön gelegenen Sant’ Angelo in Colle. Während der Abfahrt eröffnen sich schöne Blicke auf den Monte Amiata und den weiteren Rundenverlauf auf der gegenüberliegenden Talseite am Fuss des Berges.

Am Talboden angelangt überqueren wir die Orcia, kommen kurz darauf zu einer Kreuzung, wo wir nicht Richtung Arcidosso und Castel del Piano fahren, die beiden Orte erreichen wir später über einen kleinen Umweg, sondern rechts abbiegen. Nach nur einigen hundert Metern verlassen wir die Hauptstraße schon wieder und zweigen links Richtung Cinigiano ab. Die völlig verkehrsfreie Straße steigt jetzt wieder sanft an und führt in einem weiten Bogen hinauf in das Städtchen Monticello, das man links am Hügelrücken erahnen kann. Obwohl es viel näher wirkt, sind es aber doch immerhin 500 Höhenmeter verteilt auf 15 Kilometer. Oben im Städtchen angekommen, tun wir uns etwas schwer, am heutigen Karfreitag eine offene Bar zu finden. Nach einigem Suchen und einer Extraschleife durch das am Hügel liegende Dorf, können wir aber doch noch unseren Espresso zur Tourhälfte genießen.

Nach der kurzen Stärkung geht es weiter in ständigem Auf und Ab nach Arcidosso, das schön eingebettet in die Laubwälder am Fuss des Monte Amiata liegt. In Arcidosso fahren wir fast eine ganze Runde im großen Kreisverkehr, um dann unterhalb der Stadt Richtung Montelaterone und weiter nach Castel del Piano zu fahren. In Castel del Piano suchen wir uns die Hauptstraße (SS323), die nur zwischen Arcidosso und Castel del Piano stärker befahren ist. Ab Castel del Piano ist sie, zumindest in unserem Fall, sehr verkehrsarm. 

Es folgt eine schöne Abfahrt zum malerisch gelegenen Seggiano, das wir links liegenlassen, und der nächste Anstieg erwartet uns schon wieder, diesmal durch schöne Olivenhaine. Nach einer weiteren Abfahrt und einem weiteren Anstieg erreichen wir schließlich Castiglione d’Orcia und Rocca d’Orcia. Die mächtige achteckige Burg von Rocca d’Orcia ist ähnlich wie die Festung von Radicofani ein überaus markantes Bauwerk, das man schon von Weitem sieht, ausser von der Richtung, von der wir uns heute nähern. Der ein oder andere Blick zurück während der nächsten Kilometer lohnt sich also allemal.

Ein paar wenige Abfahrtskilometer trennen uns noch vom Talboden des Orciatals und der Via Cassia, der wir bis knapp vor San Quirico folgen. Da offensichtlich die Runde nicht fordernd genug war, begnügt sich keiner von uns damit, den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Im Gegenteil die letzten 1 1/2 Kilometer hinauf nach San Quirico mit fast 10% Steigung entwickeln sich zu einem packenden Sprintfinale und jeder holt zum Abschluss der Woche noch einmal alles aus sich heraus. Ein Ende, wie es sich diese Runde verdient hat.